Gegen das 5-3-2 von Osasuna, das defensiv tief und kompakt agiert, hatte Real eine ordentliche Aufgabe vor sich. Ronaldo kehrt nach Verletzungspause in die... Analyse: Reals 5:2-Sieg gegen Osasuna

Real Madrid - Wappen mit Farben_abseits.atGegen das 5-3-2 von Osasuna, das defensiv tief und kompakt agiert, hatte Real eine ordentliche Aufgabe vor sich. Ronaldo kehrt nach Verletzungspause in die Startelf zurück, Kovacic spielte statt Casemiro von Beginn an. Wir haben das Spiel für euch analysiert.

Prinzipielle Ausrichtungen

Real trat nominell in einem 4-3-3 an, im Aufbau wurde die Rollenverteilung im zentralen Mittelfeld deutlich: Kroos agierte als Sechser, Kovacic und Modric vor ihm als Achter. Beide hatten die „Erlaubnis“ seitlich abzukippen um den Ballvortrag zu erleichtern, denn die Doppelspitze von Osasuna versperrte das Zentrum zumindest für die Innenverteidiger effektiv. Die Gastgeber zeigten sich strukturell verbessert gegenüber dem letzten Jahr, in dem man sehr oft verbindungslos agierte und Modric und Kroos nur selten Anspielstationen nach vorne hatten. In diesem Spiel besetzte jedoch Cristiano Ronaldo immer wieder den Zehnerraum, somit hatte das Mittelfeld bessere vertikale Verbindungen.

Die Madrilenen wollten gegen den Ball aktiv sein und Osasuna nicht viel Platz zum Spielen lassen, weshalb man sehr hoch im 4-3.3 attackierte und den Aufbau bereits bei den ersten Pässen störte. Hinter dem ersten Pressingwall verfolgten Kovacic und Modric ihre Gegenspieler mannorientiert, um den Aufbauspielern Pamplonas die vertikalen Passoptionen zu nehmen und hohe Bälle zu erzwingen, was auch zumeist gelang. Im Gegenpressing um den zweiten Ball gewann man diesen oft zurück. Stichwort Gegenpressing: Die verbesserte Struktur im Ballbesitz ermöglichte den Blancos ebenfalls besseren Zugriff im Nachsetzen nach Ballverlust, was sich deutlich bemerkbar machte.

K1024_vlcsnap-2016-09-12-11h02m57s592

Im Pressing formierten sich die Gäste in einem klaren 5-3-2, man attackierte ab der Höhe des Mittelkreises und versuchte das weiße Ballett auf die Seiten zu drängen und dort einzukesseln. Durch die Fünferkette, die man auch in den vorherigen Spielen angewendet hatte, wollte man die Möglichkeit haben den Ballführenden zu attackieren ohne große Löcher zu hinterlassen. Dies war jedoch nicht immer einfach für die Mitspieler zu balancieren, da bei Real oft diagonale Läufe von einem der Stürmer folgten, wenn das Entgegenkommen eines Mitspielers verfolgt wurde. So zog man weitere Spieler mit und so entstand auch das 1:0, indem García seinen Gegner verfolgte, statt aufzurücken und ihn ins Abseits zu stellen.

Auch im Dreiermittelfeld agierte man sehr mannorientiert. Dies nutzten die spielintelligenten Zentralen der Madrilenen jedoch aus, indem sie zum Beispiel durch Läufe in die Tiefe Platz für aufrückende Innenverteidiger schufen.

