Nun hat er also doch seinen Willen bekommen: Philippe Coutinhos Wechsel vom FC Liverpool zum FC Barcelona hatte sich lange abgezeichnet – und macht... Philippe Coutinho: Der Wahnsinn nimmt kein Ende

Nun hat er also doch seinen Willen bekommen: Philippe Coutinhos Wechsel vom FC Liverpool zum FC Barcelona hatte sich lange abgezeichnet – und macht ihn zum zweitteuersten Fußballer der Welt.

Der FC Liverpool ist in der aktuellen Transferperiode bislang das Epizentrum der Blockbuster-Wechsel. Erst kaufte der Traditionsklub von der Merseyside für geschätzte 80 Millionen Euro Innenverteidiger Virgil van Dijk aus seinem Vertrag beim FC Southampton heraus. Nun verlässt der brasilianische Spielmacher Philippe Coutinho die Reds für eine Ablösesumme von ca. 120 Millionen Euro in Richtung des FC Barcelona. Als Ersatz kommt wohl Riyad Mahrez vom Ligakonkurrenten Leicester City – für kolportierte 55 Millionen Euro. Damit würde Liverpool seine Transferausgaben in dieser Saison auf über 200 Millionen hochschrauben, was im internen Premier-League-Vergleich Platz zwei hinter Manchester City bedeuten würde. Nie gab der fünfmalige Champions-League-Sieger mehr für Neuzugänge aus.

Der Wechsel von Coutinho reißt dabei ein großes Loch in den Kader. Auch in dieser Saison gehörte der 25-Jährige zu den absoluten Leistungsträgern: Der offensive Mittelfeldspieler erzielte bislang sieben Tore und gab sechs Vorlagen. Gemeinsam mit Mohamed Salah gab er die meisten Torschüsse bei Liverpool ab (3,9 pro Spiel) und steht mit 2,9 Torschussvorlagen ligaweit auf Platz vier. Coutinho wird damit zum teuersten Wintertransfer aller Zeiten und – bis die Ablösesumme des momentan von AS Monaco nur ausgeliehenen Kylian Mbappe (Paris St. Germain) von 180 Millionen Euro greift – der zweitteuerste Spieler aller Zeiten.

Wie Trainer Klopp nach Bekanntwerden des Wechsels beteuerte, hatte man innerhalb des Vereins alles versucht, um Coutinho von einem Verbleib in Liverpool zu überzeugen. Letztendlich war man gegenüber der Strahlkraft des FC Barcelona aber chancenlos, der nach dem Abgang von Neymar im Sommer postwendend ein Auge auf Coutinho geworfen hatte. Gegen einen Wechsel im Sommer legte Liverpool noch ein vehementes Veto ein, was den Spieler dazu veranlasste, diesen mit unlauteren Methoden zu erzwingen. Manche würden es aus Streik nennen, eine Unart, die während der vergangenen Wechselperiode auch in Dortmund, bei Ousmane Dembele grassierte, der ebenfalls nach Barcelona wechselte. Ob die Katalanen den beiden Spielern zu diesem Mittel geraten haben, ist nicht belegbar.

Letztendlich kehrte Coutinho nach einer mysteriösen Verletzung wieder in den Kader von Liverpool zurück und zeigte gute Leistungen. Dass diese Tatsache bei einem Profifußballer unter diesen Umständen mittlerweile extra betont werden muss, zeichnet ein unvorteilhaftes Bild der Verhältnisse im Profibereich.  Natürlich ist es verständlich, wenn ein Spieler dem Werben seines „Traumvereins“ nachgeben möchte. Mit welcher Chuzpe manche Akteure ihre Vereine aber versuchen quasi zu einem Verkauf zu nötigen, ist mit unprofessionell noch freundlich umschrieben.

Coutinho hatte trotz der ablehnenden Haltung von Liverpool auch weiterhin aus seinem Wechselwunsch keinen Hehl gemacht, ein Transfer war somit nur eine Frage der Zeit. Damit dieser so schnell wie möglich durchgezogen werden konnte, verzichtete Coutinho laut Informationen der spanischen Zeitung El Mundo Deportivo auf 15 Millionen Euro.

Es passt in das Bild dieser Wechselfarce, dass zum Jahreswechsel auf der Homepage des Barca-Ausrüsters Nike einem Wechsel von Coutinho vorgegriffen wurde. Dort wurden Trikots mit dem Namensschriftzug des Brasilianers zum Verkauf angeboten, mit dem Zusatz  „Philippe Coutinho ist bereit, das Camp Nou zum Leuchten zu bringen. Hol dir dein Barcelona-Trikot mit dem Namen des Zauberers darauf.“ Der Eintrag war kurz darauf von der Homepage verschwunden.

Coutinho unterschreibt in Barcelona einen Vertrag bis 2023 und wird in dieser Zeit geschätzte 13,5 Millionen Euro pro Jahr kassieren. Damit lässt er die bereits jetzt schon exorbitanten Gehaltskosten von Barca weiter ansteigen. Laut Informationen der Süddeutschen Zeitung fressen die Ausgaben für die Saläre bereits jetzt 84 Prozent (!) der Einnahmen auf. Als ein gesunder Wert gelten 55 bis 65 Prozent. Die Ablösesumme von 120 Millionen Euro ist Sockelbetrag, der aufgrund leistungsbezogener Faktoren noch auf 160 Millionen Euro anwachsen könnte. Die Katalanen sind dadurch aktuell spendierfreudigste Verein dieser Saison. Die festgeschriebene Ablösesumme beläuft sich auf 400 Millionen Euro.

Dass Coutinho Barcelona sportlich helfen kann, steht außer Frage. Nur: Für die Champions League gilt dies in dieser Saison nicht, da er bereits für Liverpool in der Königsklasse auflief.

Übrigens: Wer bereits ein Liverpool-Trikot mit Coutinho auf dem Rücken gekauft hat, bekommt vom Verein einen Einkaufsgutschein von knapp 60 Euro.

Ral, abseits.at