Wie auch wenige Wochen zuvor im Kaukasus, konnten auch die Flüge zu den beiden letzten Spielen der österreichischen Nationalmannschaft im Zuge der der WM-Qualifikation... Groundhopper’s Diary | Der Abschluss der WM-Qualifikation in Skandinavien (1)

Fußball in SchwedenWie auch wenige Wochen zuvor im Kaukasus, konnten auch die Flüge zu den beiden letzten Spielen der österreichischen Nationalmannschaft im Zuge der der WM-Qualifikation 2014 schon lange im Voraus gebucht werden. So konnte man doch einiges an Reisekosten sparen, zumal Skandinavien ja nicht unbedingt als billiges Pflaster gilt.

Den Beginn dieser Tour durch Skandinavien machte die schwedische Hauptstadt Stockholm, wo am Freitagabend in der neu errichteten Friends-Arena das entscheidende Spiel um einen Platz im Play-Off für Brasilien 2014 ausgetragen werden sollte.

Am Vormittag wurde Stockholm angeflogen und der schöne Herbsttag dazu genützt, um sich die Sehenswürdigkeiten der schwedischen Hauptstadt anzuschauen. Im Zentrum traf man immer wieder auf Gruppen österreichischer Fans und im Stadion fanden sich insgesamt 2.500 Personen ein, die Rot-Weiß-Rot unterstützten. Somit sorgten sie unter den 49.416 Besuchern in der Friends-Arena dafür, dass diese nicht zur Gänze in blau und gelb erstrahlte.

Die Friends-Arena wurde nach dreijähriger Bauzeit im Oktober 2012 eröffnet. Sie bietet Platz für 50.000 Zuschauer und ersetzte das Råsundastadion als Nationalstadion. Während in der Friends-Arena neben den Heimspielen des AIK Solna und der schwedischen Nationalmannschaft bereits das schwedische Cupfinale und Finale der Frauenweltmeisterschaft 2013 sowie zahlreiche andere Events abseits des Sports stattfanden, wurde das Råsundastadion, ein Stadion im altbritischen Stil, vor kurzem dem Erdboden gleich gemacht. Auch wenn die Friends-Arena sehr modern ist und vom Videowürfel bist zum verschließbaren Dach alle Stücke spielt, so bleibt es dennoch ein steriles Baukastenstadion, was den Abriss des Råsundastadions für den Fußballfan noch bitterer macht.

Schweden – Österreich 1:2 (0:1)

Der schwedische Verband überließ an diesem Abend nichts dem Zufall, um bei diesem wichtigen Spiel für eine heimische Atmosphäre zu sorgen. Hinter dem Tor wurde im ersten Rang jeder zweite Sitz mit einer schwedischen Fahne ausgestattet und bei den Hymnen zierte eine überdimensionale Fahne des Gastgeberlandes das halbe Spielfeld. Aber auch ohne diese Hilfsmittel wäre die Stimmung im Stadion toll gewesen, zumal bei Entscheidungsspielen jeder Zuschauer von deren Bedeutung weiß und auch jeder dieses Gefühl kennt, wenn der Beginn eines großen dies Spiels in der Luft liegt.

Österreich überraschte mit einer offensiven Aufstellung. Mit dem Wissen, dass man mit einem Sieg in Schweden wohl das Play-Off-Ticket sicher in der Tasche hat, zumal – nach eventuellen drei Punkten aus Stockholm im Gepäck – sich wirklich niemand einen Umfaller auf den Färöer vorstellen konnte. So spielte das ÖFB-Team von Beginn an auf Sieg und bot in der ersten Spielhälfte eine sehr gute Leistung. Die Schweden kamen zwar auch zu einigen Möglichkeiten, doch meistens liefen sie den Österreichern hinterher.

Das Unterfangen, sich mit einer starken Offensivleistung auf Platz zwei in der Gruppe zu hieven, schien in der 29. Minute auch aufzugehen, als Harnik eine Vorlage von Janko von rechts den Ball trocken ins lange Eck schob. Der Jubel war grenzenlos und man fühlte sich der WM in Brasilien tatsächlich ein wenig näher gekommen. Doch gleich nach diesem Treffer trafen die Schweden die Innenstange, sodass man von Glück sprechen konnte, dass es weiterhin 1:0 für Österreich stand.

Im Nachhinein betrachtet schien es so, als hätte das ÖFB-Team in dieser Szene das Glück an diesem Tag sein Glück verbraucht, denn fünf Minuten später hätte Alaba für die Entscheidung sorgen können. Einen gut angetragenen Flachschuss links ins lange Eck, wehrte Iskasson mit einer tollen Parade zur Ecke ab.

