Da Christian Fuchs in den Zukunftsplanungen auf Schalke keine Rolle mehr spielen sollte, unterschrieb der 29-jährige Niederösterreicher diesen Sommer kurzerhand einen Vertrag bei Leicester... Premier-League-Start: Christian Fuchs bei den „Foxes“

Christian Fuchs 2_abseits.atDa Christian Fuchs in den Zukunftsplanungen auf Schalke keine Rolle mehr spielen sollte, unterschrieb der 29-jährige Niederösterreicher diesen Sommer kurzerhand einen Vertrag bei Leicester City. Somit wechselte der rot-weiß-rote Team-Kapitän ablösefrei von Gelsenkirchen für drei Jahre in die englischen East Midlands. Für Fuchs erfüllte sich somit mit dem Wechsel in die Premier League im Spätsommer seiner Karriere noch ein Kindheitstraum. Der offensiv ausgerichtete Linksverteidiger wird zudem auch weiterhin im gewohnten blauen Trikot auflaufen, jetzt aber (voraussichtlich) mit der Rückennummer 28 und standesgemäß mit einem Fuchs auf der Brust. Seine neue Heimstätte versprüht namenstechnisch schon die pure Urgewalt, heißt sie doch „King Power Stadium“. 32.500 Leute passen in die moderne Fußballarena, die zuletzt immer gut besucht war. Da der Klub spitznamenstechnisch nach seinem Tier im Vereinslogo gerufen wird, wurde Fuchs im Sommer ein „Fox“.

Eine holprige Pre-Season

Rasch Nägel mit Köpfen wurden bei der Wohnungswahl gemacht. In unmittelbarer Stadionnähe hat sich Fuchs gleich das passende Umfeld geschaffen, um sich schnellstmöglich an das Leben auf der Insel zu akklimatisieren. Am Feld läuft es dagegen noch nicht nach Wunsch. Bei den fünf Testspielen stand er nur zweimal in der Startelf (dabei spielte er lediglich einmal durch), weitere zweimal wurde er immerhin eingewechselt. Bei den letzten beiden Proben für den Auftakt gegen Sunderland kam er insgesamt jedoch nur auf 18 Minuten Einsatzzeit.

Beim Trainingslager in Bad Radkersburg konnte der Linksverteidiger erstmals seine neuen Arbeitskollegen näher kennenlernen und sich seinem neuen Chef präsentieren. Mit dem Namen Claudio Ranieri – dem neuen Headcoach – kommt ein Hauch der großen Fußballwelt in die 330.000 Seelenstadt am Ufer der Soar.

Bei den fünf Testspielen gab es für die „Foxes“ vier Siege gegen Lincoln, Burton, Rotherham und Birmingham, dazu ein Remis gegen Mansfield.

Abstiegskampf pur – auch im gefürchteten zweiten Jahr

Nach zehn Jahren Abstinenz, konnte sich der Klub aus dem Herzen Englands in der Vorsaison als Aufsteiger den Klassenerhalt irgendwie skurril, aber schlussendlich doch souverän sichern. Denn vom 13. bis zum 32. Spieltag hing die rote Laterne in Leicester fest verankert. Erst dann startete man richtig durch. Machte in den letzten sechs Partien ebenso viele Plätze in der Tabelle gut und landete so noch auf Rang 14. Heuer geht’s ins gefährliche zweite Jahr, auf so einen Zielspurt sollte man nicht unbedingt noch einmal verlassen.

Dazu könnte der Saisonstart durchaus unangenehmer sein. Los geht’s am Samstag daheim gegen Sunderland. Dann auswärts bei West Ham, ehe mit Tottenham das einzige Spitzenteam in der Anfangsphase zu Gast sein wird. Danach sollte gegen Bournemouth, Aston Villa und Stoke schon angeschrieben werden, um nicht gleich schon wieder im direkten Abstiegskampf verwickelt zu sein. Ein Polster täte ohnehin gut, weil zwischen Ende November und Jahreswechsel könnte es in Leicester nicht nur klimatechnisch ungemütlich werden. Den Fans stellt sich da die geballte Elite der Premier League vor, die dann unter anderem ein Christian Fuchs in Zaum halten soll. Da stehen dann die Duelle gegen die beiden Manchester Spitzenklubs an, zwei ungemütliche Auswärtsfahrten nach Liverpool zu den Reds und zum Everton FC. Weiters runden ein Duell mit Meister Chelsea und zwischendurch ein Auswärtsspiel in Wales bei Swansea den stressige Jahresausklang 2015 ab.

