Im Juli machten sich Sturm Graz, Salzburg, Austria Wien und Ried dazu auf, ein möglichst erfolgreiches Europacupjahr zu beginnen. Etwas mehr als fünf Monate... Österreich im Europacup 2011/12: Ried schickt Brøndby heim und ärgert PSV Eindhoven im Hinspiel

Im Juli machten sich Sturm Graz, Salzburg, Austria Wien und Ried dazu auf, ein möglichst erfolgreiches Europacupjahr zu beginnen. Etwas mehr als fünf Monate später lässt sich konstatieren, dass dies durchaus gelungen ist und Österreich von diesen vier Vereinen auf internationaler Ebene würdig vertreten wurde. Abseits.at wirft noch einmal einen Blick zurück und beleuchtet das Auftreten der rot-weiß-roten Europacupfighter. Im vierten und letzten Teil der Serie steht Cupsieger Ried im Fokus.

Die SV Ried konnte sich erstmals seit der Saison 2007/08 wieder für den Europacup qualifizieren. Damals scheiterte man wie schon im Jahr zuvor nach mäßigen Leistungen am Schweizer Verein FC Sion. Der bisher größte internationale Erfolg der Innviertler war der Einzug ins Achtelfinale im Cup der Cupsieger 1998 sowie der Gewinn des UI-Cups 2006.

Viele Abgänge im Sommer

Die Rieder, die lange um den Meistertitel mitgespielt hatten, mussten im Zuge der Sommerpause zahlreiche namhafte Abgänge verkraften, denn so verließen mit Martin Stocklasa, Ewald Brenner, Thomas Schrammel, Daniel Royer und Florian Mader etliche Leistungsträger der Vorsaison die Mannschaft. Aufgrund durchdachter Neuzugänge wie z.B. Lukas Rotpuller, Daniel Beichler, Marco Meilinger und Emanuel Schreiner konnten diese jedoch kompensiert werden, auch wenn der Start in die neue Meisterschaft recht schleppend verlief.

Als Cupsieger genoss Ried den Vorteil, eine Runde später als Salzburg und Austria Wien in die Qualifikation zur Europa League einsteigen zu können, so dass das Team etwas mehr Zeit hatte, sich einzuspielen.

Heimsieg gegen Brøndby

Der erste Gegner, auf den die Innviertler trafen, war niemand geringerer als der zehnfache dänische Meister Brøndby, der ebenfalls einen schwachen Saisonstart hingelegt hatte. Zudem wurden die Oberösterreicher offenbar deutlich unterschätzt, denn Trainer Henrik Jensen sah davon ab, seinen Gegner vorab beobachten zu lassen.

Dies sollte sich als fataler Fehler herausstellen, denn die Rieder spielten groß auf und schickten die Dänen im Hinspiel mit 2:0 nachhause. Das erste Tor entsprang einem direkt verwandelten Freistoß von Florian Mader, das zweite erzielte Daniel Royer unmittelbar nach Wiederanpfiff in der zweiten Halbzeit. Ebenfalls hervorzuheben war die Leistung von Tormann Thomas Gebauer, der mehrere Großchancen der Gäste vereitelte und dafür sorgte, dass sie nicht das wichtige Auswärtstor erzielen konnten. Am Ende sah man eine konsternierte dänische Mannschaft, die sicherlich mit deutlich weniger Gegenwehr gerechnet hatte und nun bereits mit einem Bein ausgeschieden war.

Eine belohnte Aufholjagd

Vor dem Rückspiel im Vorort von Kopenhagen musste Ried einen herben Rückschlag hinnehmen. In der Meisterschaftspartie gegen Rapid verletzte sich Kapitän und Abwehrchef Oliver Glasner schwer am Kopf, so dass er nicht im Europacup eingesetzt werden konnte. Schlimmer noch, beim Abschlusstraining in Dänemark brach die Verletzung erneut auf und Glasner musste in Kopenhagen sogar notoperiert werden. Dieser Eingriff verlief glücklicherweise ohne Komplikationen, bedeutete aber das Ende der Spielerkarriere Glasners.

