Ein Ausschluss bricht Liverpools Dominanz im Mittelfeld. Trotz klarer Vorteile in der ersten Halbzeit und eines Führungstreffers in Unterzahl verlor Liverpool im zweiten Durchgang... Manchester United siegt an der Anfield Road | Ausschluss bringt die „Red Devils“ ins Spiel zurück

Ein Ausschluss bricht Liverpools Dominanz im Mittelfeld. Trotz klarer Vorteile in der ersten Halbzeit und eines Führungstreffers in Unterzahl verlor Liverpool im zweiten Durchgang die Kontrolle über das Match, und musste schließlich nach einem emotionalen Aufeinandertreffen als Verlierer vom Platz.

 

Grundformationen und Spielanlagen

United begann das Spiel in einem 4-4-1-1, das häufig zu einem 4-4-2 wurde, da Shinji Kagawa nominell hinter Robin Van Persie spielte. Er sollte Verbindungen zu ihm herstellen und nebenbei noch Joe Allen beschäftigen, der maßgeblich für den Spielaufbau der Hausherren verantwortlich ist. De facto spielte Kagawa jedoch oft neben Van Persie. Als Innenverteidiger begann Jonny Evans statt Nemanja Vidic. Zuerst gab es Mutmaßungen, die alte Verletzung des Serben, welche ihn letzte Saison ein halbes Jahr außer Gefecht setze, mache wieder Probleme, was später aber dementiert wurde. Womöglich wollte Sir Alex Ferguson dem laufstarken und wendigen Luis Suarez einen beweglicheren Verteidiger entgegensetzen. Nani begann auf dem linken Flügel, Valencia rechts, während Carrick und Giggs das Zentrum abdeckten. Carrick hatte vor allem defensive Aufgaben, während Giggs sich eher nach vorne orientieren sollte. In der ersten Halbzeit sollte er aber kaum einmal dazu kommen.

Liverpool startete im 4-3-3, Raheem Sterling bekam es auf dem rechten Flügel mit Patrice Evra zu tun, der immer wieder ausgebuht wurde, Fabio Borini spielte links, Suarez im Zentrum. Im zentralen Mittelfeld lief das Trio Steven Gerrard-Joe Allen-Jonjo Shelvey auf. Letzterer kümmerte sich vor allem um offensive Belange, während die beiden anderen die Bälle verteilten und das Spiel der Hausherren lenkten. Glen Johnson begann diesmal als linker Außenverteidiger, während Martin Kelly rechts ran durfte.

Suarez bringt United in Schwierigkeiten

Dadurch, dass sich Kagawa häufig neben Van Persie positionierte und sich defensiv kaum einbrachte, hatte Liverpool mit dem schon angesprochenen Trio im Zentrum einen Mann mehr gegenüber Carrick und Giggs. Hinzu kam noch, dass Suarez sich häufig nach hinten fallen ließ und so noch mehr zum Ungemach von Uniteds Mittelfeld beitrug. Häufig sahen sich Carrick und Giggs in der Zone vor der Abwehr mit mehreren Gegenspielern konfrontiert, die den Ball entschlossen Richtung Tor führten, während vor allem Borini vom linken Flügel in den Strafraum wechselte und Suarez gefährliche Pässe aus der zweiten Reihe spielte oder mit dem Ball am Fuß auf die Abwehr zulief. Auch Johnson hatte durch seine hohe Stellung großen Anteil daran, dass dieses System funktionierte. Immer wieder entstanden so äußerst gefährliche Situationen vor dem Tor der Gäste.

Suarez lässt sich fallen und stellt Überzahl in der Zone vor der Abwehr her, Borini zieht mit vollem Tempo in den Strafraum, knapp hinter ihm Shelvey, dahinter Gerrard. Suarez‘ Pass kommt an, aber Borini nimmt den Ball schlecht mit – eine vergebene Chance.

Fergusons erste Reaktion schlägt fehl

Der Schotte musste schnell erkannt haben, dass Liverpools Druck im Zentrum nach mehreren brenzligen Situationen irgendwann zu einem Tor führen würde. Er reagierte, indem United etwas tiefer stand, Van Persie sich häufig auf die Flügel zurückzog, und Kagawa nun als vorderster Mann hinter der Mittellinie Passwege zustellen sollte. Dadurch konnte Liverpool nun aber beinahe ungestört das Spiel aufbauen, da United kaum mehr Pressing spielte. Joe Allen und die beiden Innenverteidiger Martin Skrtel und Daniel Agger erkannten die Räume gut und führten den Ball weit in die gegnerische Hälfte. Exemplarisch dafür war eine Szene Mitte der ersten Halbzeit, als Agger über halblinks vordrang und dabei von Van Persie bis an den eigenen Strafraum verfolgt wurde.

Führung in Unterzahl

In der 40. Minute wurde Shelvey nach einem harten Einsteigen gegen Evans ausgeschlossen. Trotz dieses Rückschlags dominierte Liverpool weiter das Geschehen, auch, weil United sich nun merklich nach einer missratenen Halbzeit erst mal in der Pause neu sortieren wollte. Ferguson brachte danach für Nani den Haudegen Paul Scholes, der für mehr Ballsicherheit im Zentrum sorgen sollte, während Giggs auf den linken Flügel ging. Auf der anderen Seite kam Suso für Borini. Der 18-jährige war schon im Spiel gegen Young Boys Bern durch seine Dribbelstärke aufgefallen. Mit seiner ersten Aktion ließ er 40 Sekunden nach Wiederanpfiff ausgerechnet Scholes links vom Strafraum aussteigen und brachte den Ball ins Zentrum, was nach einer weiteren Aktion von Johnson zum Tor von Gerrard führte.

United schafft den schnellen Ausgleich, Liverpool ändert Formation

Liverpool formierte nun ein 4-4-1 mit Suso auf dem linken Flügel und stand tief, während United das Spiel auf die Flügel trug. Der Youngster ist aber kein Defensivspezialist und reagierte schlecht, als Rafael über rechts mit dem Ball in den Strafraum sprintete und nach einer guten Ablage von Kagawa den Ausgleich erzielte. Kurz darauf kam Jordan Henderson für Sterling. Aus einem 4-4-1 wurde eine Art 4-3-1-1, da Allen, Gerrard, und Henderson sich im Wesentlichen zentral in einer Dreierreihe postierten, und Suso nun als Bindeglied zwischen ihnen und Suarez fungieren sollte, während die Außenverteidiger die jeweilige Seite mithilfe des nächsten Mittelfeldspielers abdecken sollten.

Das Spiel in Über- und Unterzahl

Mannschaften in Unterzahl ziehen sich normalerweise zurück und spielen kein Angriffspressing mehr. Es ist unüblich, in einer solchen Situation wie Liverpool die Flügel praktisch allein den Außenverteidigern zu überantworten, da Mannschaften mit einem Mann mehr normalerweise das Spiel in die Breite ziehen und auf gegnerische Fehler beim Verschieben hoffen. United stand auch klassisch: die Flügelspieler sehr hoch und breit, die Außenverteidiger rückten weit auf. Der Wechsel von Sterling auf Henderson ist nicht zu 100% nachvollziehbar.

Eventuell wollte Brendan Rodgers das Risiko von Susos schlechter Defensivarbeit nicht mehr eingehen und brachte deshalb Henderson, einen zentralen Mittelfeldspieler, für Sterling, der bis dahin am rechten Flügel immer wieder starke Auftritte hatte. Womöglich wollte er auch Uniteds Spielaufbau wieder stören, da Suso auf der 10 nun Suarez im Pressing unterstützen konnte, und dadurch einer Ermüdung durch das ständige Verschieben entgegenwirken. Beide Mannschaften waren in der zweiten Halbzeit ebenbürtig, ein Patzer von Agger bei der Ballannahme an der Mittellinie und ein guter Antritt von Valencia führten aber zu einem Elfmeter, den Van Persie zum Endstand von 1-2 verwandelte. Die restliche Spielzeit brachte United souverän über die Bühne.

Fazit

Liverpool kontrollierte das Spiel durch Überzahlsituationen im Mittelfeld und einrückende Flügelspieler. Erst der Ausschluss brachte United in der zweiten Halbzeit ins Spiel zurück. Es blieb trotz der roten Karte ein ausgeglichenes Spiel mit Chancen auf beiden Seiten. Am Ende steht Liverpool allerdings nach fünf Spieltagen mit mickrigen zwei Punkten auf dem 18. Tabellenplatz.

Florian Eliadakis, www.abseits.at,

Florian Eliadakis