Nicht alle Kicker befinden sich aktuell in ihrem wohlverdienten Sommerurlaub. Neben dem Confed Cup in Brasilien und der U20-Weltmeisterschaft in der Türkei streiten in... Mini-Pirlo und Mini-Busquets: Verratti und Illarramendi dominieren U21-EM

Europa Landkarte KontinentNicht alle Kicker befinden sich aktuell in ihrem wohlverdienten Sommerurlaub. Neben dem Confed Cup in Brasilien und der U20-Weltmeisterschaft in der Türkei streiten in Israel auch acht Nationen mit ihren U21-Vertretungen um den Europameistertitel. Einige der Akteure gelten bereits jetzt als große Stars, manche nutzen die Bühne um sich ins Rampenlicht zu spielen. Neben einigen Offensivspielern drängten sich in der Gruppenphase vor allem zwei Sechser auf.

Die Rede ist vom Italiener Marco Verratti und dem Spanier Asier Illarramendi. Beide Spieler schlossen die Gruppenphase mit ihren Teams auf Platz eins ab. Während die Stiefel-Kicker in Gruppe A Norwegen, Israel undEngland hinter sich ließen, wurden die Iberer mit drei Siegen gegen die Niederlande, Deutschland und Russland souveräner Gruppensieger.

Von der Serie B zum französischen Titel

Bereits letzten Sommer, als er mit Pescara in die Serie A aufstieg, sahen viele in Verratti großes Potenzial. Dass er bei den Delfini nicht bleiben würde, war klar, da auch der eine oder andere europäische Topklubs hinter ihm her war. Für kolportierte zwölf Millionen Euro wechselte der 1,65cm-kleine Mittelfeldakteur zu Paris St. Germain, wo er sich auf Anhieb in der Stammelf festspielte, den Meistertitel holte und auch am Einzug ins Viertelfinale der Champions League ein wichtigen Anteil hatte. Vom Spielstil her erinnert Verratti stark an Andrea Pirlo. Aus dem zentralen Mittelfeld heraus leitet er als Regista die Angriffe seines Teams ein, greift dabei auch vermehrt zu langen Bällen.

Seit der Jugend im Baskenland

Anders als Verratti kickt Illarramendi bei einem vergleichsweise kleinen Klub – allerdings schon seit seiner Jugend und auch keineswegs erfolglos. Mit Real Sociedad erreichte er in der abgelaufenen Saison Platz vier und schaffte so den Sprung in die Champions-League-Qualifikation. Auch er ist in seinem Team mit rund 50 Pässen pro Spiel der primäre Aufbauspieler, allerdings nimmt er auch im so starken Pressing der txuri-urdin eine wichtige Rolle ein. Im Spiel gegen den Ball hat er gewissermaßen eine Freirolle inne, was zeigt, dass er über eine außerordentliche Spielintelligenz verfügt. Er verfolgt nicht stur eine Strategie, sondern bestimmt situativ ob er sich beispielsweise am Gegenspieler orientiert oder lieber den Raum zustellt.

Andere Rolle im U21-Team

Im U21-Team sind die Aufgaben des Spaniers jedoch andersartig. Im Gegensatz zu seiner Rolle bei La Real, wo er im 4-2-3-1 als einer von zwei Spielern auf der Doppelsechs agiert, nimmt er bei der traditionellen spanischen 4-3-3-Grundordnung die Position des mittleren, in aller Regel tiefsten Mittelfeldspielers ein. Gerade bei den individuell stark besetzten Spanier, allen voran die Superstars Thiago Alcantara vom FC Barcelona und Malagas Isco, ist es schwer auf dieser Position herauszustechen. Illarramendi erleidet daher in gewisser Weise das gleiche Schicksal wie Sergio Busquets.

Beim Herausspielen ist er die erste Anspielstation für die Innenverteidiger und muss aufgrund des in aller Regel aggressiven Pressings gegen seine Person eine äußert sichere Ballbehandlung mitbringen. So zieht er die Aufmerksamkeit der Gegenspieler auf sich, was Räume für seine Mitspieler öffnet, die er dann mit seiner starken Technik meist selbst einsetzt nachdem er sich vom Druck gelöst hat. Viel wichtiger ist aber seine Rolle, wenn das eigene Team in höheren Zonen den Ball hat. Er rückt dann gegebenenfalls etwas mit auf, besetzt und verschließt freie Räume, wodurch er die so wichtige Ballzirkulation aufrechterhält.

Das Metronom der Azzurrini

Im Gegensatz zu dieser absichernden Rolle, übernimmt Verratti bei den Italienern mehr spielgestalterische Aufgaben. Anders als Cesare Prandelli bei der Squadra Azzurra schickt Devis Mangia seine Schützlinge nicht einem 4-4-2 in Rautenform aufs Feld, sondern setzt auf ein flaches Vierermittelfeld. Verratti besetzt dabei eine der beiden Positionen im zentralen Mittelfeld und kippt im Spielaufbau ab um sich die Bälle von den Innenverteidigern zu holen. Aufgrund seiner herausragenden technischen Qualitäten ist er zwar selbst unter höchstem Druck nicht vom Ball zu trennen, dennoch ist er aufgrund seiner wichtigen Rolle für den Gegner der Schlüssel zum Erfolg.

Daher ist er besonders von den Bewegungen seiner Mitspieler abhängig. Diese müssen Verratti den nötigen Raum verschaffen, damit dieser seine öffnenden Pässe vorbereiten kann. So erlangte er gegen England erst dann genügend Zugriff aufs Spiel als auch Lorenzo Insigne besser ins Spiel kam. Der Napoli-Angreifer ist neben Verratti der Star der Azzurrini und glänzt vor allem durch seine dynamischen Dribblings. Eingesetzt wird er unter anderem von den präzisen Diagonal- und Vertikalpässen von Verratti.

Passen, Passen, Passen

So unterschiedlich die Stellenwerte und Aufgabenbereiche der beiden auch sind, eine große Gemeinsamkeit gibt es im Spiel. Sowohl Verratti als auch Illarramendi haben extrem viele Ballkontakte. Mit unglaublichen 130 Pässen pro Spiel war der kleine Italiener mit Abstand der fleißigste Passgeber in der Gruppenphase, fünf Plätze dahinter folgt Illarramendi mit deren 81. Auch das ist ein mehr als ordentlicher Wert und zeigt, dass Italien (im Schnitt 65,4% Ballbesitz) und Spanien (67,8%) die dominierenden Nationen der bisherigen U21-EM sind. Es wäre also nicht verwunderlich, wenn am kommenden Dienstag im Teddy Stadium von Jerusalem dieselben Hymnen erklingen wie vor knapp einem Jahr beim EM-Finale in Kiew.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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