Der albanische Nationalspieler Hamdi Salihi verließ in der Winterpause den SK Rapid Wien und unterschrieb einen Vertrag bei D.C. United. Die Erwartungen an den... Auf der Suche nach dem Torriecher: Hamdi Salihi wartet auf seinen ersten Treffer in der MLS

Der albanische Nationalspieler Hamdi Salihi verließ in der Winterpause den SK Rapid Wien und unterschrieb einen Vertrag bei D.C. United. Die Erwartungen an den Mittelstürmer waren von Anfang an sehr groß, denn es blieb den Fans nicht verborgen, dass Salihi für seinen letzten Verein 53 Tore in 90 Pflichtspielen erzielte. Bis jetzt konnte er den Vorschusslorbeeren jedoch nicht gerecht werden und die Aussagen seines neuen Trainers erinnern stark an seine Zeit beim SK Rapid Wien.

Viele Rapid-Fans hätten den torgefährlichen Nationalspieler aus Albanien gerne noch länger im grün-weißen Trikot gesehen, doch der Strafraumstürmer passte nicht in Schöttels Konzept und musste sich in der Winterpause einen neuen Verein suchen. Der Rapid-Trainer schätzte zwar Salihis Torinstinkt, suchte aber einen Angreifer, der aktiv mitarbeitet und dabei hilft Torchancen zu kreieren. Befände sich der SK Rapid Wien in einer Form, in der die Mannschaft eine Chance nach der anderen herausarbeiten würde, dann wäre der Albaner wohl Schöttels erste Wahl im Angriff gewesen. Da dies aber nicht der Fall war, setzte der Coach auf Stürmer, die sich nach hinten fallen lassen können, um am Spielaufbau teilzunehmen und bei gegnerischem Ballbesitz in der Defensive fleißig rackern.

Hohe Erwartungen als „designated player“ mit einer tollen Bilanz

Nach fünf Saisonen in der österreichischen Liga beginnt für Salihi ein neuer Lebensabschnitt. Der albanische Nationalstürmer spielt das erste Mal außerhalb Europas und lebt nun näher bei seiner langjährigen Freundin, die in New York ein Studium absolviert. Auch aus finanzieller Sicht kann sich Salihi nicht beklagen, da er zwischen 500.000 und 750.000 Dollar bei seinem neuen Verein verdient. Salihi ist nämlich ein sogenannter „designated player“, ein Spieler, dessen Gehalt nicht zur Gehaltsobergrenze des Vereins dazugerechnet wird. Im Jahr 2010 betrug diese 2,55 Millionen Dollar für den gesamten Kader, jedes Jahr wird die Obergrenze um fünf Prozent erhöht. Außerhalb dieses Gehaltsschemas befinden sich die  „designated players“, die mehr als ihre Mitspieler verdienen, für die der Verein aber eine Luxussteuer zahlen muss, die unter den anderen Vereinen aufgeteilt wird. Jeder Verein darf höchstens drei dieser Spieler unter Vertrag nehmen. Bei D.C. United haben die beiden Ex-Rapidler Branko Boskovic und nun eben auch Hamdi Salihi diesen Status.

Geldsorgen und Eitelkeiten

Die Fans von D.C. United waren nach der Verpflichtung des Albaners überrascht, dass sie einen neuen „designated player“ bekamen, da der Verein Geldsorgen hat und mit keinen hohen Ausgaben gerechnet werden durfte. Dazu kommt, dass der torgefährlichste und stärkste Spieler des Kaders, der Kanadier Dwayne De Rosario, mit seinem aktuellen Status eher unzufrieden ist und ebenfalls zu einem „designated player“ aufsteigen möchte. Dabei geht es dem offensiven Mittelfeldspieler, der auch im Sturm zum Zug kommen kann, nicht nur ums Geld, sondern auch um Anerkennung. Der 65-fache kanadische Nationalspieler wurde in der vergangenen Saison immerhin zum „Most Valueable Player“ der MLS gewählt und teilte sich den Titel des Torschützenkönigs mit Chris Wondolowski, da beide Spieler 16 Tore erzielten. Nach der Verpflichtung Salihis hat der Verein nun garantiert kein Geld übrig, um ihn diesen Wunsch zu erfüllen. Einige Medien spekulieren allerdings damit, dass der im Sommer auslaufende Vertrag vom Verletzungspech verfolgten Boskovic nur dann verlängert wird, wenn er große Gehaltseinbußen in Kauf nimmt. Der Montenegriner müsste dann seinen Gehaltsscheck mit dem Kanadier tauschen.