Im Ballbesitz rückten beide Flügelläufer mit auf und man formierte sich in einem 3-1-4-2. Im Aufbau wollte man so früh wie möglich die Flügel ins Spiel bringen, den Flügelfokus verstärkten die Achter und Stürmer, die oft auswichen um die Flügel zu überladen und den Wingbacks beim Durchbruch zu assistieren. Die Doppelspitze, bestehend aus Riviere und Kodro, wollte man dann anschließend mit Flanken füttern. Zu selten kreierte man jedoch Dreiecke und durch das frühe Spielen auf den Flügel fehlten oft die Optionen um das Aufbauspiel weiter zu entwickeln. Im Zentrum und den Halbräumen hat man deutlich mehr Passoptionen, auf der Seite ist es deutlich schwieriger bei gutem gegnerischen Pressing sich zu befreien. Es ist aber auch weniger risikoreich und simpler und stabiler auszuführen, weshalb sich Osasunas Trainer Monreal wahrscheinlich auch für den Flügelfokus entschied.

Frühe Führung, endgültige Souveränität fehlt jedoch

Fünf Minuten waren vergangen und Real war bereits in Führung gegangen: García hatte das Aufrücken seiner Mitspieler in der Abwehrkette nicht mitgemacht und wollte den Lauf von Cristiano Ronaldo verfolgen. Somit hob er das Abseits auf und Bale startete hinter die Abwehr. Natürlich war er nicht mehr aufzuhalten, im Strafraum legte er quer für den Europameister, der das 1:0 erzielte. Real hatte durch das verbesserte Positionsspiel recht bald Dominanz erlangt und ließ den Ball durch die eigenen Reihen zirkulieren um bei Gelegenheit den Zwischenlinienraum zu bespielen. Dies gelang häufig, da man sehr gute Passspieler im Zentrum hatte, und die hohen Außenverteidiger, die teilweise  einen Fünfer-Sturm mit Bale, Morata und Cristiano Ronaldo bildeten, halfen dabei die Defensivstaffelungen von Osasuna zu verflachen. Zudem funktionierten die Gegenbewegungen in der letzten Linie Reals gut, entgegenkommen für einen Pass in den Fuß wurde oft passend mit Lauf in die Tiefe balanciert. Dies schaffte oft Raum und mehrere Möglichkeiten im Ballbesitz für den Ballführenden.

Zwar dominierte Real weitestgehend das Geschehen, jedoch fehlte es an zwingenden Chancen. Durch den hohen Fokus auf die individuellen Fähigkeiten der Stürmer, insbesondere von Cristiano Ronaldo und Gareth Bale, gab es zwar immer wieder Möglichkeiten, diese waren jedoch selten von großer Gefährlichkeit. Oft waren es Schüsse, die zwar entweder nur knapp daneben gingen oder gehalten wurden, die Wahrscheinlichkeit eines Treffers aus den Positionen, wo Real oft abschloss, war aber gering. Real spielt in der Offensive ein „numbers game“: Durch die hohe Durchschlagskraft der Stürmer und den Fähigkeiten im Abschluss kreiert man einfach viele Chancen bis eine den Weg ins gegnerische Tor findet. Je individuell schwächer der Gegner, desto leichter fällt diese Art des Offensivspiels. Jedoch wenn Abläufe und eine flexible Struktur der Chancenvorbereitung fehlen, dann ist man leichter auszurechnen. Dennoch schafft es Real immer wieder, eben aufgrund der individuellen Fähigkeiten, knappe Spiele, in denen sie weitestgehend harmlos sind, dennoch zu gewinnen.

Mit Fortlauf der Spielzeit verbesserte sich das Offensivspiel der Gäste und vor allem im Umschaltspiel erwischte man die Madrilenen einige Male, wenngleich die herausgespielten Chancen meist nicht allzu zwingende Flanken waren. Real hatte sich gegen Ende der Halbzeit verschlechtert, man lief sich langsamer frei und geriet in den alten Trott von letzter Saison. Genau in der besten Phase der Pamploner erhöhte jedoch Danilo auf 2:0, als er einen Nachschuss verwertete. Cristiano Ronaldo hatte sich kurz zuvor gut im von Nacho geöffneten ballfernen Halbraum für einen Diagonalpass für Kroos angeboten. Anschließend lief er nach Abspiel durch die Tiefe, seine ersten zwei Hereingaben wurden zwar nicht verwertet, der geblockte Kopfball von Morata fiel jedoch Danilo genau vor die Füße und der Brasilianer erzielte das 2:0. In der 46. Minute köpfte Ramos noch einen Corner zum 3:0 ein.

