Der FC Barcelona machte in den letzten Jahren immer wieder mit spektakulären Spielerkäufen und Verkäufen auf sich aufmerksam. Seien es nun die lebenden Legenden... Der FC Barcelona und seine Südamerikaner – eine Liebesgesichte?!

Der FC Barcelona machte in den letzten Jahren immer wieder mit spektakulären Spielerkäufen und Verkäufen auf sich aufmerksam. Seien es nun die lebenden Legenden a la Rivaldo, Ronaldo oder Ronaldinho, die einst das Dress der Blaugrana trugen, oder aber auch die Transferpossen um Neymar, Dembele oder Coutinho, die in jüngster Zeit in den Medien viel diskutiert wurden. Spannend dabei ist die Beobachtung, dass die Katalanen zwar sehr häufig Spieler aus Südamerika in ihren Reihen haben, diese aber in den letzten zwanzig Jahren nur selten direkt aus Brasilien oder Argentinien verpflichtet hatten, sondern eher bereits gestandene Spieler mit Europa-Erfahrung an Bord geholt haben. Mit Arthur steht ein Brasilianer ante Portas, der bis dato nur in Brasilien aktiv war und im Sommer für viel Geld nach Spanien kommen soll.

FC Barcelona und die Wachablöse

Seit dem Abgang von Xavi existiert beim FC Barcelona ein gewisses Machtvakuum im zentralen Mittelfeld, welches Iniesta und Busquetes im Verbund zwar füllen konnten, aber ein echter Typ wie es Xavi einst war, der fehlt dem Spiel der Katalanen. In diesem Jahr stimmen die Ergebnisse wieder man ist noch in allen Wettbewerben vertreten und die Meisterschaft kann bereits zeitnah eingetütet werden, da erscheint die Frage nach Neuverpflichtungen doch eher zweitrangig. Dennoch müssen sich die Katalanen für die nächste Saison rüsten, denn die Konkurrenz schläft nicht und die Schlüsselspieler im zentralen Mittelfeld werden auch nicht jünger. Eine Lösung muss also her und wer würde sich dabei besser anbieten, als ein junger, entwicklungsfähiger Spieler, der in der letzten Saison in Brasilien durch die Decke schoss und in Ansätzen stark an den schmerzlich vermissten Xavi erinnert. Nach langem Transfer-Hickhack ist die letzte Wasserstandsmeldung nun diese, dass Barcelona sich mit Arthur geeinigt hat und dieser ab dem Sommer das Trikot des designierten Meisters tragen wird.

Arthur wer?!

Mit Arthur haben die Spanier einen Spieler an der Angel, der im zentralen Mittelfeld polyvalent einsetzbar ist, aber am ehesten über den defensivsten Part im Mittelfeld kommt. Mit seiner Körpergröße von 1,72 erinnert er stark an Xavi, was sich auch in seiner Spielweise zeigt, die sehr passsicher und ballorientiert ist. Trotz seiner geringen Körpergröße wirkt er sehr robust im Zweikampf und hat auch seine Stärken im Defensivverhalten. Er war einer der Shootingstars der vergangenen Saison in Brasilien und wurde daher auch schon für das Nationalteam nominiert; ein Einsatz blieb ihm bis dato aber verwehrt. In das Spiel der Blaugrana könnte er auf alle Fälle passen, sein Spielstil ist prädestiniert für den attraktiven Fußball der Katalanen. Natürlich ist man jetzt dazu verleitet zu sagen „sofort kaufen, der Junge kann den FC Barcelona in Zukunft prägen!“, aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass nicht alle Spieler, die in Südamerika Glanzleistungen erbrachten, auch bei den Spaniern einschlagen konnten.

Die Transfers aus Brasilien/Argentinien – eine Retrospektive

In den letzten zwanzig Jahren gab es einige Transfers der Katalanen, bei denen sie Spieler ohne Europa-Erfahrung verpflichteten. Nur die wenigsten konnten auch ihr Potential erbringen bzw. die Erwartungen erfüllen. Ausgeklammert aus diesen Betrachtungen ist der Werdegang von Neymar, da auch er in diese Rubrik fallen würde, aber er omnipräsent in den Medien ist und mir daher eine Beschäftigung mit ihm obsolet erscheint. Außerdem wird auf keine Spieler eingegangen, die bereits im Jugendalter nach Spanien transferiert wurden, wie etwa ein Lionel Messi.

Die Torhüter

Ganze zwei Torhüter verpflichteten die Spanier in den letzten 20 Jahren aus Südamerika, wobei hier auch Jose Rocchi erwähnt wird, der aus Mexiko transferiert wurde und nur in der zweiten Mannschaft zum Einsatz kam. Ganz anders steht es um Roberto Bonano, der aus Argentinien (von River Plate im Jahr 2001) nach Spanien wechselte und in seinen zweieinhalb Jahren zwischenzeitlich zum Stammtorhüter aufstieg. Er wurde in seinen ersten beiden Saisonen seiner Erwartungshaltung nicht ganz gerecht und musste daher seinen Stammplatz an den jungen Victor Valdes abgeben.

