Nach dem Unentschieden zum Auftakt gegen Vitoria Guimaraes konnte der FC Salzburg mit einem verdienten Sieg gegen Marseille nachlegen und erklomm dadurch sogar nach... So konnte Salzburg Marseille biegen!

Nach dem Unentschieden zum Auftakt gegen Vitoria Guimaraes konnte der FC Salzburg mit einem verdienten Sieg gegen Marseille nachlegen und erklomm dadurch sogar nach zwei gespielten Runden die Tabellenführung in seiner Gruppe.

Das Spiel war gekennzeichnet durch eine hohe Intensität, permanent hohen zeitlichen wie räumlichen Druck auf beiden Seiten sowie viele Ballbesitzwechseln und potentielle Gegenpressingsituationen. Salzburg schaffte es vor allem über ihr Pressing das Spiel und den Gegner zu kontrollieren und ging dadurch nach 90 Minuten als verdienter Sieger vom Platz. Wir schauen uns die Matchpläne beider Trainer an.

Grundordnungen und Personal

Aufgrund der langen Verletztenliste stellte sich die Aufstellung von Marco Rose quasi von alleine zusammen. Die Viererkette vor Alex Walke blieb im Vergleich zu den letzten Spielen unverändert. Das Innenverteidiger-Duo bestand wieder aus Miranda und Caleta-Car, unterstützt wurden die beiden von Lainer auf rechts und Ulmer auf der linken Abwehrseite.
Auch die Positionen in der Mittelfeld-Raute wurden bis auf den vordersten Punkt standesgemäß besetzt. Xaver Schlager spielte auf der Zehn hinter den beiden Stürmern Dabbur und Wolf, weil auch Gulbrandsen noch kurzfristig ausgefallen ist und dadurch der nominelle „Zehner“ Hannes Wolf eine Linie nach vorne rückte. An der 4-3-1-2 Grundordnung änderte Marco Rose also auch gegen Marseille nichts.

Die Mannschaft von Rudi Garcia kam in einer 4-2-3-1-Grundordnung nach Salzburg. Durchaus prominent besetzt war die Abwehrkette von Marseille mit den beiden Innenverteidigern Rolando und Rami sowie Evra auf der linken Außenverteidigerposition. Ergänzt wurden diese erfahrenen Spieler von Bouna Sarr auf der rechten Seite.

Die Sechserpositionen wurden vom ehemaligen Wolfsburger Luiz Gustavo und dem erst 17-jährigen französischen Talent Boubacar Kamara besetzt. Auf den Flügelpositionen kamen Sanson und der sehr auffällige Thauvin zum Zug, während die vorderste Linie aus den beweglichen Lopez und Germain bestand. Maxime Lopez hatte dazu noch eine interessante Rolle im Aufbauspiel inne, auf die wir später noch eingehen werden.

Kompaktes und aktives Mittelfeldpressing von Marseille

Zunächst werfen wir aber einen Blick auf das Konzept von Marseille im Spiel gegen den Ball, war es doch die Grundlage des französischen Matchplans. Dabei positionierte sich die Truppe von Garcia in einer kompakten 4-4-2-Grundordnung mit passenden und gut gewählten Abständen sowohl zwischen als auch in den einzelnen Mannschaftsteilen. Die erste Pressinglinie um Lopez und Germain besetzte den Sechserraum der Bullen und orientierten sich bezüglich ihrer Höhe häufig am Salzburger Sechser Samassekou. Ein höheres Pressing wurde dabei über die gesamte Spielzeit eigentlich nie wirklich forciert, wodurch die Innenverteidiger Miranda und Caleta-Car die einzigen Spieler auf dem Platz waren, welche etwas Zeit am Ball hatten und den Aufbau der Bullen kontrolliert einleiten konnten.

Innerhalb des 4-4-2-Blocks verteidigten die Franzosen aber äußerst aufmerksam und aggressiv. Die zwei Viererketten verschoben zwar grundsätzlich ball- und positionsorientiert, situative Mannorientierungen innerhalb des Blocks erhöhten aber den Zugriff und die Dynamik des Mittelfeldpressings.