Der Rückhalt zwischen den Pfosten von Fuchs und Co trägt einen großen Namen: Kasper Schmeichel, Sohn der dänischen Torwart-Legende Peter. Erfahrung ist generell so ein Zauberwort bei den Foxes. Der Kader ist mit 28 Jahren im Schnitt die zweit-routinierteste Truppe der Premier League. Am Transfermarkt verhielt man sich bislang ungewohnt ruhig. Neben Fuchs wurden nur Shinji Okazaki für 11 Millionen von Mainz und der Deutsche Robert Huth um 4 Millionen von Stoke engagiert. Von 14 Profis trennte man sich – alle ablösefrei. Wobei es sich großteils um Ergänzungsspieler oder bereits verliehene, ehemalige Nachwuchshoffnungen handelte. Prominentester Abgang ist dabei der Argentinier Esteban Cambiasso – der Einjahresvertrag mit dem ehemaligen argentinischen Teamspieler wurde nicht verlängert. Somit weisen die Sommeraktivitäten ein für englische Verhältnisse fast schon knausrig-peinliches Minus von „nur“ 15 Millionen Euro auf.

Kann sich Christian Fuchs durchsetzen?

Seine Karriere und sein Marktwert zeigten lange Zeit unentwegt in eine Richtung: Steil nach oben. Vom Nachwuchs in Pitten aus dem Unterhaus in die niederösterreichische Landesliga zum 1. SC Wiener Neustadt. Von dort wiederum ins benachbarte Burgenland beziehungsweise in die Bundesliga zu Mattersburg. Dort etablierte er sich zunächst, wurde rasch zum Leistungsträger und spielte sich in die Nationalmannschaft. Der nächste Schritt führte ihn ins Ausland, nämlich in die Bundesliga zum VfL Bochum. Von dort ging die Reise über Mainz weiter nach Schalke bis in die Champions League. So reichte es zu 14 Toren und 46 Assists im „Weltmeister-Land“. Dazu hat er mit 183 Bundesliga-Spielen, 16 Champions-League-Einsätzen und 67 Länderspielen die nötige Erfahrung gesammelt. Der nächste Karriereschritt ist nun England, das Mutterland des Fußballs.

Und sind wir uns ehrlich, welcher Trainer kann es sich schon erlauben, langfristig auf den Kapitän der neuen Fußballgroßmacht Österreich zu verzichten? Nein, im ernst: Auch auf Schalke wackelte der Stammplatz immer mal wieder, schlussendlich ließ sich der Flügelflitzer aber nie unterkriegen und kam immer wieder zu seinen Einsätzen. Nicht selten wurde dem fleißigen Arbeiter von den Experten nicht zugetraut, sich bei seinem neuen Klub durchzusetzen.

Mit einem Stammplatz wird es auch dieses Mal – zumindest vorerst – schwierig werden. Seit der erfolgreichen Umstellung auf eine Dreierkette wird die linke Seite defensiv von Kapitän Wes Morgan und offensiv vom aufstrebenden Youngster Jeffrey Schlupp besetzt. Dazu wartet mit dem Ex-Liverpooler Paul Konchesky noch ein weiterer, klassischer Linksverteidiger auf seine Einsätze. An den beiden Erstgenannten wird es vorläufig schwer werden vorbeizukommen. Doch der Niederösterreicher wird auch auf der Insel seine Chancen bekommen, die heißt es dann zu nützen und sich mit den berüchtigten Flankenläufen die Gunst der Fans, aber noch wichtiger des Trainers Ranieri zu erobern. So wie damals in Mattersburg, oder in Bochum, oder in Mainz, oder eben auf Schalke.

Werner Sonnleitner, www.abseits.at

Werner Sonnleitner