Diesmal betrachten wir Koke, das Juwel aus der Jugendschule Atlético Madrids. Mit 22 Jahren ist er durch seine Flexibilität und Spielintelligenz zum Leistungsträger beim... Koke – Atleticos flexibler Flügelspieler im Portrait

Atlético Madrid Wappen, LogoDiesmal betrachten wir Koke, das Juwel aus der Jugendschule Atlético Madrids. Mit 22 Jahren ist er durch seine Flexibilität und Spielintelligenz zum Leistungsträger beim spanischen Tabellenzweiten aufgestiegen. Koke gab sein Profidebüt im September 2009, aber seit 2000 war er in den Jugendmannschaften Atléticos gereift. In den nächsten Jahren gewöhnte er sich langsam an den Profifußball, seinen Status als Stammspieler erkämpfte er sich dann in der Saison 2012/13 endgültig. Dabei profitierte er von seinem Coach Diego Simeone, der ihm eine taktische Rolle gab, die perfekt zu ihm passt.

Kokes Rolle in Atléticos Konterfußball

Atlético Madrid spielt meistens in einem 4-4-2-System, das auf Konter ausgelegt ist. Seine Vielseitigkeit kommt Koke aber auch zugute, wenn Simeone sich für ein hohes Pressing im 4-2-3-1 oder ein extrem defensives 4-5-1 entscheidet. Besonders ist daran, dass sie in Sekundenschnelle aus einer tiefen, raumorientierten und passiven Staffelung kollektiv aufrücken können, um den Ball zu erobern. Dabei werden sie plötzlich sehr mannorientiert. Das erfordert mentale Schnelligkeit, die Koke absolut besitzt. Außerdem rückt im Pressing der ballferne Flügelspieler, Koke agiert gewöhnlich links, enorm weit ein, um den Gegner einzukesseln. Koke eignet sich dafür ausgezeichnet, weil er auch im zentralen Mittelfeld spielen kann. Er verfügt über die Spielintelligenz, den richtigen Raum zu besetzen, um dem Gegner im Pressing keinen Ausweg zu lassen.

Wenn Atlético den Ball gewonnen hat, kann Koke den Ball mit seiner Technik aus dem verengten Mittelfeldraum nach vorne manövrieren. Er behält unter Druck die Übersicht und kann mit kurzen Dribblings den freien Raum erschließen. Zudem besitzt er die Fähigkeit für den letzten Pass, weshalb er in der Liga schon neun Tore vorbereitet hat. Seine 2,2 Schlüsselpässe pro Spiel sind bei Atlético ebenfalls Bestwert. Das Ziel seiner Steilpässe ist meistens Diego Costa, der mit seiner Schnelligkeit weite Pässe noch erlaufen kann.

Auch wenn Atlético sich weiter zurückzieht, nehmen die äußeren Mittelfeldspieler enge Positionen ein. Da die Mittelfeldkette meistens enger steht als die Abwehrkette, wird der Kontrahent auf den Flügel gelenkt. Dort wird der Ballführende von seinen Kollegen abgeschnitten, um ihn dann aggressiv zu attackieren. Auch dort sieht man wieder das abrupte Umschaltverhalten, dass dazu dienen soll, das Überraschungsmoment zu erlangen und somit Fehler auszulösen. Koke füllt diese Aufgabe sehr gut aus. Er sieht, wann dem Gegner keine Passmöglichkeiten bleiben und nutzt weiterhin seinen Deckungsschatten, um keine Räume im Zentrum preiszugeben. Des Weiteren ist er trotz seiner relativ schmächtigen Statur kein schlechter Defensivzweikämpfer.

Wenn Atlético selbst das Spiel gestalten muss, kann Koke eine dominantere Rolle mit mehr Spielanteilen einnehmen. Arda und Koke tauschen dabei häufig die Seiten, außerdem ziehen sie auch dort häufig ins Zentrum. Damit überladen sie die Zentralachse und schaffen eine gute Ausgangsposition für das aggressive Gegenpressing. Koke bringt 82% seiner Pässe zum Mitspieler, mit 44,2 Pässen pro Spiel übertrumpft er Ardas 35,5 Zuspiele. Zudem schlägt er präzise Flanken und Ecken, die bei Atléticos kopfballstarker Mannschaft ein gutes Mittel sind. Obwohl er gelegentlich strategische Elemente einbringt, zeigt Koke bei Atlético nicht alle seine Fähigkeiten. Für seine Nation offenbarte er eine andere Facette seines Spiels.

