In der Saison 2009/10 holte der FC Twente den ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte. Der englische Trainer Steve McClaren, der momentan bei Newcastle United unter... Ausschluss aus Europa: Der tiefe Fall des FC Twente

Niederlande_abseits.atIn der Saison 2009/10 holte der FC Twente den ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte. Der englische Trainer Steve McClaren, der momentan bei Newcastle United unter Vertrag steht, gewann die Meisterschaft mit einem Punkt Vorsprung auf Ajax. Fünfeinhalb Jahre später steht der Verein mit einem Schuldenberg da, musste seine besten Spieler verkaufen und bekam nun die Rechnung für die Misswirtschaft des Managements präsentiert. Der niederländische Fußballverband sperrte den Klub für drei Jahre aus allen internationalen Bewerben aus. Dies dürfte jedoch angesichts der sportlichen und wirtschaftlichen Situation des Vereins das geringste Problem sein.

Meisterschaftsgewinn und Europa League

Der ehemalige Klub von Marko Arnautovic (2006-2010) und Marc Janko (2010-2012) stand bereits in der Saison 2002/03 aus wirtschaftlicher Sicht bedrohlich nah am Abgrund. Joop Munsterman übernahm damals das Ruder und schaffte es den Klub zu konsolidieren und nach und nach auch sportlich in höhere Sphären zu führen. Den Höhepunkt des Erfolgs hatte der FC Twente unter dem englischen Coach Steve McClaren, der den ersten Meisterschaftstitel der Vereinsgeschichte holte und auch in der Europa League die Gruppenphase überstand. Erst im Sechzehntelfinale fand der Höhenflug gegen den SV Werder Bremen ein Ende – nach einem 1:0-Heimsieg setzte es auswärts eine 4:1-Niederlage.

Von diesen Zeiten können die Twente-Fans jedoch nur noch träumen, denn der Klub steckt in großen finanziellen Schwierigkeiten. Mittlerweile sollen sich 90 Millionen Euro Schulden angehäuft haben, was auch dazu führte, dass der Verein in den letzten Transferzeiten die besten Spieler abgeben musste. Sehen wir uns überblicksweise an, wie Twente in den vergangenen drei Jahren am Transfermarkt agierte:

Leistungsträger wandern ab

Diesen Sommer wurde kein einziger Spieler gegen eine Ablöse verpflichtet. Stattdessen zog der Klub sechs Spieler aus der zweiten Mannschaft hoch, holte Goergios Katsikas (PAOK) und Chinedu Ede (Mainz) ablösefrei und lieh den 18-jährigen Ghanaer Thomas Agyepong von Manchester City aus. Im Gegenzug verließ mit Jesus Corona die heißeste Aktie den Klub gegen eine Ablöse von mehr als zehn Millionen Euro Richtung FC Porto, Luc Castaignos, der für Twente in den vergangenen Saisonen immer mindestens zehn Tore erzielte wechselte für 2,5 Millionen Euro zu Eintracht Frankfurt und der FC Brentford bezahlte für Innenverteidiger Andreas Bjelland ebenso viel. Dazu verließen noch vier weitere Spieler den Klub, die mindestens eine Million Euro Ablöse einbrachten.

Der Exodus begann allerdings schon in den Jahren davor, denn mit Dusan Tadic (14 Millionen €) und Quincy Promes (11,5 Millionen € ) verlor der Klub ein Jahr zuvor bereits zwei wichtige Spieler. In der Saison 2013/14 gab es mit Nacer Chadli und Leroy Fer ebenfalls zwei äußerst prominente Abgänge. Der Verein erwirtschaftete seit der Saison 2010/11 stets ein dickes Plus am Transfermarkt, was zwar durchaus lobenswert, aber nicht immer ganz freiwillig geschah. Von den Transfererlösen profitierte nämlich nicht nur der der Verein – doch dazu später gleich mehr.

So macht man Schulden

Der FC Twente erhielt im Jahr 1997 ein neues Stadion. Die De Grolsch Veste löste das Diekman Stadion ab, in dem der Klub seit 1956 seine Heimspiele austrug. Als sich Twente Mitte der 2000er Jahre finanziell erholte beschloss der Verein einen Ausbau der 13.250 auf 24.000 Plätze. Nach dem Gewinn der Meisterschaft entschloss sich der Klub dazu einen weiteren Ausbau auf 30.205 Plätze in die Wege zu leiten, bevor noch die Kosten des ersten Ausbaus zurückgezahlt wurden. Der zweite Ausbau stand übrigens von Anfang an unter keinem guten Stern, denn am 7. Juli stürzte während der Bauarbeiten ein Tribünendach ein. Zwei Arbeiter starben, 14 wurden verletzt. Eine Untersuchungskommission kam zu dem Schluss, dass mit der Dachdeckung begonnen wurde, bevor die Dachträger ordnungsgemäß befestigt waren. Die erste Erweiterung kostete satte 50 Millionen €, die zweite schlug noch einmal mit 15 Millionen € zu Buche.

Ein Darlehen mit Folgen

Der vorschnelle Ausbau des Stadions war aber nicht der einzige Fehler, der dem Management des Vereins unterlief. Der Klub hatte angesichts der hohen Baukosten Schwierigkeiten den operativen Betrieb aufrecht zu erhalten und begab sich in Abhängigkeit eines maltesischen Geldgebers. Doyen Sports gelangte im Laufe des Jahres 2015 einige Male in die Schlagzeilen, da die Investorengruppe Transferrechte an mehreren Spielern erwarb und gegen das Verbot der „Third-Party-Ownership“ gegen die FIFA vor Gericht zog.

Wie sich nun herausstellte verkaufte der FC Twente im Jahr 2014 gegen ein Darlehen von fünf Millionen Euro zehn bis fünfzig Prozent der Transferrechte an sieben Spielern. Dabei “vergaß“ die Vereinsführung diesen Deal dem niederländischen Fußballverband offenzulegen. Dieser gab in einer Stellungnahme zu Protokoll, dass der Klub den Verband absichtlich über die Hintergründe des Vertrags täuschte, was nun als erste Strafe den Ausschluss von internationalen Bewerbspielen für drei Jahre und eine Geldstrafe von 45.000€ nach sich zog. Der älteste Twente-Fanklub sammelte bereits Geld und erklärte sich bereit, die Strafe zu übernehmen, damit dem Verein wenigstens diese Sorge abgenommen wird. Die Kommission, die diese Strafe aussprach wird den Vertrag mit Doyen Sports auch an eine weitere niederländische Kommission und die FIFA weiterleiten, was zu zusätzlichen Konsequenzen führen könnte. Die erste Kommission war nämlich nicht befugt einen Punkteabzug, oder ein Transferverbot auszusprechen. Es könnten also noch weitere Hürden auf den FC Twente zukommen, der momentan am 16. Tabellenplatz steht und die Hälfte des Kaders mit Spielern aus der zweiten Mannschaft füllen muss.

Keine lustigen Zeiten für die Twente-Anhänger und ein mahnendes Beispiel für andere Vereine, sich wirtschaftlich nicht zu übernehmen.

Stefan Karger, abseits.at

Stefan Karger