Vladimir Weiss hatte sich dieselbe Taktik vorgenommen, um Österreichs Vizemeister zu schlagen, wie sie auch schon die Slowakei im August gegen Team Austria verwendete.... Wenn das Individuum das Kollektiv schlägt – Salzburg 3, Bratislava 0

Vladimir Weiss hatte sich dieselbe Taktik vorgenommen, um Österreichs Vizemeister zu schlagen, wie sie auch schon die Slowakei im August gegen Team Austria verwendete. Es gab jedoch einen grundlegenden Unterschied.

Slovan Bratislava hat mit Sicherheit nicht die Masse an guten bis teilweise außergewöhnlichen Spielern wie die slowakische Nationalmannschaft und Österreich braucht sich nicht in die Tasche zu lügen und zu behaupten, dass die Summe an talentierten Spielern im Red-Bull-Kader wohl höher ist, vor allem in der wahnwitzigen Konstellation, in der sie von Ricardo Moniz aufgeboten wurden. Svento, Jantscher, Cziommer, Zarate und Leonardo können am Ball mehr, als die Spieler, die Dietmar Constantini aufbieten konnte.

Aus der Not eine Tugend gemacht

Da Salzburg nur über einen Stürmer mit ausreichend Qualität für Europa verfügt und der gerade verletzt ist, entschied sich Moniz für ein Furiosum in der Offensive. Oben genannte fünf sollten die taktisch gut eingestellt zu erwartenden Gäste vor Probleme stellen, alle mit unterschiedlichen Qualitäten. Der aberwitzig-geniale Leonardo, der flinke Svento und der ballsichere Zarate an vorderster Front und die schussstarken Cziommer und der darüber hinaus dribbelstarke Jantscher erhielten freie Hand. Gepaart mit Schwegler und Ulmer einiges an Offensivkraft, die Lufthoheit sollten Sekagya und Schiemer herstellen. Weiss entschied sich für eine Viererkette mit einem breit gefächerten Fünfermittelfeld, wie schon in Klagenfurt. Sebo sollte vorne Nadelstiche setzen. Nach einem Warnschuss von Milinkovic in der Anfangsphase übernahmen die Bullen das Spiel.

Geduld, Geduld

Das Einzige, was den Bullen im Verlauf der ersten Stunde des Spieles fehlte, war aber genau der Strafraumstürmer. Das Sechsermittelfeld rotierte, kombinierte, aber eben alles nur bis zum Sechzehner. Doch anstatt in die in Österreich sonst weit verbreitete Panik, einen Langen rein zu schmeißen zu verfallen, entschied sich Moniz dazu, zu warten. Der Sinn dahinter: Irgendwann würden die Slowaken müde werden. Nachdem sich im Zuge der ersten 60 Minuten der Partie so gut wie jeder Salzburger vor dem Tor versuchte, rächte sich Weiss‘ verhaltene Spielweise zum ersten Mal in der 60. Minute.

Das Individuum schlägt das Kollektiv

Der Knackpunkt war Andi Ulmer, der halbvolley eine verunglückte Hereingabe von rechts an der linken Seite genau sieben Meter vor den Kasten von Goalie Hrosso brachte. Damit rechnete die Abwehr nicht, der Rebound kam einfach zu schnell, um sich wieder zu organisieren. Leonardo schlich sich in den Strafraum und köpfelte unbedrängt ein. Ebenjener Brasilianer überraschte die bereits müde wirkende Hintermannschaft Slovans mit einem Lupfer in Minute 76. Zarate startete perfekt, nachdem die Abseitsfalle nicht funktionierte, tanzte des Gegners Goalkeeper aus und schoss zum 2:0 ein. Nachdem in Gruppe F die Kiste sehr eng werden könnte, war es auch wichtig, dass Svento einnetzte. Eine wunderbare lange Flanke von Teigl kam ans lange Eck und der Slowake schoss perfekt ins lange Eck ein. Letzten Endes zermürbten die Feintechniker aus der Mozartstadt die taktisch gut eingestellten Gäste aus Wiens Nachbarstadt mit dem, was Fußball ausmacht: Dem sehr bewanderten Kick auf das runde Leder.

Moniz zufrieden aber mit Hausaufgaben

Auch wenn die Bullen in Durchgang eins etwas nervös mit dem Spielgerät waren, konnte Trainer Moniz ein positives Resümee ziehen, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass die Spieler drei Tore schießen konnten. Die großen Aufgaben kommen am 20. Oktober und am 3. November. Gegen Spitzenreiter Athletic Bilbao müssen Punkte her. Ob dies aber mit jener Taktik funktionieren wird, sei dahingestellt. Ohne Leitgeb wird Schiemer alleine auf der Sechs wohl überfordert sein. Positiv war die Rückkehr der Flügelzange Schwegler/Ulmer, die sich doch um einiges effizienter präsentierte als Schiemer und Jefferson dies taten. Darüber hinaus kann der solide und defensivere Schwegler Nebenmann Pasanen besser entlasten.

Durch die Niederlage von Paris St. Germain gegen Athletic präsentiert sich die Europa League-Gruppe F als äußerst spannend. Wie sich die Salzburger weiterentwickeln werden die nächsten zwei Termine zeigen.

Georg Sander, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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