Der SK Rapid Wien bleibt, was die Punkteausbeute betrifft, auch nach der fünften Runde der Gruppenphase der UEFA Europa League das schlechteste Team im... Nach kapitalen Eigenfehlern weiter punktelos – Rapid verliert in Rosenborg 2:3

Der SK Rapid Wien bleibt, was die Punkteausbeute betrifft, auch nach der fünften Runde der Gruppenphase der UEFA Europa League das schlechteste Team im Wettbewerb. Beim Rosenborg BK unterlag der österreichische Rekordmeister trotz zwischenzeitlicher Führung 2:3. Thomas Schrammel und Terrence Boyd drehten das Spiel zugunsten der Hütteldorfer, ehe einmal mehr schwere Eigenfehler zu einer Niederlage führten.

Die Auftritte in den Auswärtsspielen der Europa League zählten aus Rapid-Sicht trotz schwerer Gegner paradoxerweise zu den besten in dieser Saison – obwohl man sowohl in Kharkiv als auch in Leverkusen torlos verlor. Im Lerkendal Stadion konnten die Wiener jedoch nicht an diese Leistungen anschließen, was in erster Linie individuellen Fehlleistungen zuzuschreiben ist. Vor allen drei Gegentoren offenbarten die Grün-Weißen in welch schlechter Verfassung sie sich derzeit befinden.

Rosenborg mit beweglicher Doppelspitze

Die Norweger begannen mit derselben 4-4-1-1-Grundformation wie im Hinspiel, allerdings passte Trainer Jan Jönsson sein Personal an einzelnen Positionen an. Im Tor begann anstelle von Stammkeeper Daniel Örlund dessen Ersatzmann Alexander Lund Hansen, die Innenverteidigung bildeten Tore Reginiussen und Stefan Strandberg. Auf der rechten Außenbahn startete Christian Gamboa, der zwar nur vereinzelt nach vorne mitging, in seinen Vorstößen aber sehr strukturiert wirkte. Auf der gegenüberliegenden Seite stand Kapitän Mikael Dorsin höher, was auch mit der Position seines Vordermanns Daniel Friedheim Holm zu tun hatte, denn dieser agierte sehr zentral.

Auf der rechten offensiven Außenbahn blieb der potenzielle Star des Teams, Borek Dockal, welcher ebenfalls in die Mitte drängte, aber eher aus der Tiefe kam, erneut blass. Dafür zeigte sich das Angriffsduo sehr harmonisch. Tarik Elyounoussi und John Chibuike bewegten sich sowohl in der Vertikalen als auch in der Horizontalen viel, wirkten ballsicher und erzielten auch jeweils ein Tor.

Novota debütiert im Europacup

Rapid-Trainer Peter Schöttel überraschte bei der Nominierung seiner Startelf ebenfalls mit einem ungewohnten Torhüter, denn Jan Novota bekam den Vorzug gegenüber Lukas Königshofer. Der Slowake habe sich dieses Match verdient, so Schöttel. Zudem sollte er aufgrund seiner Statur den gegnerischen Standards die Wirkung nehmen. Im defensiven Mittelfeld setzte man mit Markus Heikkinen und Harald Pichler auf ein zweikampfstarkes Duo, davor bildeten Christopher Trimmel, Deni Alar und Guido Burgstaller die Unterstützungsreihe für Solostürmer Boyd. Der US-Amerikaner ist einer der wenigen, bei dem die Formkurve nicht steil nach unten zeigt, was nicht nur mit seinem Treffer zum 2:1 zu tun hat. Zu Beginn des Spiels fand man ihn phasenweise auch in der Tiefe, rochierte er mit Alar. Außerdem erkannte man auch im technischen Bereich Fortschritte.