Nach dem Seitenwechsel riss der Faden im Spiel der Österreicher. Dies wusste Schweden sofort zu nutzen und übernahm die Kontrolle über das Spiel. Dann zeigte auch Ibrahimovic einmal mehr, warum er ein Weltklassespieler ist. In der 56. Minute tankte er sich auf der linken Seite durch und bediente Martin Olsson mit einer Hereingabe perfekt, sodass dieser seinen Kopfball ins Eck platzieren konnte. Nach dem Ausgleich trat das ÖFB-Team noch verunsicherter auf und man hatte das Gefühl, dass das Spielen eingestellt wurde. Es bestand aber immerhin noch die Hoffnung, dass man den Punkt über die Zeit rettet und man – vorausgesetzt Deutschland würde am kommenden Dienstag hier in Stockholm gewinnen – dennoch Gruppenzweiter wird.

All diese Rechenspiele wurden vier Minuten vor dem Ende jäh beendet. Es kam zum entscheidenden Treffer dieses Spiels und der fiel für die Schweden. Ibrahimovic wird steil geschickt und trifft – nach einer perfekten Ballannahme – aus einer ähnlichen Position, aus der Alaba in der 35. Minute vergeben hatte.

Zu allem Übel flog Arnautovic in der 90. Minute vom Platz, wobei er sich dabei nicht unbedingt geschickt anstellte. Anders formuliert, nahm Elmander seine Einladung an, um den sterbenden Schwan zu mimen. Der Schiedsrichter fiel auf Elmanders Schauspielkünste rein und schickte Arnautovic vorzeitig unter die Dusche.

Der österreichische Traum von der WM 2014 in Brasilien wurde somit in Schweden beendet. Falls sich Arnautovic wieder einmal fragt, warum sich Ibrahimovic alles erlauben dürfe und er nicht, dann sollte er noch einmal dieses Spiel Revue passieren lassen. Ibrahimovic ist eben da, wenn man ihn braucht. Er entscheidet wichtige Spiele nahezu im Alleingang und machte auch an diesem Abend wieder den Unterschied aus.

Für uns blieb aber nicht viel Zeit, um dieser verpassten Chance nachzutrauern, denn schon am nächsten Morgen ging es per Flieger weiter nach Kopenhagen. Kaum war man dort gelandet, galt es das Gepäck in der Unterkunft zu verstauen und mit der S-Bahn direkt weiter zum nächsten Spiel.

Hellerup IK – FC Djursland 2:2 (2:2)

Obwohl es ans andere Ende Kopenhagens ging, wurde das Gentofte-Stadion zeitgerecht erreicht. In der Partie der drittklassigen „2. Division Vest“ standen sich der Hellerup IK (kurz: HIK) und der FC Djursland gegenüber.

In das Stadion, das eine Kapazität von 15.000 aufweist und ein wenig den Charme der Hohen Warte besitzt, verirrten sich an diesem Samstag um die Mittagszeit nur rund 250 Besucher. Immerhin konnte Djursland auf eine kleine Fangemeinde zurückgreifen, während man vergeblich einen Fanblock der Gastgeber suchte.

Der HIK begann gegen das Tabellenschlusslicht Djursland eindrucksvoll und ging bereits nach elf Minuten mit 2:0 in Führung. Man hatte bei diesem Spielverlauf wirklich das Gefühl, dass die heutige Partie in einem Debakel für Djursland enden würde.

Hellerup war sich danach seiner Sache ziemlich sicher und nahm das Tempo aus dem Spiel. Djursland kam überhaupt das erste Mal nach 30 Minuten gefährlich vor das Tor der Gastgeber. Wie es das Schicksal so wollte, führte dieser Angriff auch gleich zum Anschlusstreffer. Mit dem Erfolgserlebnis im Rücken wurden die Gäste mutiger und gestalteten das Spiel offener. Dennoch war Djurslands Ausgleich in der 42. Minute schmeichelhaft.

Nach dem Seitenwechsel sicherte Djursland den Punkt ab. Hellerup bemühte sich vergebens, den Siegtreffer zu erzielen, sodass der heimstarke HIK an diesem Nachmittag eindeutig zwei Punkte liegen ließ. Djursland blieb trotz des Punktgewinns am Tabellenende und es ist fraglich, ob dieses sich mühsam wie das Eichhörnchen nährende Punktekonto am Ende für den Klassenerhalt reichen wird.

Im zweiten Teil des Berichts geht es im wahrsten Sinne des Wortes zum nächsten Spiel und danach auf die Färöer.

Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.

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