Salzburg musste sich in der Auftaktpartie zur Europa League Gruppenphase gegen Vitoria Guimaraes mit einem Unentschieden zufrieden geben. Die Salzburger kontrollierten zwar über weite... Analyse: Salzburgs Unentschieden gegen Vitoria Guimaraes

Salzburg musste sich in der Auftaktpartie zur Europa League Gruppenphase gegen Vitoria Guimaraes mit einem Unentschieden zufrieden geben. Die Salzburger kontrollierten zwar über weite Strecken das Spiel, taten sich aber gegen das kompakte und sehr unangenehme Spiel gegen den Ball der Portugiesen schwer, die eigenen Angriffsversuche strukturiert zum Abschluss zu bringen. Deshalb war nach dem Gegentor durch eine Standartsituation für die Bullen abermals viel Geduld und eine gute Konterabsicherung notwendig, um das Spiel noch in die gewünschte Richtung lenken zu können.

Grundordnungen und Personal

Vitoria Guimaraes formierte sich wie erwartet in einer 4-2-3-1 Ordnung, welche im Spiel gegen den Ball zu einem flachen 4-4-2 wurde. In den Anfangsminuten sah man im Spiel der Portugiesen noch recht häufig 4-3-3 Strukturen, welche hauptsächlich durch das Abkippen des Sechsers Wakaso und in weiterer Folge durch Zehner Hurtado im Aufbauspiel entstanden sind. Hurtado bildete dabei mit Celis eine Art Doppelacht, während sich Wakaso zwischen die beiden Innenverteidiger zurückfallen ließ und aus der Dreierkette versuchte das Spiel aufzubauen. Allerdings wurden diese abkippenden Bewegungen mit Fortdauer des Spiels immer seltener, auch weil Salzburg dominanter aufgetreten ist, sowohl mit als auch ohne Ball.

Personell gab es innerhalb der 4-2-3-1 Grundordnung keine allzu großen Überraschungen. Konan lieferte auf der linken Abwehrseite eine starke Leistung ab. Er war es auch meist zusammen mit Außenspieler Rincon, der offensiv für Akzente sorgte.
Celis positionierte sich neben dem sehr robusten Wakaso im halblinken zentralen Mittefeld, während wie bereits angesprochen Hurtado auf der Zehn den einzigen Stürmer Texeira unterstützen sollte.

Marco Rose blieb auch in diesem Pflichtspiel seiner gewohnten 4-3-1-2 bzw. 4-1-3-2 Grundordnung treu. Die Achter positionierten sich im Aufbauspiel erneut sehr hoch und meist auf Höhe von Hannes Wolf, wodurch das 4-1-3-2 die etwas bessere Bezeichnung wäre. Aber eine wesentliche Rolle spielt diese Zahlenspielerei für den Ausgang des Spiels sowieso keine. Seit Pep Guardiola wissen wir ja, dass Grundordnungen mit Telefonnummern gleichzusetzen sind…

Interessanter ist da schon die personelle Besetzung der angesprochenen Positionen. Miranda kehrte neben Caleta-Car zurück in die Innenverteidigung und sollte mit dem Spiel noch so seine Probleme haben. Flankiert wurden die beiden von den Außenverteidigern Ulmer und Lainer. Den Sechser vor der Abwehr gab erneut Samassekou, vor ihm in dieser Dreierreihe spielten von links nach rechts Berisha, Wolf und Haidara. Die sehr breit angelegten Sturmpositionen im Spiel der Salzburger wurden von Dabbur und Gulbrandsen besetzt.

Guimaraes macht das Zentrum dicht

Das Spiel gegen den Ball von Guimaraes stellte die Spieler von Salzburg vor einige Probleme. Das Kollektiv der Heimmannschaft positionierte sich kompakt, variierte einige Male die Pressinghöhe und lenkte die Salzburger konsequent auf den Flügel, um dort die Angriffe der Bullen abwürgen zu können. Sehr positiv aus Sicht von Guimaraes war, dass alle Spieler dieser „Südamerika-Auswahl“ sich konsequent in den Dienst der Mannschaft stellten und alle am Verteidigungsverhalten mitarbeiteten. Aufgrund der Kultur und Mentalität dieser Spieler ist dies oft keine Selbstverständlichkeit, auch wenn wir hier von Profifußball sprechen.

