Wir widmen uns heute Rapids Donnerstags-Gegner Dynamo Kiev. Der ukrainische Traditionsverein kann auf eine lange Geschichte zurückblicken und traf dabei auch schon ein paar... Zweifacher Europacupsieger und einstiger Serienmeister: Das ist der Verein Dynamo Kiev!

Dynamo KievWir widmen uns heute Rapids Donnerstags-Gegner Dynamo Kiev. Der ukrainische Traditionsverein kann auf eine lange Geschichte zurückblicken und traf dabei auch schon ein paar Male auf den SK Rapid Wien. Doch wie steht der Verein heute da? Wie steht es um das Standing der Weiß-Blauen in der Ukraine? Und welche Erfolge kann man Dynamo Kiev in Europa zutrauen? Diese Fragen behandeln wir in unserem Vereinsportrait.

Name: FK Dynamo Kiev (ФК Динамо Київ)
Nation: Ukraine
Gründungsdatum: 1.November 1927
Alter: 85 Jahre
Vereinsfarben: Weiß-Blau
Stadion: NSK Olimpijskyj
Kapazität: 70.050 Plätze
Präsident: Igor Surkis
Trainer: Oleg Blochin

Erfolge

–          13 x sowjetischer Meister

–          13 x ukrainischer Meister

–          9 x sowjetischer Cupsieger

–          9 x ukrainischer Cupsieger

–          3 x sowjetischer Supercupsieger

–          5 x ukrainischer Supercupsieger

–          2 x Gewinner des Europapokals der Pokalsieger (1975 und 1986)

–          Champions-League-Halbfinalist 1999

–          UEFA-Pokal-Halbfinalist 2009

–          UEFA Super Cup Sieger 1975

Standing in der Ukraine

Bis zum Tod von Vereinslegende Valerij Lobanovskiy im Jahr 2002 (ihm wird abseits.at demnächst eine Artikelserie widmen!) dominierte Dynamo den Fußball in der Ukraine nahezu nach Belieben. In den ersten neun Saisonen der neu gegründeten ukrainischen Liga nach dem Zerfall der Sowjetunion (1992/93 bis 2000/01) wurde das Team immer Meister. Erst 2001/02 musste sich Dynamo erstmals der aufstrebenden Mannschaft von Shakhtar Donetsk geschlagen geben. Doch in den nächsten zwei Jahren holten die Hauptstädter wieder den Titel.

Ab 2004 war die Dominanz von Dynamo aber gebrochen und Shakhtar Donetsk etablierte sich als neue Nummer Eins im ukrainischen Fußball. Seit 2004 holte Dynamo nur noch zwei Meistertitel und musste sich sechsmal mit dem Vizemeistertitel hinter Shakhtar zufriedengeben. Und auch die nachrückende Konkurrenz schläft nicht: Die abgelaufene Saison 2012/13 beendete Dynamo nur noch auf dem dritten Platz, weil Metalist Kharkiv sich den zweiten Rang schnappte.

Mit diesen Kräfteverhältnissen muss man auch in den nächsten Jahren rechnen: Shakhtar Donetsk ist weiterhin der Maßstab, danach kommen Dynamo Kiev und Metalist Kharkiv, die aber mittlerweile qualitativ ähnlich zu bewerten sind. Starke Phasen von Dnipro Dnepropetrovsk und Chernomorets Odessa erschweren das Leben der Spitzenklubs zusätzlich. Wir werden morgen ausführlicher über die aktuellen Kräfteverhältnisse in der ukrainischen Liga berichten.

Standing in Europa

Die größten Zeiten Dynamos in Europa sind passé. In den 70er- und 80er-Jahren zählte der Klub zu einem der besten Teams des Kontinents und errang zwei Titel im Europapokal der Pokalsieger. 1975 besiegte man im Finale Ferencvaros Budapest mit 3:0, 1986 Atlético Madrid mit demselben Ergebnis. Der heutige Trainer Oleg Blochin, bis heute Rekordtorschütze von Dynamo Kiev, zählte zu den Protagonisten dieser erfolgreichen Zeit und erzielte in beiden Finalspielen – obwohl elf Jahre auseinander – je einen Treffer. Beim früheren Finale waren auch Doppeltorschütze Vladimir Onischtschenko und der torgefährliche Mittelfeldspieler Leonid Burjak Schlüsselspieler zum Dynamo-Erfolg. In den 80er-Jahren sorgten speziell Pawel Jakowenko, Igor Belanov, Oleg Kusnetsov und Anatoli Demjanenko für Aufsehen.

13 Jahre nach dem letzten Europacuperfolg stürmte Kiev unter Trainer Lobanovskiy ins Halbfinale der Champions League. Die Ukrainer überzeugten dabei vor allem mit ihrem sensationellen Umschaltspiel im „gleichschenkeligen Dreieck“, das Zeit und Raum perfekt bespielte. Diese Art zu spielen wurde später als Handschrift des Trainers und Spielphilosophie berühmt. Dynamo Kiev schaltete auf dem Weg ins Finale unter anderem Arsenal, Panathinaikos und Real Madrid aus. Erst im Halbfinale gegen Bayern, das später Manchester United „in der Nachspielzeit“ unterlag, war Endstation. Andriy Shevchenko holte sich mit acht Toren die Torjägerkrone.

