Es war der 14.Juli 2015. Fast auf den Tag genau vor 13 Monaten. Trenčín eröffnete die Saison mit dem Heimspiel gegen Steaua Bukarest in... Aderlass, Level Trenčín: Wie man in nur einem Jahr alle Stars verliert

Slowakei-Flagge_abseits.atEs war der 14.Juli 2015. Fast auf den Tag genau vor 13 Monaten. Trenčín eröffnete die Saison mit dem Heimspiel gegen Steaua Bukarest in Zilina. Es war das Hinspiel der zweiten Champions-League-Qualifikationsrunde. Kurz zuvor hatte Trenčín erstmals den slowakischen Meistertitel gewonnen.

Die VIP-Tribüne im Europacup-Ausweichquartier in Zilina war vollbesetzt mit Scouts. Engländer, Italiener, Deutsche, Österreicher, vor allem aber Niederländer, zumal der Verein vom niederländischen Ex-Kicker Tschen La Ling geführt wird und auch einen niederländischen Sportdirektor hat.

Von den elf Spielern in der Startmannschaft standen sechs in mehreren Notizblöcken. Diskussionen mit den Scouts legten offen, dass es um den einen oder anderen dieser Kicker wildes Wettbieten geben würde, auf das man sich nicht um jeden Preis einlassen möchte. Alle sechs Spieler – und noch einige mehr – spielen heute nicht mehr für den AS Trenčín. Wir lassen die letzten etwa 15 Monate Revue passieren und sehen uns an, welche Kaliber Trenčín verlor.

Matus Bero

Der Trenčíner Königstransfer war zweifellos Matus Bero. Der zentrale Mittelfeldspieler ist nicht nur torgefährlich, sondern spulte auch stets ein enormes Laufpensum ab, das ihn zu einem extrem dynamischen Box-to-Box-Midfielder machte. Der 20-Jährige wechselte vor wenigen Wochen um 2,5 Millionen Euro zu Trabzonspor, womit sich die Türken gegen zahlreiche Interessenten aus mehreren Ländern durchsetzten.

Gino van Kessel

Nur die Hälfte kassierte Trenčín für seinen Torschützenkönig. Der aus Curacao stammende Gino van Kessel wechselte um 1,2 Millionen Euro zu Slavia Prag, nachdem er in der Vorsaison 17 Saisontore für Trenčín erzielte und einen erheblichen Anteil am Meistertitel hatte. Ein Jahr davor war der heute 24-jährige Van Kessel bei einem Probetraining bei der Wiener Austria, wurde aber nicht für gut genug befunden. Allerdings machte der junge Niederländer seinen größten Sprung auch merklich erst im letzten Jahr.

Milan Rundic

Mit dem Innenverteidiger Milan Rundic verlor Trenčín vor zwei Monaten sein Zweikampfmonster ablösefrei. Drei Jahre lang spielte der Serbe für Trenčín, überzeugte durch seine körperliche Stärke und stellte auch nach und nach seine Stellungsfehler ab. Er war nie der Abwehrchef, aber ein verlässlicher Abmontierer, der nun bei Slovan Bratislava unter Vertrag steht.

Ramon

Bereits vor einem Jahr wechselte Ramon Rodríguez da Silva zum FC Nordsjaelland, nachdem er zuvor drei Jahre lang der Abwehrchef der Slowaken war – zumeist neben dem bereits erwähnten Rundic. Der 25-jährige Brasilianer kann auch als Rechtsverteidiger eingesetzt werden und ist nun auch bei seinem dänischen Arbeitgeber gesetzt.

Stanislav Lobotka

Ebenfalls bei Nordsjaelland spielt mittlerweile Stanislav Lobotka, ein extrem präzise spielender und laufstarker Sechser, der vor dem Mocinic-Transfer auch bei Rapid ein Thema war, mittlerweile aber teurer ist als Rapids neues kroatisches Starlet. Lobotka ist erst 21 Jahre alt, nach wie vor U21-Teamspieler, aber ein vorweggenommener Fixposten in der slowakischen Nationalmannschaft der nächsten Jahre. Bei ihm darf man bald einen weiteren Karrieresprung erwarten – sein Wechsel von Trenčín zu Nordsjaelland wurde vor einem Jahr abgewickelt.

Jairo

Nur 400.000 Euro kassierte Trenčín für seinen brasilianischen Linksaußen Jairo de Macedo da Silva. Er wechselte nach knapp 15 Monaten beim Verein zu PAOK Saloniki, wo er einen Vertrag bis 2018 unterschrieb.

Wesley

Der bullige 18-jährige Brasilianer Wesley Moraes Ferreira da Silva bestritt bei besagtem CL-Quali-Spiel gegen Steaua seine allererste Partie als Profi. Er wurde eine halbe Stunde vor Schluss eingewechselt, zeigte sofort tolle Ansätze und erzielte später zwei Tore im Rückspiel. Insgesamt blieb Wesley ein halbes Jahr in Trenčín, erzielte elf Pflichtspieltore und zog dann gegen eine Ablösesumme von einer Million Euro zum FC Brügge weiter.

Ryan Koolwijk

Den heute 31-jährigen Niederländer Ryan Koolwijk holte man als Mittelfeldstabilisator für die vielen jungen Akteure. Nun musste man den 195cm großen Achter aber an den Eredivisie-Klub Excelsior abgeben, da sein Vertrag auslief. Eine wirkliche Granate war Koolwijk zwar nicht, aber seine Routine verhalf einigen Nebenspielern dennoch immer wieder Ruhe und einen kühlen Kopf zu bewahren.

Mitchell Schet

Eine ebenfalls passable Saison spielte Mitchell Schet, der in der vergangenen Meistersaison immerhin sechs Saisontore als Rechtsaußen erzielte und ab der neuen Saison bei Slovan Bratislava kickt. Auch der 28-Jährige würde in der neuen Saison einen Unterschied für die Trenčíner ausmachen.

Stefan Maierhofer

Und dann wäre da natürlich noch der „Major“. Der aktuell urlaubende Stefan Maierhofer spielte im vergangenen Frühjahr für den slowakischen Meister, erzielte drei Ligatreffer, wurde dann aber wieder abgegeben.

Von den elf Akteuren, die im Hinspiel gegen Steaua Bukarest für den AS Trenčín aufliefen, spielen aktuell nur noch drei aktuell beim zweifachen Meister.

Die elf Starter, die zuletzt auswärts bei Legia Warschau ein 0:0 holten, haben ein Durchschnittsalter von 20,9 Jahren. Auf der Bank saßen vier U21-Spieler und sogar ein zusätzlicher Kaderspieler aus der U19-Mannschaft. Wie sich die Mannschaft genau zusammensetzt, erläutern wir in der ausführlichen Teaminfo.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • Teiwaz

    17.August.2016 #1 Author

    Maierhofer is aber als witzige Auflockerung zum Schluss gedacht, oder? Über „Kaliber“ lässt sich ja streiten, aber verloren hat ihn Trencin nicht, eher für „brauch ma ned mehr“ befunden. Oder irre ich mich da?

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    • Daniel Mandl

      21.August.2016 #2 Author

      Ja, natürlich. Schlüsselspieler war der „Major“ bei Trencin nicht, aber den Österreich-Bezug konnte man durchaus erwähnen 🙂

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