Den Rahmen für das Verteidigungsverhalten bildete eine ballorientierte Raumdeckung, an der sich die Spieler orientierten. Einige Male war das Linienspiel, vor allem bei horizontalen Verschiebebewegungen, nicht sauber und ballorientiert, was aber nicht wirklich Auswirkungen auf die defensive Stabilität hatte. Der ballnahe Raum war nach wie vor kompakt und in diese ballfernen, offenen Zonen kamen die Salzburger nicht bzw. wurde diese auch nicht wirklich anvisiert.

Meist agierte Guimaraes aus einem hohen Mittelfeldpressing heraus. Die erste Pressinglinie um Texeira und Hurtado stand sehr eng und stellte mit Hilfe ihrer Deckungsschatten den Sechserraum um Samassekou zu. Ein vertikaler Pass in diesen Bereich war dadurch für die Innenverteidiger Miranda und Caleta-Car praktisch nie möglich.
In weiterer Folge kam deshalb meist der Pass auf die Außenverteidiger. Auch darauf war Guimaraes vorbereitet. Die beiden Flügelspieler Raphinha und Rincon besetzten in der ersten Phase noch die Halbräume neben den Sechsern, um dann bei einem Pass auf die Außenverteidiger herauszuschieben und diese aggressiv zu attackieren.
Die beiden Sechser hielten in diesem Konstrukt den Laden zusammen und stellten die ballnahen Zonen zu.

Interessant war auch das Verhalten der Abwehrkette. Diese agierte generell etwas enger als das Mittelfeld. Ich weiß nicht, ob dies eine konkrete Anpassung gewesen ist oder einfach aus dem Spiel heraus entstanden ist. Auf alle Fälle war es sehr passend. Denn durch den Zentrumfokus der Salzburger im letzten Drittel blieben die vier Verteidiger von Guimaraes ebenfalls eng im Zentrum und konnten dadurch den Zugriff hoch halten. Lücken für Schnittstellenpässe sind dadurch auch keine entstanden. Es war schlichtweg eine passende Positionierung, um das Kombinationsspiel der Salzburger unterbinden zu können.

In der obigen Grafik sind die Strukturen beider Mannschaften zu erkennen. Auf der einen Seite das Spiel gegen den Ball von Guimarares, auf der anderen Seite das Aufbauspiel von Salzburg.
Interessant vor allem der enge Abstand der beiden Stürmer der Portugiesen, wodurch Salzburg immer wieder über die Flügel aufbauen musste. Gut zu sehen auch, wie eng die Viererkette steht und so das Zentrum, dem Ballungsraum der Salzburger, verdichtet.

Wie bereits vorher kurz erläutert variierte auch die Pressinghöhe einige Male. Vor allem in der ersten Halbzeit sah man hin und wieder Phasen, in denen ein aktives Angriffspressing praktiziert worden ist. Pressingauslöser dafür waren meist Rückpässe der Außenverteidiger auf die Innenverteidiger. Die Stürmer spekulierten in solchen Situationen bereits auf diese Pässe und konnten daher bereits vor Abspiel des Passes den Laufweg zu den Innenverteidigern starten. Diese wurden unter Druck gesetzt und konnten daher nur einen weiteren Rückpass auf Walke spielen oder mussten selbst zum langen Ball greifen. Auch in diesen Szenen wirkte die Mannschaft durchaus griffig und kompakt.

Im zweiten Durchgang allerdings verlagerte sich der Verteidigungs-Block der Portugiesen fast durchwegs in die eigene Hälfte und es konnte nur mehr sehr vereinzelt Druck nach vorne ausgeübt werden. Aus einem hohen Mittelfeldpressing mit situativem Angriffspressing wurde in der zweiten Halbzeit ein recht klares Abwehrpressing.

Salzburgs Kombinationsfluss stockte erneut etwas

Das Spiel gegen Guimarares hatte durchaus Parallelen mit jenem zum Spiel gegen Sturm Graz in der heimischen Liga, welches 0:1 verloren gegangen ist. Auch die Grazer verteidigten kompakt, machten das Zentrum dicht und ließen wenig zu. Aber trotzdem wäre mit etwas mehr Präzision und sauberer gespielten Ablagen im Zwischenlinienraum mehr möglich gewesen für die Bullen. Auch gegen die Portugiesen hatte man dieses Gefühl.

Die Pässe vom Flügel in den Zwischenlinienraum wurden oft nicht sauber klatschen gelassen, richtig durchschlagskräftige Anschlussaktionen kamen dadurch praktisch nie zustande.
Auch von den Innenverteidigern hätte man sich in Sachen Aufbauspiel etwas mehr erwarten können. Sie wären auch deshalb mehr gefordert gewesen, weil Samassekou vom Gegner konsequent zugestellt worden ist. Flache, vertikale Pässe in den Zwischenlinienraum (Pässe mit einem hohen Packing-Faktor) hätten dieser Partie extrem gut getan.

