Kommenden Donnerstag trifft RB Salzburg im Rahmen der Europa-League-Gruppenphase auf den neunfachen französischen Meister Olympique Marseille. Wir sehen uns die aufregende Vereinsgeschichte der Franzosen... Titel und Skandale: Das ist Salzburg-Gegner Olympique Marseille

Kommenden Donnerstag trifft RB Salzburg im Rahmen der Europa-League-Gruppenphase auf den neunfachen französischen Meister Olympique Marseille. Wir sehen uns die aufregende Vereinsgeschichte der Franzosen an, bevor wie im kommenden Artikel auf das Spielsystem und den Kader blicken.

Wie alles anfing

Der französische Sportfunktionär René Dufaure de Montmirail gründete im Jahr 1892 den Sporting Club, der unter anderem auch eine Fußballsektion betrieb, die unter dem Namen Football Club de Marseille ihre Partien bestritt. Der Vereinsname wurde jedoch schon sieben Jahre später auf Olympique de Marseille geändert, da man mit dieser Umbenennung den griechischen Stadtgründern gedenken wollte, die etwa 600 v. Chr. die Siedlung Massalia errichteten – das heutige Marseille. Olmypique steht dabei für die antiken olympischen Spiele, die von den Griechen veranstaltet wurden.

Der Verein gewann in den ersten Jahren einige lokale Meisterschaften gegen andere Teams aus Marseille und der Umgebung und erlangte in den 20er-Jahren auch landesweit Bedeutung, nachdem der Coupe de France zwischen 1924 und 1927 drei Mal gewonnen wurde. 1932 war der Verein Gründungsmitglied der Division 1 und holte fünf Jahre danach die erste Meisterschaft. Es sollten neun weitere Meisterschaftssiege folgen, wobei der Titelgewinn aus dem Jahr 1993 nachträglich aberkannt wurde. Was war passiert?

L’affaire VA-OM, Bernard Tapie & der CL-Sieg

Olympique Marseille stand in der Saison 1992/93 drei Spieltage vor Schluss mit vier Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze und traf auf Valenciennes-Anzin (heute FC Valenciennes). Der Tabellenführer wollte die Partie verschieben, da sechs Tage später das Champions-League-Finale gegen den AC Milan anstand. Der Verband erlaubte dies nicht, woraufhin Marseille-Mittelfeldspieler Jean-Jacques Eydelie von Generaldirektor Jean-Pierre Bernès beauftragt wurde drei Valenciennes-Spieler, die er persönlich kannte, zu bestechen. Die drei Kicker bekamen jeweils 250.000 Francs und sollten dafür sorgen, dass der Champions-League-Finalist keine Punkte in diesem Ligaspiel abgibt.

Jacques Glassmann, einer der drei Bestochenen bekam jedoch knapp vor der Partie ein schlechtes Gewissen und beichtete alles seinem Trainer und dem Vereinspräsidenten. Beim Halbzeitstand von 0:1 legte Valenciennes-Anzin beim Schiedsrichter Protest ein und auch die Medien schnappten die Geschichte schnell auf. Der Verband wertete das Spiel als eine Niederlage für beide Vereine und ein paar Monate später wurde auch Marseilles Meistertitel aberkannt.

Im Zuge dieser Ermittlung geriet auch Marseille-Präsident Bernard Tapie unter Druck, nachdem festgestellt wurde, dass sich Ausgaben zwischen 110 und 160 Mio. Francs nicht offiziell belegen ließen. Zudem versuchte Tapie den Valenciennes-Trainer zu einer falschen Zeugenaussage zu bewegen. Marseille wurde in die zweite Liga zwangsversetzt und Tapie zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt.

Auch der Champions-League-Sieg gegen Milan steht heute ein wenig unter schiefem Licht, da im Jahr 2006 Jean-Jacques Eydelie gegenüber der L’Équipe zugab, dass alle Marseille-Spieler, bis auf Rudi Völler, vor dem Endspiel eine Injektion erhielten. Die Akteure wussten nicht was sie injiziert bekamen, doch da die UEFA nach so langer Zeit einen möglichen Dopingfall nicht zweifelsfrei aufklären konnte, durfte der Klub den Champions-League-Titel behalten.

OM im 21. Jahrhundert

Um die Jahrtausendwende erholte sich der Verein etwas von den turbulenten Zeiten und 1999 wurde OM mit nur einem Punkt Rückstand auf Girondins Bordeaux französischer Vizemeister. Es dauerte bis zum Jahr 2010 bis der Klub seinen Fans wieder eine Meisterschaft schenkte. Trainer Didier Deschamps holte gemeinsam mit Spielern wie Mamadou Niang, Fernando Morientes, Mathieu Valbuena, Gabriel Heinze, Hatem Ben Arfa, Stéphane Mbia und Tormann Steve Mandanda, der auch heute noch im Marseille-Kader steht den langersehnten Titel.

Heute steht der Verein bei neun Meistertiteln, 10 französischen Pokalsiegen und drei Liga-Pokalsiegen. Neben dem Champions-League-Titel von 1993 waren die größten internationalen Erfolge der Finaleinzug beim Europapokal der Landesmeister 1990/91 (0:0 n.V. 3:5 i.E. gegen Roter Stern), sowie das Erreichen der EL-Finalspiele 1998/99 (0:3 gegen Parma) und 2003/04 (0:2 gegen Valencia.

Im Oktober 2016 übernahm der US-amerikanische Unternehmer Frank McCourt die Anteile der Mehrheitsaktionärin  Margarita Louis-Dreyfus, der Witwe des ehemaligen Adidas-Vorstandsvorsitzenden Robert Louis-Dreyfus. McCourt bestimmte mit Jacques-Henri Eyraud einen neuen Präsidenten und installierte mit Rudi Garcia einen neuen Trainer und mit Andoni Zubizarreta einen neuen Sportdirektor.

Stefan Karger, abseits.at

Stefan Karger