Am Samstag um 18:30 Uhr treffen im Emirates Stadium zwei namentliche Schwergewichte der Premier League aufeinander: Die Gunners versuchen zuhause gegen die Red Devils... Vorschau | Arsenal gegen Manchester United – Duell großer Namen und einiger Probleme

Louis van Gaal - Manchester UnitedAm Samstag um 18:30 Uhr treffen im Emirates Stadium zwei namentliche Schwergewichte der Premier League aufeinander: Die Gunners versuchen zuhause gegen die Red Devils endlich in die Spur zu finden. Genauso wie ihr Gegner. Denn beide Mannschaften sind noch nicht so recht in die Positionen gekommen, die sie für sich selbst eigentlich in Anspruch nehmen. Arsenal steht auf Platz sechs nach einer Niederlage gegen Swansea City nicht gerade an erster Stelle auf der Liste der Verfolger des Tabellenführers Chelsea, Manchester befindet sich mit dem siebten Platz genau da, wo sie die letzte Schreckenssaison unter Moyes beendete. Am letzten Spieltag konnte Kellerklub Crystal Palace durch ein Tor von Juan Mata immerhin mit 1:0 geschlagen werden.

Der Gast befindet sich dabei unter Louis van Gaal in einer Art Erneuerungs- wie Aufbauphase, immer wieder betont der Niederländer bei jeder Gelegenheit, dass es Zeit brauche, bis große Mannschaften zu sich finden.

Formative Testläufe

Und tatsächlich befinden sich die Rot-Schwarzen noch in einer Phase des Experimentierens. In der Vorbereitung wurde von Van Gaal vor allem an eher Grundzügen seiner Spielidee gearbeitet, wirklich klare Rollenzuteilungen wurden vermieden und vieles vom eher lotteriehaften Verhalten auf dem Transfermarkt abhängig gemacht. Als dieser dann ein Ende gefunden hatte und durchaus tolle Verpflichtungen zu integrieren waren, begann man langsam, Rollenverteilungen und Systematiken zu entwickeln. So wurde in der Vorbereitung immer wieder eine Dreierkette aufgeboten, die nun letzten Endes in eine Viererkette umgewandelt wurde. Zumeist als charakteristisch erwies sich, wie zu erwarten, dass versucht wurde, das Spiel aktiv zu gestalten. Zumeist setzte der Holländer dabei wie fast immer auf einen alleinigen Sechser, der sich immer wieder fallen lässt und das Spiel ankurbelt.

Die Neuzugänge, Daley Blinds Ausfall

Diese Rolle übernahm seit seiner Verpflichtung der Niederländer Daley Blind. Zeigte er schon bei der Weltmeisterschaft gute Leistungen, so steigerte er sich als Herzstück der Roten nochmals. Der Ajax-Schüler präsentierte sich stark im Lesen des Spiels, wusste immer, wann man auf die Bremse zu treten hatte. Auch gegen den Ball agierte er clever. Als besondere Highlights streute er vereinzelt tolle Vertikalpässe und Spielverlagerungen ein, die dem Team sichtlich gut taten. Doch nun hat er sich am Knie verletzt und fällt vorerst zehn Tage aus. Für das Spiel im Emirates Stadium wird der wichtige Stratege nicht zur Verfügung stehen, andere müssen seine wichtige Rolle übernehmen. Vielleicht ja Ander Herrera: Der spanische Jungspund wurde von van Gaal zum Saisonstart sehr regelmäßig eingesetzt und ist sehr intelligent in seinen Bewegungen nach vorn, hat dabei eine tolle Übersicht für ihn umgebende Räume. Nur die tiefliegende Spielmacherrolle scheint ihm noch nicht ganz zu liegen. Er präsentiert sich noch nicht entsprechend erfahren und gut in der Absicherung, um eine solch wichtige Rolle zu übernehmen. Routinier Darren Fletcher füllte die Rolle an seiner Seite in den Vorbereitungsspielen aus, er oder Michael Carrick scheinen eher die Rolle des Ersatzes einzunehmen. Hinter den Neuen Rojo und Shaw stehen Fragezeichen, Falcao wird verletzt sicher fehlen.

Arsenals Lazarett

Probleme, die die Gastgeber nur allzu gut kennen. Auch die Länderspielpause konnte nicht verhindern, dass Wengers aktueller Kader mehr wie ein Schweizer Käse als ein Flaggschiff daherkommt. Schwerster Ausfall ist ohne Zweifel der des intelligenten Regisseurs Mesut Özil, auch der des athletischen Abwehrmannes Laurent Koscielny wiegt schwer. Der Franzose wusste immer wieder mit seiner Schnelligkeit und Durchsetzungsstärke zu beeindrucken. Ebenso fehlt Landsmann Mathieu Debuchy auf rechts, nur Stürmer Olivier Giroud ist überraschend früh zurück von seinem Beinbruch im September. Auch Kapitän Arteta ist nach Oberschenkelproblemen zurück, wenn auch wie Giroud nicht voll bei Kräften. Nichtsdestotrotz ist wohl nicht wirklich damit zu rechnen, dass die Gunners plötzlich eine spielerische Sternstunde nach all den eher schlechten Auftritten in dieser Saison ereilt.

Schlüsselspieler auf beiden Seiten

Es stellt sich also zwangsläufig die Frage, wer genau in einem solchen Spiel entscheidend sein kann, wenn so viele wichtige Stützen ausfallen oder nicht bei vollen Kräften sind. Automatisch müssen aufseiten Uniteds hier wohl die Stars Rooney und Van Persie aufgezählt werden. Natürlich hat auch Torhüter De Gea zweifelsohne die Qualität, den Rekordmeister vor vielen Gegentoren zu bewahren. Auf der anderen Seite kann es schließlich immer passieren, dass sich die schnellen Welbeck und Alexis Sanchez, der besonders hervorzuheben ist, Chancen aus dem Nichts erlaufen oder –spielen. Auch Arsenal hat derweil in Szczesny einen tollen Keeper, der immer wieder Punkte retten kann und wie De Gea auch sehr gut mitspielt. Außenseiterchancen auf eine spielentscheidende Rolle haben wohl Jack Wilshere aufseiten der Gunners und Herrera bei den Gästen. Doch dies hängt vor allem davon ab, wie das Spiel verlaufen wird.

Spekulationen über das Für und Wider des Spielverlaufs

In vergangenen Duellen Fergusons oder Moyes‘ mit Wenger war es vor einem solchen Duell relativ einfach, Grundordnungen wie Ausrichtungen der Teams vorherzusagen. Doch nun kommt mit Van Gaal ein neues Element hinzu: Das des unberechenbaren Fußballlehrers. Handelte er bei seinen früheren Vereinsstationen in den meisten Fällen philosophiegetreu, so stellte er bei der zurückliegenden Weltmeisterschaft in Brasilien für ihn ungewöhnlich reaktiv auf. Aufgrund des Erfolgsdrucks könnte er sich wieder für eine an das alte United erinnernde Ordnung entscheiden und eher abwartend agieren lassen. Hierfür würde auch sprechen, dass er in Blind seinen Organisator vermisst. In diesem Fall könnte man im Umschaltmoment aus den vergleichsweise großen Abständen zwischen Arsenals Mannschaftsteilen, besonders zwischen Mittelfeld und Abwehr, Kapital schlagen.

Mit Van Persie und Rooney hat man optimale Spitzen, um effizient zu sein. Auch verfügt man in Di Maria über einen Weltklassemann, der Konter auch notfalls mit seiner Schnelligkeit und Dribbelstärke allein ausspielen kann. Sollte man wider Erwarten versuchen offensiver und vor allem aggressiver gegen den Ball zu agieren, könnte Interessantes die Folge sein: Arsenal würde nicht mehr in einer ermüdenden und vor allem überforderten Weise das Spiel machen müssen, wie es schon häufig in dieser Spielzeit der Fall war. Viel eher würde sich der kompakte United-Block ausweiten und ein abwechslungsreicheres und offenes Spiel würde zustande kommen. Besonders Wilshere, der gegen tiefstehende, kompakte Teams große Probleme hat, könnte mit seinen Qualitäten in Engen bereichernd wirken. Gegen eine noch nicht eingespielte und vom Personal her wenig defensiv orientierte Mannschaft dürften die Freiräume für ihn groß genug sein. Auf der Gegenseite könnte Herrera von der wenig pressingintensiven Spielweise Arsenals profitieren. Auch wenn es unwahrscheinlich scheint, würden offene Visiere dem Klassiker mehr als gut tun. So würde es nicht zu einem typischen Duell zweier Teams kommen, die mit ihrer bisherigen Leistung unzufrieden sind.

willhill_600x30FC Arsenal – Manchester United | 1: 2,20 | X: 3,40 | 2: 3,50

Lennart Kühl

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