1:8 – In Worten: Eins zu Acht. Und das Tor von Jakob Jantscher in der 56. Minute hätte nicht einmal zählen dürfen. Das erste...

1:8 – In Worten: Eins zu Acht. Und das Tor von Jakob Jantscher in der 56. Minute hätte nicht einmal zählen dürfen. Das erste Tor – Ironie des Schicksals – schoss ausgerechnet der Mann, der sich in den Vordergrund spielte und mit dem Geburtstag am 7. September 1992 der Jüngste war – Kapitän Martin Hinteregger.

Nach dem unter vielen Gesichtspunkten vercoachten Hinspiel besann sich Salzburg-Coach Ricardo Moniz bei den Vorgaben auf die Basics. In der Abwehr spielten nur Verteidiger, davor ein Sechser und ein Achter, dann drei Offensivleute und ein echter Stürmer ganz vorne. Zu Beginn des Spiels passten auch gewisse taktische Vorgaben. Die Bullen betrieben Forechecking, versuchten den Gegner früh zu stören, krallten sich die ersten zehn Minuten, um sich mit Anstand aus dem Europacup zu verabschieden. Nach einigen guten Aktionen der Gäste  wurde es den Hausherren aber zu bunt und Taison setzte ein Ausrufezeichen. Dieser Mann, der eigentlich auch zwei, drei Gegner austanzen könnte, brauchte nicht ein Fünkchen Samba, sondern lediglich ein dem-Zug-Nachlaufen, um Schlussmann Walke zu einer Großtat zu zwingen. Schiemer und Pasanen attackierten ihn viel zu passiv.

Wenn die Ironie des Schicksals zuschlägt

Die ganze bittere Ironie des Schicksals offenbarte sich nach ein paar Halbchancen der Mozartstädter. Andreas Ulmer wurde auf der linken Seite gegen Sosa alleine gelassen und brachte den Ball, halb Schuss, halb Pass Richtung Fünfer. Kapitän Martin Hinteregger rutschte in den Pass und bugsierte den Ball ins eigene Tor (28.). 0:5 nach 120 Spielminuten. Taison hätte nach einem Fehler im Spielaufbau kaum eine Minute später wieder zugeschlagen. Den Rest der ersten Halbzeit suchten die Bullen eine gewisse Sicherheit, wollten nach vorne kommen. Weite Pässe aus der Abwehr waren das Mittel, welches sich in den meisten Spielen als taktisches Armutszeugnis bewies. Kurz vor der Pause war es wieder die Nummer 77, die Walke prüfte. Damit ging es in die Pause.

Kharkiv zeigt es

Nachdem Jakob Jantscher nach einer schönen Aktion den Ball über die Linie gedrückt hatte, wollte Metalist etwas demonstrieren. Nach dem Motto „Die haben PSG geschlagen, wir zerreißen sie in der Luft“ schlug Cristaldo in Minute 62 zu. Die Abwehr der Bullen war konfus, nachdem Ulmer nach starker Balleroberung das Runde zu säumig raus gespielt hatte und es stand 1:2. Noch immer verwirrt wurde Sebastian Blanco kurz nach der Mittelauflage vergessen und das 1:3 war da. Marlos sorgte in der 87. Minute noch für den Schlusspunkt. Mit einer Gesamtscore von 1:8 schied Salzburg schwer gedemütigt aus.

Der Versuch einer Aufarbeitung

Salzburg ist definitiv nicht so schlecht, wie ein 1:8 vermuten lässt, zumal der Spielverlauf zweimal als unglücklich beschrieben werden kann. Die Mannschaft ist zutiefst verunsichert, musste seit dem Sommer immer wieder Stammspieler vorgeben. Mehrere Wochen fehlten Douglas, Alan, Mendes, Leitgeb, Schiemer, Schwegler und Ulmer. Die geholten Lindgren, Bruins oder Pasanen entpuppten sich als Rohrkrepierer. Angesichts der langen Verletztenliste ist das Erreichen des Sechzehntelfinales als noch höher einzustufen als noch vor zwei Jahren.

Wer nicht Fußball spielt, verliert

Die Metallarbeiter aus dem Osten verstehen sich auf ihr Handwerk. Mit einfachen Handgriffen wurden die Bullen gezähmt. Doppeln der starken Individualisten, durchdachte Powerläufe, Präsenz in den Zweikämpfen – Myron Markevich hat den Fußball sicherlich nicht neu erfunden, sondern lediglich spielen lassen. Dabei offenbarten auch die Ukrainer Unsicherheiten in der Defensive. Doch das Wichtige: Außer Taison, der wirklich einige Klassen stärker ist als die einzelnen Salzburger, ist es vor allem das Kollektiv, welches Probleme bereitete. Frei nach der alten Herberger-Weisheit „Elf Freunde müsst ihr sein“ agierte Metalist wie aus einem Guss, die vorhandenen Schwächen wohlwollend zu kaschieren. Bei den Gästen waren elf Einzelkünstler am Platz. Dementsprechend hatte Kharkiv einfaches Spiel.

Das Fazit des Rückspiels

Wieder pokerte Ricardo Moniz, doch auch mit geringerem Einsatz als im Hinspiel zerlegte Metalist sein Team. Ein Blick in die Ukraine zeigt aber den grundsätzlichen Unterschied: Kontinuität. Seit 2007 war Metalist beständig Dritter in der Premjer Liha, schied zwischendurch einmal gegen Sturm Graz aus. Markevich darf aber seit Jahren arbeiten, das Team nach seinen Vorstellungen formen und umbauen. Und, wie erwähnt, Kharkiv spielt lediglich Fußball, der up-to-date ist. Wenn das Duo Moniz/Kovac weiter arbeiten darf, kann sich Salzburg dem annähern. Wenn…

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

  • Joao

    25.Februar.2012 #1 Author

    Wohltuend unaufgeregt und neutral geschrieben, Daumen hoch! 

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  • Thom

    26.Februar.2012 #2 Author

    ja super geschrieben. probs. es wär halt in salzburg soviel mehr möglich – siehe basel… und die schweizer liga ist sicher nicht stärker als die österreichische. die ukrainische auch nicht – bis auf die 3, 4 topmannschaften is da auch nicht viel da. schade für ö. 

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