Rapid bekommt es in der Europa-League-Gruppenphase mit dem wohl beliebtesten Klub Russlands zu tun. Spartak Moskau, auch als der „Volksklub“ bezeichnet, weil er so... Rapid-Gegner Spartak als russisches „Team des Volkes“

Rapid bekommt es in der Europa-League-Gruppenphase mit dem wohl beliebtesten Klub Russlands zu tun. Spartak Moskau, auch als der „Volksklub“ bezeichnet, weil er so viele Anhänger um sich schart, ist einer der erfolgreichsten Klubs der Sowjetunion und Russlands, hat seine größten Zeiten aber hinter sich.

Spartak ist ein Klub mit kleinem Österreich-Bezug: Einerseits war der heutige russische Teamchef und einstige Tirol-Keeper Stanislav Cherchesov von 2007 bis 2008 über ein Jahr lang Trainer der Rot-Weißen. Mit Emanuel Pogatetz und Martin Stranzl spielten auch zwei ehemalige Nationalspieler für den Traditionsklub, der 1922 gegründet wurde und neben dem „Volksklub“ auch den Beinamen „Myaso“, zu Deutsch „Fleisch“ trägt.

Bekannte Trainer und die prägende Vereinslegende

Große Namen arbeiteten in der Vergangenheit für den Klub: Auf der Trainerbank saßen etwa Herren wie Nevio Scala, Michael Laudrup, Unai Emery und Murat Yakin. Heute wird der Verein vom Italiener Massimo Carrera betreut. Die prägendste Figur der Vereinsgeschichte ist aber der heute 88-jährige Nikita Simonyan. Er bestritt zwischen 1949 und 1959 stolze 233 Ligaspiele für Spartak und ist auch heute noch mit 133 Toren Rekordtorjäger. Unmittelbar nach seinem Karriereende wurde er Trainer. Seine beiden Amtszeiten überdauerten insgesamt 11 ½ Jahre.

Zahlreiche Idole und spannende Legionäre

Aber auch auf dem Feld tummelten sich bei Spartak immer wieder echte Stars. Viele der russischen Idole der Vergangenheit, wie etwa Karpin, Alenichev, Juran, Onopko, Shirokov, oder noch früher Dassajew, Mostowoi, Romantsev oder Schawlo kickten für Spartak. Eine Auswahl der bekanntesten Legionäre der Vereinsgeschichte umfasst Aiden McGeady, Stipe Pletikosa, Kim Källström, Nemanja Vidic, Lucas Barrios, Marcos Rojo, Welliton, aber auch die einstigen Österreich-Legionäre Szabolcs Safar und Ognjen Vukojevic.

Letztes Jahr der erste Titel nach 16 Jahren Durststrecke

Insgesamt holte Spartak zwölf sowjetische und zehn russische Meisterschaften. Die beste Zeit erlebte man dabei in den 30er und 50er Jahren. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs avancierte die Mannschaft unter Oleg Romantsev noch einmal zum russischen Serienmeister. Zwischen 1992 und 2001 holte das Team neun Meisterschaften, womit dies die prägendste Zeit der Vereinsgeschichte darstellt. Danach kam jedoch der Absturz und auf den nächsten Titel musste man 16 Jahre lang warten. Für den sorgte der jetzige Trainer Carrera in der Saison 2016/17. In der titellosen Zeit wurde man fünfmal Zweiter und holte 2003 immerhin einen von drei Cupsiegen. In der vergangenen Saison wurde das Team Dritter hinter ZSKA und Lokomotiv Moskau, spielte aber bis zum Ende um den Titel mit. Am Ende fehlten nur vier Punkte.

Dreimal im Europacup-Halbfinale

In einem Europacupfinale stand Spartak noch nie. Dreimal scheiterte man im Halbfinale – in jedem der drei Bewerbe, inklusive Cup der Cupsieger, je einmal. Im Meistercup 1990/91 war gegen Marseille Endstation, im UEFA-Cup 1997/98 gegen Inter Mailand und im Cupsiegerbewerb 1992/93 gegen Antwerpen. In der Fußballneuzeit ist lediglich die Europa League 2010/11 erwähnenswert. Damals stieg man als Dritter in der Champions-League-Gruppe in die Europa League um, warf dann Basel und Ajax aus dem Bewerb und scheiterte erst im Viertelfinale an Porto – da allerdings mit einem Gesamtscore von 3:10.

Die wechselhafte letzte Champions-League-Saison

Der Erfolg im Europacup war in den letzten Jahren sehr wechselhaft. Zuletzt scheiterte man in der Champions-League-Qualifikation an PAOK Saloniki, in der vergangenen Saison hatte Spartak aber einige Überraschungen parat. Zwar setzte es in der Champions-League-Gruppenphase 2017/18 ein 0:7 in Liverpool, dafür holte das Team zu Hause gegen die Reds ein 1:1 und fegte den FC Sevilla in einer denkwürdigen Partie mit 5:1 vom Platz. Der damals beste Spieler Quincy Promes wurde diesen Sommer von Sevilla verpflichtet. Im Sechzehntelfinale der Europa League war dann gegen Athletic Bilbao Endstation.

Keine große Europa-League-Erfahrung

Davor nahm Spartak aber drei Jahre in Folge nicht am Europacup teil. Vor dieser Europacup-freien Zeit nahm das Team 2013/14 am Europa-League-Playoff teil, scheiterte aber dort als gesetztes Team an St.Gallen. In den vorangegangenen Jahren spielten die Rot-Weißen gelegentlich in der Champions League mit, aber eine Europa-League-Gruppenphase nach aktueller Regelung spielte das Team noch nie. Früher, als es noch Fünfergruppen gab, war Spartak mehrmals dabei, aber in einer der Vierergruppen, die um den Aufstieg ins Sechzehntelfinale rittern, war Spartak noch nie. Wenn man Berührungspunkte mit der „neuen“ Europa League hatte, dann weil man als Dritter der Champions-League-Gruppe in den kleinen Bewerb umstieg.

Hitzige Derbys und internationale Freundschaften

Der Erzrivale von Spartak Moskau ist ZSKA und das Duell der beiden Mannschaften ist auch das Spiel, das in Russland regelmäßig die meisten Zuschauer ins Stadion lockt. Das älteste aller Moskau-Derbys ist das Aufeinandertreffen mit Dinamo Moskau, das aber weniger Emotion in sich birgt. Auch mit Dynamo Kiev gibt es aus Sowjetzeiten noch eine aufrechte Rivalität. Fanfreundschaften hegen die Spartak-Anhänger aufgrund der Vereinsfarben und der religiösen Orientierung mit Roter Stern Belgrad und Olympiakos Piräus. Auch mit Torpedo Moskau, derzeit Drittligist, gibt es eine aufrechte Freundschaft.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen