
Als Spieler war er ein taktisch kluger Linksverteidiger. Vor allem in Madrid erfreute man sich dessen. Anfangs seiner Karriere noch in der zweiten Mannschaft von Real, doch später in zwei verschiedenen Phasen beim Erzrivalen Atlético. Mit den Colchoneros feierte Filipe Luís seine größten Erfolge als Spieler, bis er die letzten fünf Jahre in seiner Heimat verbrachte. Dort ist er nun seit Oktober 2024 Cheftrainer und macht aus dem brasilianischen Spitzenklub eine Macht, mit der auch bei der Klub-WM im Sommer zu rechnen sein wird.
Die letzten Jahre als Spieler
Insgesamt acht Saisons spielte Filipe Luis bei Atlético Madrid, in denen er sechs Titel, darunter jeweils zweimal die Europa League und den Super Cup gewann. Im Sommer 2019 war es dann aber an der Zeit, nach Hause zurückzukehren. Flamengo sicherte sich die Dienste des Defensivspielers.
Der Klub ist traditionell einer der besten des Kontinents, wobei auch Filipe Luís in seiner Zeit seine Teilhabe dran hatte und mit dem Klub den Gipfel des südamerikanischen Fußballs erklomm. Vor allem die zwei Libertadores-Titel, 2019 und 2022, sind dabei von großer Bedeutung, doch auch national war er sehr erfolgreich, sieben Pokale sprechen für sich.
Ende 2023 setzte Filipe Luís einen Schlussstrich unter seine Karriere, in der er insgesamt 176-mal für Flamengo auf dem Platz stehen durfte. Bereits knapp zwei Monate später schlug er einen neuen Weg ein und stand als Jugendtrainer für Fla an der Seitenlinie. Die Lizenz erwarb er noch in seiner aktiven Zeit.
Der Trainer
Als Übungsleiter fand er schnell zum Erfolg. Mit der U17 besiegte er Vasco da Gama im Finale der Copa Rio, einem Regionalpokal für den Bundesstaat Rio de Janeiro. Nach einem halben Jahr wurde er als Trainer für die U20 bestimmt und konnte auch da auf sich aufmerksam machen.
Sein Vorgänger Mario Jorge gewann die Copa Libertadores in eben jener Alterklasse, wodurch man sich auch gleichzeitig für den U20 Intercontinental Cup qualifizierte, einem interkontinentalen Jugendbewerb, der im Rahmen einer Vereinbarung zwischen UEFA und CONMEBOL ins Leben gerufen wurde.
Im Finale stand man Olympiakos Piräus gegenüber, die in der Saison 2023/24 die UEFA Youth League gewinnen konnten. Vor über 30.000 Zusehern im Maracana war die Mehrheit der Spielanteile auch bei den Gästen, die in Halbzeit eins keinen Profit aus zwei Missverständnissen in der Abwehr von Flamengo schlagen konnten. Im zweiten Durchgang gelang der Durchbruch und Olympiakos gelang die Führung in Minute 54. Im Anschluss wachte die Elf von Filipe Luís auf und der Joker Caio Garcia sorgte für den Ausgleich. Während die Gäste nochmal mit einem Pfostentreffer gefährlich wurden, holte schließlich Flamengos zweiter Joker Felipe Teresa den Titel in der 92. Minute, indem er in ein halbleeres Tor einschob. Der nächste Erfolg in der noch jungen Trainerkarriere von Filipe Luís.
Während dieser in den Jugendreihen seinen Weg ging, war auch die erste Mannschaft unter Ex-Nationalcoach Tite im Einsatz. Ungeschlagen gewannen die Rot-Schwarzen die Staatsmeisterschaft von Rio de Janeiro (Campeonato Carioca). Dabei ist jedoch zu beachten, dass ein Großteil der Vereine nicht in den höheren landesweiten Ligen mitspielen und sich dadurch teilweise mittlere bis große Qualitätsunterschiede ergeben.
In der Série A 2024, umgangssprachlich auch Brasileirao genannt, lief es zunächst auch vielversprechend. In der ersten Saisonhälfte verlor man nur drei Spiele und entschied zu dem das Derby gegen Fluminense für sich. Folglich schwanden allerdings die guten Ergebnisse und Tite musste sich mit einem durch Verletzungen oder Länderspielabstellungen geschwächten Kader zurechtfinden.
Bis zu seiner Entlassung feierte man in der Liga nur drei Siege, wobei zwei dieser Teams, namentlich Atlético Goianiense und Athletico Paranaense, am Saisonende abstiegen. Die dritte Mannschaft, Red Bull Bragantino, rettete sich nur am letzten Spieltag vor dem Gang in die zweite Liga. Zusätzlich dazu schied man im Viertelfinale der Copa Libertadores gegen den uruguayischen Vertreter Penarol aus, womit lediglich die Copa do Brasil als letzte Titelchance des Jahres 2024 übrig blieb.
Nach dem Sieg gegen Paranaense, bei dem Tite von den Fans ausgepfiffen wurde, war Schluss für den 63-Jährigen. Interimistisch wurden Filipe Luís, der seine nunmehrigen Schützlinge noch bestens aus seiner aktiven Zeit kennt, die Geschicke der Mannschaft übergeben. Bis zum ersten Spiel, dem Copa do Brasil-Halbfinale gegen Corinthians, blieben ihm nur zwei Trainingseinheiten, doch mit einem 1:0-Sieg scheint er diese optimal gestaltet zu haben.
Der erste Härtetest wartete bereits im dritten Spiel der Amtszeit von Filipe Luís. Das Derby gegen Fluminense, die in jenem Jahr selbst deutlich unter den eigenen Erwartungen lieferten, stand an. Flu-Coach Mano Menezes, der den Copa Libertadores-Gewinner von 2023 nach einem schlechten Ende der Fernando Diniz-Ära stabilisierte, fügte Luís mit einem 2:0 seine erste Niederlage als Trainer zu.
Nach einem 0:0 im Rückspiel gegen Corinthians qualifizierte sich Flamengo für das Pokalfinale, wo Atlético Mineiro wartete. Filipe Luís hatte nun die Chance, sich bereits nach wenigen Spielen an der Seitenlinie in die Geschichte des Klubs zu schreiben. Vereinslegende Gabriel Barbosa wurde im Hinspiel mit seinem Doppelpack zum Man of the Match, Giorgian De Arrascaeta traf ebenfalls. Im Rückspiel drängte Atlético Mineiro, doch Flamengo-Angreifer Gonzalo Plata lupferte geschickt über Keeper Everson und machte alles klar. Filipe Luís nutzte die einzige Chance auf etwas Zählbares im Jahr 2024, und das nach gerade mal neun Spielen.
In der Liga landete man am Ende auf Platz drei, was angesichts der Flaute gegen Ende von Tites Amtszeit ein erfreuliches Ergebnis ist.
Das Jahr 2025
Kurz nach dem der Campeonato Carioca begann, stand die nächste große Herausforderung auf dem Programm. Im brasilianischen Superpokal, zu Ehren Pelés als „Supercopa Rei“ bezeichnet, wartete mit Botafogo der brasilianische Meister und Copa Libertadores-Sieger 2024, die beste Mannschaft des Kontinents also.
Doch bei Botafogo weht im Jahr 2025 ein anderer Wind. Zum einen nahm der Erfolgstrainer des Vorjahres Artur Jorge Anfang Jänner ein Angebot von Al-Rayyan aus Katar an und U20-Coach Carlos Leiria übernahm interimistisch. Andererseits war auch Angreifer Luiz Henrique, einer der Starspieler der Vorsaison, nicht mehr an Bord, für ihn sollte es wenig später zu Zenit St. Petersburg gehen. Zudem steht Eigentümer John Textor, der mit seiner Eagle Football Group auch die Mehrheit der Anteile von Crystal Palace, Olympique Lyon und RWD Molenbeek hält, heftig in der Kritik, Fans äußerten ihren Unmut an seinen Plänen mittels Banner.
Ein langer Abend erwartete die Fans im Mangueirao zu Belém, der Hauptstadt des nördlichen Bundesstaates Pará. Denn das Spiel wurde zwar angepfiffen und Bruno Henrique brachte Fla per Elfmeter auch in Führung. Doch die Regenzeit in Belém machte dem Platz sehr zu schaffen, wodurch der Platz nicht mehr bespielbar war und eine einstündige Pause notwendig wurde.
Flamengo ließ sich davon nicht beirren und setzte wenige Minuten nach Wiederanpfiff erneut durch Bruno Henrique nach. Sein Rechtsschuss vom Strafraumrand, bei dem er den Ball über den Spann rutschen ließ, blieb unerreichbar für Botafogo-Keeper John Victor.
