Zur Vorbereitung auf die Europameisterschaft 2016 analysieren die Experten und Autoren von abseits.at die sechs EM-Gruppen. In je zwei Artikeln pro Gruppe werden die... Men To Watch, Gruppe B: Die geniale Tottenham-Connection und der ungewöhnliche Vardy

_Jamie Vardy - Leicester CityZur Vorbereitung auf die Europameisterschaft 2016 analysieren die Experten und Autoren von abseits.at die sechs EM-Gruppen. In je zwei Artikeln pro Gruppe werden die Aufsteigertipps und die interessantesten Spieler beleuchtet.

In Gruppe B spielen England, Russland, Wales und die Slowakei.

Daniel Mandl

Auf Seiten der Three Lions darf man hauptsächlich auf das Abschneiden der Tottenham-Connection und den ungewöhnlichen Torjäger Jamie Vardy gespannt sein. Der Leicester-Goalgetter war in der vergangenen Saison stets Torschütze mit Ansage und bei der EURO darf er seine Fabelsaison krönen. Allerdings könnte er dabei Konkurrenz vom erst 18-jährigen Marcus Rashford bekommen, der zuletzt bei Manchester United für Aufsehen sorgte. Zur Tottenham-Connection gehören Kane, Dier, Alli, Walker und Rose. Speziell von Harry Kane wird erwartet, dass er in eine tragende Rolle schlüpfen kann, aber auch auf Dele Alli ruhen wohl nicht nur meine großen Erwartungen.

Die Slowakei hat mit Rapid-Keeper Jan Novota einen Österreich-Legionär in ihren Reihen. Der „Caveman“ wird aber voraussichtlich nicht zum Einsatz kommen. Interessanter wird’s auf der Doppelacht, auf der sich Patrik Hrosovsky, Jan Gregus und Milan-Legionär Juraj Kucka um zwei Plätze streiten. Meines Erachtens sind Erstere die Zukunft und nicht der Serie-A-Legionär. Bei den Russen wartet man gespannt auf den Impact, den der Schalker Roman Neustädter hinterlassen wird. Erst seit knapp einer Woche ist der Sohn einer Russin und eines Ukrainers offiziell russischer Staatsbürger und soll die Innenverteidigung dynamischer machen und den Spielaufbau verbessern. Alle Augen sind auch auf Aleksandr Kokorin gerichtet, von dem man endlich mehr Verantwortung und einen Sprung nach vorne erwartet. Beim langen Artem Dzyuba sehe ich die Chance auf diesen Sprung weiterhin nicht. Und die Waliser? Ganz klar – alles wartet gespannt auf das erste Großereignis von Real-Madrid-Star Gareth Bale, der bei den Live-Übertragungen wieder die Polzer’sche Platte hängen lassen wird – nach dem Motto „Bale, Bale, Bale, Bale, Bale, Bale, Bale…“ 🙂 Aber Achtung, denn Wales hat nicht nur einen Fußballer: Mit Arsenals Aaron Ramsey gibt’s noch einen zweiten Star im Team.

Stefan Karger

Gerade in der Offensive hat England die Qual der Wahl, nachdem Vardy und Kane die Premier League diese Saison im Sturm einnahmen. Sollte England vorzeitig scheitern und einer der beiden Stürmer auf der Bank bleiben, dann wird sich Roy Hodgson wohl einiges von den Medien und Fans anhören dürfen. Gespannt darf man neben den beiden Torjägern auch die Einsätze von Dele Alli erwarten, der nicht nur bei seinem Verein, sondern vor allem auch im Nationalteam mit starken Leistungen glänzte und zudem in der Offensive recht universell einsetzbar ist.

Russland-Coach Leonid Slutski brachte den Erfolg zurück, nachdem der bestbezahlte Teamchef der Welt, Fabio Capello, die gesamte Nation von der Coaching Zone aus zur Weißglut brachte. Nicht nur das 4-2-3-1-System ist anders, auch die Einstellung der Spieler. Der Coach brachte die Freude und Euphorie zurück ins Team und Russland tritt wieder als starkes Kollektiv auf, das sich mit den Engländern um den ersten Gruppenplatz einen harten Kampf liefern wird – auch wenn der verletzte Alan Dzagoev seiner Mannschaft abgehen wird. Roman Neustädter bekam übrigens rechtzeitig die russische Staatsbürgerschaft und wird ebenfalls in Frankreich mit von der Partie sein.

Bei der Slowakei dreht sich alles um Marek Hamšík, der im jüngsten Freundschaftsspiel gegen Deutschland mit einem Traumtor seine Klasse eindrucksvoll unter Beweis stellte. Im 4-2-3-1-System von Trainer Jan Kozak genießt er alle Freiheiten. Seine stärksten Partien zeigt er, wenn er die Bälle von weiter hinten aufsammelt und mit Tempo Richtung gegnerisches Tor dribbelt. Ein Gegenspieler reicht kaum aus um ihn zu bremsen, weshalb er so Platz für seine Mitspieler schafft. Vom Typ her würde als Solostürmer Adam Nemec besser zum Napoli-Spielmacher passen, jedoch hat momentan Michal Ďuriš die besseren Karten auf einen Platz im Sturmzentrum.

