Für die österreichischen Klubs ging die Gruppenphase des Europacups letzte Woche zu Ende. Während die Wiener Austria und Rapid Wien die Segel streichen mussten,... Statistikanalyse zur EC-Gruppenphase: Red Bull Salzburg in der Europa League

Red Bull Salzburg Wappen Logo Europa LeagueFür die österreichischen Klubs ging die Gruppenphase des Europacups letzte Woche zu Ende. Während die Wiener Austria und Rapid Wien die Segel streichen mussten, qualifizierte sich Red Bull Salzburg mit sechs Siegen aus ebenso vielen Spielen für die KO-Phase. In einer dreiteiligen Serie wirft abseits.at einen genauen Blick auf die Statistiken der drei Teams und vergleicht sie mit den Gruppengegnern sowie den jeweils besten und schlechtesten Werten. Die Daten stammen von whoscored.com.

Als erste Mannschaft in der Geschichte der Europa League gelang es Red Bull Salzburg in der Gruppenphase zweimal die maximale Punkteanzahl zu erreichen. Nachdem man in der Saison 2009/2010 Villarreal, Lazio und Levski Sofia hinter sich ließ, setzte man sich heuer gegen Esbjerg, Elfsborg und Standard Lüttich Lüttich durch. Auch bei den statistischen Daten hängen die Bullen ihre Konkurrenten ab.

Ballbesitz: Häufigkeit und Qualität

Analog zur Statistikanalyse der Wiener Austria in der Champions League beginnen wir auch hier mit den oberflächlichen Ballbesitzdaten, die erste Rückschlüsse auf die Spielweisen der Teams erkennen lassen.

Gruppenintern lag Salzburg mit einem durchschnittlichen Ballbesitzanteil von 55,1% an der Spitze. Allerdings zeigt sich auch, dass die Gruppe in dieser Hinsicht relativ ausgeglichen war. Hinter Standard liegen beispielsweise noch zehn weitere Vereine – ebenso viele vor den Salzburgern. Dass die Belgier mit der mageren Ausbeute von nur einem Punkt ausschieden, ist aber nicht in diesen Daten begründet, denn sie setzen allgemein auf eine sehr konterorientierte Spielweise, wie man unter anderem beim Spiel in Salzburg sah.

Auch aus der obigen Grafik lässt sich dieser Aspekt ableiten, denn Standard hielt den Ball nur zu 25% der Zeit im Angriffsdrittel. Jedoch zeigt die Tatsache, dass man sich zu 27% im eigenen Spielfelddrittel befand, dass es ihnen gleichzeitig gelang den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten. Salzburg ist in beiden Kategorien gruppeninterner Spitzenreiter. Zu 24% fand das Spielgeschehen im eigenen Spielfelddrittel statt und zu 31% im gegnerischen.

Abschließend stellen wir den Ballbesitz den Schüssen der Teams gegenüber. So kreierte Standard trotz unterdurchschnittlichen Ballbesitzzahlen durchschnittlich viele Schüsse, Esbjerg verzeichnete bei marginal mehr Ballbesitz sogar eine noch etwas bessere Ausbeute. Elfsborg scheint dagegen wenig effektiv gewesen zu sein. Die Daten der Salzburger sind dafür herausragend, vor allem für die Zuschauer, da sie sich für ihre Ballbesitzverhältnisse sehr viele Chancen herausspielten.

Pässe: Qualität und Arten

Diese Erkenntnis sieht man auch im nächsten Bild, in der die Anzahl an Pässen aufgelistet ist, die die Mannschaften spielten ehe sie zum Abschluss kamen.

Nur Lazio und Rubin Kazan (24,1 Pässe pro Schuss) schlossen ihre Angriffe schneller ab als die Bullen. Die anderen Mannschaften aus der Gruppe C folgen in konstanten Abständen dahinter.

Die Mozartstädter agieren, wie man gesehen hat, sehr geradlinig zum Tor. Das hat allerdings nicht ausschließlich positive Aspekte zur Folge, wie diese Grafik zeigt. Aufgrund dessen, dass sie selten in die Breite spielen, kommt es immer wieder zu Fehlpässen gegen die in aller Regel tiefstehenden Gegner. Ihr gutes Gegenpressing sorgt aber dafür, dass sie schnell wieder in Ballbesitz kommen und den nächsten Angriffsversuch starten können.

