Im Juli machten sich Sturm Graz, Salzburg, Austria Wien und Ried dazu auf, ein möglichst erfolgreiches Europacupjahr zu beginnen. Etwas mehr als fünf Monate... Österreich im Europacup 2011/12: Wechselhaftes Sturm Graz enttäuscht am Ende

Im Juli machten sich Sturm Graz, Salzburg, Austria Wien und Ried dazu auf, ein möglichst erfolgreiches Europacupjahr zu beginnen. Etwas mehr als fünf Monate später lässt sich konstatieren, dass dies durchaus gelungen ist und Österreich von diesen vier Vereinen auf internationaler Ebene würdig vertreten wurde. Abseits.at wirft noch einmal einen Blick zurück und beleuchtet das Auftreten der rot-weiß-roten Europacupfighter. Den Auftakt der Serie macht Meister Sturm Graz.

Nach einer kurzen Sommerpause war man beim erfolgstrunkenen Meister wenig erfreut, dass in der zweiten Runde der Champions League Qualifikation mit dem FC Videoton aus Székesfehérvár bereits ein durchaus starker Gegner zugelost wurde. Zwar blieb den Steirern (vorerst) eine weite Reise in den Osten erspart, jedoch zeigte der von Paulo Sousa trainierte ungarische Meister in den beiden Spielen, dass es wohl einfachere Kontrahenten zum Europacupauftakt gegeben hätte.

Heimspiel in Klagenfurt

Sturm musste zum Hinspiel in das Wörtherseestadion zu Klagenfurt ausweichen, da die heimische UPC-Arena aufgrund der gleichzeitig stattfindenden Football Weltmeisterschaft nicht zur Verfügung stand. Wenige Tage vor dem Spiel war Sturms Abwehrchef Gordon Schildenfeld an Eintracht Frankfurt verkauft worden, so dass die Innenverteidigung von Ferdinand Feldhofer und Thomas Burgstaller gebildet wurde und sich alles andere als sicher präsentierte – ein Umstand, der Sturm im Laufe der Herbstsaison noch zahlreiche Punkte kosten sollte.

Dennoch gelang es den Grazern, auch dank großartiger Paraden von Christian Gratzei, die Null zu halten und vorne sorgte Imre Szabics nach knapp siebzig Minuten für das erlösende 1:0 gegen seine Landsleute. Da diese gegen Ende des Spiels nicht mehr richtig bei der Sache waren, konnte Roman Kienast in der Nachspielzeit zum 2:0 einschießen, so dass es mit einer einigermaßen komfortablen Ausgangssituation zum Rückspiel nach Ungarn ging.

Sturm zittert sich weiter

Das Rückspiel im Sóstói-Stadion sollte jedoch mehr als nur nervenaufreibend für die knapp eintausend mitgereisten grazer Fans werden, da einmal mehr die eklatante Abwehrschwäche des Meisters zum Vorschein kam. Die Führung der Ungarn nach 25 Minuten konnte jedoch postwendend durch einen viel diskutierten, aber regulären Treffer von Andreas Hölzl ausgeglichen werden, ehe sie nach einer halben Stunde wieder in Front gingen. Sieben Minuten später sorgte Ferdinand Feldhofer nach einem Gestocher infolge eines Eckballs für den abermaligen Ausgleich, doch Sturms Abwehr ließ sich in der Nachspielzeit der ersten Hälfte ein weiteres Mal überrumpeln und kassierte das 2:3. Trainer Foda reagierte daraufhin in der Halbzeit und nahm den völlig überforderten Dominik Pürcher vom Platz. Er wurde durch den georgischen Neuzugang Giorgi Popkhadze ersetzt, der der Abwehr in seinem ersten Pflichtspiel für Sturm wesentlich mehr Stabilität verlieh. So hatten die Ungarn zwar weiterhin mehr vom Spiel, konnten jedoch keine gefährlichen Szenen mehr kreieren und Sturm Graz stieg in die nächste Runde auf.

Nächster Stopp: Kaukasus

Hatte Sturm in der Runde zuvor noch Lospech, konnte man nun durchaus von Glück sprechen, denn der zugeteilte FC Zestafoni aus Georgien (Giorgi Popkhadzes Exverein) war gewiss weniger unangenehm zu bespielen als etwa Racing Genk oder Viktoria Plzen, die ebenfalls mögliche Gegner gewesen wären und es im weiteren Verlauf des Bewerbs sogar in die Champions League schaffen sollten.