Nach Wiederanpfiff gab es gleich eine Anpassung zu sehen: Real spielte nun in einem 4-2-1-3/4-2-4 Hybrid, wobei Kovacic nun die Zehnerposition einnahm. Bei Angriffen blieben zumindest fünf,  meistens sechs Spieler zur Absicherung hinten. Osasuna hatte seine beste Phase des Spiels, als sie im Pressing ebenfalls anpassten und nun im 5-2-3 pressten. Zunächst etwas zögerlich, was zu einfacher Progression des Real Spiels führte, dies wurde jedoch korrigiert und die Madrilenen mussten öfters zum hohen Ball greifen. Dies schien jedoch den Gastgebern in die Hände zu spielen, denn durch die vier Stürmer in der letzten Linie konnte die gesamte Abwehr der Gäste gebunden und nach hinten geschoben werden, woraufhin Unkompaktheit in Osasunas Defensive entstand. Nun konnte man den Zwischenlinienraum leichter bespielen, in den sich stets einer der Stürmer dynamisch fallen ließ. Zum einen machte man dies mit Chip-Bällen, aber auch flache Vertikalpässe von Toni Kroos waren ein probates Mittel.

1

Osasunas 5-2-3 Pressing

2

Eigentlich eine schwierige Situation im Aufbau für den mittig abgekippten Modric. Der chippt den Ball aber einfach zu Danilo, der zu Morata prallen lässt. Das ist individuelle Qualität gepaart mit schlechtem gegnerischen Pressing.

In der 55. Minute erzielte Pepe nach einem Eckball per Kopf ein Tor und brachte die endgültige Entscheidung. Osasuna ist normalerweise recht gut bei Standardsituationen, Manndeckung gegen Pepe, Ronaldo, Ramos, Morata und Bale sind jedoch prinzipiell eher keine gute Idee, sofern die Gegenmänner nicht John Terry, Kompany, Jiménez und Co heißen. Zudem stieß sich der Torwart den Ball fast selbst rein, in dem er den Ball statt vom Tor weg ins eigene Tor leitete. Real agierte nach diesem Treffer sehr inkohärent in der Offensive, konnte jedoch durch die hohe Viererlinie immer wieder Konter fahren. Oft rückten dann auch noch die Außenverteidiger nach und so ließ man Osasuna stets kommen, spekulierend auf das Fehlen eines zusätzlichen Offensivplans und individueller Klasse.

Die Gäste aus Pamplona zeigten fehlende Mobilität im Mittelfeld, weshalb der Ballvortrag zwar öfters durch die unkompakte erste Real-Pressinglinie gelang, danach jedoch trotz numerischer Überzahl im Zentrum schwierig wurde. In Minute 61 erhöhte Modric die Führung weiter, nur wenige Minuten später kam Osasuna nach einer Flanke ebenfalls zu einem Treffer. Zidane brachte Benzema für Ronaldo, der Franzose half dabei teilweise bessere Verbindungen zwischen den Mannschaftsteilen herzustellen, wenn auch er es nicht immer zu schaffen vermochte. Osasuna konnte noch auf 5:2 herankommen, indem man in der 78. Minute erneut einen Treffer nach einer Flanke erzielte.

Fazit

Reals erste Halbzeit ließ auf mehr hoffen. Zidane ging jedoch die Sicherheitsroute und es tauchten wieder alte Probleme im Spielaufbau und bei den Verbindungen der Mannschaft im Ballbesitz wieder auf. Osasuna fehlte jedoch schlicht und einfach die Qualität in taktischer und individueller Hinsicht, um dies zu nutzen.

David Goigitzer, abseits.at

David Goigitzer