Die Mannschaft von Omonia Nikosia hat sich im Vergleich zur Vorsaison an einigen Positionen verändert bzw. verbessert, wurde kompakter und offensiv facettenreicher. Die Grundausrichtung... Ähnlich wie Salzburg, aber mit weniger individueller Klasse: Das ist die Mannschaft von Omonia Nikosia!

Die Mannschaft von Omonia Nikosia hat sich im Vergleich zur Vorsaison an einigen Positionen verändert bzw. verbessert, wurde kompakter und offensiv facettenreicher. Die Grundausrichtung der Einzelspieler ähnelt denen von Red Bull Salzburg, jedoch hat der österreichische Vizemeister definitiv mehr Klasse. Dennoch gibt es eine unangenehme Variable zu bedenken: Die drückende Hitze im Hinspiel auf Zypern. Hier nun alle Informationen über das Team von Omonia Nikosia!

TORHÜTER

Der Keeper der Griechen ist weiterhin Antonis Georgallides (29), der nun bereits seit 4 ½ Jahren Stammkeeper der Grün-Weißen ist. Auch in der neuen Saison wird der 38fache Teamkeeper die Nummer Eins zwischen den Pfosten von Omonia Nikosia sein. Georgallides ist stark auf der Linie, bei Flanken in Ordnung, dafür aber kein guter Fußballer.

Die Ersatztorhüter sind neu im Team: Der Uruguayer Damián Frascarelli (26) kam von Absteiger APOP/Kinyras Peyias, das ihn im Sommer 2010 aus der uruguayischen Liga holte. Ebenso wie der junge Giorgos Loizou (19) hat er noch kein Pflichtspiel für die Zyprioten in den Beinen.

ABWEHR

Die Innenverteidigung der Zyprioten kann sich durchaus sehen lassen. Da wäre zunächst der spanische Abwehrchef Iago Bouzón (28). Er absolvierte gegen Salzburg in der vergangenen Saison eines seiner ersten Spiele für Omonia Nikosia, war danach in der Liga gesetzt, verletzte sich aber schwer und fiel sieben Monate aus. Erst gegen ADO Den Haag kam er wieder zu seinem Comeback. Bouzón ist für eine härtere Gangart bekannt, hat einen sehr starken rechten Fuß und ein gutes Passspiel. Im Spiel nach vorne schaltet er sich jedoch kaum ein, auch nicht bei Standards, zumal auch er nicht sehr kopfballstark ist.

Neben Bouzón spielt ein potentieller Klassemann, nämlich der Nigerianer Rasheed Alabi (24). Letzte Saison hatte er große Probleme mit seiner Oberschenkelmuskulatur und machte deshalb nur zehn Spiele mit. Sein Vertrag lief aus und er fand keinen größeren Verein, daher verlängerte er leistungsbezogen bei Omonia. Zeitweise war Alabi der beste Abwehrspieler der zypriotischen Liga, er verkörpert den Prototyp eines modernen Innenverteidigers. Athletisch, schnell, körperlich stark, defensiv wie offensiv gut mit dem Kopf. Wenn er über längere Zeit gesund bleibt, wird er bald in einer größeren Liga und im nigerianischen Nationalteam spielen, auch weil sein ehemaliger Teamchef in der U20-Auswahl seines Landes, Siasia, dort das Zepter schwingt.

Die Alternativen für die Innenverteidigung: Christos Karipidis (28), der aber auch im defensiven Mittelfeld zum Einsatz kommen kann. Der 185cm große Grieche spielte früher für PAOK Saloniki und die Hearts of Midlothian in Schottland. Karipidis überzeugt vor allem durch gutes Stellungsspiel, ein hohes Antizipationsvermögen und wenige Fouls. Die Position des defensiven Mittelfeldspielers bekleidete er eher in Schottland, für Omonia spielte meistens als klassischer Innenverteidiger. Allerdings kann er auch als zusätzlicher, unterstützender Vorstopper aufgeboten werden, was speziell beim Spiel in Salzburg eine Möglichkeit ist. Wenn er spielt, dann vermutlich anstelle von Bouzón.

Auch die französische Neuerwerbung Sofyane Cherfa (27) ist ein klassischer Innenverteidiger. Er kam in den letzten Wochen von Chateauroux aus der zweiten französischen Liga und ist derzeit noch kein Thema für die Kampfmannschaft, stand etwa in den beiden Spielen gegen ADO Den Haag nicht im Kader der Zyprioten.

Fix mit dabei ist dafür der etwas unflexible Rechtsverteidiger Yuval Shpungin (24). Beim vorjährigen Aufeinandertreffen spielte der Israeli, der auch einen lettischen Pass besitzt, noch nicht. Heuer ist er rechts hinten gesetzt – und das völlig zu Recht. Der 11fache Teamspieler Israels ist schnell, technisch gut und speziell defensiv eine Bank. Innerhalb einer halben Saison spielte er den Brasilianer Davidson de Oliveira Morais (30) aus der Mannschaft, der in der Vorsaison gegen Salzburg spielte. Davidson war für Omonia stets eine wichtige Laufmaschine auf der rechten Seite, sorgte zudem für gute Standards und Freistöße. Shpungin spielte ihn dennoch aus der ersten Elf, auch wenn der Israeli immer wieder Probleme mit Verletzungen hatte.

Auf der linken Abwehrseite ist mittlerweile der flexiblere und offensivere Außenverteidiger des Teams gesetzt: Andreas Avraam (24) gab sein Omonia-Debüt letztes Jahr gegen Salzburg und kam bei seinen früheren Klubs Apollon Limassol und Omonia Aradippou auf fünf verschiedenen Positionen zum Einsatz. Eigentlich ist der flinke, technisch starke Avraam linker Mittelfeldspieler, er spielte aber in den letzten zwei Jahren auch als zentraler und rechter Mittelfeldspieler, sowie als Stürmer. Bei Omonia ist er mittlerweile auf seiner neuen Position in der linken Verteidigung gesetzt, wo er sich sehr wohl fühlt und auch immer wieder im zypriotischen Nationalteam zum Einsatz kommt. Er ist offensiv der stärkere Spieler als Shpungin auf der anderen Seite, läuft durch seinen hohen läuferischen Aufwand jedoch Gefahr seine Seite defensiv zu entblößen.

MITTELFELD

Im Vergleich zur Vorsaison änderte sich die Ausrichtung eines der Schlüsselspieler von Omonia. Der Brasilianer Leandro Marcolini Pedroso de Almeida, kurz Leandro (29) ist eigentlich gelernter Verteidiger, spielte in seiner ersten vollen Saison für Omonia im linken Mittelfeld, übernimmt mittlerweile jedoch den Part eines spielenden, defensiven Mittelfeldspielers. Leandro legt im Schnitt von allen Omonia-Akteuren die meisten Kilometer zurück, ist ein gefährlicher Distanzschütze und allgemein mit einer guten Technik ausgestattet. Seine Schwächen liegen im Kopfballspiel und darin, dass er zu viele Fouls begeht. Für das ungarische Nationalteam absolvierte Leandro, der bereits 1999 nach Ungarn wechselte und die Staatsbürgerschaft annahm, zehn Spiele.

Für die Position neben Leandro verpflichtete Omonia zuletzt mit dem in Bosnien geborenen Schweizer Veroljub Salatic (25) einen echten Abräumer. Der knallharte Defensivmann spielte seit 2003 fast 300 Pflichtspiele für die Grasshoppers Zürich und absolvierte neun Spiele für das Schweizerische U21-Nationalteam. Salatic ist ein extrem robuster, kampfstarker Spieler, der für seine beinharten Tacklings und seine Kopfballstärke bekannt ist. Zudem ist er selbst immer für ein Tor nach einer Standardsituation oder einen Assists durch weite Pässe aus dem Mittelfeld gut.

Sein Backup ist Noel Kaseke(30) aus Simbabwe. Nachdem er von 2007 bis 2010 sehr souverän spielte und einen Fixplatz im defensiven Mittelfeld von Omonia Nikosia innehatte, ist er seit letztem Herbst nur noch zweite Geige. Er wird aktuell vor allem eingewechselt, wenn ein Ergebnis gehalten werden muss und reiht sich dann direkt vor der eigenen Viererabwehrkette ein.

Für die rechte Mittelfeldseite zuständig ist Dimitris Christofi (22), der mittlerweile 16 Länderspiele für Zypern absolvierte und vor allem 2008/09 eine Supersaison für Omonia spielte. In den letzten beiden Jahren stagnierte das große Talent etwas, Trainer Neophytos Larkou setzt aber wieder auf ihn. Der flinke, durchschlagskräftige Mittelfeldspieler spielt etwa dieselbe Position, die Zárate bereits des Öfteren in Salzburg verkörperte.