Die durch den Aufstieg gegen Videoton freigesetzten finanziellen Mittel wurden in die Spieler Milan Dudic und Darko Bodul investiert, beide waren jedoch beim Hinspiel, das unter nahezu tropischen Bedingungen in Tiflis stattfand, noch nicht dabei. Dominiert wurde diese Partie, in der der junge Florian Neuhold neben Thomas Burgstaller als Innenverteidiger auflief, klar von den Gastgebern, die über die gesamte Spieldauer mehr als zwei Drittel Ballbesitz hatten, jedoch nur wenig konkrete Chancen herausspielen konnten. Folgerichtig gingen sie eine Viertelstunde vor dem Ende durch Gelashvili auch in Führung, nur vier Minuten später konnte Patrick Wolf allerdings einen schweren Abwehrfehler der Georgier ausnutzen und zum 1:1 einschießen, was auch das Endresultat darstellte.

Aufstieg im Regen

Vor dem Rückspiel in Graz herrschte unter den Fans große Aufregung, man empfand die Ticketpreise als zu hoch und wollte das Match boykottieren. Dazu kam es schlussendlich aber doch nicht, da rechtzeitig ein Kompromiss mit dem Vorstand gefunden werden konnte, so dass über 10.000 Zuschauer in Liebenau mitzitterten.

Milan Dudic kam dabei zu seinem Pflichtspieldebüt für Sturm und sorgte für Stabilität in der Abwehr, dennoch waren die Georgier in diesem chancenarmen Spiel mehr als nur ebenbürtig und verlangten Sturm alles ab, bis Roman Kienast schließlich in der 68. Minute das erlösende Führungstor erzielte. Danach konnten die Gäste im mittlerweile aufgezogenen schweren Gewitter nichts mehr entgegensetzen, so dass Sturm im Playoff zur Champions League stand und zumindest die Europa League fix erreicht hatte.

Ein gutes Resultat in Minsk

Als letzter Gegner wartete nun mit BATE Borisov ein Verein, den man durchaus als glückliches Los ansehen konnte, wären doch auch vermeintlich härtere Konkurrenten wie Maccabi Haifa oder APOEL Nikosia möglich gewesen.

Die Gewissheit, zumindest in der Europa League zu spielen ermöglichte es Sturm, sich mit dem ehemaligen Kapitän Jürgen Säumel noch einmal zu verstärken. Er bildete mit Manuel Weber beim Hinspiel in Minsk das Duo im defensiven Mittelfeld und ebendieser Weber brachte Sturm nach zwölf Minuten auch in Führung. In weiterer Folge dominierten die Grazer das Spiel und verpassten es, weitere Chancen in Tore umzumünzen.

In der letzten halben Stunde kamen die Weißrussen jedoch auf und erzielten nach einem Freistoß den Ausgleich. Danach dominierten sie zwar das Spiel, kamen jedoch wie Sturm kaum mehr zu Chancen, nur in der Nachspielzeit hatten die Grazer großes Glück, dass Kontsevoi das leere Tor verfehlte.

Die große Chance wird verpasst

Mit dieser guten Ausgangsposition ging es nun in das Rückspiel, wo ganz Fußballösterreich darauf hoffte, nach sechs Jahren endlich wieder einen Verein in die Champions League entsenden zu können – doch es sollte anders kommen. Bereits die Vorbereitung auf das Spiel lief alles andere als optimal, Roman Kienast brach sich im Meisterschaftsspiel gegen Salzburg den Mittelfußknochen und fiel zwei Monate aus. Nachdem Andreas Hölzl die große Chance auf die Führung verpasst hatte, glückte diese den Gästen durch einen Distanzschuss von Aleksandr Volodko. Als Marko Simic nach einem Freistoß in der 70. Minute zum 2:0 einköpfelte war klar, dass ein heimischer Verein einmal mehr an der letzten Hürde gescheitert war, was insofern als bitter zu bezeichnen ist, da dies gegen eine Mannschaft passierte, die nicht als übermächtig sondern ebenbürtig zu bezeichnen war.

Somit ging es für Sturm in der Europa League weiter, wo man schon vor zwei Jahren aktiv war. Als Gegner für den Europacupherbst wurden Anderlecht, Lokomotive Moskau sowie AEK Athen zugelost. Gekennzeichnet sollten die internationalen Auftritte ebenso wie jene in der heimischen Meisterschaft durch große Verletzungssorgen und zahlreiche individuelle Fehler sein.

