In diese Episode unserer G’schichterl-Serie wollen wir euch in vier Teilen erfolgreiche Fußballer vorstellen, die es über Umwege ins Profigeschäft geschafft haben. Obwohl es... G’schichterln ums runde Leder (23) – Erfolgreiche Spätzünder (4/4)

In diese Episode unserer G’schichterl-Serie wollen wir euch in vier Teilen erfolgreiche Fußballer vorstellen, die es über Umwege ins Profigeschäft geschafft haben. Obwohl es klar ist, dass nicht nur Akademieabsolventen in den Ligen dieser Welt kicken, gibt es nur wenige, die im reiferen Alter doch noch in den Durchbruch geschafft haben. Hier wollen wir vier solcher Kandidaten näher vorstellen und erzählen im letzten Teil von Antonio Di Natales Karriere bei Udinese Calcio. 

Aus dem Süden in den Norden

An die Zeit als Antonio Di Natale erstmals in der Kampfmannschaft seines damaligen Vereins spielte, werden viele Leser dieser Zeilen aufgrund ihres Alters kaum Erinnerungen haben: 1999 war „Totó“, wie der Stürmer gerufen wurde, bereits 22 Jahre alt, als er für Empolis Erste auflief. Zwei Jahre später stieg der Klub in die Serie A auf, doch Di Natale sollte schon 28 Geburtstagskerzen ausgeblasen haben, ehe er bei Udinese Calcio zum Superstürmer und zur Vereinslegende wurde.

Geboren wurde Di Natale am 13. Oktober 1977 in Pomigliano d’Arco, einem Dorf nahe Neapel. Sein Vater war Anstreicher, Antonio wuchs mit vier weiteren Geschwistern auf. Fußballverrückt wie alle Italiener wurde der 13-jährige von der Straße weggescoutet. Die Jugendakademie von Empoli lockte den Neapolitaner in die Nähe von Florenz. Mit viel Bauchweh reiste der Bub ab, nur um eine Woche später tränenüberströmt den rund 500 km weiten Weg wieder zurückzufahren: Mamma und die Famiglia fehlte. Wie bei allen Italienern eben.

Doch Antonio riss sich schließlich zusammen, er kehrte in die Akademie zurück und blieb zehn Jahre lang. Der spätere Topscorer war nicht auffällig, aber lief irgendwie mit. Als er es in der Kampfmannschaft nicht schaffte, verlieh ihn Empoli. Diese Geschäfte führten den Jungspund nach Iperzola, Varese und Viareggio. Bei seiner letzten Station konnte er sich mit zwölf Treffer in 25 Spielen behaupten und setzte sich anschließend auch bei Empoli durch.

Im Alter immer reifer

Als 25-Jähriger verdiente sich Di Natale erste Sporen in der höchsten Spielklasse Italiens. Er traf wie am Fließband, machte sich einen Namen als schneller, technisch guter Stürmer. Empoli erlebte glorreiche Zeiten und spielte mit seiner Tormaschine sogar im UEFA-Cup. 2002 kam Di Natale aufgrund seiner Trefferquote erstmals in den Genuss einer Einladung ins Nationalteam. Als Empoli 2004 jedoch absteigen musste, wechselte Antonio zu Udinese Calcio. Er wurde rasch zum Fanliebling, war als guter Teamspieler und Anführer bekannt. Egal ob mit Fabio Quagliarella, Antonio Floro Flores oder alleine im Zentrum: Seit seinem Wechsel ins Friaul erzielte der gebürtige Süditaliener nie weniger als zehn Tore pro Spielzeit. In der Saison 2005/2006 traf er zudem in der Liga, in der Coppa Italia, im UEFA-Cup und in der Champions-League – das gelang keinem anderen  italienischen Spieler.

Di Natale sollte zwölf Saisonen lang das schwarz-weiße Trikot tragen. Er wurde mit den Jahren immer besser: Anstatt „mit seiner Position zurückzuwandern“, mauserte sich „Totó“ zum klassischen Neuner und ballerte sich zweimal zum Torschützenkönig. Er stieg auch zum Kapitän der Squadra Azzurra auf. Antonio war ein harter Arbeiter, der viele Meter machte, und auch seine Freistöße konnten sich sehen lassen. Es schien, als habe er keine Schwäche.

Ein Fußballgott für die Udineser war er spätestens als er 2011 ein lukratives Angebot von Juventus ausschlug: „Ich habe dem Präsidenten geschworen, dass ich meine Karriere bei Udinese beenden werde. Und mein Wort ist mehr wert als jede Unterschrift auf einem Vertrag.“

Tatsächlich fühlten sich Di Natale und seine Familie in der 100.000-Einwohner-Stadt wohl. Mehrmals bewahrte er den Klub mit seinen Toren im Alleingang vor dem Abstieg. Selbst sein Karriereende zögerte aufgrund seiner Treffsicherheit hinaus, erst 2016 hängte der zweifache Familienvater nach 191 Toren für Udinese die Fußballschuhe endgültig an den Nagel.

Wahrer Sportsmann

Di Natale war auch bei Gegnern respektiert. Er galt als bodenständig und bescheiden: So war über sein Privatleben nie mehr bekannt, als dass er mit seiner Jugendliebe zwei Söhne großzog und neben seiner Sportkarriere ein Eisgeschäft betrieb. Er bekam 2010 einen Fair-Play-Preis, da er einen aussichtsreichen Angriff abgebrochen hatte, weil ein Gegner verletzt war. Der Neapolitaner kümmerte sich um die behinderte Schwester seines plötzlich verstorbenen Teamkameraden Piermario Marosini, die nach dessen tragischen Tod alleine dastand.

Schade, dass dem Angreifer im blauen Trikot keine großen Erfolge vergönnt waren. Nachdem Di Natale erst mit über 30 Jahren wieder in die Nationalmannschaft einberufen wurde, verschoß er den entscheidenden Elfmeter im Viertelfinale der EM 2008 gegen Spanien. Vier Jahre später verlor Italien erneut – diesmal aber im Europameisterschaftsfinale – gegen die Furia Roja.

So mancher schüttelt den Kopf und wunderte sich, warum der Stürmer nie den Sprung zu einem internationalen Großklub gewagt hat oder wenigstens (im Winter der Karriere) ins gut bezahlte Ausland gewechselt war. Die Wahrheit ist schlicht: Di Natale sah einfach nie die Notwendigkeit aus Udine wegzugehen. Sein Engagement bei „Le Zebrette“ erfüllte ihn mit genügend Stolz: „Ich denke, was ich mit Udinese gemacht habe, wird in die Geschichte eingehen. Ich sehe das nicht als etwas Unbedeutendes.“

Nach einem letzten Elfertor verabschiedet sich der sechstbeste Torschütze der italienischen Liga in die Fußballpension. Mittlerweile arbeitet er beim Serie B-Klub Spezia Calcio als Berater und Technischer Direktor. Seinen Farben – schwarz-weiß – ist er also treu geblieben. Typisch Di Natale.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag

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