Koke bei der U21-EM

Dort blühte Koke in einer anderen Rolle auf. Nachdem er dem ersten Spiel auf der Bank beiwohnen musste, avancierte Koke doch noch zum Stammspieler. Spanien praktizierte wundervollen und sehr effektiven Kurzpassfußball, der um das Mittelfeld aus Illarramendi, Thiago Alcantara, Isco und eben Koke gestaltet war. Koke agierte nicht wie bei Atlético als Flügelspieler, der zwischen passiven und sehr aggressiven Bewegungen pendelt, sondern diente als Stabilitätsanker im Mittelfeld. Während Thiago und Isco das kreative Feuerwerk abfackelten, hielten er und Illarramendi das Spiel am Laufen. Koke verteilte fehlerfrei den Ball und war mit seiner Antizipation auch defensiv wertvoll. Doch seine Pressingresistenz und Raumintelligenz nutzte er überdies, um situativ auf die Außen auszuweichen und damit Räume aufzuziehen oder sogar nach vorne zu stoßen. Weil er die richtigen Szenen dafür hervorragend antizipierte, bedrohte sein Verhalten nicht die eigene Verteidigung.

Obwohl er erst 22 Jahre alt ist, verfügt Koke über keine gravierenden Schwächen. Man könnte allerdings anmerken, dass er wegen seiner Größe von nur 178cm kein idealer Kopfballspieler ist.

Herausragende Vielseitigkeit

Generell kann Koke wegen seiner Flexibilität in jedem Team gute Leistungen abrufen. Für Atlético ist er aber besonders wichtig, weil er durch seine Spielintelligenz ideal in ihr taktisch anspruchsvolles System passt. Er vereint defensive und offensive Stärke, Antizipation und Geschicklichkeit im Zweikampf, schnelles Umschalten und strategisches Spiel sowie gutes Passspiel und Fähigkeiten im Dribbling, weshalb er auf seiner Position zu den besten Akteuren der Primera Division zählt.

Leonard Dung, abseits.at

Leonard Dung

  • Fred

    26.Januar.2014 #1 Author

    Tolle Analyse! Koke ist wirklich ein enorm vielfältiger Spieler, der mir sehr gut gefällt.
    Zwar gebe ich dir recht, dass er sich im Kopfballspiel noch steigern kann (bspw. „nur“ 40% Erfolgsquote in Kopfballduellen), jedoch wirkt der Verweis auf seine Körpergrosse (1.78 ist nicht klein) ein wenig zu monokausal. Dein subjektives Statement, Koke sei ein schmächtiger Typ, hat mich doch verwundert, da ich ihn eher als kräftig/bullig wahrnehme, insbesondere im Gegensatz zu den anderen spanischen Talenten im Mittelfeld (Oliver, Thiago, Isco, Suso, etc.).

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  • LD

    26.Januar.2014 #2 Author

    Es hängt halt davon ab, wie man den Vergleichsrahmen setzt. Für einen Flügelspieler ist er wirklich recht robust, bei meinem Artikel schimmerte an der Stelle („relativ schmächtig“) durch, dass ich seine Zukunft später eher im Zentrum sehe. Mit seinem Fähigkeitenprofil, dass er in den Bereichen Übersicht und Entscheidungsfindung in den letzten Jahren ausgebaut hat und sich dort auch weiter verbessern wird, wird er wohl langfristig dort landen. Dafür ist er dann meiner Meinung nach nicht besonders robust, wobei mit Xavi, Cleverley und einigen anderen natürlich trotzdem Spieler dort auflaufen, die schmächtiger sind. Deswegen habe ich die Aussage eingeschränkt („relativ“), ich wollte nicht sagen, dass er physisch gar nicht dagegenhalten könnte.

    Aber danke für den Kommentar. 🙂

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