Im Hinspiel des spanischen Supercups trafen, wie sollte es auch anders sein, Real und Barcelona aufeinander. Der erste Clasico dieser Saison wurde von beiden... Barcas erfolgreiche Rückkehr zum 4-3-3 – Clasico geht nach Katalonien!

Im Hinspiel des spanischen Supercups trafen, wie sollte es auch anders sein, Real und Barcelona aufeinander. Der erste Clasico dieser Saison wurde von beiden Mannschaften zu einem reinen Prestige-Duell herabgewürdigt; doch bei dieser Paarung reicht auch dies aus, um ein Fußballspiel auf höchstem Niveau zu garantieren. Letztlich war Real in den ersten zehn Minuten mindestens ebenbürtig, verlor jedoch den Zugriff auf den Gegner und Barcelona war dominant. Dies änderte sich eigentlich nur nach dem Aufbäumen zu Beginn der zweiten Hälfte, doch auch hier konnten sich die Katalanen durchsetzen.

Nach einem Gegentreffer per Kopf durch Cristiano Ronaldo erzielten postwendend den Ausgleich und gingen durch Messi in der siebzigsten Minute in Führung. Real agierte nun höher, Barcelona zeigte einen tollen Spielzug und traf durch Xavi zum 3:1. Das 4:1 schwebte in der Luft, doch ein böser Patzer von Valdes sorgte für das 3:2, was dem neutralen Fußballfan zumindest ein interessantes Rückspiel verspricht.

Barcelonas Aufstellung – weniger Experimente, die Rückkehr zum 4-3-3

Die Mannschaft von Tito Vilanova präsentierte sich im 4-3-3. Damit war die Abkehr vom letztjährigen System mit Dreierkette weiterhin klar erkennbar. Die Viererkette wurde von Pique und Mascherano in der Zentrale und Dani Alves gegenüber von Adriano gebildet. Davor spielte Sergio Busquets in seiner Paraderolle als alleiniger Sechser, während Xavi und Iniesta eine ziemlich klassische Doppelacht bildeten. Normalerweise war die Aufteilung in einen Organisator mit sehr großem Aktionsradius (Xavi) und einen höheren Kreativen für das letzte Spielfelddrittel (Iniesta) klar, doch nun ließ sich Iniesta ebenso weit nach hinten fallen und half im Aufbauspiel. Durch die falsche Neun Messi, der ebenfalls weit zurückging, wurde in der ersten Spielhälfte lange Zeit der Ball etwas tiefer als üblich gehalten, Messi war dann halbrechts tätig, während Iniesta halblinks den primären Spielgestalter Xavi flankierte. Vorne warteten Pedro und Sanchez auf die Bälle, wobei Pedro zu Beginn fast nur links zu finden war. Später rochierten die beiden oft, Pedro lebte dann auf der rechten Außenbahn förmlich auf und traf nach einer hervorragenden Ballverarbeitung zum Ausgleich, sein Gegenüber Sanchez hatte hingegen eine schwache Partie.

Die Idee der Überladungen

Mit Sanchez auf der rechten Seite und Pedro links wollten die Katalanen ihre Spielweise breiter anlegen und Räume im Zentrum öffnen. Pedro ist sehr beidfüßig und kann dadurch auf beiden Seiten in der Nähe der Außenbahn agieren, weswegen Sanchez als Rechtsfuß auf die Seite weichen musste. Bereits im ersten Saisonspiel wurden von Tello als Außenstürmer viele flache und scharfe Flanken gebracht, was das Spiel flexibler machen sollte. Da Pedro und Sanchez aber beide Stürmer sind und hinter ihnen zwei passende Außenverteidiger agierten, wollten sie die Räume überladen. Sanchez hatte Messi und Alves in der Nähe, die beide diagonal nach innen ziehen konnten. Außerdem konnte Alves Sanchez hinterlaufen und die Aufgabe übernehmen, breit zu agieren. Messi hingegen suchte selbst nach Lücken für inverse Läufe und Abschlüsse. Links gab es mit Pedro und Adriano zwei beidfüßige Akteure, letzterer hatte bereits als Flügelstürmer agiert. Somit konnten beide sowohl diagonal, als auch vertikal oder invers agieren und dies war der Grund, wieso Albiol und Arbeloa extrem defensiv und genau spielen mussten.

Zurückhaltung der Außenverteidiger und aufrückende Innenverteidiger

Im Gegensatz zu den vorherigen Saisons zeigten sich sowohl Alves als auch Adriano einige Male sehr konservativ und zurückhaltend. Das lag daran, dass Adriano in der Rolle als Linksverteidiger seinen Vorgänger Eric Abidal kopieren sollte. Damit war die defensive Stabilität höher, als mit zwei offensiven Außenverteidigern und es gab mehr Absicherung. Wie auch Abidal sollte er erst mit nach vorne aufrücken, wenn Reals gesamte Mannschaft stark in die Tiefe gedrängt wurde. Alves hingegen rückte im Aufbauspiel höher auf, um eine Anspielstation zu bieten. Pique schob dann nach rechts und links war es Adriano, der neben dem zentralen Mascherano das Aufbauspiel ankurbelte. Diese Variante lag auch am 4-4-2-Pressing von Real, welche mit Benzema und Özil vorne attackierten. Allerdings veränderte sich diese Pressingformation, weil Barcelona mit ihrem angepassten Aufbauspiel kaum bedrängt werden konnte. Als Real sich tiefer und im 4-2-3-1 positionierte, schoben die Innenverteidiger Barcelonas beim Spielaufbau nach vorne (Adriano links und Pique rechts), damit Xavi und Iniesta nicht mehr eng gedeckt werden konnten.

Reals Aufstellung predigt Kompaktheit und Umschaltspiel

Mit Arbeloa und Albiol gab es eine sehr defensive Ausrichtung auf der linken Seite, links spielte Coentrao dafür sehr offensiv. Seine Offensivstärke sollte die Lücken hinter Alves attackieren, der sich deswegen auch etwas zurückhielt und seltener zu seinen Vorstößen ans Ende des letzten Spielfelddrittels ansetzte. Abgeschreckt durch Ronaldo hinter und Coentrao vor sich agierte der Brasilianer vorsichtig und diente vornehmlich als Ballzirkulationsstation im zweiten Spielfelddrittel. Auf den Flügeln zeigte sich, dass Real auf Konter setzten wollte. Der pfeilschnelle Callejon spielte rechts und kam aus der Tiefe, Ronaldo im Zentrum zockte und trat als verkappter Stürmer auf.

Diagonalbälle auf beiden Seiten

Benzema orientierte sich tief und wollte das gegnerische Zentrum herausziehen, um dann Bälle auf die Seiten weiterzuleiten. Mit seiner Technik sollte er dadurch das Spiel schnell machen und die kompakte Mitte des Gegners durcheinanderbringen sowie die Lücken auf den Flügeln zu nutzen helfen. Da dies jedoch kaum gelang, konzentrierte sich Real auf weite Diagonalbälle, welche das Mittelfeld überbrücken und schnelle Konter ermöglichen sollten. Diese wurden selten gut zu Ende gespielt, hätten aber durchaus sehr erfolgreich und gefährlich werden können.

Interessant ist, dass auch Barcelona mit Diagonalbällen operierte. Sie wollten dadurch die Seiten freispielen, das Spiel verlagern und das gegnerische Mittelfeldpressing aushebeln. Immer wieder presste Real in einer fluiden Formation mit fünf Mittelfeldspielern sowie einer hohen Raumorientierung. Diese wollte Barcelona mit den langen Bällen zerstören und sich aus dem Pressing befreien. Ein zweiter Weg, wenn auf den Flügeln niemand frei war, waren Pässe in die Abwehr, womit sie den Gegner aus seiner tiefen Formation herauslocken wollten.

Fazit: das Motto lautete Vorsicht!

Es war alles angerichtet für ein großes Fußballfest – und es wurde dennoch keines. Real hatte nur wenige Phasen mit effektivem Pressing und zeigte einige katastrophale Fehlpässe. Bei Barcelona enttäuschte Sanchez und in der gesamten zweiten Hälfte feuerte Messi keinen Schuss auf das Tor ab. Viele Bälle wurden nach hinten gespielt und nach dem 3:1 fehlte die Zielstrebigkeit, den Gegner abzuschießen. Dennoch waren sie besser und haben sich diesen Sieg verdient. Bedenkt man Valdes‘ Patzer sowie einige Pfiffe des Schiedsrichters, welche Real-Spieler ungestraft ließen, hätte das Spiel womöglich auch deutlicher zu Gunsten des FC Barcelona ausgehen können.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

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