Aber es war grundsätzlich nicht schlecht, was die Salzburger mit Ball zeigten. Die Positionen auf dem Feld sind so gewählt, dass nach einem Ballverlust sofort Zugriff im Gegenpressing hergestellt werden kann. Auch die Restverteidigung ist gut und klar strukturiert, was gegen einen solchen Gegner (bzw. aus Salzburger-Sicht gegen die meisten Gegner) von sehr hoher Bedeutung ist. All diese Facetten decken die Salzburger mit ihrem gewählten Aufbauspiel ab. Was ein bisschen fehlt im Moment ist diese Lockerheit und Kreativität im Angriffsdrittel, was Salzburg heuer schon gezeigt hat.

Dabei hat man gegen Guimarares bereits in der ersten Minute gezeigt, wie man gegen einen kompakten Gegner schnell und effektiv vor das Tor kommen kann.

Stefan Lainer bekommt auf dem rechten Flügel einen Pass von Samassekou. Bevor Lainer vom linken Flügelspieler unter Druck gesetzt wird, spielt er den diagonalen Ball zwischen die zwei Viererketten auf Hannes Wolf.

Dieser spielt mit dem ersten Kontakt den Ball in die Schnittstelle zwischen Innen- und Außenverteidiger auf den durchstartenden Gulbrandsen. Dieser kommt nach wenigen Spielsekunden zu einem ersten guten Abschluss.

Weiträumiges Pressing der Salzburger

Red Bull Salzburger verbindet man ja seit Schmidt und Rangnick mit aggressivem Pressingfußball. Deshalb lohnt es sich bei Spielen von Salzburg immer, einen kurzen Blick auf ihr Spiel gegen den Ball zu werfen. Seit Marco Rose das Amt übernommen hat, ist auch die Intensität in dieser Spielphase wieder erhöht worden. Vorgänger Oscar Garcia setzte in den meisten Spielen doch auf eine sehr gemäßigte Form dieser Spielidee.

Auch verändert haben sich seit Rose die Laufwege und Mechanismen im Anlaufverhalten. Zurückzuführen ist dies hauptsächlich auf die veränderte Grundformation, wodurch sich die Laufwege der Spieler automatisch verändern im Vergleich zum flachen 4-4-2.

Interessant sind dabei die Aufgaben der Achter. Auf der einen Seite sollen sie die Halbräume neben dem Sechser kontrollieren, auf der anderen Seite schieben sie auch sehr häufig auf den Flügel durch, um dort den ballführenden Spieler zu attackieren. Auch gegen Guimaraes war dies der Fall. Etwas erschwerend kam in dieser Partie hinzu, dass die Außenverteidiger der Portugiesen im Aufbau sehr tief geblieben sind, wodurch die Wege für Haidara und Berisha oft sehr weit geworden sind. Aber vor allem Haidara macht dies mittlerweile konstant sehr gut.

Die erste Pressinglinie präsentierte sich eigentlich wie gewohnt. Hannes Wolf deckte hinter den beiden Stürmern den Sechserraum ab und orientierte sich dabei an Wakaso. Dabbur und Gulbrandsen positionierten sich vor ihm und spiegelten quasi die Positionen der gegnerischen Innenverteidiger.

In der ersten Hälfte attackierten die Stürmer die gegnerischen Innenverteidiger aber nicht konsequent, meistens ließen sie die Innenverteidiger den Ball annehmen und konzentrierten sich darauf, Passwege im Zentrum zuzustellen. Dieses „falsche Angriffspressing“ ist ebenfalls ein Markenzeichen von Rose in der bisherigen Saison. Das Kollektiv soll zwar hoch und jederzeit aktiv stehen, aber nicht bedingungslos in die Attacke übergehen.

Fazit

Salzburg wird mit dem Punkt zum Auftakt leben müssen. Die Defensive stand über weite Strecken des Spiels erneut sehr gut, im Angriff fehlt den Bullen dagegen zurzeit etwas das Momentum und die spielerische Leichtigkeit. Das ist wohl einer der Hauptgründe, warum man die letzten drei Spiele nicht gewinnen konnte. Es fehlt allgemein nicht viel im Spiel der Bullen und deshalb kann es in Salzburg sehr schnell wieder in die andere Richtung gehen. Vielleicht schon in Mattersburg.

Sebastian Ungerank

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