Beim „Tabellenschauen“ stolpert der fußballinteressierte, aber vielleicht etwas weniger Premier-League-affine Fußballfan zuletzt immer wieder über einen Namen: Den Leicester City Football Club. Da der... Man sagt „Lästa“: Das ist der Premier-League Spitzenreiter Leicester City

Premier League England_abseits.atBeim „Tabellenschauen“ stolpert der fußballinteressierte, aber vielleicht etwas weniger Premier-League-affine Fußballfan zuletzt immer wieder über einen Namen: Den Leicester City Football Club. Da der Verein bislang nur wenig internationale Bedeutung erfuhr, ist seine Bekanntheit dementsprechend auch noch mäßig bis bescheiden. Wir möchten heute einen kleinen Blick auf die „Foxes“ werfen, ein Portrait über die Mannschaft der Stunde in England zeichnen. Ehe wir uns dann in einem zweiten Bericht diese Woche dem Spiel des Sensations-Tabellenführers und deren Ausrichtung am Platz widmen möchten.

Die Stadt Leicester – der Mittelpunkt Englands

Die kleine Stadt Leicester liegt ein paar dutzend Meilen östlich von Birmingham, in den East Midlands bzw. direkt im geografischen Zentrum Englands. In einer der ältesten Stadt der Insel dominiert die Industrie. Kultur und Tourismus spielen in der 331.000 Einwohnerstadt am Fluß Soar dagegen nur eine Nebenrolle.

Circa 40 % der Bewohner sind Einwanderer, vorwiegend Inder. Damit ist die Stadt am Eingang des „National Forest“ das Modell für Toleranz und ethnische Vielfalt, dazu die einzige in England mit nicht weißer Bevölkerungsmehrheit.

Der Leicester Football Club

Gegründet wurde der Verein schon 1884 als Leicester Fosse, ehe man zum Leicester City Football Club umbenannt wurde. Der Spitzname „The Foxes“ geht wider Erwarten dann doch nicht auf den österreichischen Teamkapitän zurück, der ja dort im Sommer erfolgreich anheuerte. Grund hierfür ist das Wappen, das ein Fuchs ziert. 111 Jahre lang spielte man im Walkers Stadium, ehe es 2002 ins neu erbaute, 32.500 Zuschauer fassende Stadion ging, das seit 2013 den klingenden Namen „King Power Stadium“ trägt. In der Saison 1928/29 durfte man den einzigen Vizemeistertitel in der höchsten Liga bejubeln. Ansonsten hatte man im englischen Spitzenfußball wenig zu melden. Die sieben Meistertitel wurden in der zweithöchsten Liga eingefahren. Immerhin holte man den Liga-Cup dreimal (1964, 1997 und 2000) und stand viermal im FA Cup Finale (zuletzt 1969). 1971 wurde das FA Charity Shield gewonnen. Trotz der langen Geschichte hielt sich der Klub immer konstant in einer der beiden Top-Ligen: Nur einmal rutsche der Verein kurz in die Drittklassigkeit ab. Als klassische Fahrstuhlmannschaft durfte der Verein immerhin schon elfmal eine Aufstiegsparty schmeißen.

Im neuen Jahrtausend

Durch die beiden League-Cup Siege durfte man sich nach den Sechziger-Jahren auch zweimal wieder in jüngerer Vergangenheit international probieren. Jedoch ohne nennenswerten Ausgang – beide Male war in Runde eins schon wieder Schluss. 2002 stand der Klub dann kurz vor dem finanziellen Kollaps, ehe ein Konsortium um die Vereinsikone Gary Lineker den Verein übernahm.

Kontinuität war dafür in den letzten Jahren ein Fremdwort bei den Foxes. 14 Coaches versuchten sich seit dem Jahrtausendwechsel schon an der Seitenoutlinie. 2002 stieg man nach sechs Jahren aus der Premier League ab, ein Jahr später wieder auf und 2004 wieder in die zweite Liga ab. 2008 kam es noch schlimmer und man rutsche erstmals in die Drittklassigkeit ab. 2008/09 musste man in der Football League One verbringen, wo als Meister der sofortige Wiederaufstieg souverän glückte. Bis 2014 arbeitete man am Premier League Comeback, das dann endlich gelang.

In der ersten Saison stand man vor dem erneuten Abstieg, das Team von Nigel Pearson stand nach 29 Spieltage im Frühjahr noch am letzten Tabellenrang – nur 19 Punkte gesammelt und schon sieben weg vom rettenden Ufer. Mit sieben Siegen aus den letzten neuen Spielen katapultierte man sich dann sogar noch auf Rang 14 – der schier unmöglich geglaubte Klassenerhalt war damit gesichert.

Am 30. Juni wurde der „Erfolgscoach“ vor die Tür gesetzt. (Offizieller) Grund: Trainersprössling James war in eine rassistische „Sex-Tape“ Affäre mit zwei weiteren Leicester-Kickern in Thailand verwickelt. Der zuvor in Griechenland nur mäßig erfolgreiche Italiener Claudio Ranieri übernahm.

Eines der vielleicht spektakulärsten Spiele der Vereinsgeschichte lieferte man schon vorher in der Saison ab: Im September 2014 lag man daheim gegen Manchester United nach einer Stunde mit 1:3 zurück – nach einer furiosen Aufholjagd gewann man noch mit 5:3 gegen den Rekordmeister.

Die Fans und das Umfeld

Der Verein verfügt über eine relative große, aber vor allem sehr treue, lokale Fanbase. Selbst in der zweiten Liga waren die Foxes trotz zahlreicher bekannter Konkurrenten einer der Publikumsmagneten. Überregional oder gar international hegt der LCFC noch ein klassisches „Graue-Maus-Image“, tat sich naturgemäß schwer neue Anhänger zu mobilisieren. Macht die Ranieri-Truppe aber in dieser Tonart weiter, werden vielleicht auch außerhalb der Insel bald einige das blaue Fantrikot tragen. Der prominenteste Kicker der Vereinsgeschichte ist gleichzeitig auch der bekannteste Fan: Der bereits erwähnte Gary Lineker gab 1982 sein Debüt für Leicester.

In der Premier League bleiben im Stadion nur wenige Plätze frei. Mit einem konstanten Schnitt von knapp 32.000 ist die moderne Arena fast immer nahezu ausverkauft. Auch in der Championship lockte man schon über 20.000 Besucher im Schnitt in die Heimstätte. Das große Derby gegen Nottingham Forest gibt es jetzt aber vorerst nicht mehr, spielen doch die Lokalrivalen weiterhin in Liga zwei.

Seit 2010 ist der Klub auch finanziell wieder stabil aufgestellt, dafür aber fest in asiatischer Hand. Der Präsident kommt aus Thailand und heißt Vichai Srivaddhanaprabha. Der Eigentümer und gleichzeitig Trikotsponsor ist die „King Power Group“ mit Sitz in Bangkok.

Soviel zum Verein und dem Umfeld des Leicester City Football Club. Die sportliche Seite und die Suche nach den Gründen für den Erfolgsrun von Christian Fuchs und Co. folgen morgen auf abseits.at.

Werner Sonnleitner, abseits.at

Werner Sonnleitner

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