Der zypriotische Klub APOEL Nikosia sorgt seit Monaten für internationales Aufsehen. Zwischenzeitlicher Höhepunkt war der Aufstieg ins Viertelfinale der UEFA Champions League, wo auf... Das gelbe Wunder – warum APOEL Nikosia kein Vorbild für Österreich ist

Der zypriotische Klub APOEL Nikosia sorgt seit Monaten für internationales Aufsehen. Zwischenzeitlicher Höhepunkt war der Aufstieg ins Viertelfinale der UEFA Champions League, wo auf das Überraschungsteam niemand geringerer als Real Madrid wartet. Trotzdem sollte der Klub kein Vorbild für die österreichischen Klubs sein.

APOEL Nikosia – Rekordmeister mit Tradition

In Zypern gilt APOEL Nikosia als einer der traditionsreichsten Vereine des Landes. 1926 unter dem Namen POEL in einem Süßwarengeschäft gegründet, erarbeitete sich der zwei Jahre nach der Gründung in APOEL umbenannte Klub eine Vormachtstellung und krönte sich zum Rekordmeister. 21 Meistertitel, 19 Cupsiege und elf Supercupsiege darf sich der Verein auf die Fahnen heften.  Zahlen, die den Lokalrivalen Omonia Nikosia, der durch eine Abspaltung von APOEL entstand, vor Neid erblassen lassen müssen. Die Rivalität zwischen den beiden Klubs geht aber weit über das Sportliche hinaus. Seit dem Bürgerkrieg gelten Fans von APOEL als rechtskonservativ, die Anhänger von Omonia als Vertreter des linken politischen Lagers. Was den Erfolg betrifft, hinkt Omonia APOEL allerdings hinterher. National ist der Unterschied minimal, den 21 Meistertiteln von APOEL stehen 20 Triumphe von Omonia gegenüber. Auch die 13 Cupsiege und die 15 Supercuperfolge können sich sehen lassen. Fairerweise muss aber erwähnt werden, dass der Großteil der Omonia-Erfolge schon einige Jahrzehnte zurückliegt. So mussten die Fans nach dem Meistertitel 1993 acht Jahre auf einen erneuten Meistertitel warten, danach schaffte die Mannschaft dieses Kunststück bis heute auch nur noch zwei Mal – 2003 und 2011. Doch nicht nur nationaler Erfolg, sondern auch internationales Aufsehen gehört seit kurzer Zeit zur Geschichte der Zyprer. Dort hat APOEL klar die Nase vorne. Während internationale Erfolge von Omonia Nikosia so häufig sind wie Torfestivals in der aktuellen österreichischen Bundesliga, begeisterte APOEL bereits in der Saison 2009/2010 mit dem Einzug in die Gruppenphase der Champions League. Dort scheiterte man allerdings klar gegen Chelsea, Porto und Atletico Madrid – flog als Letzter raus. Heuer sollte der Auftritt in der Königsklasse allerdings weitaus erfolgreicher verlaufen.

Ein beeindruckender Durchmarsch

Die Reise durch Europa begann für APOEL bereits in der zweiten Qualifikationsrunde. Dort hatte man mit dem albanischen Klub KF Skënderbeu Korçe keine Probleme und setzte sich mit 2:0 und 4:0 durch. In Runde 3 schaltete man Slovan Bratislava nach einem 0:0 im Hinspiel mit 2:0 aus. Im Play-Off, der letzten Hürde vor der Gruppenphase, sah es nach einer 0:1-Niederlage im Hinspiel gegen Wisla Krakau nicht gut aus, der Rückstand wurde im Rückspiel jedoch gedreht, durch einen 3:1-Sieg war der Aufstieg in die Königsklasse perfekt. Dort erwischte man zwar keine Todesgruppe, aber doch drei hochkarätige Gegner. Die Gruppe G war die einzige im gesamten Bewerb, in der vier Landesmeister spielten. Shakhtar Donezk, FC Porto und Zenit St. Petersburg ritterten mit APOEL um die ersten beiden Plätze. APOEL überraschte von Anfang an mit hervorragenden Ergebnissen. Im September erklärten sich viele Experten den 2:1-Heimsieg über St. Petersburg noch mit den hohen Temperaturen auf Zypern, die die Russen nicht gewöhnt seien. Nach zwei Unentschieden gegen Donezk und Porto mussten aber auch die letzten Zweifler anerkennen, dass dieses Team realistische Chancen auf den Aufstieg hat. Und tatsächlich schaffte man das Kunststück. Einem 2:1-Sieg über den FC Porto folgte ein 0:0 in St. Petersburg, erst im letzten Gruppenspiel musste APOEL die erste Niederlage hinnehmen. Trotz des 0:2 gegen Donezk gewann der zyprische Meister die Gruppe sensationell. Im Achtelfinale wartete Stammgast Olympique Lyon, doch auch die favorisierten Franzosen konnten APOEL nicht knacken. Nach zwei extrem engen Partien musste das Elfmeterschießen entscheiden – und das Märchen ging weiter. APOEL hatte die besseren Nerven und darf nun gegen Real Madrid antreten. Auch wenn die Chancen wohl eher gering sind – mittlerweile muss man diesem Team alles zutrauen.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

APOEL operiert in dieser Saison nach Schätzungen mit einem Saisonbudget von etwa 13 Millionen Euro. Verglichen mit Österreich heißt das, dass der Klub hierzulande finanziell nur die Nummer vier wäre. Trotzdem mischt APOEL die Königsklasse auf, während Salzburg, Austria oder Rapid sich sogar in Wr. Neustadt oder Kapfenberg schwer tun. Ohne Zweifel kann man die Leistung von APOEL Nikosia nicht hoch genug einzuschätzen. Doch es ist nicht alles Gold was glänzt. Neben den immer wieder kehrenden Nazi-Symbolen auf den Rängen, die als Tradition verkauft werden, gibt es auch sportlich eine Kehrseite der Medaille. Sieht man sich den Kader des Teams an, so findet man unter den 23 Spielern acht Zyprer, sechs Brasilianer, vier Portugiesen, jeweils zwei Spanier und Italiener, sowie einen Griechen, einen Argentinier und einen Mazedonier. Die acht heimischen Kicker sind alle älter als 24, viele von ihnen kommen kaum zum Zug. Mit einem Legionärsanteil von ca. 65% ist APOEL alles andere als ein Förderer des eigenen Nachwuchses. Auch die nationalen Konkurrenten operieren mit einer ähnlichen Strategie. Omonia (62,5% Legionäre), Tabellenführer AEL Limassol (73%) und  Anorthosis Famagusta (69,6%) beschäftigen vorwiegend ausländische Kräfte. Und das schlägt sich nieder: Das Nationalteam pfeift aus dem letzten Loch. In der EM-Qualifikation gab es in acht Spielen zwei Unentschieden und sechs Niederlagen. Im Nachwuchs sieht es nicht viel besser aus. In der Qualifikation zur U-21-EM ließ Zypern bisher nur eine Nation hinter sich: San Marino. Die wenigen Talente, die es gibt, bekommen keine oder zu wenig Spielzeit, die Legionärsanteile der Klubs sind viel zu hoch.

Kein Vorbild für Österreich!

APOEL Nikosia ein Vorbild für die österreichischen Klubs? