Beide Tore fielen erst in der Schlussphase einer lange Zeit ausgeglichenen Begegnung. Im ersten Spiel nach seiner abgesessenen Sperre bewies Co-Trainer Angelo Alessio bei... 2:0 über Napoli: Juventus siegt im Spitzenspiel der Serie A

Beide Tore fielen erst in der Schlussphase einer lange Zeit ausgeglichenen Begegnung. Im ersten Spiel nach seiner abgesessenen Sperre bewies Co-Trainer Angelo Alessio bei seinen Einwechslungen ein glückliches Händchen. Zwei neue Spieler sorgten für die Entscheidung im taktisch hochklassigen Duell des Erst- gegen den Zweitplatzierten.

Aufstellungen

Die Turiner mussten Gianluigi Buffon und Marko Vucinic vorgeben, die durch Marco Storari und Fabio Quagliarella ersetzt wurden. Ansonsten traten beide Teams in Bestbesetzung an. Im taktischen Bereich gab es beinahe deckungsgleiche Vorgaben. Beide Teams begannen in einem 3-5-2, das im Defensivspiel zu einem 5-3-2 bzw. 5-4-1 wurde.  Einzig Napoli stellte Marek Hamsik als Verbindungsmann zwischen den Spitzen Goran Pandev und Edinson Cavani und den beiden zentralen Mittelfeldspielern Gökhan Inler und Valon Behrami auf und war so nominell eine Spur offensiver als Juventus, das mit Andrea Pirlo als Sechser, sowie Claudio Marchisio und Arturo Vidal als Achter drei echte zentrale Mittelfeldspieler auflaufen ließ. Dennoch sollte Juventus die ganze Spieldauer über leicht feldüberlegen sein, da Napoli einen etwas reaktiveren Ansatz verfolgte als die Hausherren.

Defensivmodelle

Beide Mannschaften verfolgten ähnliche Defensivkonzepte. Wann immer die gegnerische Mannschaft Druck aufbaute, zogen sich die Flügelspieler zurück und formierten mit den drei Innenverteidigern eine Fünferkette, wobei Juventus den ballführenden Gegner etwas früher stellte als Napoli. Die zentralen Mittelfeldspieler zogen sich währenddessen vor die Abwehr zurück, die Spitzen warteten auf Konter oder reihten sich in die Mittelfeldkette ein. Resultat war jeweils ein schwer umspielbarer Gegner, der enorm kompakt stand und beinahe immer den Ballführenden doppeln konnte.

Getümmel im Mittelfeld

Da beide Mannschaften zusammengerechnet insgesamt zehn Spieler im Mittelfeld aufboten, gab es dort kaum Zeit für die Ballführenden. Ballzirkulation und Kombinationsspiel waren selten möglich, da sowohl Juve als auch Napoli ab der Mittellinie den ballführenden Gegenspieler mit Tempo anliefen und durch die schiere Anzahl an Gegnern das Passspiel erschwert wurde. Kam man einmal durch dieses Getümmel durch, sah man sich erst dem schnell gebildeten, eigentlichen Abwehrwall gegenüber. Die hohe Zahl von 41 Fouls und sieben gelben Karten sagt vieles über die intensiven Zweikämpfe im Mittelfeld aus. Doch bösartiges Getrete war es keines. Es war die logische Folge zweier beinahe identer Spielanlagen.

Offensivbemühungen

Beide Mannschaften legten ihr Hauptaugenmerk zu Beginn darauf, auf den Flügeln Dreiecke zu bilden oder im Alleingang durchzubrechen. Bei Juventus stach dabei Asamoah besonders hervor, der durch seine technische Stärke und im Zusammenspiel mit Giovinco und Marchisio immer wieder gefährliche Situationen kreierte. Giovinco ließ sich öfters ins Mittelfeld zurückfallen und kam dann über halblinks aus der Tiefe, während Quagliarella Gegenspieler auf sich ziehen wollte und Räume in den Schnittstellen suchte. Napolis Spitzen hingegen hatten durch Hamsiks Aufstellung hinter ihnen mehr Freiheiten und bewegten sich entsprechend flexibler. So kam es auch, dass Cavani hin und wieder auf einmal ganz rechts auftauchte. Trotzdem blieben beide über weite Strecken des Spiels ineffektiv, da Pandev an Chiellini verzweifelte, Cavani häufig isoliert wurde, Hamsik sich zu selten gegen Pirlo und Vidal behaupten konnte, und Inler und Behrami die offensiven Vorstöße aus dem Mittelfeld oft de facto ohne den Slowaken stemmen mussten.

Mit Fortdauer des Spiels, nachlassenden Kräften, und der sich einschleichenden Einsicht, durch reines Kombinationsspiel den Gegner nicht ausspielen zu können, mehrten sich die langen Bälle. Beide Mannschaften versuchten vor allem ab Mitte der zweiten Halbzeit immer wieder, durch Bälle hinter die gegnerischen Reihen ihre schnellen Spieler einzusetzen. Fast wäre der für Quagliarellaeingewechselte Alessandro Matrian einen solchen Ball gekommen, De Sanctis konnte nach einer Schrecksekunde aber noch klären.

Die Tore

Wie so oft in ausgeglichenen Spielen fiel das erste Tor nach einem Eckball. Martin Caceres köpfelte einen Ball von Andrea Pirlo wuchtig ein. Nur zwei Minuten später kam ein schneller Ball vor den Strafraum der Neapolitaner zu Giovinco, der sich aus dem Deckungsschatten von Gamberini gestohlen hatte und sofort Richtung Tor zog. Der abgeblockte Ball landete vor dem Strafraum, beim scharfen Volleyschuss des eingewechselten Franzosen Paul Pogba hatte De Sanctis keine Chance.

Das Unheil nimmt seinen Lauf: Giovinco löst sich von Gamberini, Zuniga konzentriert sich auf den Flügelspieler, Campagnaro eilt ins Zentrum, um die Balance der Dreierkette herzustellen – genau im Moment der Übergabe kommt der Ball auf Giovinco, der Richtung Tor zieht, Pogba orientiert sich schon nach vorne

Fazit

Ein Spiel zweier ebenbürtiger Mannschaften, in dem letztendlich das etwas bessere Team die Oberhand behielt. Juventus ist seit unglaublichen 47 Ligaspielen ungeschlagen und führt die Tabelle der Serie A mit 22 Punkten aus acht Spielen an.

Florian Eliadakis, abseits.at

Florian Eliadakis