Wie schon in der vergangenen Sommertransferperioden gehen wir in dieser Rubrik auf einzelne fixe Transfers zumeist größerer Vereine ein, indem die Hintergründe und Motive... Transfers erklärt: Darum wechselten Petr Cech und Marko Vejinovic ihre Klubs!

Petr Cech_abseits.atWie schon in der vergangenen Sommertransferperioden gehen wir in dieser Rubrik auf einzelne fixe Transfers zumeist größerer Vereine ein, indem die Hintergründe und Motive beleuchtet werden. Wieso holt eine Mannschaft diesen Spieler? Wer ist dieser Spieler überhaupt? Was erwartet sich sein neuer Verein von ihm? Kann er die Erwartungen in seinem neuen Verein erfüllen?

Diese Fragen sollen beantwortet werden. Auch die taktische Perspektive soll nicht zu kurz kommen, immerhin ermöglicht ein neuer Spieler oftmals eine Vielzahl neuer Kombinationen und Synergien, die ebenfalls erläutert werden sollen.

Dieses Mal geht es um zwei für die jeweiligen Mannschaften enorm hilfreiche, interessante Transfers. Cech und Vejinovic sollen zwei Titelaspiranten mit klarem Rückstand auf die Tabellenspitze als Schlüsselspieler dabei helfen, diesen Rückstand zu schließen.

Vejinovic: Zauberfuß und Alleskönner

Marko Vejinovic dürfte international noch nicht allzu bekannt sein. Das wird sich in den nächsten Jahren jedoch ändern. Vejinovic ist einer der „modernen defensiven Mittelfeldspieler“, wie sie – wenn auch klischeehaft – in vielen Medien genannt und von zahlreihen Trainern gefordert werden. Der Niederländer mit bosnisch-serbischen Wurzeln begann seine Karriere als tiefer Spielmacher auf der Sechs, doch im Laufe der letzten Jahre – insbesondere unter Peter Bosz bei Vitesse – agierte er in zahlreichen Rollen im zentralen Mittelfeld.

Das funktioniert auch, weil Bosz für Ballbesitz-, Kurzpass- und Positionsspiel steht. Vitesse könnte rein taktisch vielleicht nicht die stärkste, aber durchaus die interessanteste Mannschaft in den Niederlanden sein. Die Spieler sind Pass- und Pressingmaschinen, deren Spiele überaus sehenswert sind. Vejinovic ist einer davon und womöglich sogar der beste in einem durchaus sehr talentierten Kader (Qazaishvili, Wallace, Traore, Dikz, McEachran). Nicht umsonst beendete Vitesse die Saison mit der drittbesten Tordifferenz der Liga auf Platz 5 und mit kleinem Rückstand auf Platz 3 (Alkmaar) und 4 (Feyenoord).

Je nach Situation und Gegner kann Vejinovic als Zehner, Achter oder Sechser agieren. Er ist im Stande das Spiel von hinten aufzubauen, wobei er hier öfters in Dribblings geht, aggressiv nach vorne aufrückt oder sich auch in höheren Zonen im Kombinationsspiel beteiligt. Vielfach ist er fokussiert darauf, dass er den Rhythmus des Spiels verändert, erhöht und den torbringenden Angriff einleitet.

Dazu ist er defensiv äußert bissig und agil, kann Räume gut versperren und Bälle effektiv erobern. Langfristig dürfte er jedoch als Achter und Verbindungsgeber von Mittelfeld zu Sturm am besten eingesetzt sein. Dann könnte es sogar für einen 1b-Verein in einer der europäischen Topligen reichen; bei Atlético oder Juve wäre er vielleicht sogar jetzt schon gut aufgehoben.

Nun wechselt der 25jährige Vejinovic jedoch erst zu Feyenoord. Er soll wohl den Unterschied zwischen Platz 4 und Platz 3 oder gar Platz 2 ausmachen. Feyenoord brach nämlich zu Saisonende mit nur 2 Punkten aus den letzten 5 Spielen ein und benötigt neben einer besseren Trainingsperiodisierung auch mehr Qualität im Kader. Nach Jordi Clasies Abgang wird Vejinovic die Rolle als Spielmacher übernehmen.

Petr Cech zum Stadtrivalen

In der Ära der Kadertiefe und Superklubs ist es wohl nicht allzu überraschend, dass Chelseas Ersatztorwart als einer der besten Torhüter der Welt gilt. Wohl primär aufgrund seines Alters musste Cech in dieser Saison seinem jüngeren Konkurrenten Thibaut Courtois den Platz im Tor der Blues überlassen. Annährend zehn Jahre war Cech Stammtorwart bei Chelsea. Seine Verpflichtung war mit dem Namen José Mourinho verbunden, der Cech von Stade Rennes im Jahr 2004 für 13 Millionen Euro holte. Mourinho ist auch verantwortlich für den Bankplatz und damit verbundenen Abgang Cechs.

Doch verübeln wird es ihm der tschechische Nationaltorhüter nicht. Dafür ist Cech zu sehr Musterprofi, Mourinho zu feinfühlig im Umgang mit solchen Spielertypen und Cech vermutlich auch zu respektvoll gegenüber seiner Zeit bei Chelsea. Cech war nämlich seit jeher Publikumsliebling an der Stamford Bridge und feierte zahlreiche Erfolge.

Viermal wurde Cech Meister, zwei Mal landete er im CL-Finale (1 Sieg), er gewann die Europa League und zahlreiche weitere Pokale (insgesamt neun). Dazu wurde er einmal Welttorhüter, vier Mal Torhüter des Jahres bei der UEFA, sieben Mal Fußballer des Jahres in seinem Heimatland und stellte drei Rekorde in der Premier League auf (1025 Minuten ohne Gegentor, 25 Spiele ohne Gegentor in einer Saison, nur 15 Gegentore in einer Saison).

Kurzum: Cech ist eine Chelsea-Ikone, die wegen der Zukunft nicht mehr Einsätze erhielt, obwohl er weiterhin Weltklasse ist. Insofern ist Cechs Verpflichtung durch Arsenal trotz der keineswegs geringen Ablöse und des sicherlich fürstlichen Gehalts kein Fehler. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass Arsenal trotz der Probleme auf der Torhüterposition in den letzten Jahren keineswegs schlecht aufgestellt war.

Ospina ist ein hervorragender Torhüter und Szczesny ein sehr starker Ersatzmann. Jedoch stellte Wenger weite Teile der Saison verkehrt herum auf, während Ospina sich nicht an die EPL gewöhnen konnte. Nun ist natürlich die Frage, wen genau Cech verdrängen wird. Wird er Ospina zur besten Nummer 2 der Liga (mit Victor Valdes) machen – was Cech in der vergangenen Saison vor Valdes und Ospina war? Oder wird Szczesny bleiben und Ospina Arsenal nach nur einer Saison wieder verlassen?

Es scheint nämlich unwahrscheinlich, dass es einen Kampf um den Stammplatz geben wird. Dafür ist Cech nicht nur zu teuer, sondern schlichtweg zu gut. Seine hervorragenden Fähigkeiten auf der Linie, beim Abfangen von (tornahen) Flanken und sein Stellungsspiel gehören zu den allerbesten seiner Zunft. Beim Abwehren von Distanzschüssen könnte Cech womöglich sogar der beste Torhüter der Welt sein.

Cech könnte darum nach all diesen Jahren ohne klaren Weltklassetorwart sowie mit seiner Erfahrung und Vorbildwirkung durchaus den Unterschied zwischen Platz 3 bis 4 oder einer bis zum Saisonende aufrechterhaltenen Titelchallenge ausmachen…

Rene Maric