Dass in Italien alles ein bisschen anders läuft als anderswo, ist hinlänglich bekannt. Auch im Fußball ticken die Uhren etwas anders – im Trainerwesen... Trainerrochaden bei der US Palermo: Das System der zweiten Chancen

Italien FlaggeDass in Italien alles ein bisschen anders läuft als anderswo, ist hinlänglich bekannt. Auch im Fußball ticken die Uhren etwas anders – im Trainerwesen ist es, zieht man zumindest die Geschehnisse aus folgendem Bericht heran, gar schon Fünf vor Zwölf.

Coaches haben es im Land des Weltmeisters von 2006 nicht einfach, das ist nichts Neues. Kaum bleibt der Erfolg aus, wackelt der Trainerstuhl. Heilig ist bekanntlich ja nur jener des Papstes. Was aber der US Palermo in den vergangenen Wochen und Monaten abhielt, sieht man im Profifußball nur selten.

Neubeginn dauerte nur drei Spieltage

Nachdem man unter Coach Bortolo Mutti die letzten Saison auf Platz 16 der Serie A, und damit nur zwei Ränge über einem Abstiegsplatz, abschloss, zog man unter seine Ära einen Schlussstrich. Ein neuer Mann sollte den Traditionsverein in der anstehenden Spielzeit zu alter Stärke führen – Giuseppe Sannino. Der 55-Jährige hielt sich allerdings genau drei Spieltage, ehe er aufgrund sportlicher Erfolgslosigkeit (zwei Niederlagen, ein Remis) wieder seinen Platz räumen musste.

Sein Nachfolger, Gian Piero Gasperini, machte es kaum besser, schwang allerdings immerhin ganze 20 Runden das Zepter – er überlebte quasi den Winter. Nach drei Siegen aus diesen 20 Spielen war im Februar dieses Jahres aber auch für den „Dauerbrenner“ Schluss.

Es übernahm Alberto Malesani – und wurde 3 Spiele später, ohne jedoch eines davon verloren zu haben, wieder entlassen. Ein Kurzauftritt des Mannes, der bereits im April 2012 bei seiner zweiten Dienstzeit beim FC Genua nach nur 20 Tagen schon wieder Geschichte war.

Alte Bekannte sind immer gern gesehen

Aber zurück nach Palermo, wo man nun wohl zu der Einsicht gekommen war, die Leistungen unter Gasperini wären gar nicht so schlecht gewesen, man hätte einfach nur Pech gehabt. Kurzerhand wurde der ehemalige Inter-Trainer (dort wurde er übrigens nach vier Niederlagen aus seinen ersten fünf Spielen ebenso relativ rasch wieder entlassen) zurückgeholt und ihm eine zweite Chance gewährt – warum denn auch nicht? Gasperini konnte das in ihn gesetzte Vertrauen allerdings nicht rechtfertigen: Nach einem Remis, einer Niederlage und exakt 15 Tagen nach seinem zweiten Amtsantritt war das Abenteuer Palermo für den Ex-Kicker aber auch schon beendet.

Und weil die Rückholaktion eines alten Bekannten so gut geklappt hatte, beschlossen die Vereinsverantwortlichen vor kurzem, das System der zweiten Chance ein weiteres Mal anzuwenden. Guiseppe Sannino (wir erinnern uns: das ist jener Mann, der den US Palermo zu alter Stärke führen hätte sollen, dies aber in zwei Monaten und drei Spielen nicht schaffte) ist diesmal der Glückliche. Erwartungsgemäß startete der neue alte starke Mann auf der Trainerbank mit einer Niederlage in seine zweite Amtszeit, womit sein Stuhl auch schon wieder gewaltig wackelt, rangiert der Traditionsverein doch auf einem Abstiegsplatz. Ein gewisser Alberto Malesani reibt sich bestimmt schon die Hände.

Man setzt aus Altbewährtes

Beschriebene Transferpolitik in Sachen Trainer verfolgt der US Palermo nicht erst seit dieser Saison, schon in der Vergangenheit fiel man mit wirren Entlassungs- und Zurückholaktionen auf. So durfte sich Francesco Guidolin innerhalb von eineinhalb Jahren gleich dreimal versuchen, dessen (zweifacher) Nachfolger Stefano Colantuono und Delio Rosso brachten es immerhin auf je zwei Amtszeiten. Letzterer konnte mit 1,66 übrigens den besten Punkteschnitt aller Palermo-Trainer seit 2004 aufweisen, was ihm auch eine beachtliche erste Dienstzeit von knapp eineinhalb Jahren einbrachte, womit er ebenfalls deutlicher Rekordhalter seit 2004 ist. Was ist daraus zu schließen? In Palermo schützt lediglich Erfolg vor Entlassung, womit eigentlich wieder alles ganz normal ist.

Michael Pinter, abseits.at

Michael Pinter

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