Im Juli könnte es zu einer waschechten Premiere im Europacup kommen. Dann nämlich, wenn sich in der ersten Champions-League-Qualifikationsrunde Infonet Tallinn gegen Hibernians FC... Europacup: Warum es noch nie Duell zwischen Österreich und Estland gab
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_Estland Flagge

Im Juli könnte es zu einer waschechten Premiere im Europacup kommen. Dann nämlich, wenn sich in der ersten Champions-League-Qualifikationsrunde Infonet Tallinn gegen Hibernians FC durchsetzt und damit zu Salzburgs Zweitrundengegner avanciert. Es wäre in der Tat das erste Europacupduell überhaupt zwischen einem estnischen und einem österreichischen Verein. abseits.at geht der durchaus spannenden Frage nach, warum es bis dato kein solches gab.

Seit 1991 ist die ehemalige Sowjetrepublik Estland wieder unabhängig, und seit der Saison 1992/93 nehmen estnische Vereine am Europacup teil. Trotz dieser mittlerweile 25 Jahre gab es allerdings noch kein Duell mit einem ÖFB-Club, wofür mehrere Faktoren ausschlaggebend sind.

Da wäre zum einen die fehlende sportliche Konkurrenzfähigkeit der estnischen Vereine. Überhaupt noch nie (!) schaffte ein Vertreter aus dem Baltenstaat den Sprung in die Hauptrunde eines Europacupwettbewerbs, zumeist kommt direkt in der ersten Qualifikationsrunde das Aus. So gelang es Flora Tallinn, das in dieser Saison bereits zum 23. Mal im Europacup startet, nur ein einziges Mal, ein KO-Duell für sich zu entscheiden – 2006 in der ersten Runde der UEFA-Cup-Qualifikation gegen Lyn Oslo. Bei allen anderen Antritten schied man hingegen sofort aus.

Aufgrund der somit nur sehr kurzen Zeit, welche estnische Vereine auf dem internationalen Parkett verbringen, wird die Wahrscheinlichkeit, auf einen österreichischen Gegner zu treffen, schon einmal deutlich reduziert. Hinzu kommt, dass estnische Teams in der Regel in den Wettbewerb einsteigen – und gleich wieder ausscheiden – noch bevor österreichische Clubs überhaupt ins Geschehen eingreifen. Die gerade begonnene Saison stellt eine Ausnahme dar, denn dass mit Altach ein heimischer Vertreter schon in der ersten Quali-Runde zur Europa League dabei ist, kommt nur selten vor.

Regionale Einteilung in der Qualifikation

Theoretisch hätte Altach auch tatsächlich auf einen der drei estnischen Europa-League-Starter – Flora Tallinn, Levadia Tallinn und Nomme Kalju – treffen können, praktisch aber nicht. Grund dafür ist die seit geraumer Zeit von der UEFA praktizierte regionale Gruppeneinteilung in den ersten Qualifikationsrunden, welche dazu beitragen soll, die Reisekosten für die zumeist kleinen Vereine in Grenzen zu halten.

Während die estnischen Vereine in der Regel in Nord-Gruppen sind, werden Österreichs Vertreter in Süd-Ost-Gruppen gelost, was sich auch in den Gegnern von Altach (Chikhura Sachkhere aus Georgien) und Sturm Graz (Mladost Podgorica aus Montenegro oder Gandzasar Kapan aus Armenien) niederschlägt. Die wesentlich angenehmeren Reisen ins Baltikum oder auf die britischen Inseln (Irland, Wales, Nordirland) bleiben somit regelmäßig vornehmlich Vereinen aus Skandinavien vorbehalten.

Initiator der Regionaleinteilung, die sich in etwas abgeschwächter Form bis heute hält, war einst UEFA-Präsident Lennart Johansson, seines Zeichens Schwede, dem zuweilen nachgesagt wird, er wollte „seine“ Vereine aus dem Norden damit ein wenig bevorteilen. Dass Dänemark, Schweden und Norwegen dennoch teils deutlich hinter Österreich im UEFA-Ranking liegen, spricht durchaus gegen diese Ligen, denn es muss als Bonus angesehen werden, alljährlich weiten Reisen in den heißen Kaukasus oder auf den hitzigen Balkan zu entgehen.

Wie stark sich diese regionale Einteilung auswirkt, zeigt ebenfalls der Umstand, dass noch nie ein österreichischer Verein auf einen nordirischen traf, obwohl die Nordiren seit den 50er-Jahren am Europacup teilnehmen. Wie bei Estland spielt aber auch das frühe Ausscheiden von Linfield und Co. eine gewichtige Rolle.

Lettland und Litauen ja, Estland nein

Als letzter Faktor muss schließlich aber auch der Zufall angeführt werden, der bislang ein österreichisch-estnisches Duell vereitelte. Mit Vereinen aus Lettland und Litauen, die sich ebenfalls Anfang der 90er-Jahre von der Sowjetunion lösten, gab es nämlich bereits je vier Aufeinandertreffen – und das, obwohl diese Länder wie Estland von der UEFA üblicherweise dem Norden zugerechnet werden und alle drei baltischen Staaten sportlich in etwa auf demselben Niveau agieren. Lettland rangiert in der aktuellen UEFA-Fünfjahres-Wertung auf Platz 40, Estland ist 41. und Litauen 50.

Die meisten Europacupspiele absolvierten österreichische Vereine übrigens gegen Clubs aus Italien, bislang gab es derer 77. Dahinter folgen Spanien (71) und Deutschland ohne DDR (56).

OoK_PS, abseits.at

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