Nun stehen sie also fest, die 48 Teilnehmer an der Europa League 2012/13. In teils dramatischen Spielen setzten sich Favoriten wie Underdogs gleichermaßen durch... Geschichten aus der Europa League: Baku jubelt, Roter Stern weint

Nun stehen sie also fest, die 48 Teilnehmer an der Europa League 2012/13. In teils dramatischen Spielen setzten sich Favoriten wie Underdogs gleichermaßen durch und dürfen sich nun auf garantierten internationalen Fußball bis kurz vor Weihnachten freuen. abseits.at wirft einen Blick auf die packendsten Spiele.

Zwei Giganten wanken, fallen aber nicht

Dass die Europa League in England und Italien nicht den besten Ruf genießt, ist mittlerweile bekannt. Daher kam es nicht einmal so überraschend, dass sich Liverpool und Inter Mailand mit viel Mühe in die Gruppenphase schleppten und dabei alles andere als glänzten.

Liverpool hatte das Hinspiel in Edinburgh bei Heart of Midlothian mit 1:0 gewonnen und an der Anfield Road sah alles nach einem torlosen Remis aus, ehe Davie Templeton die Schotten in der 84. Minute in Front brachte. Vier Minuten später sorgte Luis Suarez jedoch für den Ausgleich und verhinderte damit die Verlängerung.

Bereits in der Runde zuvor hatte es Inter nach dem Sieg im Hinspiel schleifen lassen und war im Meazza-Stadion Hajduk Split unterlegen. Diesmal ließ man Rumäniens Vizemeister Vaslui gewähren und wanderte damit am Rande des Ausscheidens. Nach einem Ausschluss von Luca Castellazzi ging Vaslui in Führung, die Rodrigo Palcio eine Viertelstunde vor Ultimo egalisieren konnte. Doch die Rumänen schlugen abermals zu und ein weiterer Treffer hätte ihnen den Einzug in die Gruppenphase beschert. Schlussendlich sorgte jedoch Freddy Guarin nach einem Solo über den halben Platz für den Ausgleich und ließ Präsident Massimo Moratti jubeln – obwohl es „nur“ die Europa League war.

Neftchi hat es endlich geschafft

Was lange währt, wird endlich gut. Dieser Sinnspruch passt wie die Faust aufs Auge zu Aserbaidschans Meister Neftchi Baku, der mit dem Einsatz großer finanzieller Mittel seit Jahren versucht, endlich in Europa Tritt zu fassen. Trotz Teilerfolgen wie Heimsiegen gegen Anderlecht kam stets das Aus bereits in den Qualifikationsrunden, doch diesmal sollte sich alles zum Guten wenden, und das ausgerechnet gegen APOEL Nikosia, das absolute Überraschungsteam des Vorjahres.

Im Hinspiel von Baku setzte es ein 1:1, bei dem Neftchi in Führung ging, die Zyprioten aber postwendend ausglichen. Auf der Ferieninsel sicherten sich die Aserbaidschaner dann jedoch mit einem 3:1-Sieg den Aufstieg und stießen gleichzeitig APOEL sowie den ganzen zypriotischen Fußball ins Tal der Tränen, denn auch Anorthosis Famagusta und Omonia Nikosia scheiterten in der Qualifikation, sodass nur Limassol die Fahnen in der Europa League hochhalten wird. Besonders sehenswert: Neftchis Tor zum 2:0. Nach Irland im Vorjahr hat es somit ein weiteres Land in eine UEFA-Gruppenphase geschafft.

210 torlose Minuten, aber Videoton hat das Glück auf seiner Seite

Auch Videoton Székesfehérvár schaffte nach großen Bemühungen erstmals den Sprung in eine Gruppenphase. Im Vorjahr noch an Sturm Graz in der Champions League gescheitert, ging man heuer als Außenseiter gegen Marc Jankos neuen Arbeitgeber Trabzonspor ins Spiel. Schlussendlich musste nach zwei torlosen Partien das Elfmeterschießen entscheiden, in dem das Team von Paulo Sousa das bessere Ende auf seiner Seite hatte.

Es war wahrlich eine bittere Woche für den türkischen Fußball, denn nicht nur Fenerbahçe schied in der Champions-League-Qualifikation aus und Trabzonspor zog in der Europa League den Kürzeren, sondern auch Bursaspor musste die Segel streichen. Nach einem 3:1 im Hinspiel gegen Twente Enschede sah es am im Retourspiel in den Niederlanden lange Zeit gut aus, doch nach einem zwischenzeitlichen 1:1 drehte Twente die Partie noch und zwang die Türken in eine Verlängerung, die sie in Unterzahl bestreiten mussten. In der 116. Minute war es dann soweit und Leroy Fer versetzte Bursaspor den Todesstoß.

Ein bitterer Abend für die Niederlande

Auch wenn sich Twente durchsetzte und die PSV Eindhoven mit Marcel Ritzmaier den montenegrinischen Vertreter Zeta mit 9:0 vom Platz fegte, war es ein schwarzer Abend für Freunde der Eredivisie. Feyenoord musste sich beim internationalen Comeback Sparta Prag geschlagen geben und Heerenveen schied gegen Molde aus Norwegen aus.

Den Vogel schoss aber fraglos AZ aus Alkmaar ab. Die international mehr als nur erfahrene Mannschaft ging gegen Anzhi Makhachkala auf eigener Anlage mit 0:5 unter und ließ sich von den neureichen Russen damit im Duell insgesamt sechs Treffer einschenken. Damit ist Oranje im Herbst mit nur mehr drei Vereinen vertreten, von denen Ajax in der Champions League in die Todesgruppe mit Real Madrid, Manchester City und Borussia Dortmund gelost wurde.

Anzhi souverän, CSKA scheidet bitter aus

Während es die Millionentruppe aus Dagestan rund um Samuel Eto’o also mehr als souverän in die Gruppenphase schaffte – alle sechs Qualifikationsspiele gegen Honved Budapest, Vitesse Arnheim und Alkmaar wurden ohne Gegentor gewonnen – erlebte Moskau ein bitteres Déjà-vu.

Im Vorjahr stand es bis zur Nachspielzeit zwischen Spartak und Legia Warschau 2:2, was eine Verlängerung bedeutet hätte, doch dann schlugen die Polen zu und sicherten sich in der letzten Minute den Aufstieg. Heuer lag CSKA gegen AIK Solna aus Schweden zuhause mit 0:1 zurück, was ebenfalls weitere 30 Minuten bedeutet hätte, doch auch diesmal kam der Nackenschlag in Form des entscheidenden Verlusttreffers unmittelbar vor dem Abpfiff. Stockholm darf sich damit nach über zehn Jahren Pause wieder auf Gruppenphasen-Fußball freuen.

Roter Stern verliert heroischen Kampf

Das wohl atemberaubendste Spiel bekamen die Zuschauer in Bordeaux geboten. Nach einem torlosen Remis in Belgrad ging Roter Stern unmittelbar vor der Pause mit 1:0 in Führung. Girondins konnte die Partie in der zweiten Halbzeit trotz Unterzahl drehen, kassierte in der 90. Minute dann aber den Ausgleich – die Serben wären weiter gewesen. Doch dann kam es, wie es kommen musste und der Favorit behielt einmal mehr die Oberhand. In der Nachspielzeit bekam Bordeaux nach einem Torhüterfoul einen Elfmeter zugesprochen und Yoan Gouffran rettete die Franzosen in die Europa League, während die Serben bittere Tränen vergossen.

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