Stromausfall und Niederlage

Zum Auftakt reiste Lokomotive Moskau nach Graz und gewann dieses Spiel mit 2:1. Nachdem Szabics Sturm in Führung gebracht hatte, konnten die Russen per Doppelschlag eine Viertelstunde später die Partie drehen. Sturm blieb zwar bemüht, hatte gegen einen nicht überragenden Gegner aber nichts entscheidendes mehr entgegenzusetzen. Überschattet wurde das Spiel von einem Stromausfall im Liebenauer Stadion, so dass der Ankick erst rund eine Dreiviertelstunde später als geplant, um 21:45, erfolgen konnte. In diesem Spiel musste erstmals in dieser Saison Silvije Cavlina den schwer verletzten Christian Gratzei im Tor der Grazer ersetzen.

Ein später Sieg in Athen

In der zweiten Runde ging es ins krisengeplagte Griechenland zu AEK Athen, wo der einzige Punkterfolg der Europa League Kampagne gefeiert werden sollte. Die Gastgeber gingen in Minute 50 nach einem Konter verdient in Führung, schwächten sich unmittelbar darauf aber selbst, da Kapitän Dellas nach einem Handspiel ausgeschlossen wurde. Daraufhin beging AEK den Fehler, sich komplett zurückzuziehen, so dass Sturm, wo der junge Stefan Stangl im Mittelfeld durchspielte, die Partie immer besser in den Griff bekam, durch Thomas Burgstaller drei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit ausglich und in der Nachspielzeit dank eines Tors von Mario Haas sogar noch den Sieg davontragen konnte.

Zwei Spiele, keine Punkte gegen Anderlecht

Es folgte nun eine Doppelrunde gegen Anderlecht, aus der die Grazer ohne Punkt- und Torerfolg herausgehen sollten. Im Heimspiel hielt man lange gut mit und hatte nach einer Stunde sogar die Chance auf die Führung, unmittelbar im Gegenzug brachte Gillet die Belgier jedoch in Front, wieder einmal verschuldet durch einen schweren Abwehrfehler. Neun Minuten später sorgte Suárez für die endgültige Entscheidung.

Im „Rückspiel“ zu Brüssel, wohin die Grazer dank Sonderzug von zahlreichen Fans begleitet worden waren, zeigt sich ein ähnliches Bild. Zwar hielt Sturm phasenweise gut mit und hatte auch die Chance Treffer zu erzielen, schlussendlich setzt sich aber die höhere Klasse der Belgier durch, die mit 3:0 gewannen.

Auch die letzten beiden Spiele enden ohne Punktgewinn

Die letzte internationale Auswärtsreise der Saison führte schließlich zu Lokomotive Moskau, wo man lange gut mithalten konnte, nach einer Stunde aber das erste Gegentor hinnehmen musste. Diesen Rückstand konnte Florian Kainz postwendend ausgleichen, ehe Sychev die Russen per Elfmeter abermals in Führung brachte. Glushakov sorgte mit einem Konter in der letzten Minute schlussendlich für den Endstand von 3:1.

Versöhnlich wollte sich Sturm von den Fans im Heimspiel gegen AEK Athen, das mit einer absoluten Rumpftruppe angereist war, verabschieden, doch so sollte es nicht kommen. Die Griechen gingen mit einer hoch verdienten Pausenführung durch Tore von Manolas und Burns in die Kabinen, ehe Sturm den Ernst der Lage erkannte und in der zweiten Halbzeit kontinuierlich Druck erzeugt, aus dem auch der Anschlusstreffer durch Florian Kainz resultierte. Die Griechen hielten diesem Aufbäumen jedoch Stand und versetzten den Grazern durch einen Sololauf von Klonaridis den Todesstoß. Somit verpasste Sturm das von Trainer Foda ausgegebene Ziel, mehr Punkte in der Europa League als vor zwei Jahren zu erreichen. Damals waren es schlussendlich vier.

Fazit

Unter dem Strich bleibt eine ereignisreiche Europacupsaison mit zahlreichen Spielen auf Messers Schneide, die geprägt von vielen individuellen Fehlern und Verletzungen war. Sturm konnte zwar phasenweise auch gegen stärkere Gegner mithalten, war aber letztlich doch meist zu schwach, um zählbares aus diesen Spielen mitzunehmen. Vor allem die verpasste Champions League Qualifikation wird dem ein oder anderen Akteur wohl noch länger im Magen liegen.

Siege: 3

Unentschieden: 2

Niederlagen: 7

Torverhältnis: 12:21

Beste Torschützen: Roman Kienast, Imre Szabics und Florian Kainz mit je zwei Treffern

 

OoK_PS, abseits.at