Der Fußball und dessen Bewerbe sind oft wie das Leben: Nicht fair! In England wird am Samstag der dritte und letzte Premier League Starter... Play-Off-Finale im Wembley: Steigt Sheffield oder Hull in die Premier League auf?

_England Premier LeagueDer Fußball und dessen Bewerbe sind oft wie das Leben: Nicht fair! In England wird am Samstag der dritte und letzte Premier League Starter für die kommende Saison ermittelt. Jener Platz der rein sportlich über die laufende Championship-Saison punkte- und tabellenmäßig den Überfliegern aus Brighton and Hove Albion zugestanden wäre. Doch auch beim Aufstiegsrennen hat der Engländer – wie so oft – seine eigenen, ganz besonderen Gewohnheiten. Das Quartett zwischen Platz drei und sechs aus der zweiten Liga – der Championship – spielt sich den dritten Aufstiegsplatz in Turnierform aus. Am Samstag steigt das Finale, im wohl (fast) ausverkauften Wembley!

Der Fußballgott ist scheinbar keine „Möwe“

Aber noch einmal zurück zum Einleitungssatz. Weil wenn alles fair wäre, würden nicht Sheffield Wednesday und Hull City am Samstag um die Rückkehr auf die große und lukrative englische Fußballbühne rittern. Dann würden auch nicht die Fans der „Eulen“ (Sheffield) und der „Tigers“ (Hull) das Wembley füllen, sondern die Brightoner „Möwen“ von der Südküste! 6 bzw. 15 Punkte betrug in der Endtabelle der Vorsprung von Brighton and Hove Albion auf die beiden Play-Off-Finalteilnehmer einerseits. Andererseits fehlten genau zwei mickrige Tore auf den zweiten Aufstiegsplatz. Die Redensart vom fehlenden Glück, dass dann auch noch vom Pech ergänzt wird, würde sich da ganz gut anbieten. Denn nach 46 Spieltagen stand man mit Middlesbrough punktegleich da, Boro hatte aber das minimal bessere Torverhältnis. Es war also „arschknapp“ und statt dem Trostpreis Relegation, steht der langzeitige Tabellenführer nun mit leeren Händen da. Sofern man sich vom mentalen Knockout in der Sommerpause erholt, muss man ob der finanziellen Reserven auch nicht sonderlich besorgt um das Sensationsteams der heurigen Saison sein, die Elf von Chris Hughton kann auch im nächsten Jahr eine tragende Rolle in der Championship spielen. Doch auch da werden die begehrten Plätze wieder begrenzt sein.

Die Play-Off Halbfinalis

In der ersten Play-Off-Runde, das in einem Hin- und Rückspiel vergangene Woche ausgetragen wurde, musste der Vierte Hull City gegen den Fünften Derby County unnötig zittern. Nach dem klaren 3:0 Heimsieg der Tigers (Derby ohne Weimann), stand es im Rückspiel nach einer guten halben Stunde plötzlich 2:0 für Derby (mit Weimann bis zur 60. Minute). Was dann aber auch der Endstand war, weshalb sich der Favorit durchsetzte.

Im zweiten Duell riss dann der Sechste Sheffield Wednesday Brighton aus sämtlichen Aufstiegs-Träumen. Eine 0:2-Auswärtsniederlage konnte man daheim nicht mehr aufholen, es reichte nur zu einem 1:1. Somit ziehen zwei ehemalige Premier League erprobte Klubs mit einer großen Fangefolgschaft am Samstag Richtung London, um dort das Aufstiegsendspiel im Wembley zu bestreiten. Für Sheffield wäre es die Rückkehr ins Oberhaus seit dem Abstieg im Jahr 2000, Hull stieg im Vorjahr ab. In den beiden bisherigen Saisonduellen gab es nie einen Sieger. Doch ein solcher wird dieses Mal auf jeden Fall, spätestens in der Verlängerung oder dann vom Elfmeterpunkt, ermittelt.

Die beiden Premier-League-Kandidaten im direkten In-Fight

Beim Absteiger aus Hull kam man die ganze Saison kaum zur Ruhe, ständig stand der Dauer-Angezählte Steve Bruce im Kreuzfeuer der Kritik (vergleichbar mit der Situation bei Manchester United und Louis Van Gaal). Der direkte Wiederaufstieg wurde ob des hochkarätigen Kaders und des finanziellen Polsters aus Premier-League-Zeiten vom Umfeld gefordert. Dazu steht mit Assem Allam ein unberechenbarer Präsident aus Ägypten im Hintergrund, der sich bei der Fans mit der Umbenennung zu den Tigers schon unbeliebt machte und auch keiner ist, der Ruhe in den Verein bringen kann. Als Vierter verpasste man das Ziel „Direkt-Aufstieg“ dann doch klar, doch nun stehen die Orange-Schwarzen trotzdem nur mehr 90 und vielleicht ein paar mehr Minuten vor der Rückkehr in die erste Liga. Leistungsschwankungen und immer mal wieder ein Umfaller gegen Nachzügler prägten die abgelaufene Saison. Über die gesamte Spielzeit hinweg war man einfach zu inkonstant, um sich ganz vorne festzukrallen. Auch wenn man den ganzen Februar sogar die Tabelle anführte, der Relegationsplatz war schlussendlich verdient. Damit es mit dem Premier-League-Comeback klappt, soll es vor allem der uruguayischen Stürmer Abel Hernandez richten, der schon 22-mal ins Schwarze traf. Dazu verfügt man grundsätzlich über eine sattelfeste Abwehr, andererseits fühlt man sich außerhalb von Hull bei Spielen nicht wirklich wohl, nur 9 von 24 Spielen in der Fremde wurden heuer gewonnen.

Mit Sheffield Wednesday im Play-Off konnte man zwar rechnen, ein gelungener Aufstieg wäre dann aber doch eine kleine Überraschung. So geht man in der Lieblingsrolle in die Partie: als Außenseiter. Als gefährlicher! Denn vor allem für Teams aus der Tabellenspitze war man heuer meist ein ganz unangenehmer Brocken. Nach einem durchwachsenen Saisonstart, nahm erst mit fortschreitender Saisondauer der begehrte Top-6-Platz Gestalt an, der schlussendlich souverän ins Ziel gebracht wurde. In der Elf von Carlos Carvalhal spielt auch der Österreicher Atdhe Nuhiu eine Rolle, wenn auch meist nur jene des Jokers. Dreimal traf der Angreifer in dieser Spielzeit, gegen Brighton kam er jeweils in der Schlussphase zum Einsatz. Für die Tore ist ein anderes Duo verantwortlich: Fernando Forestieri (15 / Italo-Argentinier) und Gary Hooper (13 / Engländer).

Das Spiel steigt am Samstag um 18 Uhr im Wembley Stadion. Ein ausverkauftes Haus ist dabei nicht ausgeschlossen! Zuletzt pilgerten immer knapp an die 90.000 nach London. Am Papier ist Hull der große Favorit: Die bessere Tabellenposition, der teurere Kader, mehr Teamspieler und vor allem Premier-League-Erfahrung. Doch in 90 Minuten kann viel passieren und wir wissen ja ohnehin bereits, das Leben ist nicht immer fair. Schon gar nicht in der Relegation!

Werner Sonnleitner, abseits.at

Werner Sonnleitner