Nach unüberwindbaren Streitigkeiten mit West Ham United sagt Marko Arnautovic der Premier League good bye und wechselt nach China. Der 22,3 Millionen Euro schwere... „Arnie“ im Reich der Mitte: Das sind Arnautovic‘ mögliche Rollen bei Shanghai SIPG

Nach unüberwindbaren Streitigkeiten mit West Ham United sagt Marko Arnautovic der Premier League good bye und wechselt nach China. Der 22,3 Millionen Euro schwere Transfer von Stoke zu den Hammers machte „Arnie“ bereits einmal zum teuersten Österreicher der Fußballgeschichte. Diesen Rekord übertraf der Offensivspieler nun selbst noch einmal: Shanghai SIPG bezahlte 25 Millionen Euro für den Österreicher, wobei Stoke mit 20% an der Ablösesumme beteiligt ist und West Ham somit ein Verlustgeschäft macht. Für West Ham bestritt Arnautovic, der nun im Laufe seiner Karriere insgesamt über 56 Millionen Euro an Ablösesummen generierte, 65 Spiele, erzielte dabei 22 Tore und bereitete zwölf weitere vor.

Der Shanghai International Port Group FC steht nach 16 Runden auf dem dritten Platz der chinesischen Super League und liegt nur zwei Punkte hinter Tabellenführer Beijing Guoan. Arnautovic wird mit den Rot-Weißen also um den Titel spielen und könnte dabei selbst das Zünglein an der Waage sein. Dabei ist der 81-fache Nationalspieler nur einer von fünf Legionären, was in China insgesamt üblich ist. Die Kader der Teams setzen sich hauptsächlich aus Chinesen zusammen, was auch Regelungen geschuldet ist, zumal China endlich auch ein schlagkräftigeres Nationalteam haben will. Die Legionäre sind zumeist Klassespieler, die teuer aus Europa oder Südamerika geholt werden.

Mit Hulk und Óscar um den Titel

Bei Shanghai SIPG sind die bekanntesten Namen die Brasilianer Hulk und Óscar. Der 32-jährige Hulk spielt bereits seit drei Jahren in Shanghai, bringt regelmäßig Topleistungen und ist im 3-1-4-2-System des portugiesischen Trainers Vítor Pereira im Angriff gesetzt. Die wahrscheinlichste Variante wäre, dass Arnautovic künftig ein Sturmgespann gemeinsam mit dem routinierten, kraftvollen Brasilianer bilden wird. Dahinter, auf einer Art „Zehner-Freigeist-Position“ ist natürlich der ehemalige Chelsea-Legionär Óscar gesetzt, der die beiden Angreifer mit Bällen füttern soll.

Elkeson als eigentlicher Schlüsselspieler

Arnautovic‘ eigentlicher, unbekannterer Konkurrent um einen Stammplatz im Angriff ist mit dem China-erprobten Elkeson ein weiterer Brasilianer: Der 29-Jährige spielt seit 2013 in China, war anfänglich Goalgetter bei Serienmeister Guangzhou Evergrande und ist auch heute noch einer der treffsichersten Stürmer der Liga. Elkeson traf in der laufenden Saison bereits achtmal – Hulk erzielte nur sechs Treffer. Somit ist auch eine Systemumstellung mit Hulk auf der rechten Außenbahn denkbar, aber auch Arnautovic kann anstelle des jungen Linksaußen Binbin Chen aufgeboten werden, was allerdings mehr Defensivarbeit vom Österreicher erfordern würde.

4-2-3-1 mit Top-Offensive?

Der Architekt des Teams ist der letzte zu nennende Legionär: Der 31-jährige Usbeke Odil Akhmedov, 96-facher Nationalspieler, ist alleiniger Sechser und hält das Mittelfeld zusammen. Das macht er wiederum so gut, dass er keinen zweiten Sechser benötigt und somit ist es nicht unwahrscheinlich, dass man Shanghai SIPG nach der Arnautovic-Verpflichtung bald in einem offensiv ausgerichteten 4-1-3-2-System sehen wird. Dies würde am ehesten bedeuten, dass Arnautovic als Linksaußen auftritt und auch mal mit seinem Nebenmann Óscar rochiert, während vorne Hulk und Elkeson für die Tore sorgen sollen. Damit hätte Shanghai SIPG wohl die ligaweit größte Qualitätsdichte im Offensivbereich – dagegen sprechen jedoch die Schwächen in der Abwehr.

Doppelspielmacher mit Óscar?

Eine letzte Option bildet die Möglichkeit, dass Arnautovic neben Óscar im offensiven Mittelfeld zum Einsatz kommt und eine ausweichende Rolle übernimmt bzw. stark nach links pendelt. In diesem Fall könnten Hulk und Elkeson stürmen, während man Arnautovic einfach anstelle von Yang oder Lin, die sonst neben Óscar auflaufen, ins Team rotiert.

Eher Nachteile fürs Nationalteam

Sicher ist, dass der populäre Österreicher in China zahlreiche unterschiedliche Rollen einnehmen könnte und angesichts der erstrebenswerten taktischen Flexibilität der gesamten Mannschaft wohl auch wird. Für das Nationalteam dürfte der Arnautovic-Transfer nach China kein Vorteil sein, zumal man als Offensivspieler nicht so stark gefordert wird, wie in der englischen Premier League. Andererseits könnten sich Arnautovic‘ Scorerquoten in China noch einmal erhöhen, was auch positive Auswirkungen auf das Selbstvertrauen haben könnte – sofern man überhaupt davon sprechen kann, dass das Enfant terible des Nationalteams dies nötig hat…

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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