Die Verteidigung

Die Verpflichtung von Abwehrspielern aus Südamerika spielt eher eine untergeordnete Rolle in Katalonien. Mit Henrique wurde ein Innenverteidiger um gut acht Millionen Euro verpflichtet, der zwischen 2008 und 2012 zwar beim FC Barcelona unter Vertrag stand, sich aber nicht behaupten konnte und kein einziges Spiel für die Spanier bestritt; unterschiedliche Leihen und ein Transferverlust stehen beim FCB zu Buche. Aktuell befinden sich Douglas (Benfica Lissabon) und Marlon (Nizza) zwei Spieler auf Leihstationen, haben es dort aber schwer und konnten sich noch nicht so recht beweisen. Mit Yerry Minna wurde ein Kolumbianer im Winter von Palmeiras verpflichtet, der meist im Kader der Spanier steht und bereits zwei Einsätze verbuchen konnte. Diese drei Abwehrspieler wurden allesamt als Perspektivspieler verpflichtet, ob und wie sie einschlagen, das steht noch in den Sternen. Ebenfalls in diesen Reigen von Abwehrspielern zählt der kürzlich entlassene Trainer von Southampton, Mauricio Pellegrino. Er verbrachte die Saison 1998/99 per Leihe beim FCB, konnte sich dort aber nicht zur Gänze behaupten und fand sein Glück schließlich in Valencia.

Das Mittelfeld

Der Flop in diesem Quartett an Mittelfeldspielern stellt der mit Vorschusslorbeeren verpflichtete Geovanni dar, der im Jahr 2001 viel Geld verpflichtet wurde. Nach einer recht soliden Saison konnte er in seiner zweiten Spielzeit keine guten Leistungen mehr bringen und wurde nach Portugal abgegeben. Juan Roman Riquelme, der Gaucho mit dem feinen Füßchen, verbrachte ebenfalls zwei Jahre in Barcelona und zeigte dort seine begnadeten Ansätze. Richtig glücklich wurde er hier aber nicht und er erlebte danach in Villareal seine Glanzzeit. Thiago Motta wurde bereits in jungen Jahren für die zweite Mannschaft verpflichtet, schaffte danach den Sprung in die Kampfmannschaft, konnte sich dort in sechs Jahren aber nur bedingt Spielzeit erarbeiten. Seiner Karriere tat dies keinen Abbruch, bei Inter Mailand und Paris St. Germain zeigte er danach auf und konnte dort viele Titel gewinnen. Der letzte im Bunde ist Fabio Rochemback, der zwei Saisonen bei Barca verbrachte, dort zum erweiterten Stammpersonal zählte, aber vor allem gegen Ende hin nicht mehr gefragt war und nach Portugal abgegeben wurde.

Der Sturm

Neben Neymar wurden noch drei weitere Sturmhoffnungen aus Südamerika verpflichtet. Das Wunderkind Saviola, damals um eine Rekordsumme transferiert, wurde seinen Erwartungen in den ersten beiden Saisonen gerecht. Danach erfolgte, auch aufgrund von Verletzungen, ein Schnitt in seiner Karriere und er konnte nach zwei Jahren Leihe und der anschließenden Rückkehr nicht mehr an seine Leistungen anschließen. Maxi Lopez, der später aufgrund seines Disputs mit Mauro Icardi in die Medien geraten sollte, wurde mit hohen Erwartungen verpflichtet, konnte diesen aber nicht gerecht werden und wurde nach zwei enttäuschenden Spielzeiten und einer Leihe nach Russland abgegeben. Ähnliches gilt für Keirrison, wobei dieser junge Stürmer der wohl größte Flop in der Auflistung darstellt, da er für 14 Millionen verpflichtet wurde, kein einziges Spiel für Barcelona bestritt und sich auch bei seinen Leihwechseln nicht durchsetzen konnte. Nach einer Station in der zweiten Liga in Brasilien kickt der 29jährige Stürmer zwar wieder erstklassig, kommt dort aber nur sporadisch zu Einsatzzeiten.

Fazit und Ausblick

Es ist immer schwierig vorauszusagen, wie sich ein Spieler entwickelt, denn jeder Transfer steht unter einem anderen Vorzeichen. Im Fall von Arthur zeigt sich, dass südamerikanische Spieler es oft schwer haben, wenn sie ihre erste Station beim großen FC Barcelona verbringen, da sie dort von Beginn an im Scheinwerferlicht stehen und auf Anhieb einem Leistungsdruck unterworfen sind. Die Retrospektive zeigt außerdem, dass kaum ein Spieler sich über einen längeren Zeitraum durchsetzen konnte und das Pflaster Barcelona oftmals ein zu heißes war. Im Fall Arthur ist eine Prognose schwer abzugeben, da man auch einem Paulinho nicht zugetraut hätte, eine so entscheidende Rolle in dieser Saison einzunehmen. Summa summarum wäre der Transfer durchaus sinnvoll, ist aber mit einem deutlichen Risiko verbunden, welches man in heutigen Transferzeiten aber häufig eingehen muss, um Spieler frühzeitig zu bekommen.

Thomas Schützenhöfer, abseits.at

Thomas Schützenhöfer