Wieder zehn Jahre später, in der Saison 2008/09, rutschte Dynamo Kiev als Dritter der Champions-League-Gruppenphase in den UEFA-Cup und spielte dort um den Titel mit. Nach Erfolgen über den FC Valencia, Metalist Kharkiv und Paris St.Germain stand das Team bereits im Halbfinale. Dort musste man sich aber ausgerechnet dem Nemesis, Shakhtar Donetsk, geschlagen geben, das später nach Verlängerung im Finale gegen Werder Bremen den Titel holte.

Seitdem war Dynamo ebenfalls Stammgast in europäischen Gruppenphasen: 2009/10 kam in der Champions-League-Gruppe mit Barcelona, Inter Mailand und Rubin Kazan das Aus. 2010/11 verpasste Dynamo zwar die Champions League, setzte sich aber in der Europa League in einer Gruppe mit BATE Borisov, Sheriff Tiraspol und AZ Alkmaar durch und schoss sich dann bis ins Viertelfinale. Besiktas und Manchester City wurden auf dem Weg dorthin besiegt, gegen Sporting Braga schied man aufgrund der Auswärtstorregel aus.

2011/12 scheiterte das Team bereits in seiner Europa-League-Gruppe, weil gegen Stoke City, Maccabi Tel Aviv und Besiktas nur sieben Punkte geholt wurden. Und in der abgelaufenen Saison 2012/13 kamen die Ukrainer in ihrer Champions-League-Gruppe mit Paris St.Germain, Dinamo Zagreb und Porto zu einem dritten Platz und verloren das Europa-League-Sechzehntelfinale gegen Bordeaux.

Die laufende Europacupsaison

Im Playoff zur Europa League setzte sich der Vorjahresdritte der ukrainischen Liga locker gegen die kasachische Elf aus Aktobe durch. Einem 3:2-Sieg auswärts folgte zu Hause ein glattes 5:1. Im ersten Gruppenspiel zu Hause gegen Racing Genk setzte es aber eine 0:1-Niederlage, obwohl man das Spiel bestimmte und 24 Torversuche vorzuweisen hatte. Alleine Stürmerstar Andrey Yarmolenko feuerte sechs Bälle auf das Tor der Belgier ab.

Nicht nur das Spiel gegen Genk, sondern auch ein markanter Dominanzverlust in der heimischen Meisterschaft sind Zeichen dafür, dass Dynamo Kiev über zehn Jahre nach Lobanovskiys Tod heuer keine sonderlich große Rolle in Europa spielen wird. Die Mannschaft ist sicher stark genug, um in der Gruppe zu bestehen und gilt weiterhin als Favorit, allerdings veränderte sie sich im Vergleich zum Vorjahr an fünf Positionen, wird sich im Winter noch weiter verändern und muss aufgrund der nicht mehr ganz gemütlichen ukrainischen Liga ihre Prioritäten verschieben. Wenn man Dynamo Kiev auf europäischer Bühne auf dem falschen Fuß erwischen kann, dann in der heurigen Spielzeit.

Dynamo Kiev und Rapid

Das erste Aufeinandertreffen zwischen Dynamo Kiev und Rapid gab es in der Saison 1985/86 – damals im Viertelfinale des Europapokals der Pokalsieger. Die starken Ukrainer machten – mit dem heutigen Trainer Oleg Blochin im Angriff – kurzen Prozess mit den Hütteldorfern und siegten im Hanappi-Stadion mit 4:1 und zu Hause mit 5:1. Die beiden Rapid-Tore erzielten Willfurth und Halilovic.

1992/93 folgte in der ersten UEFA-Cup-Runde ein besonders schmerzhaftes Ausscheiden gegen Dynamo. In Kiev gab es eine 0:1-Niederlage, in Hütteldorf führte Rapid aber schon nach 38 Minuten durch zwei Tore von Fjörtoft und eines von Mandreko mit 3:0. Kurz vor der Pause verwandelte Leonenko einen Elfmeter zum 1:3-Anschlusstreffer für Kiev und als Anenkov in der Schlussphase nach einer Tätlichkeit Rot sah, glaubte alles an eine Sensation in dieser allgemein schwierigen Phase für Rapid. Doch ein Fehler von Martin Puza in der 88.Minute ermöglichte Leonenko auch noch das 2:3 aus Sicht der Ukrainer, die damit dank der Auswärtstorregel aufstiegen. Die letzte Chance – ein Freistoß von Poiger – war im Fernsehen nicht mehr zu sehen, weil enttäuschte Rapid-Fans Rauchbomben zündeten und das Spielfeld komplett eingenebelt war…

Vier Jahre später gelang dann doch noch ein Aufstieg gegen Dynamo: In der Champions-League-Qualifikation setzte man sich zu Hause durch Tore von Stumpf und Guggi mit 2:0 durch. Aus heutiger Sicht unglaublich ist, dass damals nur 29.500 Zuschauer ins Happelstadion pilgerten. Obwohl man in Kiev schnell in Rückstand geriet, konnte Rapid noch siegen: 4:2 für Grün-Weiß hieß es am Ende – ein Eigentor, ein Treffer des heutigen WAC-Trainers Didi Kühbauer und ein Doppelpack des kultigen Bulgaren Trifon Ivanov fixierten den Sieg und die erste Champions-League-Teilnahme Rapids.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen