Dass Talent in der Familie liegt, belegen zahlreiche erfolgreiche Menschen über Generationen: Als fußballerisches Beispiel seien Vater und Sohn Schmeichel genannt, die im gleichen... G’schichterln ums runde Leder (14) – Ich und der andere: Ungleiche Brüderpaare im Fußball

Dass Talent in der Familie liegt, belegen zahlreiche erfolgreiche Menschen über Generationen: Als fußballerisches Beispiel seien Vater und Sohn Schmeichel genannt, die im gleichen Alter englischer Meister wurden: Peter (erstmals) 1993 mit Manchester United und Kasper 2016 mit Leicester City. Ex-Rapid-Angreifer Erwin „Jimmy“ Hoffer meinte einst scherzhaft, in seiner Familie hätten alle außer der Mutter – Buben wie Mädchen – Fußball gespielt. So manche Brüder schafften gemeinsam den Sprung zu den Profis, feierten gemeinsam Erfolge. Wie die de Boers, die jahrelang sowohl im Klub als auch in der Nationalmannschaft Seite an Seite kickten. In anderen Familien dagegen gab es immer einen, der im Hintergrund stand und einen, der die Lorbeeren einheimste. Hier haben wir einige dieser ungleichen Paare zusammengestellt: 

Sandspielen

Ebbe ist der Otto Dänemarks. Der Vorname ist ein Anagramm, man kann ihn also von vorne nach hinten gleich lesen. Ob Vater und Mutter Sand wussten, welches (deutsche) Wortspiel sie fabrizieren würden, als sie am 19. Juli 1972 Eltern von Zwillingssöhnen wurden? Eine ihrer Buben war mehr Flut als Ebbe und machte in sieben Saisonen auf Schalke 73 Tore in 214 Pflichtspielen. Der andere schaffte eine solide Fußballkarriere – um es mit anderen Worten zu sagen: Peter war Hausmannkost, Ebbe Sternengastronomie.

Die Zwillinge wurden im dänischen Aalborg geboren und fingen als Fünfjährige bei Hadsund BK mit dem Fußball an. Ebbe ging 1992 zum Spitzenklub Brøndby IF, Peter folgte zwei Jahre später. Dort schaffte der spätere Deutschlandlegionär den Sprung zu den Profis, während seinem Zwillingsbruder dieser Schritt versagt blieb. Doch auch Peter sollte mit dem Fußball sein Geld verdienen, er blieb in Dänemark und spielte für Ølstykke FC, Fremad Amager und FC Midtjylland. Gegnerische Fans ärgerten ihn mit „Du ligner Ebbe Sand“„Du siehts aus wie Ebbe Sand.“– Gesängen. Sein Bruder legte derweilen eine steile Karriere hin: Er wechselte 1999 für zehn Millionen D-Mark nach Gelsenkirchen, davor war er bereits dreimal dänischer Meister und zweimal Pokalsieger geworden. Sand machte sich aufgrund seiner Tore, seines Einsatzes und seiner Fairness einen Namen. Eine Meisterschaft blieb dem Kultstürmer unglücklicherweise versagt: Es reichte zweimal nur zum 2. Platz, dafür konnten er mit den Königsblauen zweimal Pokalsieger werden. Sand ging 2006 wegen der Einschulung seines ältesten Sohnes in die Heimat zurück. Bei Silkeborg IF arbeitete er als Co-Trainer, später wechselte er in den Staff des Nationalteams.

Bruder Peter schaffte auch noch den Sprung ins Ausland: Bei Barnsley absolvierte er jedoch nur sechs Spiele und kehrte nach einer Saison nach Dänemark zurück. Er kickte noch im Mittelfeld für Stabæk IF und SønderjyskE ehe er bei AGF in Aarhus seine Karriere beendete. Während Ebbe 66 Mal für die dänische Nationalmannschaft auflief, spielte Peter nie für diese. Heute arbeitet Peter als Fitnesscoach beim Erstligisten Randers FC. Sein 17-jährige Sohn Emil ist in der U19 von FC Midtjylland aktiv.

Die Drei von Southhampton

Fußball ist auch für die Wallace-Boys eine Familiensache. 1969 wurden Rodney und Raymond Wallace geboren. 1986 kamen sie zu Southhampton, wo ihr älterer Bruder David genannt Danny bereits in der Kampfmannschaft spielte. Die Wallace-Brüder stammen aus dem Londoner Süden: Danny wurde 1964 geboren und kam als 13-jähriger in die Jugend von Southhampton. Drei Jahre später wurde er für den verletzten Kevin Keegan erstmals eingewechselt und blieb Jahre lang jüngster Debütant der „Saints“. Danny war schnell und für seine spektakulären Treffer bekannt. 1986 schoss er bei seinem Debüt für die Nationalmannschaft gleich ein Tor.

Während Danny also schon Nationalspieler war, kickten seine Brüder noch in der Jugend. Ray galt als der talentiertere und wurde als defensiver Mittelfeldspieler oder Verteidiger aufgeboten. Rod war Stürmer und kämpfte sich von Altersstufe zu Altersstufe. Im Oktober 1988 wurden Rod und Ray ebenfalls in die Kampfmannschaft hinaufgezogen und erstmals seit den Zwanzigerjahren spielten drei Brüder in einem englischen Profiteam zusammen. Die traute Dreisamkeit hielt jedoch nur eine Saison lang an, danach suchte Danny Wallace eine neue Herausforderung. Sir Alex Ferguson bot ihn bei Man. United als linken Flügelstürmer auf, doch Wallace konnte nicht mehr an alte Leistungen anknüpfen. Ryan Giggs vertrieb ihn in der Spielzeit 1991/92 endgültig aus der Startelf. Nach Stationen bei Birmingham City und Wycombe Wanderers wurde bei Danny 1996 Multiple Sklerose diagnostiziert, worauf er gezwungen war seine Karriere zu beenden. Wallace gründete eine Stiftung, um auf die unheilbare Krankheit aufmerksam zu machen. Er erinnert sich an den Moment, als er die Diagnose bekam: „Ich fühlte Erleichterung. Das war schon seltsam.“ Endlich hatte er eine Erklärung für all seine Verletzungen, die Sehschwierigkeiten und das eigenartige Stechen in Fingern und Füßen.

Auch seine Brüder hatten Southhampton bald nach seinem Weggang verlassen: Rod und Ray gingen im Doppelpack zu Leeds United. Rod formte dort mit Lee Chapman ein schlagkräftiges Offensivduo. Ray konnte sich nicht behaupten. Er kam über Swansea und Reading zu Stoke, wo er fünf Jahre spielte. Der vierfache U 21-Spieler kickte anschließend in Schottland und Irland, bis er 2002 bei Witton Albion seine Karriere beendete. Rod machte 1994 Schlagzeilen, als sein Treffer gegen Tottenham zum Tor des Jahres gewählt wurde: Leeds Nummer Acht hatte sich den Ball in der eigenen Hälfte geschnappt, dribbelte sich bis nach vor und schoss ein. Er, der in der Jugend als schwächster der Brüder galt, holte mit Leeds United 1992 die Meisterschaft. Anschließend spielte er noch bei den Rangers, bei Bolton und schlussendlich bei Gillingham. Rod, der auch mit den Glasgow Rangers zweimal schottischer Meister und Cupsieger wurde, arbeitet heute als Trainer.

Zwei Italiener in China

Fabio Cannavaro gewann 2006 als erster Innenverteidiger den Ballon d’Or und wurde im selben Jahr auch FIFA-Weltfußballer. Der Neapolitaner begann seine Karriere bei einem kleinen Klub im Arbeiterviertel Bagnoli, ehe er in die Jugend des SSC Neapel wechselte. 1992 wurde er in die Kampfmannschaft der Blauen hinaufgezogen, finanzielle Schwierigkeiten erzwangen jedoch den Verkauf des Defensivtalents. Bei Parma wurde Cannavaro in seiner vierten Saison UEFA-Cup-Sieger und gewann die Coppa Italia. Für 23 Millionen wechselte er 2002 zu Inter Mailand und weiter zu Juventus Turin. Er gewann mit den Turinern zweimal den Scudetto, ging jedoch nach deren Zwangsabstieg gemeinsam mit seinem Trainer Capello zu Real Madrid. Cannavaro avancierte zum Abwehrchef der Königlichen, das „weiße Ballett“ war jedoch (für Madrider Verhältnisse) international nicht erfolgreich genug. 2009 kehrte er zu Juve zurück und machte mit einer positiven Dopingprobe Schlagzeilen. Der Weltmeister von 2006 beendete 2011 in Dubai seine aktive Profikarriere.

Rund acht Jahre nach seinem älteren Bruder geboren, spielte auch Paolo in der Verteidigung des SSC Napoli. Er feierte als 17-jähriger sein Debüt und wechselte dann – wie der ältere Cannavaro – zu Parma. Dort wurde er bei einem 4:1-Sieg gegen Lecce für diesen eingewechselt. Als guter Kopfballspieler blieb er sieben Saisonen in Parma, ehe er über Verona zurück nach Neapel kam. Während Fabio schon mit der italienischen U 21 Titel holte, absolvierte Paolo „nur“ achtzehn Spiele für diese. Eine Einberufung ins A-Team 2007 blieb für Paolo ohne tatsächlichen Einsatz im Match. In Neapel erspielte sich der zum Führungsspieler gereifte Cannavaro einen Stammplatz und konnte mit dem Gewinn des Pokals 2012 seinen größten Triumph feiern. Paolo blieb als Kapitän bis 2014 und spielte anschließend noch drei Jahre in Sassuolo.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag