Die letzte Saison beendete die AS Roma nur auf dem siebentem Tabellenplatz, verpasste dadurch die Qualifikation für den Europacup. Luis Enrique, mit dem man... „Il Capitano del dopo futuro“ – das ist Romas Mittelfeldtalent Alessandro Florenzi

Die letzte Saison beendete die AS Roma nur auf dem siebentem Tabellenplatz, verpasste dadurch die Qualifikation für den Europacup. Luis Enrique, mit dem man eigentlich den Umbruch vollziehen wollte, wurde entlassen, Zdenek Zeman soll es als Nachfolger heuer besser machen. Der gebürtige Tscheche setzt dabei auf dieselbe Grundformation aber auf neue Spieler. Einer von ihnen ist Alessandro Florenzi, dessen Spielweise in diesem Artikel beleuchtet werden soll.

In Anlehnung an den „Capitano“ der Roma, Francesco Totti, und seinem designierten Nachfolger Daniele De Rossi („Capitan Futuro“) wird Florenzi von Fans als „Capitano del dopo futuro“ schon jetzt als künftiger Träger der Spielführerbinde gesehen. Seit der Jugend schnürt der 21-Jährige seine Schuhe für die Giallorossi, gewann unter anderem 2011 die Campionato Primavera und wurde anschließend an den FC Crotone ausgeliehen.

Leihe in Crotone und der Weg zurück

In der Provinzhauptstadt avancierte Florenzi auf Anhieb zum Leistungsträger, absolvierte 35 der 42 Spiele, schoss elf Tore – die zweitmeisten teamintern – und wurde im Mai zum besten Jugendspieler der Serie B ausgezeichnet. Dabei agierte er bei den Pitagorici auf mehreren Positionen, kam sowohl als Rechtsverteidiger als auch auf sämtlichen Positionen im Mittelfeld zum Einsatz. Diese Vielseitigkeit ist ein Grund dafür, dass ihn Zeman unter allen Umständen wieder nach Rom zurückholen wollte. Der Weg war jedoch kein alltäglicher – zumindest hierzulande. Zusätzlich zur Leihe sicherte sich Crotone eine Kaufoption, die den Kalabresen für 250.000 Euro 50% der Transferrechte sicherten. Obwohl Florenzi ohnehin mit Ablauf der Leihe zurückgekehrt wäre, überwies die Roma im Juli 1,25 Millionen Euro an die Rot-Blauen.

Letzte Saison hat Walter Sabatini im Einklang mit uns allen beschlossen, Alessandro zu einem befreundeten Verein zu schicken und zwar bewusst mit einer Formel, die auch Crotone wirtschaftlich beteiligen würde“, so Alessandro Lucci, Berater des Nachwuchsteamspielers. „Dies, um zu gewährleisten, dass mit einer professionellen und wirtschaftlichen Beteiligung seitens Crotone besser an der Entwicklung des Spielers gearbeitet würde, als dies bei einer klassischen Leihe der Fall gewesen wäre. Wenn Florenzi heute ein Spieler ist, der bei der Roma als Stammspieler mitspielen kann, ist dies zum Teil der Verdienst von Crotone, aber auch der Weitsicht der Vereinsführung der Roma geschuldet. Ich glaube, nein ich bin sicher, dass die Roma schon vom Anfang der letzten Saison an den Jungen geglaubt hat.

Rolle bei der Roma

Wie eingangs erwähnt schickt Zeman sein Team in einem 4-3-3-System aufs Feld, das zudem eine merkbare Asymmetrie aufweist, wobei die linke Seite offensiv orientierter ist.Auf der rechten Seite gibt Erik Lamela einen klassischen „falschen Flügel“, hält lange die Breite um dann nach innen zu ziehen, während Totti auf der anderen Seite sein Spiel zentraler anlegt. Dies öffnet den Raum für nachstoßende Mitspieler, wie etwa Linksverteidiger Federico Balzaretti oder ebenjenen Florenzi.

Auf dem Papier scheint der Youngster im linken Mittelfeld auf, ist der offensiv ausgerichtete Zentrumsspieler, weicht aber oft auf die Seite aus. Panagiotis Tachtsidis gibt den Sechser, streut ab und an strategische Pässe ein, während man De Rossi als Hybridtyp der beiden bezeichnen kann. Der italienische Teamspieler musste heuer jedoch schon öfter aussetzen, was sich auch auf Florenzis Spiel auswirkt. Je nachdem wer De Rossis Startelfplatz einnimmt, passt Florenzi sein Spiel unterschiedlich an, wie die nebenstehende Grafik zeigt. Ersetzt ihn zum Beispiel der defensiv-orientierte Michael Bradley (4), agiert Florenzi (48) höher, rutscht Marquinho (7) rein haben beide etwa den gleichen Schwerpunkt.

Sprints in die Spitze

Was die Grafik jedoch nicht zeigt, ist die Art und Weise wie diese durchschnittlichen Positionen zustande kamen. Florenzi ist nämlich extrem ausdauernd, hat stets einen großen Aktionsradius und kämpft bis zum Umfallen – mit ein Grund warum er unter Roma-Fans einen guten Ruf genießt. In der Offensive zeichnet sich sein Spiel durch direkte Vertikalläufe aus. Sein Tor beim über Inter im San Siro, noch dazu Florenzis erster Startelfeinsatz, ist sinnbildlich für dieses Verhalten. In hohem Tempo beschleunigt der Mittelfeld-Allrounder gerne in die Schnittstellen der Abwehr, ist aufgrund seiner Antrittsstärke nur schwer zu verteidigen. Um diesen Vorteil wirkend zu machen, stoppt er seine Sprints auch ein ums andere vorzeitig Mal ab, um im zweiten Anlauf in den Strafraum reinzugehen.

Kurze Ballbesitzzeiten

Das Leder selbst versucht er so schnell wie möglich loszuwerden. Die Folge dessen, dass er bemüht ist die Ballbesitzzeiten gering zu halten zeigt sich auch in der Statistik: In der Hälfte aller Spiele hatte Florenzi weniger als 50 Ballkontakte, obwohl er sie über die volle Distanz bestritt und Mittelfeldspieler in aller Regel zu den kontaktfreudigsten Akteuren zählen. Den Großteil seiner Pässe spielt er nur über kurze Distanzen um sich dann schnell wieder in eine aussichtsreichere, meist tornähere Position zu bringen. Rechts ist Florenzis Heatmap vom Auswärtsspiel gegen Juventus zu sehen. Wie man erkennen kann, hat er kaum Aktionen rund um die Sechser- oder Achterräume, vielmehr dient er als Anspielstation um die Kombinationen im Fluss zu halten und durchquert das zweite Drittel so schnell wie möglich. Auch ordnende oder lange Pässe aus der Tiefe sieht man vom technisch soliden, aber keinesfalls außergewöhnlichen Römer kaum.

Wechselwirkung mit dem Außenverteidiger

Was in der obigen Grafik ebenfalls auffällt ist die starke Konzentration auf die linke Abwehrseite. Diese rührt daher, dass mit Balzaretti hinter ihm ein sehr offensiv-ausgerichteter Außenverteidiger spielt. Stößt dieser mit nach vorne, bleibt Florenzi als Absicherung hinten. Die Abläufe zwischen den beiden und auch Totti wirken sehr stimmig undflüssiger als auf der anderen Seite, wo gegebenenfalls der rechte Mittelfeldspieler einen großen Raum zu beackern hat, da der Flügelspieler hoch und breit steht und der Außenverteidiger – meist Ivan Piris – konservativ agiert. Wo es noch Probleme gibt, ist das Szenario wenn der Gegner über Romas linke Seite mit zwei eng aneinander liegenden Spielern kommt. Juve demonstrierte dies, als Rechtsverteidiger Martin Caceres sehr offensiv spielte und Arturo Vidal aus dem zentralen Mittelfeld in ähnliche Zonen vorstieß. Die Folgen aufseiten der Roma: Zuordnungsprobleme beim Übergeben, so dass in manchen Fällen Florenzi und der Außenverteidiger einen Gegenspieler deckten, während der andere komplett frei war.

Loser Kontakt zum Gegner

Weiters wirft Florenzis Defensivspiel auch in der Nutzung des Raumes das eine oder andere Problem auf. Gegen den Ball spielt die Roma mit einer sehr positionsorientierten Raumdeckung, bei der die Spieler darauf achten, dass die Abstände zueinander passen. Vor allem in der eigenen Spielfeldhälfte positionieren sich die Mittelfeldspieler sehr, sehr nah an der Viererkette, so dass gegebenenfalls der Abstand zu den direkten Gegenspielern wächst, diese ohne Druck Pässe vorbereiten können. Zwei solcher Aktionen findet man rechts. In der linken Bildhälfte lässt sich Inter Wesley Sneijder zurückfallen, das andere Szenario zeigt die Entstehung des 3:0 beim Spiel Juve gegen Roma. In beiden Fällen verliert Florenzi den Kontakt zum Gegenspieler, in beiden Fällen folgt ein langer Pass, der das Gegentor einleitet.

Zemans Liebling

Bei all diesen Betrachtungen sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass Florenzi nicht viel mehr als eine Hand voll Spiele auf höchstem Niveau in den Beinen hat und erst 21 Jahre jung ist, es dementsprechend vollkommen natürlich wäre wenn er in Zukunft irgendwann ein Formtief durchlaufen müsste. Genauso aber hat er noch viel Zeit um an seinen Schwächen (z.B. Ballbehandlung) zu arbeiten und wenig gezeigte Stärken (z.B. Kopfballspiel) zu verfeinern. Florenzi bringt großes Potenzial mit und es ist nicht verwunderlich, dass er zu Zemans Lieblingen zählt, deckt sich dessen Denkweise doch im hohen Maße mit der Spielweise des „Capitano del dopo futuro“.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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