Auf der linken Seite spielt mit dem Brasilianer Alexandre Afonso da Silva (27) ein sehr erfahrener Mann, der bereits für Racing Genk oder Sint-Truiden spielte. Der 178cm große, laufstarke Mittelfeldspieler, der genauso wie Christofi beidbeinig ist, kam zu Beginn der neuen Saison vom zypriotischen Ligakonkurrenten Enosis Neon Paralimni und erzielte bei seinem Debüt gegen ADO Den Haag ein Elfmetertor. Schon bei seinen vorherigen Klubs war der bedächtige, selten hektische Mittelfeldspieler etatmäßiger Elfer- und Eckballschütze, was er wohl auch in Nikosia beibehalten wird. Er ist der weniger dynamische Spieler für den Flügel, aber technisch gut und eher für ein Tor gut als Christofi. Je nach System könnte Alexandre da Silva, kurz genannt „Alex da Silva“, auch als Stürmer oder hängende Spitze eingesetzt werden. In diesem Fall würde Efrem die Position links im Mittelfeld bekleiden.

Im Zentrum setzt man derzeit auf Giorgos Efrem (22), dessen Schwerpunkt eigentlich auch auf der rechten Seite liegt, der aber im offensiven Mittelfeld auf jeder Position zum Einsatz kommen kann. Der 170cm große Mittelfeldspieler, der erst zuletzt in die Spielmacherposition hineinwuchs und auch im Angriff eingesetzt werden kann, kommt aus der Nachwuchsabteilung von Arsenal London, von wo er zu den Glasgow Rangers wechselte und über Dundee United zu Omonia kam. Seit Sommer 2009 absolvierte er nun 74 Spiele für Omonia, in denen er zwölf Treffer erzielen konnte. Auch gegen Salzburg kam er zweimal zum Einsatz – gegen ADO Den Haag war er maßgeblich am 3:0-Heimsieg beteiligt, wurde im Auswärtsspiel jedoch zur Pause ausgewechselt, weil er erstens schon die gelbe Karte sah und zweitens ungeeignet für eine sehr defensive Ausrichtung ist.

Die Ersatzspieler fürs Mittelfeld sind zwei Portugiesen: Das defensive Mittelfeld-Backup ist Bruno Aguiar(30), der auch im rechten Mittelfeld zum Einsatz kommen kann. Der ehemalige Benfica- und Hearts-of-Midlothian-Spieler ist ein typischer „Box-to-Box“-Mittelfeldakteur, der bei Omonia jedoch trotz großem fußballerischen Könnens nie über die Rolle als Ergänzungsspieler hinauskam. Er wird eher eingewechselt, wenn das Spiel geordnet werden muss.

Ähnlich wie beim Linksfuß Margaca (26), ebenfalls Portugiese, der von AEK Larnaca kam und heuer seine erste Saison für Omonia spielt. Der 165cm große Mittelfeldspieler ist ein Läufer, der schnell hinter den Ball kommt, defensiv zumacht, jedoch auch schnell von Defensive auf Offensive umschalten kann. Er ist momentan wohl sogar der wahrscheinlichere Einwechsler als Bruno Aguiar.

Mit Constantinos Makrides (29) und dem Spanier José Rueda (23) hat Omonia zwei weitere Spieler fürs Mittelfeld, die jedoch in der bisherigen Saison noch nicht im Kader der Zyprioten standen. Gerade bei Makrides ist das auch gut so: Der nur 169cm große Mittelfeldspieler ist bereits mit 29 Jahren ein äußerst routinierter Kicker, der auch schon mit Metallurg Donetsk gegen die Austria spielte. Technisch stark, schnell, kann gut das Tempo umschalten – und machte in den letzten beiden Saisonen das Spiel aus dem defensiven Mittelfeld heraus. Neben seiner hohen Arbeitsrate und Flexibilität, ist er auch noch für Tore gut.

ANGRIFF

Der Standardstürmer der Zyprioten ist derzeit Hernán Rengifo (28). 21facher und auch aktuell sporadischer Teamspieler Perus, der seinerzeit (zwischen 2004 und 2007) die peruanische Liga zerbombte und auch danach in Polen bei Lech Poznan sehr stark spielte. Rengifo ist physisch stark, schnell auf den ersten Metern und mit einem starken rechten Fuß ausgestattet. Eigentlich ein Spieler, der Potential für „mehr“ hätte, zumal er auch 2008 in seiner Heimat zum besten Legionär Perus gewählt wurde. Die Saison 2010/11 verlief für den Peruaner verkorkst, aber in der neuen Saison möchte er wieder durchstarten, was er mit einem Treffer gegen ADO Den Haag begann.

Der zweite Angreifer – völlig neu im Team – ist der Kroate Josip Tadic (23), der schon im Alter von 17 Jahre regelmäßig für den NK Osijek stürmte und danach bei Bayer Leverkusen, Dinamo Zagreb, Grenoble und Arminia Bielefeld unter Vertrag stand. Tadic ist konditionell noch nicht bei 100 Prozent, jedoch ein durchschlagskräftiger und technisch solider Angreifer, der dort steht, wo er stehen soll und seine Treffer mit allen Körperteilen erzielen kann. Spielt Omonia mit einem Zweiersturm ist Tadic neben Rengifo gesetzt. Tadic ist im Gegensatz zu Rengifo der geeignetere Angreifer für Auswärtsspiele, Rengifo hat für Heimspiele bessere Karten.

