„Judge me after three years“- Ein Zitat das Brendan Rodgers bei der Einstandspressekonferenz schmetterte und zuletzt immer häufiger von der frustrierten Liverpooler Fanszene wieder... Nichts mehr Rodger(s) beim FC Liverpool – kommt jetzt Klopp?

FC Liverpool - Wappen mit Farben_abseits.at„Judge me after three years“- Ein Zitat das Brendan Rodgers bei der Einstandspressekonferenz schmetterte und zuletzt immer häufiger von der frustrierten Liverpooler Fanszene wieder hervor geholt wurde. Nach drei Saisonen und einer Handvoll Spielen ist der Nordire an der Merseyside seit gestern Geschichte. Wir schauen uns die Gründe für den vorzeitigen Abschied an und werfen einen Blick auf den möglichen Nachfolger.

Gründe für den Abschied

In seiner knapp dreijährigen Regentschaft wurden nicht weniger als 31 neue Spieler um knapp 290 Millionen Pfund verpflichtet – die Ausbeute bzw. das Preis-Leistungsverhältnis war Großteils eher bescheiden. Vor allem in den letzten Wochen wirkte der angezählte Nordire als „Dead Man Walking“ – ein bereits resignierenden, kraftloser Mann an der Linie, der mit dem Kapitel innerlich wohl schon abgeschlossen haben dürfte. Bei Pressekonferenzen gab es zuletzt nur noch Durchhalteparolen zu hören. Die Leidenschaft in der Mannschaft fehlte zuletzt zusehends, mäßige Auftritte wurden zum Standard.

Vor allem der schon seit Monaten mangelnde Einsatz gegen unterklassigen Teams kombiniert mit uninspirierten Niederlagen gegen die besseren Teams war schließlich die fatale Mischung für seine Entlassung. Auswärts gab‘s unter Rodgers gegen die Top-4-Mannschaften plus Everton in 18 Spielen gar nur einen Sieg. Auch der Niedergang der ehemaligen Heimbastion Anfield beschleunigte sich zuletzt immer schneller. Dazu gab es wieder keine Trophäen und auch die ihm angekreidete Demontage von Klubikone Steven Gerrard wurde von den Fans nicht goutiert. Einige der Negativ-Highlights der letzten Zeit, die schlussendlich wohl den Ausschlag gaben: das 1-6 gegen Stoke zum Saisonschluss im Frühjahr, die lustlose 1-3 Pleite gegen den ewigen Rivalen aus Manchester vor wenigen Wochen oder das 0-3 zu Hause gegen West Ham. Aber vor allem das Champions-League- Spiel letzten Herbst im Bernabéu, in dem er eine B-Elf aufs Feld schickte, war Hochverrat an der ehemals so stolzen roten Fangemeinde.

Dieser Absatz spiegelt die Gründe für den Abschied wieder, doch bei weitem war nicht alles negativ. 2013/14 spielte die Offensive rund um Luis Suarez den wohl spektakulärsten Fußball der Saison, der erste Meistertitel seit 1990 war zum Greifen nahe. Dazu wurde der Kader verjüngt und zahlreiche Talente an die Anfield Road gelotst. Doch der Nordire schaffte es nie eine Premier-League-taugliche Defensive zu installieren, was nach dem Abgang der Tormaschine Suarez und den häufigen Verletzungspausen von Daniel Sturridge schlussendlich fatal war.

#KloppForTheKop – Liverpool jagt Jürgen Klopp

Glaubt man den Gerüchten der Yellow Press, gibt es (nur) einen großen Wunschkandidaten für den begehrten Job: Jürgen Klopp. Sein Berater Marc Kosicke soll bereits in den letzten Tagen mehrmals in der Beatles-Stadt gesichtet worden sein. Britische Buchmacher, bei denen der Deutsche als Topfavorit für das Traineramt gehandelt wird, nahmen gestern kurzzeitig keine Pro-Klopp Wetten mehr an. Dazu ist der Ex-Dortmund-Erfolgscouch auch der Fan-Favorit Nummer Eins.

Der impulsive Coach könnte wohl wie kaum ein anderer die depressive Fanszene neu beleben. Dazu braucht man nach den Parallelen zwischen den Städten Dortmund und Liverpool, sowie deren Vereine nicht lange zu suchen. Da die Südtribüne, dort der Kop! Die Anfield Road und Jürgen Klopp – eine Beziehung die passen könnte.

Der dahinsiechende Traditionsklub aus Liverpool ist auf der Suche nach der neuen, alten Identität, vergleichbar mit dem BVB bei seinem Amtsantritt 2008. Jemanden der den so oft beschworenen Shankley-Spirit, den Liverpool-Way wiederbelebt. Dazu verfügt der Kader bei weitem nicht über solch schlechte Spieler, wie es die gezeigten Leistungen zuletzt vermuten ließen. Mit dem richtigen Dirigenten, könnte die bis dato frustrierende Saison doch noch gerettet werden. Dazu würde es dem Ego des Deutschen entsprechen, sich mit Wenger, Mourinho, van Gall und Co. in der Coachingzone zu messen und sich mit der bissigen, englischen Presse zu duellieren. Weiters verfügen die Reds auch über die nötigen finanziellen Mittel um die Wünsche des Trainers zu erfüllen.

Die Argumente gegen die Verpflichtung

Das Hauptproblem ist das System in der Liverpooler Führungsetage. Ein Organigramm mit verschachtelten Dienstwegen, die bei Transfers eingebunden sind und den Coach einschränken, wird von Klopp nur schwer akzeptierbar sein. Mehr Macht in der Hand (s)einer Person – das macht einerseits den stolzen Engländer skeptisch und stößt bei den straff organisierten amerikanische Konzernen (FSG) generell auf wenig Gegenliebe. Dazu wird es für Klopp noch genug andere Angebote hageln. Immer wenn ein prominenter Trainerposten frei wird, wird der Name des 48 Jährigen Deutschen in den Raum geworfen. Ob er sich selber wieder vom Markt nimmt und das einjährige Sabbatjahr vorzeitig beendet? Dazu steht er in Liverpool von Beginn an unter Druck, die nötige Zeit um das Team nach seinen Vorstellungen zu gestalten wird er wohl kaum bekommen. Das Risiko ist hoch, sich viel von der in Mainz und Dortmund erarbeiteten Reputation zu zerstören, schließlich lechzt man an der Merseyside nach Wunderdingen.

Weitere Konkurrenten um den Job

Neben dem Deutschen gilt vor allem der zweifacher Champions-League-Sieger Carlo Ancelotti als Favorit auf den heißen Stuhl an der Anfield Road. Für den Italiener spricht, dass er große Namen anlocken und diese auch trainieren kann. Dazu steht sein Name für Erfolg, nicht zuletzt dank dem Gewinn von „La Decima“ mit Real Madrid 2014. Seit Sommer ist der 56-jährige Trainerfuchs vereinslos und wäre sofort zu haben.

Neben den beiden Favoriten geistert auch ein holländischer Name durch die windige, englische Industriestadt: Frank de Boer. Der Niederländer bekundete schon Interesse, dazu bewiesen seine Landsmänner bereits Premier-League-Kompetenz (aktuell Koeman und Van Gaal). Doch gilt der junge Ajax-Coach noch nicht als „fertiger Trainer“ und ihm werden taktische Defizite vorgeworfen. Da er bislang vermehrt junge Talente formte, statt mit gestandenen Fußballprofis zu arbeiten, fürchtet man sich am Kop vor einem Brendan Rodgers 2.0.

Als Außenseiter führen die Buchmacher noch Unai Emery (Spanien – FC Sevilla), Marcelo Bielsa (Argentinien – vereinslos), Gary Monk (England – Swansea), Ronald Koeman (Holland – Southampton) und auch Steven Gerrard (Spieler bei LA Galaxy) scheint zumindest der Vollständigkeit halber in die Liste der Wettanbieter auf.

Die Entscheidung wer’s wird, wird schon in den nächsten Tagen, wenn nicht sogar Stunden erwartet. Englische Medien berichten teilweise schon von einem „Done Deal“ mit Klopp. Aufgrund der Länderspielpause würde aber etwas Zeit bleiben, um eine bedachte Entscheidung zu treffen. Dazu sind die meisten Kaderspieler ohnehin momentan bei den Nationalteams und nicht am Liverpooler Trainingsgelände. Es bleibt auf jeden Fall spannend rund um den FC Liverpool.

Werner Sonnleitner, www.abseits.at

Werner Sonnleitner