Unverhofft kommt oft. So oder so ähnlich fühlen sich am Ende jeder Saison drei Vereine, die zumeist im Tabellenmittelfeld oder gar im Abstiegskampf ihrer... UEFA-Fünfjahreswertung: Zahlt sich Fairplay aus?

Unverhofft kommt oft. So oder so ähnlich fühlen sich am Ende jeder Saison drei Vereine, die zumeist im Tabellenmittelfeld oder gar im Abstiegskampf ihrer Ligen stecken und an vieles, nur nicht an eine Europacupteilnahme denken. Da die UEFA jedoch die drei fairsten Nationen jeder Spielzeit mit einem Startplatz in der Europa League belohnt, kommen auch solche Teams in den Genuss internationaler Spiele, die sie auf normalem Wege gar nicht erreicht hätten.

Zur Bildung der Fairplay-Wertung werden die Europacup- und Länderspiele aller Herren- und Damenmannschaften der einzelnen Verbände herangezogen. Der Koeffizient, nachdem die Nationen gereiht werden, errechnet sich aus zahlreichen Parametern wie rote und gelbe Karten, positives Spiel, Respekt vor dem Gegner, Verhalten der Offiziellen und Verhalten des Publikums.

Die drei Nationen, die schlussendlich über den höchsten Koeffizienten verfügen, dürfen eine zusätzliche Mannschaft in die erste Qualifikationsrunde der Europa League entsenden, die die Teilnahme über die Meisterschaft und den Pokal nicht geschafft hat. Zur Vergabe dieser Plätze führt jeder Verband eine nationale Fairplay-Wertung und der beste Verein, der sich nicht für den Europacup qualifizieren konnte, erhält den Startplatz. Einzige Bedingung ist, dass der jeweilige Club in der abgelaufenen Saison an der obersten Spielklasse teilgenommen haben muss, sodass auch Absteiger in den Genuss internationaler Spiele kommen können, sofern sie sich fair verhalten haben.

Skandinavien dominiert

Die Fairplay-Wertung existiert seit dem Jahr 1995 und mit insgesamt elf Teilnehmern stellt Norwegen die „erfolgreichste“ Nation dar, dahinter folgen  Schweden mit acht und England mit sieben Startern. Auffällig oft befinden sich skandinavische Verbände unter den besten Nationen, was damit zusammenhängt, dass auch Damenfußball in dieser Wertung berücksichtigt wird, der in Nordeuropa einen großen Stellenwert genießt.

So schön es für die jeweiligen Vereine auch sein mag, oftmals ungewohnte Europacupluft  schnuppern zu dürfen, so nachteilhaft erweist sich dies zumeist für ihre Verbände in der UEFA-Fünfjahreswertung, die festlegt, wie viele Vereine im Europacup starten dürfen und in welcher Runde sie einzusteigen haben. Die Arithmetik ist einfach: Für Siege und Unentschieden gibt es Punkte, die durch die Anzahl der teilnehmenden Clubs geteilt werden. Qualifiziert sich ein schwacher Verein via Fairplay-Wertung für das internationale Geschäft und scheitert dort früh, wirkt sich das dementsprechend negativ auf den Koeffizienten aus.

Nur wenige Nationen profitieren

Ein besonders gutes Beispiel dafür ist Dänemark, das in der Fünfjahreswertung ein direkter Konkurrent Österreichs ist. Die Dänen entsandten seit der Saison 2007/08 insgesamt vier Vereine über die Fairplay-Wertung nach Europa und handelten sich damit ein mächtiges Minus ein, da die Clubs zumeist früh scheiterten. In dieser Saison durfte beispielsweise Aarhus an der Europa League teilnehmen, scheiterte aber prompt am georgischen Vertreter Dila Gori und trug daher nichts zum dänischen Koeffizienten bei, dennoch werden alle Punkterfolge nun durch Fünf und nicht wie sonst durch Vier geteilt.

Die dänischen Vereine erreichten bisher in dieser Saison 2,300 Punkte – ohne Aarhus wären es jedoch 2,875 gewesen. Insgesamt kamen Dänemark auf diese Art und Weise in den letzten Jahren schon deutlich über zwei Zähler abhanden, die nicht selten darüber entscheiden, ob der Meister fix in der Champions League steht oder in der Qualifikation antreten muss.

Dass dies nicht die Ausnahme, sondern die Regel darstellt, beweist ein Blick in die Statistik. In den letzten fünf Jahren schickten neben Dänemark auch noch England, Norwegen, Schweden, Deutschland, Schottland und Finnland Vereine über die Fair-Play-Wertung in den Europacup. Profitieren konnten davon jedoch lediglich die Finnen, für alle anderen Nationen kam es zu Verlusten. Zwischen 2007/08 und 2011/12 stellt sich die Bilanz wie folgt dar:

England: -0,321

Deutschland: -0,599

Dänemark: -2,000

Schottland: -0,834

Schweden: -0,350

Norwegen: -0,300

Finnland: +0,300

Profitiert haben in dieser Saison auch die Niederlande, da sich Twente Enschede überraschend nicht für den Europacup qualifizieren konnte, dank der Fairplay-Wertung aber trotzdem auf dem internationalen Parkett antreten darf. Der ehemalige Verein von Marc Janko ist einer von nur drei niederländischen Clubs, die den Sprung in eine Gruppenphase schafften.

Fragwürdiger Modus

Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Gewinn der Fairplay-Wertung zumeist mit einem Verlust in der Fünfjahreswertung einhergeht, der für Nationen wie England zwar irrelevant ist, für andere jedoch entscheidende Auswirkungen haben kann. Wenn man so möchte, kann Fairplay also negative Folgen haben, was kaum die Intention der UEFA sein dürfte.

Um dieses Dilemma zu lösen, gibt es mehrere Ansätze. Einer wäre, dass die Fairplay-Vereine keine Punkte für die Fünfjahres-Wertung sammeln und somit den Koeffizienten ihres Landes weder belasten noch verbessern können. Dann würde es auch nichts ausmachen, wenn die Clubs, die wie die Jungfrau zum Kind zur Europacupteilnahme gekommen sind, das internationale Geschäft vernachlässigen, da beispielsweise der Überlebenskampf in der heimischen Meisterschaft wichtiger ist. Ein Beispiel dafür ist Stabæk, das Norwegen in dieser Saison vertrat, jedoch mit schweren finanziellen Problemen zu kämpfen hatte (was unter anderem den Auszug aus der modernen Telenor Arena zur Folge hatte) und daher dem Europacup keine Aufmerksamkeit schenkte und dementsprechend früh scheiterte.

Österreich kam noch nie in den Genuss eines Fairplay-Platzes und daran wird sich vermutlich so schnell auch nichts ändern. Der ÖFB rangiert in dieser Wertung zumeist im Mittelfeld, weit entfernt von den Spitzenplätzen. Wer nun daraus jedoch schließen möchte, dass es hierzulande auf den Fußballplätzen sonderlich unfair zugeht, sollte bedenken, wie schwammig die Berechnung der Wertung ist und dass sie unter dem Strich nur wenig über die tatsächlich vorherrschenden Begebenheiten aussagt.

Es wäre daher auch ein Denkansatz, von diesem Modus gänzlich Abstand zu nehmen und nur jene Mannschaften am Europacup teilnehmen zu lassen, die sich auf sportlichem Wege auch tatsächlich dafür qualifiziert haben. Denn es ist mehr als zweifelhaft, dass Spieler mit dem Gedanken an mögliche internationale Partien fairer zur Sache gehen, sodass der erzieherische Effekt der Fairplay-Wertung wohl äußerst gering ist – sofern er überhaupt existiert.

OoK_PS, abseits.at