Die Ersatzleute für den Angriff sind zu vernachlässigen: Giannis Chatzivasilis (21) ist aktueller U21-Teamspieler Zyperns und kam gerade von Atromitos aus Geroskipou. Zudem ist noch Theodosis Kyprou (19) im Kader, der jedoch auch kaum Chancen auf einen Einsatz hat.

TAKTISCHE AUSRICHTUNG

Omonia Nikosia wird entweder mit einem klassischen 4-4-2, das eher als 4-2-2-2 zu bezeichnen wäre, oder mit einem 4-2-3-1 bzw. sogar einem 4-2-2-1-1 auflaufen. In einem 4-4-2 würden die beiden Knipser des Teams nicht gemeinsam zum Einsatz kommen – Rengifo und Tadic würde der Trainer zumindest vorerst (und schon gar nicht im Europacup) gemeinsam von Beginn an bringen. Das würde im offensiven Mittelfeld ein zu großes Loch reißen, weil man damit quasi auf die Zehnerposition verzichten würde und die beiden Speerspitzen eine zu offensive Grundausrichtung haben. Wenn man mit zwei Angreifern spielt, wird einer von den beiden Alex da Silva sein, der andere Rengifo ODER Tadic.

Mit einem 4-2-3-1 wäre Omonia unangenehmer zu spielen, vor allem weil die offensiven Mittelfeldspieler allesamt sehr dynamisch und zielstrebig agieren, zudem die beiden defensiven Mittelfeldspieler genau wissen, was sie tun. Vor allem die Verpflichtung von Salatic wird Omonias Mittelfeld auch kurzfristig aufwerten, Leandro wird mit seiner neuen Position ebenfalls gut zu Recht kommen.

Die einzelnen Akteure in der Abwehr sind stark, aber die Abstimmung passt noch nicht hundertprozentig. Wenn Salzburg, wie schon vor einem Jahr, die Schnittstellen zwischen den einzelnen Verteidigern findet, werden Abstimmungsprobleme in der Hintermannschaft von Omonia passieren. Trotzdem ist auch im eigenen Sechzehner Vorsicht geboten: Rasheed Alabi ist ein gefährlicher Kopfballspieler – auch offensiv.

So könnte ein 4-2-3-1 von Omonia Nikosia aussehen:

[http://www.abseits.at/public/abseits/images/fotos/tn_omonia_nikosia.jpg]

In einem 4-4-2 mit Alex da Silva als spielende Spitze könnte Omonia in Vorwärtsbewegung in ein 4-1-3-2 umschalten. Salatic kann im Mittelfeld auf jeden Fall als alleiniger Sechser spielen, Leandro könnte entweder auf seine angestammte Position im linken Mittelfeld rücken (in diesem Fall ginge Efrem auf die Position im zentralen Mittelfeld) oder einfach aus der Doppelsechs hinausschieben und einen offensiveren Mittelfeldpart einnehmen. Diese Variante ist jedoch sehr offensiv und wenn dann nur im Heimspiel in Nikosia wahrscheinlich:

[http://www.abseits.at/public/abseits/images/fotos/tn_omonia_nikosia2.jpg]

FAZIT

Im Gegensatz zum Vorjahr wurde Omonia besser und es wird kein Spaziergang für Salzburg werden. Allerdings ist das Team von Red Bull Salzburg eines, das Omonia nicht liegt, weil es, die Einzelspieler betrachtend, durchaus ähnlich ist. Mehr Klasse hat Red Bull Salzburg auf jeden Fall, man muss jedoch versuchen bei drückender Hitze in Nikosia defensiv konzentriert zu bleiben und den Zyprioten im eigenen Stadion keine Chance geben ihr energisches Spiel aufzuziehen.

Auch weil wir Omonia noch von der letzten Saison kennen, glauben wir, dass Salzburg von allen Klubs das einfachste Los erwischte. Das mag auf dem Papier stimmen, aber Spaziergang wird das schon alleine aufgrund der harten Witterungsbedingungen im Hinspiel keiner! Der abseits.at-Tipp: Omonia Nikosia schlägt Salzburg im Neo GSP mit 2:1, doch Salzburg macht zu Hause mit einem 3:0-Sieg alles klar und steigt in die Gruppenphase der Europa League auf.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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