Jeden Sonntag wollen wir an dieser Stelle Briefe aus aktuellem Anlass versenden. Mit Gruß und Kuss direkt aus der Redaktion – Zeilen zum Schmunzeln,... Briefe an die Fußballwelt (89): Lieber Thomas Tuchel!

Jeden Sonntag wollen wir an dieser Stelle Briefe aus aktuellem Anlass versenden. Mit Gruß und Kuss direkt aus der Redaktion – Zeilen zum Schmunzeln, Schnäuzen und Nachdenken an Fußballprotagonisten aus allen Ligen. Diesen Sonntag schicken wir unseren Brief an einen neuen Arbeitslosen…

Lieber Thomas Tuchel!

Das war kein schönes Weihnachtsgeschenk: Die Eigentümer deines Vereines, Paris Saint‑Germain, setzten dich justament am 24. Dezember vor die Türe. Das sind zwar die Mechanismen des Fußballs, einen besseren Zeitpunkt hätte man wohl aber wählen können. Dabei war deine Zeit in Paris nicht unerfolgreich. Nicht unerfolgreich – das ist eine schamlose Untertreibung: In deinen ersten Spielen hast du einen Startrekord aufgestellt, bist 2019 französischer Meister geworden und erst im CL-Achtelfinale sowie unglücklich im Coupe de France-Endspiel gescheitert. Auch in der durch Corona getrübten Saison bist du Meister geworden, sowie Coupe de France-Sieger und Gewinner des Ligapokals. Tja. Das hat den Eigentümern des Klubs trotzdem nicht genügt.

Manche spekulieren, dass ein Interview schuld war, indem du mangelnden Aufbauwillen, sondern nur den Wunsch nach sofortigem Erfolg von Qatar Sports Investments kritisiert hast. „Wir hatten nie so das Gefühl, dass wir die Leute jetzt auch mal überzeugt haben und sie unsere Leistung anerkennen.“, sollst du gesagt haben. Lieber Thomas, du meinst selbst, dass es in einem Klub wie PSG nicht immer nur um Fußball geht. Es geht nicht nur um den Sport. Den Sport, den du liebst. Es geht um Werbung und Marketing. Man will eine Marke verkaufen, Investoren scheren sich nicht um Traditionen, Fans oder das Spiel. Sie wollen ihr Produkt ins Gespräch bringen. Wir als Konsumenten merken schon lange nicht, wie perfide wir manipuliert werden. Wir als Fußballfans merken nicht, wie unser Sport zum Spielball für Milliardäre verkommt. Geld regiert die Welt. Und indem wir uns weiterhin Eintrittskarten, Fanartikel kaufen, uns als Fans eines Vereines deklarieren, unterstützen wir das auch.

Die Kehrseite der Medaille wird nur in Momenten, wie diesen sichtbar. Ich hoffe für dich, lieber Thomas, dass du bald wieder bei einem Verein an der Seitenlinie stehen kannst, der sportlichen Erfolg mehr schätzt als dein letzter Arbeitgeber.

Das wünscht dir

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag

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