Trotz dieser Schwächung trat Ried, das mit der jungen Abwehr rund um Karner, Reifeltshammer und Riegler auflief, gegen offensiv agierende Dänen zunächst geschickt auf. Brøndby kam lediglich durch zumeist ungefährliche Distanzschüsse in Tornähe, ein ebensolcher verirrte sich nach einem schweren Fehler Gebauers fünf Minuten vor der Halbzeit aber dennoch ins Tor, was den Dänen Auftrieb verlieh. Durch einen von Krohn-Dehli verwandelten Elfmeter kamen sie noch vor der Pause zum zweiten Tor und konnten nach dem Wechsel binnen zehn Minuten gegen eine nun völlig indisponierte Rieder Mannschaft auf 4:0 stellen.

Noch an den Erfolg glaubend, nahm Ried-Trainer Paul Gludovatz nach einer Stunde eine Umstellung vor und brachte die Spanier Nacho und Casanova ins Spiel. Diese Veränderung tat den Innviertlern sichtlich gut, während bei den Dänen die Kräfte schwanden (was auch Gludovatz aufgrund der Gegneranalyse geahnt hatte, wie er später zu Protokoll gab). Zwanzig Minuten vor dem Ende erzielte Daniel Royer das erste Tor für die Gäste, so dass aufgrund der Auswärtstorregel nun wieder alles offen war. Brøndby ließ sich immer weiter in die eigene Hälfte zurückdrängen und schaffte es nicht, entlastende Konterangriffe zu lancieren. Zwei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit verwertete schließlich Hadzic eine Kopfballvorlage von Lexa zum 2:4, was die Rieder in die nächste Runde beförderte, da die Dänen nichts mehr entgegenzusetzen hatten.

Auch Eindhoven musste sich fügen

Als Belohnung für diese sensationelle Europacupschlacht wurde den Riedern im Playoff ihr bisher prominentester Gegner zugelost, denn die PSV Eindhoven musste sich ins Innviertel aufmachen. Um der Euphorie Tribut zu zollen, wurden sogar die die Stehplatztribünen im Rieder Stadion bestuhlt, so dass erstmals im Europacup die volle Kapazität ausgeschöpft werden konnte.

Wenige Stunden vor dem Spiel ereilte die Mannschaft von Paul Gludovatz eine schlechte Nachricht, Mittelfeldspieler Florian Mader wechselte per sofort zu Austria Wien und stand daher nicht mehr für das Spiel gegen Eindhoven zur Verfügung.

Unbeeindruckt davon lieferten die Rieder abermals ein mehr als beherztes Spiel ab, in dem die Gäste aus den Niederlanden aufgrund des perfekten Defensivverhaltens kaum zu zwingenden Torchancen kamen. Zum Ende des Spiels hin nahm sogar die Heimmannschaft die Zügel in die Hand und war dem Sieg nun wesentlich näher als die PSV Eindhoven, die sich schlussendlich mit einem torlosen Remis begnügen musste.

Das Ende vom großen Traum

Ein Ausscheiden gegen die SV Ried wäre für die PSV Eindhoven wohl einer Katastrophe gleichgekommen und dementsprechend angespannt zeigte sich Fred

Rutten, der Trainer der Niederländer, vor dem Rückspiel.

In der ersten Halbzeit dieser Partie hielten die Rieder wie schon im Hinspiel gut dagegen, mussten aber doch einige Chancen zulassen. Dennoch hielten sie zur Pause noch ein beachtliches 0:0. Nach dem Seitenwechsel kam der Philips-Express aber richtig ins Rollen und am Ende stand ein verdientes, vielleicht etwas zu hoch ausgefallenes, 5:0, das den Rieder Traum der Europa League Gruppenphase beendete.

Fazit

Dennoch bleibt von der internationalen Saison der Rieder Mannschaft fast nur positives zurück, im Gegensatz zu den letzten Europacupauftritten konnten sie ihre Klasse aufzeigen und demonstrieren, dass Ried nicht nur in der heimischen Meisterschaft ein für die Gastmannschaften äußerst harter Boden ist. Zudem wurden durch die beherzten Europacupschlachten zahlreiche Sympathien gewonnen. Bemerkenswert: Ried musste in seiner Europacupgeschichte (UI-Cup nicht eingerechnet) noch keine Heimniederlage hinnehmen.

 

Siege: 1

Unentschieden: 1

Niederlagen: 2

Torverhältnis: 4:9

Bester Torschütze: Daniel Royer mit zwei Treffern

 

OoK_PS, abseits.at