Was für die Slowakei Hamšík ist, ist für Wales Gareth Bale. Der Real-Legionär hatte in der Qualifikation bei fast allen Treffern seine Beine im Spiel, schoss sieben der elf Tore und bereitete zwei weitere vor. Trainer Chris Coleman bevorzugt ein interessantes 3-4-2-1-System. Sorgen macht ihm wohl am ehesten, dass alles auf Bale ausgerichtet ist, denn neben dem Weltstar gibt es in der Offensive nicht allzu viele Spieler, die wissen wo das gegnerische Tor steht.

Alexander Semeliker

Bei den Engländern dominieren vor allem aufstreben Jungspunde die Schlagzeilen. Marcus Rashford von Manchester United schaffte mit einem eindrucksvollen Debüt den Sprung in den EM-Kader. Ihm dürfte aber eine weniger tragende Rolle als Ross Barkley, John Stones oder Dele Alli zukommen. Gerade der Shootingstar von den Spurs weiß taktisch zu gefallen. Im Sturm sollte man auf seinen Teamkollegen Harry Kane achten und auch Wayne Rooney, dem wohl eine unkonventionelle Rolle zukommen wird, sollte man im Auge behalten.

Bei den Walisern wird sich wie gewohnt viel um Gareth Bale und Aaron Ramsey drehen. Neben den beiden Superstars gibt es allerdings auch weitere gestandene Insel-Kicker – etwa Kapitän Ashley Williams und Joe Allen. Bei Russland sollte man auf alle Fälle auf Aleksandr Golovin achten. Der 20-Jährige ist ein ähnlicher Spielertyp wie Alan Dzagoev und könnte in die Fußstapfen des einstigen Hoffnungsträgers treten. Auch wie Neo-Russe Roman Neustädter eingegliedert wird, wird interessant. Das Team der Slowakei besteht im Wesentlichen aus vielen Zuarbeitern, selbst Marek Hamsik ist im internationalen Vergleich kein herausragender Spielmacher. Aufgrund seiner Torgefährlichkeit und Führungsqualitäten ist der Napoli-Star aber nach wie vor der wichtigste Spieler im Team.

Fabian Schaipp

Bei den Engländern ruhen die Hoffnungen natürlich auf dem Sturmduo VardyKane. Beide spielten eine erfolg- und torreiche Saison bei Tottenham bzw. Leicester und scheinen zudem gut zu harmonieren. Sinnbildlich für den Umbruch stehen außerdem die beiden Mittelfeldspieler von Tottenham Delle Alli und Eric Dier, die – zusammen mit Henderson – für Stabilität im Zentrum sorgen sollen. Die Waliser vertrauen natürlich auf ihre beiden Top-Stars Aaron Ramsey und Gareth Bale. Doch zwei andere Spieler, die weniger im Fokus stehen, sind ebenfalls Stützen des Teams: einerseits Ashley Williams, erfahrener Abwehrchef von Swansea City und vielleicht einer der besten Innenverteidiger der Premier League, und andererseits Joe Allen vom FC Liverpool, der nicht nur im Aussehen, sondern auch im Spielstil immer mehr an Andrea Pirlo erinnert.
Einer der bekannteren Spieler im Team der Russen ist Oleg Shatov von Zenit St. Petersburg. Der 25-Jährige ist im Mittelfeld sowohl zentral als auch rechts oder links einsetzbar. Mit 17 Torbeteiligungen in der Liga und fünf in der Champions-League hat er eine starke Saison hinter sich und könnte bei der EM Scouts von europäischen Top-Klubs auf sich aufmerksam machen.

Marius Kaltwasser

Der englische Kader ist gespickt mit jungen Talenten wie Daniel Sturridge, Marcus Rashford und Raheem Sterling. Letzterer konnte sich bereits in seiner ersten Saison bei Manchester City in der Stammformation festspielen und somit erste Erfahrungen in der Champions League sammeln. Erstmalig wird auch Jamie Vardy an einer Endrunde teilnehmen. Man darf gespannt sein wie sich der frischgebackene englische Meister in der Nationalmannschaft zurechtfinden wird. Marek Hamsik ist als zentrale Figur in der Offensive nicht aus dem Team der Slowaken zu denken. Nicht nur auf Grund seines spektakulären Treffers im Vorbereitungsspiel gegen Deutschland gehört er zu einem der Topspieler des Turniers. Gareth Bale ist in einer der wenigen Spieler, die in der Lage sind ein Spiel alleine zu entscheiden. Er bringt eine unfassbare Geschwindigkeit und enorme Dynamik auf den Platz Des weiteren schafft er Räume für die Nachstoßenden Aaron Ramsey und Joe Allen.

abseits.at Redaktion