Harmonische Doppelsechs

Ein großes Plus für Rosenborg in diesem Spiel war das zentrale Tandem Jonas Svensson und Mikkel Diskerud im Mittelfeld, die beide klar abgegrenzte Aufgabengebiete hatten. Ersterer war stets vor der Abwehr zu finden, um dort entweder als Anspielstation zu fungieren oder seinen Nebenmann abzusichern. Der US-Legionär hingegen sorgte für die Verbindungen nach vorne, indem er weite Wege ging und dabei freie Räume erkannte. Rapid verschob gegen Ball beispielsweise stark in Richtung des aktiven Flügels, wodurch sich in den ballfernen Halbräumen Lücken auftaten, die neben dem einrückenden Flügelspieler auch von besagtem Diskerud besetzt wurden. Nachdem sein Team in Führung ging, zog er sich zurück, hielt gemeinsam mit Svensson den Abstand zur Viererkette gering um Pässe in diese heikle Zone zu vermeiden. Immerhin fünf Interceptions verzeichnete der 22-Jährige, was teamintern der Höchstwert war.

Pichler als Antreiber im Mittelfeld

Aufseiten von Rapid erwies sich die Doppelsechs weniger harmonisch, was auch mit der Besetzung zu tun hatte. Heikkinen und Pichler sind als Spielertypen nur im weitesten Sinne dafür geeignet um die Anforderungen des modernen Box-to-Box-Mittelfeldspielers zu erfüllen. Dadurch hätte man durchaus mit dem klassischen spielerischen Loch entlang der Zentralachse rechnen dürfen. Dafür, dass dem weitestgehend nicht so war, sorgte Pichler. Der 25-Jährige überzeugte nicht nur in der Defensive – unter anderem neun abgefangene Pässe – sondern brachte auch nach vorne einiges zustande. So war es zum Bespiel er, der mit einem – zugegebenermaßen überaus unbedrängten – Lauf durch die Mitte samt Abschluss die zwischenzeitliche Führung vorbereitete. Bei allem Respekt vor der Leistung des Ex-Innsbruckers, die im Rahmen seiner spielerischen Möglichkeiten extrem stark war, eine dauerhafte Lösung als Spielgestalter darf er aufgrund der fehlenden Dynamik allerdings nicht werden.

Effektivere Flankennutzung nach Drazan-Einwechslung

Die spielentscheidenden Impulse aus Sicht der Hütteldorfer gingen im Abwesenheit der Kreativspieler Steffen Hofmann und Muhammed Ildiz nämlich vor allem von den nominellen Außenspieler aus, insbesondere nachdem Christopher Drazan für Alar eingewechselt wurde. Nachdem Burgstaller ohnehin schon sehr stark ins Zentrum drängte, bekleidete er fortan die zentrale Position der offensiven Dreierreihe, während der eingewechselte 22-Jährige die linke Außenbahn bearbeitete. In der ersten Halbzeit konnte man aufgrund der zentralen Stellung Burgstallers über diese Seite quasi keine Gefahr entwickeln und war gezwungen nach Umschaltmomenten die Räume hinter den aufgerückten Außenverteidigern zu attackieren. Nach der Einwechslung von Drazan konnte Gamboas Abwehrseite, im Verbund mit dem aufrückenden Schrammel und der zaghaften Defensivarbeit von Dockal, auch aktiv überladen werden. So kam Drazan während seinen rund 40 Minuten Einsatzzeit beispielsweise auf zehn Flanken.

Unsicherheit und Eigenfehler drehen Spiel

Dass es letztlich trotz dieser überlegenen Phase nicht zum Sieg reichte, lag einmal mehr an überflüssigen Fehlern in der Hintermannschaft. Zudem wirkte Rapid nach dem 2:1 nervös, wusste offenbar mit dieser Situation nicht richtig umzugehen. Sollte man das Tempo weiter hoch halten, auf das 3:1 gehen oder doch lieber kontrolliert den Ball laufen lassen? So herrschte unterm Strich eine für die aktuelle Lage symptomatische Unsicherheit, die garniert mit zahlreichen Individualfehlern, deren genaue Ausführung wohl den Rahmen sprengen würde, zur fünften Pleite im fünften Europa-League-Spiel führte.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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