Für die österreichischen Klubs ging die Gruppenphase des Europacups vor zwei Wochen zu Ende. Während die Wiener Austria und Rapid Wien die Segel streichen... Statistikanalyse zur EC-Gruppenphase: Rapid Wien in der Europa League

SK Rapid Wien Wappen Logo Europa LeagueFür die österreichischen Klubs ging die Gruppenphase des Europacups vor zwei Wochen zu Ende. Während die Wiener Austria und Rapid Wien die Segel streichen mussten, qualifizierte sich Red Bull Salzburg mit sechs Siegen aus ebenso vielen Spielen für die KO-Phase. In einer dreiteiligen Serie wirft abseits.at einen genauen Blick auf die Statistiken der drei Teams und vergleicht sie mit den Gruppengegnern sowie den jeweils besten und schlechtesten Werten. Die Daten stammen von whoscored.com.

Keine Mannschaft nahm häufiger an der Europa League teil als der SK Rapid Wien. Die Grünweißen schafften es allerdings noch nie im Europacup zu überwintern. Auch in dieser Saison scheiterten sie bereits in Gruppenphase, obwohl es ihr wohl bester Auftritt war. Zum einen weil sie bis zum letzten Spieltag die Möglichkeit hatten in die KO-Runde zu kommen, zum anderen weil sie so viele Punkte wie nie zuvor holten. Auch statistisch gehörten sie teilweise zum Spitzenfeld.

Ballbesitz: Häufigkeit und Qualität

In der tipp3-Bundesliga gibt es kein Team, das mehr Ballbesitz und mehr Ballkontakte als Rapid hat. Auch hinsichtlich der Passquote sind die Hütteldorfer top. Sie spielen einen flüssigen und sicheren Kombinationsfußball, der in erster Linie die Dominanz im Mittelfeld zum Ziel hat. Auch in der Europa League fand man diese Aspekte.

In der Gruppe G hatte Rapid mit 54,1% den höchsten Ballbesitzanteil. Damit liegen sie nur knapp hinter Red Bull Salzburg auf Rang 14 von 48. Wie in der Salzburg-Gruppe hat auch hier der belgische Vertreter den niedrigsten Wert, im Gegensatz zu Standard Lüttich schaffte der KRC Genk aber den Sprung in die KO-Phase – und das sogar als Gruppensieger.

Auch bezüglich der Zeit im Angriffsdrittel hat Genk einen vergleichbar niedrigen Wert. Bei Rapid erkennt man den eingangs erwähnten Fokus auf das Mittelfeld, denn kein anderes Team der Gruppe hielt sich im zweiten Drittel länger auf als die Wiener (47%). Das geht jedoch zulasten des Drucks auf den Gegner, wie die oben stehende Grafik zeigt.

Wie produktiv haben die beteiligten Mannschaften nun ihren Ballbesitz eingesetzt? Im obigen Diagramm sind die jeweiligen Schuss- über die Ballbesitzzahlen aufgetragen. Wieder wirft Genk gewisse Rätsel auf. Die Belgier zählten zu jenen Mannschaften, die aus ihren Ballbesitzanteil offensiv wenig herausholten. Rapid und die anderen beiden Teams steht etwa im Durchschnitt. Eine genauere Aufschlüsselung folgt später.

Pässe: Qualität und Arten

Nachdem hinsichtlich des Ballbesitzes bei Rapid also weitestgehend eine gute Übereinstimmung  zwischen Europacupspielen und Ligaalltag gefunden wurde, blicken wir nun auf den Anteil an erfolgreichen Pässen.

In der Bundesliga bringen die Rapid-Spieler pro Spiel im Schnitt 79,5% aller Pässe an den Mann, international waren es sogar 81,4%. Ein naheliegender Grund für diese Steigerung folgt aus den obigen Erkenntnissen der Ballbesitzstatistiken. Rapid will im Aufbauspiel wenig Risiko eingehen, spielt oft „hinten herum“ bevor es in die Tiefe geht. So hatte man beispielsweise beim Auswärtsspiel in Kiew eine 83-prozentige, beim Heimspiel gegen Genk sogar eine 88-prozentige Erfolgsquote, schloss in beiden Fällen aber am häufigsten außerhalb des Strafraums ab.

