Der SK Rapid Wien verschenkte gestern Abend das Ticket zur Europa League Gruppenphase mit einem 3:3 gegen den finnischen Meister HJK Helsinki. Es war... EL-Aus gegen HJK Helsinki: Überlegene Rapid-Elf gibt 2:0 aus der Hand und wurde danach nie mehr zwingend

SK Rapid Wien Wappen Logo Europa LeagueDer SK Rapid Wien verschenkte gestern Abend das Ticket zur Europa League Gruppenphase mit einem 3:3 gegen den finnischen Meister HJK Helsinki. Es war ein Spiel, in dem man niemals remisieren und ein Gegner, an dem man niemals scheitern durfte. abseits.at analysiert einige der Gründe des bitteren Ausscheidens.

Zoran Barisic wollte sich im Interview nach dem Spiel nicht auf Glück oder Pech ausreden, deutete aber an, dass die Hütteldorfer derzeit nicht gerade von Fortuna gesegnet sind. Abwehrchef Mario Sonnleitner wirkte in seinem Post-Game-Interview schlichtweg fassungslos. Der Grund dafür war die absurde Kaltschnäuzigkeit der Finnen, die vier Mal aufs Tor schossen und drei Treffer erzielten. Dies führt uns zum ersten Problem des gestrigen Abends.

Nicht clever genug bei den Gegentoren

Klar: Der Schiedsrichter war Rapid in den Szenen vor dem 2:2 und dem 2:3 nicht wohlgesonnen, aber Rapid muss sich den Vorwurf fehlender Cleverness und Konzentration gefallen lassen. Die Abwehrarbeit im Zuge des Eckballs, der zu Macoumba Kandjis 2:1 führte ließ sehr zu wünschen übrig und auch vor den entscheidenden Treffern durch Alho und Savage präsentierte sich Rapid wackelig und wenig ausgefuchst.

15 Minuten Powerfußball

Dabei begann alles nach Plan: Rapid überrollte HJK in der ersten Viertelstunde mit direkt vorgetragenen, höchst aggressiven Angriffen. Die Finnen, die wie schon im Hinspiel Probleme hatten, wenn man sie hoch presste, wussten nicht wie ihnen geschieht und konnten sich nicht befreien. Für Befreiung sorgte schließlich eine Standardsituation, die unmittelbar nach Schaubs tollem Tor zum 2:0 den Anschlusstreffer herstellte. Im Stadion war das Gros der Fans nach dem Gegentreffer dennoch wenig gestresst. Es blieb noch genug Zeit und das zuvor Gezeigte legte nahe, dass Rapid diesem spielerisch schwachen Gegner noch das eine oder andere Tor einschenken kann.

Gegentreffer lässt Rapid völlig ohne Not erstarren

Was folgte war jedoch eine akute Rapid-Krankheit: Die Barisic-Elf ließ sich vom Anschlusstreffer völlig verunsichern und unterbrach abrupt die dynamische Phase der ersten Viertelstunde. Es folgte das, was niemand von Rapid sehen will: Ballbesitzspiel und das (zu) geduldige Warten auf sich öffnende Lücken. Rapid war über 90 Minuten sogar noch überlegener als in den Ligapartien gegen Altach oder Sturm – das Spiel mutete an wie auf einer schiefen Ebene. Jedoch fehlte es erneut an Ideen, Präsenz in der Gefahrenzone, Mut und einer offensiveren Linie in Bezug auf Spielverlagerungen.

Acht Torschüsse, davon vier in der ersten Viertelstunde

Auch wenn Rapid die Finnen optisch komplett dominierte, schossen die Grün-Weißen nur schlappe achtmal auf das gegnerische Tor. Stürmer Robert Beric kam nur zu einem einzigen Abschluss. Eine Statistik, die das Ausmaß der offensiven Hilf- und Ideenlosigkeit offenbart: Vier von acht Torschüssen fabrizierte Rapid in der ersten Viertelstunde – die anderen vier nach Kandjis 2:1… Zwar schaffte es Rapid die Herrschaft über die Flügel zu erlangen und immer wieder über die Seiten durchzubrechen, doch wenn es schließlich ans Eingemachte geht, ist der Rekordmeister aktuell ein laues Lüftchen. Viel zu oft fehlten die Anspielstationen im Strafraum und wenn sie doch da waren, konnten sie sich nur in den seltensten Fällen durchsetzen oder allgemeine Präsenz zeigen.

Zu geradlinig, keine Suche nach Offensivzweikämpfen

Rapid verfolgte durchaus eine klare Linie, forcierte das Flügelspiel – und blieb ideenlos und zu geradlinig. Einmal mehr konnten sich die gegnerischen Abwehrreihen recht einfach auf das Spiel der Grün-Weißen einstellen. Die gesamte Viererkette Helsinkis spielte destruktiv, was funktionierte, weil Rapid im Zuge seiner Angriffswellen zu wenige Offensivzweikämpfe suchte und den technisch überforderten Verteidigern HJKs die Chance gab, sich ballorientiert zu verhalten. Viel zu selten wurden etwa Helsinkis Innenverteidiger bei eigenem Ballbesitz „angebohrt“, ein wenig in eine andere Richtung gelenkt oder in Zweikämpfe gezwungen.

Spielverlagerungen „hinten rum“

Ein weiteres Problem bestand darin, dass sich Rapid häufig am aktiven Flügel festlief und Helsinki ohne Probleme dorthin verschieben konnte. Ein probates Mittel, um dies auszubessern, wären möglichst schnörkellose Spielverlagerungen. Diese sollten bei Rapid aufgrund der technischen Sicherheit der Mittelfeldspieler kein großes Problem darstellen. Allerdings wurden sie falsch vorgetragen. Sämtliche Spielverlagerungen wurden über die eigene Abwehr initiiert, was HJK erst Recht wieder die Chance gab, sich neu zu formieren.

Zwischenlinienraum besser für Seitenwechsel nützen

Das bedeutet: Wenn Rapid die Seite wechselt, macht man das, indem man zurück spielt und die Innenverteidiger oder einer der Sechser den Ball auf die andere Seite schiebt. Dies geht einerseits zu langsam und bietet dem Gegner stets die Möglichkeit sich neu zu ordnen. Gerade wenn man als gesamte Mannschaft eine solch hohe Feldposition und so viel Ballbesitz hat, wie Rapid gestern, müssten diese Verlagerungen in offensiverer Position vonstattengehen – etwa über den Zwischenlinienraum. Das Problem bestand vor allem bei Verlagerungen von der rechten auf die linke Seite, was einer der Gründe war, warum zum Beispiel Florian Kainz zu keinem einzigen Torschuss kam.

Zu wenig klare Torchancen

Von totaler Überlegenheit zu sprechen, ist nach dem gestern Dargebotenen natürlich nicht vermessen. Der tatsächliche Output ist allerdings enttäuschend, denn Rapid wurde viel zu selten zwingend, erarbeitete sich kaum klare Torchancen und wurde auch aus Standards nie gefährlich, obwohl man ein Dutzend Eckbälle verzeichnen konnte.

21.100 Fans

Die Zeit der Ausreden ist vorbei. Rapid appellierte vor dem Spiel an die breite Fanbase, man solle ins Stadion kommen, weil das „wichtigste Spiel des Jahres“ ansteht. Die Fans und Sympathisanten folgten dem Ruf: 21.100 Zuschauer sorgten für eine würdige Europacupkulisse. Doch die Mannschaft verpasste das große Ziel Europa-League-Gruppenphase, das dem Verein Einnahmen in Millionenhöhe beschert hätte. Rapid sieht somit einer sehr schwierigen Saison entgegen und die volle Konzentration ist auf die Bundesliga zu richten. Und gerade in dieser wissen die meisten Gegner, wie man gegen Rapid spielen muss, um Erfolg zu haben. Nächste Station: Der unangenehme SV Grödig am Sonntagnachmittag.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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