Auffallend, vor allem in der ersten Halbzeit, war die lose Mannorientierung des Sechsers Kamara auf Valon Berisha. Dieser kam im Vergleich zu den letzten Spielen etwas mehr aus der Tiefe und positionierte sich dafür häufig auf einer Höhe neben Samassekou. Kamara rückte in solchen Situationen aus der Viererkette heraus und stellte Berisha bereits bei dessen Ballannahme. Dadurch konnte dieser nicht seine Dynamik und Schnelligkeit aufnehmen und auch keine durchschlagskräftigen Folgeaktionen (in Form von Doppelpässen, Lupfern oder Schnittstellenpässen) im dritten Drittel einleiten.

Ein weiterer Teilaspekt im Spiel gegen den Ball war das geschickte Verteidigen der Diagonalpässe der Salzburger Außenverteidiger. Innerhalb der mannschaftstaktischen Ausrichtung positionierten sich die beiden Flügelspieler Sanson und Thauvin bei Ballbesitz der Salzburger Innenverteidiger in den Halbräumen neben den beiden Sechsern. Erst bei einem Pass der Innenverteidiger auf die Außenverteidiger (was der Regelfall war) schoben sie heraus und attackierten Lainer bzw. Ulmer. Die restlichen Spieler der beiden Viererketten schoben nach und stellten sehr konsequent die Salzburger Anspielpunkte im Zentrum bzw. in den Halbräumen zu. Diese relativ simple, aber sehr sauber und aktiv ausgeführte Ausrichtung sorge vor allem im ersten Durchgang dafür, dass die Salzburger eigentlich nie in ihren gewohnten Kombinationsfluss kamen und herausgespielte Abschlussmöglichkeiten daher eine Seltenheit blieben.

In dieser Grafik sieht man die Struktur von Marseille im Spiel gegen den Ball. Exemplarisch erkennt man auch das Aufbauspiel der Salzburger. Interessant sind die unterschiedlichen Rollen der beiden Achter Berisha und Haidara. Berisha spielte im linken Halbraum wesentlich tiefer als Haidara im rechten, wodurch viele Angriffe über diese Räume eingeleitet wurden. Auf der ballfernen Seite hatte man dadurch aber mit dem Dreieck Haidara, Wolf und Lainer gute Anspielpunkte für effektive Verlagerungen und Durchbrüche hinter die Viererkette von Marseille. So wurde auch das Tor von Dabbur eingeleitet, nachdem der Ball im linken Halbraum nach gutem Gegenpressing erobert werden konnte.

Aber auch Salzburg presst gut…

Aber weil nicht nur Marseille gut und aufmerksam verteidigte sondern auch die Salzburger wie gewohnt griffig und aggressiv in deren Verteidigungsverhalten waren, entstand ein sehr schnelles und intensives Spiel in engen Räumen, mit vielen Ballbesitzwechseln zwischen den beiden Mannschaften. Längere Ballstafetten konnten beide Mannschaften de facto nicht verzeichnen, schlichtweg weil es der Gegner nicht zuließ.

Die Salzburger zogen ihre Spielweise mit einem aktiven Angriffspressing und einer hohen Verteidigungslinie auch gegen Marseille durch. Dabei besetzte man die Räume aus der 4-3-1-2-Grundordnung wie gewohnt. Primäres Ziel war, den Aufbau durch das Zentrum zuzustellen und den Gegner auf die Außen zu lenken, um dort mit den verschiedenen Druckkomponenten den Angriff zu unterbinden bzw. im besten Fall den Ball zu erobern. Dies funktionierte über weite Strecken sehr gut. Über die gesamten 90 Minuten gab es nur eine Handvoll Aktionen, in denen die Franzosen diese Drucksituationen umspielen konnten.

In der ersten Phase des Pressings besetzten wieder die Stürmer Wolf und Dabbur die Halbräume vor den französischen Innenverteidigern und liefen diese auch aktiv an. Dahinter hatte Xaver Schlager die Aufgabe, Pässe in den gegnerischen Sechserraum erst gar nicht zu ermöglichen, indem er hauptsächlich Luiz Gustavo, den tiefsten Mittefeldspieler von Marseille im Aufbau, gut zustellte.

Hinter der ersten Pressinglinie positionieren sich die Achter Haidara und Berisha ebenfalls in den Halbräumen und stellen dort mögliche Passoptionen zu. Dabei lauern sie bereits auf den Pass auf den gegnerischen Außenverteidiger, was im Spiel gegen Marseille (und auch in den meisten anderen Spielen) der nächste Schritt im Pressingmechanismus der Salzburger ist.

Kommt der gegnerische Außenverteidiger an den Ball, verlassen die Achter ihre Positionen im Halbraum und schieben auf den Flügel durch, um attackieren zu können. Um den Druck maximal hochhalten zu können, schieben Ulmer und Lainer weit nach vorne und stellen den gegnerischen Flügelspieler zu, damit dieser sich nicht aufdrehen kann.

Samassekou spielt den Staubsauger und sichert den Raum vor der Abwehr, während der ballferne Achter ebenfalls unterstützend hinzu kommt und Pässe in das Zentrum verhindern bzw. abfangen soll.

Auch im zweiten Pressingschritt übernimmt der Zehner, in diesem Fall Xaver Schlager, eine wichtige Rolle. Er vervollständigt den kompakten Block auf der ballnahen Seite sozusagen, indem er meist den Passweg für den gegnerischen Außenverteidiger auf den Sechser zustellt. Gegen Marseille war dies deutlich zu sehen. Er ließ sich etwas fallen und übernahm in vielen Fällen den rechten Sechser Kamara, wodurch der Druck und die Intensität hochgehalten werden konnte.

Diese Pressingmechanismen mit dem Ziel den Gegner an den Flügeln zu isolieren, funktionierten gegen Marseille konstant gut und wurden von den Spielen auf dem Platz in der Gruppe sehr sauber und konsequent umgesetzt.

Das Resultat: Überschaubare spielerische Linie

Wenn beide Mannschaften gut verteidigen ist es eigentlich nur logisch, dass eher wenig Torraumszenen und spielerische Glanzlichter dabei herauskommen. Es ist nun mal leichter, das Spiel zu „zerstören“ als es selbst kreativ zu gestalten. Wobei sich Salzburg in der zweiten Halbzeit (auch bedingt durch eine nachlassende Intensität im Pressing von Marseille) im spielerischen Bereich stark steigern konnte. Vor allem über die rechte Seite von Stefan Lainer konnten einige Angriffe gestartet werden. Das Zusammenspiel mit Haidara klappt dabei immer besser. Auffallend war bereits in der ersten Hälfte, dass man den Zentrumsfokus etwas auflockerte. Indem Berisha etwas tiefer spielte als sonst zog man den Gegner etwas weiter auseinander und öffnete dadurch etwas mehr Platz im Zwischenlinienraum. Den haben sich die Bullen in den letzten Spielen durch ihre enorme Präsenz dort fast selbst zu eng gemacht.

Auch Marseille konnte sich selten aus den angesprochenen Drucksituationen spielerisch befreien und kontrollierte Angriffe starten. Taktisch interessant war das Zurückfallen von Lopez auf die Achter-Position in den linken defensiven Halbraum. Dadurch entstanden vereinzelt 4-3-3-Grundordnungen mit Gustavo als Sechser und Lopez/Kamera als Achter. Dadurch wollte man Dreiecke und Anspielpunkte herstellen, um das Spiel von hinten aufbauen zu können. Von der Umsetzung auf dem Platz war davon aber nicht wirklich etwas zu sehen.

Fazit

Aufgrund der vielen Ausfälle (Rose hat nur einmal gewechselt) ist dieser Sieg gar nicht hoch genug einzuschätzen. Basis dafür war sicherlich das erneut gute Auftreten im Spiel gegen den Ball mit einer sehr sauberen gruppentaktischen Umsetzung. Dabei ist es beachtlich, mit welcher Bereitschaft die Spieler (sowohl physisch als auch mental) diese Idee im 3-Tages-Rhythmus auf den Platz bringen. Auf alle Fälle wurde mit diesem Sieg ein wichtiger Baustein für das Überwintern im Europacup gelegt.

Sebastian Ungerank, abseits.at

Sebastian Ungerank