In Halbzeit zwei blieb Flamengo dominant, Luiz Araújos Lupfer in der 83. Minute machte alles klar. Botafogo kam in Form von Patrick de Paula zwar noch zu einem Treffer, mehr als Ergebniskosmetik bedeutete dieser aber nicht und Filipe Luís kam zu seinem zweiten Titel binnen weniger Monate mit Flamengo.
Im Campeonato Carioca 2025 überzeugte sein Team ebenso. Bis auf ein einziges Remis gewann man jedes Spiel auf dem Weg zum Finale. Wer war es wohl, der Flamengo Punkte abknöpfen konnte? Ganz richtig. Mano Menezes und Fluminense. Jenes Team, das Filipe Luís bis dahin seine einzige Niederlage in seiner Laufbahn als Trainer der ersten Mannschaft von Flamengo zufügen konnte.
Mit gleich zwei Fla-Flu’s, wie das Derby genannt wird, war also für Spannung am Schluss der Staatsmeisterschaft von Rio de Janeiro gesorgt. Das Hinspiel entschied Flamengo für sich. Der 21-jährige Rechtsverteidiger Wesley, der einer der Lieblingsspieler von Filipe Luís ist und im März auch zum ersten Mal bei der brasilianischen Nationalmannschaft dabei ist, brachte sein Team in der sechsten Minute in Führung. Das 2:0 schoss Stürmer Juninho, dessen Ball ins Tor abgefälscht wurde. Ganz geschlagen gab sich Fluminense aber nicht, Linksaußen Keno köpfte in der 90. Minute zum 2:1-Anschlusstreffer. Das Rückspiel endete torlos, wodurch Flamengo zum 39. Mal den Staatsmeistertitel in den Händen hielt und Filipe Luís die dritte Medaille binnen eines halben Jahres gewann. Sehr gute Vorzeichen für mehr.
Ausblick
Unter Filipe Luís hat sich Flamengo wieder zu einer der besten Mannschaften des Kontinents entwickelt. Die Erwartungen des Klubs sind, jede Saison um die wichtigsten Wettbewerbe, vor allem die Liga und die Copa Libertadores, mitzuspielen. Seinem Vorgänger Tite war es gelungen, Flamengo zwar wieder zu stabilisieren, doch vor allem das Viertelfinalaus in der Copa Libertadores enttäuschte.
Filipe Luís hat sich in seiner erst jungen Trainerkarriere bereits einen Namen gemacht und die Erfolgsspur, die er im Jugendbereich anfing, im Herrenbereich weitergezogen. In den 26 Spielen vom Amtsantritt bis zum Finalrückspiel in der Staatsmeisterschaft verlor sein Team nur einmal, jenes oben erwähnte Derby gegen Fluminense am 30. Spieltag der brasilianischen Liga 2024. Sechs weitere Partien endeten im Unentschieden, in den anderen 19 ging man als Sieger vom Platz, was somit einen sensationellen Schnitt von 2,42 Punkten pro Partie ergibt. In der Staatsmeisterschaft etablierte man sich zudem als dominante Mannschaft, mit 63,1% hatte kein anderes Team mehr Ballbesitz.
Die größten Herausforderungen stehen in der laufenden Saison allerdings noch bevor. So startet bereits bald der Brasileirao, der schlichtweg eine größere Nummer als die Staatsmeisterschaft ist. Und eine volle Ligasaison hat Filipe Luís noch nicht trainiert. Zudem wartet im Sommer die Klub-WM, in welcher man in der Gruppenphase auf Esperánce Tunis, den FC Chelsea und León aus Mexiko trifft. Dass die europäischen Vereine hier die Favoriten sind, steht außer Frage, doch nichtsdestotrotz bietet das „neue“ Turnier eine Form sich zu zeigen und für Überraschungen zu sorgen.
Nichtsdestotrotz ist Flamengo Kandidat für Meisterschaft und Libertadores und will auch bei der Klub-WM für Furore sorgen. Eine spannende Entwicklung eines noch jungen Trainers, die man in Europa sicherlich verfolgt. Und wer weiß? Vielleicht ruft eines Tages Atlético Madrid an und sucht einen Nachfolger für Diego Simeone?
Tim Bosnjak, abseits.at
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