Auch in diesem Diagramm erkennt man, dass Rapid dazu neigt, das Spiel zu „verschleppen“. Nur Genk brauchte von den Gruppengegner im Durchschnitt länger als Rapid um eine Schuss anzubringen. Der relativ große Abstand zwischen den beiden Teams lässt aber bereits darauf schließen, dass Genk generell zu den unproduktivsten Europa-League-Klubs zählte (Platz 45), während Rapid (26.) und Thun (24.) im Mittelfeld zu finden sind.

Zum Abschluss dieser Kategorie blicken wir noch auf die Passschemen der vier Mannschaften aus Gruppe G. Bei den Kurzpässen erkennt man hier nur marginale Unterschiede. Rapid spielte prozentuell genauso viele wie Dynamo Kiew (82,3%), was weniger Kurzpässe als Genk (83,6%) und mehr als Thun (81,4%) bedeutet. Markanter ist der Unterschied bei den langen Bällen, zu denen Rapid in 15,6% aller Fälle griff, während die Anderen Werte zwischen 10,5% und 11,6% aufweisen.

Man kann dies als weiteres Indiz dafür sehen, dass Rapid das Spiel gerne von einer Seite zur anderen verlagert. Noch klarer wird es, wenn man sich die Steilpässe ansieht. Nur 0,2% der Zuspiele von Rapid gingen durch die gegnerische Schnittstellen hinter die Abwehr. Zum Vergleich: der FC Thun, der sehr konterorientiert agierte, spielte mehr als zehnmal so oft in die Tiefe (2,1%).

Schüsse: Häufigkeit, Qualität und Verwertung

Als nächstes sehen wir uns an, wie häufig die Teams schossen und wie gut sie dabei abschnitten. Wir erinnern uns, Red Bull Salzburg hat in dieser Kategorie überaus gut abgeschnitten.

Man sieht hier das zu erwartende Bild. Bis auf Genk sind die Teams eng beisammen. Rapid liegt mit 90 Schüssen aus sechs Spielen auf dem zwölften Gesamtrang, wobei hier der Bezug zu den Ballbesitzzeiten keine Rolle mehr spielt.

Eine grobe Auskunft über die Qualität der Schüsse gibt der Anteil an Schüssen auf das gegnerische Tor. Man erkennt hier, dass Genk mit 45,7% sehr weit vorne liegt – nur PAOK Thessaloniki traf prozentuell häufiger das Tor. Dies wiegt zunächst den Nachteil, dass die Belgier generell selten schossen, zu einem Gutteil auf. Rapid steht mit einer 38-prozentigen Ausbeute ebenfalls vergleichsweise gut dar, während man bei Thun – ähnlich wie bei der Wiener Austria in der Champions League – aufgrund der Konterphilosophie viele voreilige Abschlüsse sah.

Dies wird in der obigen Grafik bestätigt, denn gruppenintern ist Thun das einzige Team, das mehr als die Hälfte seiner Schüsse außerhalb des Strafraums abgab. Rapid liegt mit 49% erneut im Mittelfeld, während sich Genk und Dynamo Kiew in den Top-5 wiederfinden. Gemeinsam mit der Grafik darüber lässt sich eine erste Einschätzung über die Chancenauswertung machen, die im folgenden Diagramm genau dargestellt ist.

Rapid musste 11,25-mal schießen ehe man jubeln durfte. Damit liegen die Grünweißen beispielsweise nur knapp hinter  Esbjerg oder Alkmaar und sogar noch vor Chornomorets Odessa, die alle den Aufstieg schafften. Rapids Gruppengegner verzeichneten aber noch bessere Werte. So brauchte Dynamo Kiew pro Tor 7,81 Schüsse und Genk  sogar nur 5,5. Hier sieht man außerdem den großen Unterschied zwischen Genk, deren Wert nur von Trabzonspor übertroffen wird, und Standard.

