Zugegebenermaßen: Es war nur einer kleinen Gruppe Journalisten gegönnt, Simon Cziommer, Stefan Hierländer und David Mendes da Silva in die Augen zu schauen. Die...

Zugegebenermaßen: Es war nur einer kleinen Gruppe Journalisten gegönnt, Simon Cziommer, Stefan Hierländer und David Mendes da Silva in die Augen zu schauen. Die Augen des Deutschen funkelten, als er über alle Zuschauer herzog, die nicht auf der Südkurve standen. Der junge Kärntner wirkte angesäuert, auf einer Position, die ihm so gar nicht zusagt, gespielt zu haben. Mendes trat nur kurz hervor, meinte „Es will eh niemand etwas“ und ging wieder.

Es gab natürlich viele Gründe, warum am Donnerstag alles schief lief, was schief laufen kann. Der Ausfall der „Seele“ Leitgeb-Schiemer, die hirnrissige Aufstellung mit nur drei Defensivspezialisten, wovon zwei lange verletzt gewesen waren und einer erst im September 20 wird, das „Pech“ beim vermeintlichen Elfer und so weiter und sofort. Dennoch gilt es bei allem Red Bull-Bashing, welches beispielsweise im austriansoccerboard.com betrieben wird, die Realität im europäischen Spitzenfußball zweiter Klasse, also UEFA-Cup bzw. Europa League, zu bewahren. Die 5-Jahres-Wertung verrät, dass Österreich im Moment 15. ist. Hinter den bekannten fünf großen Ligen rangieren in dieser Reinfolge Portugal, Russland, die Ukraine und die Niederlande. Dann folgen vergleichbarere Ligen, wie Griechenland, Türkei, Belgien, Dänemark und die Schweiz. Wir werfen deshalb einen Blick auf die Europa League Achtelfinalisten der vergangenen fünf Jahre und checken, wie außergewöhnlich ein Aufstieg der roten Bullen gewesen wäre.

Wunder geschehen?

Die letzte Saison, die in der derzeitigen Wertung enthalten ist, ist die Spielzeit 2007/08. Die Achtelfinalisten des damaligen UEFA-Cups kamen mit Ausnahme der Glasgow Rangers alle aus Ligen, die weiter vorne zu finden sind. Mit RSC Anderlecht war des Weiteren nur eine weitere Mannschaft aus einem Land dabei, welches nicht unter den Top Ten vertreten ist. Im Jahr darauf, dem letzten des UEFA-Pokals, standen beispielsweise drei Teams aus der Ukraine in der Runde der letzten 16 Teams. Aalborg BK war der Vertreter des Landes, welches in der Wertung am weitesten hinten liegt. Im Frühjahr 2010 waren die schwächsten Achtelfinalisten der neu geschaffenen Europa League Panathinaikos Athen, RSC Anderlecht und Standard Lüttich. Vor einem Jahr waren es wieder die Rangers, welche als Vertreter einer schwächeren Liga ins Achtelfinale vorstießen. Von den 64 Plätzen, die in den vergangenen vier Jahren vergeben wurden, wurden lediglich drei an Mannschaften vergeben, die aus real vergleichbaren Ligen kamen. Mit zweimal Schottland, gegenwärtig nur 19. der Fünf-Jahreswertung, und einmal Dänemark, 13., liegt die Wahrscheinlichkeitsrate, dass ein Team aus Österreich am Achtelfinale teilnimmt, bei gerade einmal 4,7 Prozent!

Sperrzone für Teams aus Ligen in Österreichs derzeitiger Reichweite

Europas zweite Leistungsklasse ist also wie die Champions League eine Spielwiese der großen Ligen und deren bester Zulieferer. Nicht einmal Nachbar Schweiz brachte in den letzten fünf Jahren einen Vertreter ins Achtelfinale. Basel stieß 2005/06 ins Viertelfinale vor, das schaffte die Wiener Austria im Jahr davor. Sobald es also ans Eingemachte geht, sind die großen Ligen und einige traditionell starke Vereine aus klassischen Zuliefererligen wie Belgien wieder unter sich. Umso mehr ist es schon bemerkenswert, dass Salzburg überhaupt zwei Mal innerhalb der letzten drei Jahren in der Runde der letzten 32 stand.

Realismus, bitte!

Im Fußball gibt es viele Ansätze, die zum Erfolg führen. Von Ausnahmen – und das ist ein so blödes Gegentor – auf das Ganze zu schließen ist falsch. Die Bullen haben sich auf einen Weg begeben, der sicherlich nicht sehr einfach ist. Ricardo Moniz ist menschlich nicht einfach zu genießen, hat seine eigenen Vorstellungen. Dennoch soll er anscheinend langfristig arbeiten dürfen. Drei Flanken auf Maierhofer zwischen Minute 25 und 37 und Salzburg hätte das Ding gedreht, Trainer und Spieler wären die Könige anstatt Deppen gewesen. Doch die Ausgangslage war davor schon mehr als klar: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Mozartstädter ausscheiden, betrug mehr als 95 Prozent! So gesehen ist es schon fast wieder begrüßenswert, dass mit Jantscher, Hierländer und Hinteregger drei österreichische Jungprofis am Feld standen, die diesen Weg gehen durften. Denn noch beschämender wäre es gewesen, wenn Moniz & Co. es überhaupt nicht versucht hätten, nach vorne zu spielen.

Bei allem Geld, das Salzburg investiert, ist der Fußballklub eben europäisch gesehen nach wie vor ein Armenhaus. Von den teilnehmenden Mannschaften im Sechzehntelfinale budgetieren nur Wisla Krakau, Legia Warschau und Viktoria Pilsen weniger Geld, in der finanziellen Reichweite liegen Steaua Bukarest und PAOK Thessaloniki. Österreich und Salzburg sind  kleine Fische. Will sich also ein Vertreter des Teams Austria in Europa im Achtelfinale präsentieren, muss alles stimmen. Auch wenn es eigentlich auch dann so gut wie unmöglich ist.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

Keine Kommentare bisher.

Sei der/die Erste mit einem Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.