In dieser begleitenden Serie zur Europameisterschaft in Frankreich werden pro Spieltag die Schlüsselduelle der einzelnen Begegnungen kurz unter die Lupe genommen. Wer die Duelle... Die Schlüsselduelle des dritten Achtelfinaltags: Wer stoppt Alvaro Morata?

Alvaro Morata - SpanienIn dieser begleitenden Serie zur Europameisterschaft in Frankreich werden pro Spieltag die Schlüsselduelle der einzelnen Begegnungen kurz unter die Lupe genommen. Wer die Duelle für sich entscheiden konnte und ob es überhaupt zu den vorgestellten Auseinandersetzungen gekommen ist, wird am folgenden Tag besprochen. Diesmal mit den Paarungen Italien – Spanien und England – Island.

Leonardo Bonucci  vs. Alvaro Morata

Bonucci spielt, wie die gesamte italienische Defensive, ein großartiges Turnier. Der Italiener präsentierte sich bisher konstant auf sehr hohem Niveau; er ist äußerst zweikampfstark und sein Wert für den Spielaufbau der Azzurri ist dank seiner Passsicherheit nicht zu unterschätzen. Der Innenverteidiger von Juventus Turin ist durch seine große internationale Erfahrung zudem eine wichtige Führungspersönlichkeit im Kader der Squadra Azzurra und einer der Schlüsselspieler.

Der Spanier gehört mit drei Toren zu den erfolgreichsten Torjägern des bisherigen EM-Turniers und bringt mit seiner starken Physis eine wichtige Komponente ins spanische Team ein. Morata kann als Zielspieler in der Offensive der Iberer fungieren, Räume für die schnellen Mittelfeldspieler schaffen und den Ball festmachen. Der Spanier findet in der gegnerischen Abwehr immer wieder Lücken, die vorher scheinbar nicht existierten und agiert vor dem Tor eiskalt. Mit seinem Noch-Teamkollegen Bonucci wird sich Morata aller Voraussicht nach einige packende Duelle liefern.

Wayne Rooney vs. Aron Gunnarsson

Gegen die Isländer wird Rooney wohl wieder aus einer tieferen Position kommen und so versuchen, dem englischen Spiel die entscheidenden Impulse zu geben. Diese Rolle hat sich im bisherigen Lauf des Turniers durchaus bewährt, kann der englische Kapitän doch so seine Dynamik und seine Qualitäten im Finden und Einsetzen seiner Mitspieler optimal ausspielen. Hier kommt Rooney natürlich seine erstaunliche positionelle Variabilität zu Gute, sowie seine Fähigkeiten als Leader und seine Spielintelligenz.

Eine ähnliche Rolle nimmt Gunnarsson, wenn auch spielerisch auf einem anderen Niveau, bei den Isländern ein. Der defensive Mittelfeldspieler und Kapitän ist so etwas wie das Herz der mittlerweile schon Kultstatus genießenden isländischen Mannschaft. Zwar ist der Mann mit dem üppigen Bartwuchs spielerisch limitiert, macht dieses Manko, und damit steht er stellvertretend für das gesamte Team, durch enormen Einsatz, Willenskraft, Intensivität und Zweikampfhärte wieder wett.

Nachbetrachtung der gestrigen Duelle

In der ersten Halbzeit konnten die Franzosen gegen aggressiv pressende Iren ihr Spiel nicht durchziehen und taten sich nicht nur offensiv schwer, sondern offenbarten auch teils eklatante Lücken in der Defensive. Natürlich spielte den “Boys in Green“ die frühe 1:0-Führung per Foulelfmeter, der von Paul Pogba mit sehr naivem Zweikampfverhalten verursacht wurde, in die Karten. Jeff Hendrick gehörte zu den Aktivposten der irischen Mannschaft, präsentierte erneut seine läuferischen und kämpferischen Stärken und trieb sein Team damit immer wieder an. Pogba wirkte, wie die gesamte französische Mannschaft, zunächst etwas überrascht von dem forschen Auftreten der Iren. In der ersten Halbzeit fand die Equipe Tricolore keine Mittel gegen den selbstbewussten Gegner. Der französische Trainer Didier Deschamps reagierte in der Halbzeit und beorderte Pogba auf die Sechs. Aus dieser tieferen Positionierung konnte der Franzose merklich mehr Einfluss nehmen und sorgte für die nötige Stabilität, die mitauschlaggebend für den letztendlich verdienten 2:1-Sieg war.

So viel Platz im Spielaufbau, wie ihn die Slowaken gewährten, fand Toni Kroos bei dieser EM bisher selten vor. Dementsprechend konnte der Deutsche sein Spiel fast ungehindert aufziehen und brachte seine Kollegen in der Offensive mit seinen Pässen immer wieder in aussichtsreiche Positionen, wobei er oft den Pass vor dem entscheidenden Pass spielte. Es war auffällig, dass Kroos, aufgrund der mehr oder weniger nichtvorhandenen Offensivaktionen der Slowaken, nicht wie sonst abkippte oder sich den Ball in der eigenen Hälfte abholte, sondern durch die hochstehenden deutschen Innenverteidiger das Spiel in der gegnerischen Hälfte initiierte. Kucka hingegen begann überraschenderweise auf der Linksaußenposition und ging, bis auf eine gute Chance kurz vor Ende der ersten Hälfte, wie der Rest der Mannschaft, in der deutschen Dominanz unter.

Die Betrachtung des letzten Duells des Tages kann relativ kurz gehalten werden: Eden Hazard lieferte eine überragende Leistung ab, vielleicht die beste Individualleistung des bisherigen Achtelfinals. Der belgische Kapitän stellte die meist indisponierte ungarische Hintermannschaft mit seinem Tempo und seiner Technik teils vor unlösbare Probleme, erzielte ein Traumtor und bereitete das vorentscheidende 2:0 mit einer Weltklasseaktion vor. Dzsudzsak war wie die gesamte ungarische Mannschaft zwar bemüht, konnte gegen die sehr disziplinierte belgische Defensive aber keine entscheidenden Akzente setzen.

Ral, abseits.at