Entscheidend dafür sind vor allem die Zonen, aus denen Genk abschließen konnte. So konnten die Belgier in 9% aller Fälle sogar im Fünfmeterraum schießen. Dynamo Kiew liegt mit einer Chancenauswertung von 12,8% zwar immer noch auf Platz zehn; wenn man sich aber in Erinnerung ruft, wie verschwenderisch die Ukrainer vor allem in Wien mit ihren Möglichkeiten umgingen, kann man abschätzen, wie weit vorne sie hätten sein können.

Balleroberungen und andere Defensivstatistiken

Die Total Shot Ratio ist ein gutes Werkzeug, um eine langfristige Prognose über den Erfolg eines Teams geben zu können. Sie honoriert ein kontrolliertes Ballbesitzspiel ebenso wie ein scheinbar destruktives Mauern. Allerdings versagt sie bei kurzen Betrachtungszeiten, wie etwa auch der Europa League, wo nur die Teams in der Gruppenphase nur sechs Spiele bestreiten.

Wie zuvor gesehen schoss Genk selten. Die Belgier ließen allerdings auch sehr viele Schüsse zu, 108 an der Zahl – nur bei Maribor, Pandurii und Limassol waren es mehr. Das führt zur zweitschlechtesten Total Shot Ratio (0,338) aller Mannschaften im Bewerb. Thun hat hingegen die wenigsten Torschüsse zugelassen und sogar eine bessere Total Shot Ratio (0,562) als Rapid (0,560) und Dynamo Kiew (0,540), scheiterte aber wie gesehen an der Chancenauswertung. Doch war Genk defensiv wirklich so schlecht, wie es das obige Diagramm suggeriert?

Während Rapid wie Salzburg trotz längster Ballbesitzzeiten gruppenintern die meisten Bälle eroberte, liegt Genk trotz des niedrigsten Ballbesitzanteils mit 190 Balleroberungen an der letzten Stelle, wenngleich sie im Vergleich zu allen Mannschaften nicht gar so schlecht wegkommen (Platz 32). Aufgrund dessen kann man erwarten, dass Genk dem Gegner viele Pässe pro Balleroberung erlaubte und Rapid, ähnlich wie die Salzburger, ein gutes Pressing praktizierten.

Diese Annahme wird mit Blick auf die obige Grafik bestätigt. Nur neun Mannschaften jagten dem Gegner das Leder schneller ab als Rapid, nur sieben ließen mehr Pässe zu als Genk. Die Folge dessen war, dass Rapids Gegner zu 55% von außerhalb des Strafraums schießen mussten, während diese Zahl bei Genk mit 34% beträchtlich niedriger ist – bei keinem anderen Team kamen die Gegner leichter in den Sechzehner.

Fazit

„Der SK Rapid steht dort, wo er hingehört.“ Diese Meinung scheint am weitesten verbreitet zu sein, wenn man sich über das Abscheiden der Hütteldorfer umhört. Aus Topf drei gezogen beendete man die Gruppenphase der Europa League auf Rang drei. Einerseits wäre durchaus mehr drinnen gewesen, wenn man sich beispielsweise an die vermeidbare Niederlage in Thun oder das spielerische Übergewicht im Heimspiel gegen Genk erinnert.

Auf der anderen Seite stehen jedoch späte Ausgleichstore in Genk und gegen Dynamo Kiew sowie generell einige schwere individuelle Fehler, die zu Gegentoren führten. Gruppentaktisch war vor allem das Spiel in Ballbesitz  träge und ohne direkten Druck auf den Gegner. Ein Fortschritt gegenüber den vergangenen Saisonen war aber unverkennbar, wie auch die hier dargelegten Statistiken zeigen.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

  • TF

    24.Dezember.2013 #1 Author

    das sind sehr interessante Statistiken, doch was leitet sich für Rapid daraus ab? Ballbesitzteams wie Rapid haben für gewöhnlich einen sehr gut ausbalancierten Wechsel von horizontalen und vertikalen Aktionen, oft ist dafür der Ausgangspunkt ein horizontaler Laufweg eines dynamischen Flügelspielers zur Mitte (zb Robben oder Kampl). Rapid hätte mit Burgstaller und Schaub solche Spieler im Kader, allerdings schließen die beiden selten ihre Aktion mit einem vertikalen Pass ab. Hier sollte der Coach den Hebel ansetzen.

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