Pässe-Art

Auch die Aufteilung der Pässe nach ihrer Art verdeutlicht, dass die Salzburger ein direktes Kurzpassspiel präferieren. Rund 80% der Zuspiele erfolgen über eine Distanz von unter 25 Yards, was verglichen mit Esbjerg, Elfsborg und Standard zwar viel, bezogen auf alle 48 Mannschaften aber ein durchschnittlicher Wert ist. Was die absolute Zahl an langen Bällen angeht, wird Salzburg mit deren 444 sogar nur von fünf Teams – unter anderem Elfsborg (492) – überboten.

Schüsse: Häufigkeit, Qualität und Verwertung

Wie eingangs erwähnt schied Standard Lüttich als vermeintlich stärkster Gegner mit nur einem Punkt aus. Die allgemeinen Statistiken konnten keinen Aufschluss darüber geben, warum das so war. Eine bessere Auskunft liefern hingegen die Offensivstatistiken.

Standard erspielte sich trotz verhältnismäßig wenig Ballbesitz durchschnittliche viele Chancen bzw. kam zu durchschnittlich vielen Schüssen. In der Gruppe C bedeuten deren 78 aber nur den vorletzten Platz – und das denkbar knapp. Die Salzburger hingegen verzeichneten sehr viele Abschlüsse, deren Anzahl überhaupt nur von Lazio getoppt wird. Fast 30 Schüsse – also rund fünf pro Spiel – gaben sie mehr als die zweitplatzierten Dänen aus Esbjerg ab.

Auch hinsichtlich der Chancenauswertung marschiert Salzburg mit Abstand zu den Gruppenkonkurrenten vorne weg: nur 7,5 Schüsse brauchte man um ein Tor zu erzielen. Damit liegen die Bullen auf Platz neun der Gesamtwertung, die Trabzonspor mit einer Chancenauswertung von 18,52% anführt.

Standard liegt bei der Chancenauswertung nur im Mittelfeld, was zunächst auf schlechte Abschlussqualitäten der Spieler schließen lässt. Es steckt aber mehr dahinter, wie zum Beispiel das obige Diagramm zeigt. Von den ohnehin wenigen Schüssen stammten die meisten außerhalb des Strafraums, wo die Erfolgsquote naturgemäß geringer ist. Salzburg rangiert mit einem Anteil von 46% auf Platz 21.

Balleroberungen und andere Defensivstatistiken

Zum Abschluss blicken wir noch auf die Defensivstatistiken, wo wir vor allem ein gutes Abschneiden der Salzburger bzw. deren Pressing erwarten.

Zunächst sehen wir uns aber die Anzahl an Schüssen an, die zugelassen wurden. Wieder liegt Salzburg im Spitzenfeld. Neben Tottenham sahen sich nur zwei weitere Teams mit weniger gegnerischen Chancen konfrontiert. Das führt im Verbund mit der hohen Anzahl an eigenen Schüssen dazu, dass die Salzburger auch eine bestechend gute Total Shot Ratio von 0,656 aufweisen können. Während die Salzburger in dieser Kategorie Rang drei belegen, liegen die Gruppengegner hier mit Werten von 0,422 bis 0,475 im hinteren Mittelfeld.

Schaut man sich die absolute Anzahl an Balleroberungen an, steht Red Bull Salzburg sogar an der Spitze aller 48 Mannschaften. Schon hier erkennt man, dass der Schwerpunkt des Salzburger Defensivspiels im Zweikampf liegt. So hat Standard beispielsweise mehr Pässe abgefangen als die Bullen, deren 163 Tackles werden aber nur vom SC Freiburg überboten. Interessanter und aussagekräftiger ist aber die nachstehende Grafik.

Man erkennt, dass Salzburg zwar nicht mehr an der Spitze steht – neben Sevilla eroberten noch Frankfurt, Alkmaar und Tottenham den Ball schneller zurück – im Vergleich mit den Gruppengegner sind sie aber weiterhin überragend, wenngleich deren Werte im Gesamtranking ebenfalls nicht abfallen. So liegt Esbjerg mit 12,66 erlaubten Pässen pro Balleroberung beispielsweise noch immer auf Rang 25.

Fazit

Es gibt wohl wenig Zweifel daran, dass Red Bull Salzburg absolut verdient Erster in ihrer Gruppen geworden ist. Die hier gezeigten Grafiken unterstützen diese Annahme und geben überdies hinaus auch Aufschluss über ihre Spielweise. Zwar spielt das Team von Roger Schmidt verhältnismäßig viele Fehlpässe, ihr starkes Gegenpressing – siehe letztes Diagramm – führt aber dazu, dass dem Gegner dadurch kein maßgeblicher Vorteil gegeben wird. In vielen bedeutenden Statistiken sind die Bullen sogar weit vorne dabei und können nicht nur aufgrund der tollen Punkteausbeute selbstbewusst in die KO-Phase gehen.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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