Kann Trainer Ben Olson Salihi ändern?

Hamdi Salihi erzielte zwar kurz nach seinem Wechsel einen Treffer in einem Testspiel, allerdings wartet der Albaner weiterhin auf sein erstes Tor in der MLS. In sieben Meisterschaftsrunden stand er fünf Mal in der Startaufstellung und wurde jedes Mal zwischen der 65. und 80. Minute ausgewechselt. Beim gestrigen 1:1-Unentschieden gegen Montreal Impact saß er während der gesamten 90 Minuten auf der Ersatzbank und wartete vergebens auf seine Einwechslung.

So wie Peter Schöttel bevorzugt auf D.C.-United-Coach Ben Olsen Angreifer, die Drecksarbeit verrichten können. Ob es dem Trainer allerdings gelingen wird, aus Salihi einen neuen Stürmertyp zu machen ist fraglich. Ben Olsen gibt sich jedoch optimistisch:

I’m also asking him to be a little bit different than he has played for his entire career. I’m asking him to be more mobile and to get out of his comfort zone, too. So he’s getting used to that, and I have a lot of faith in him.”

Salihi muss allerdings wirklich aufpassen, dass er sich nicht regelmäßig auf der Ersatzbank wiederfindet. Sein 28-jähriger Sturmpartner aus Brasilien Maicon Santos befindet sich in einer tollen Form und hat nach sieben Spieltagen vier Treffer auf seinem Konto stehen – mehr als in der gesamten letzten Saison.  Der 24-jährige Chris Pontius (bitte nicht mit dem gleichnamigen Jackass-Mitglied verwechseln) durfte am Wochenende zum ersten Mal von Beginn an stürmen, da er in den Runden zuvor als Joker seine Gefährlichkeit unter Beweis stellte und zudem immer sehr mannschaftsdienlich spielte. Eine weitere Gefahr besteht für Salihi, wenn Branko Boskovic wieder seine alte Form findet. Dann würde er nämlich die Rolle Dwayne De Rosarios im offensiven Mittelfeld einnehmen und der Kanadier würde im Angriff spielen. Genau diese Variante versuchte Olsen beim gestrigen Spiel. Boskovic machte jedoch eine eher schwache Partie und wurde nach einer Stunde ausgewechselt. Salihi kam nicht einmal als Joker ins Spiel, da De Rosario ins Mittelfeld rückte und der eingewechselte Maicon Santos im Sturm neben Chris Pontius spielen durfte.

Fazit

Salihi wird es aufgrund der hohen Erwartungen nicht leicht bei seinem neuen Verein haben, insbesondere wenn sich die Mannschaft nicht seinem Spielstil anpasst, sondern er sich in den Dienst des Teams stellen muss, was schon beim SK Rapid Wien zuletzt nicht gut funktionierte. Es stellt sich schon ein wenig die Frage, ob die Verantwortlichen wussten, was für einen Spielertyp sie verpflichten. Salihi ist ein verlässlicher Torgarant, der seine Treffer erzielt, wenn er Chancen vorfindet – das wird auch in der MLS nicht anders sein, auch wenn die athletische Liga und das körperbetonte Spiel ihm nur wenig entgegenkommen werden. Sollte Boskovic wieder in Form kommen, dann wäre es vielleicht eine gute Variante den Montenegriner neben De Rosario im Mittelfeld spielen zu lassen, da die beiden garantiert jede Menge Chancen herausspielen würden. Im Sturm würden wiederum Pontius und Salihi gut harmonieren, da der gelernte Mittelfeldspieler Pontius durch seine starke Laufarbeit dem Albaner ein wenig den Rücken freihalten kann. Salihi könnte sich dann mehr auf jene Qualitäten konzentrieren, die ihn so gefährlich machen. Wenn sich die Verantwortlichen von D.C. United jedoch wirklich einen laufstarken, fleißigen Stürmer gewünscht haben, dann hätten sie mit Salihis Verpflichtung nicht weiter daneben liegen können.

Wir wünschen Hamdi Salihi in den nächsten Wochen und Monaten mehr Erfolg und hoffen, dass sein neuer Verein seine Qualitäten richtig einschätzen kann.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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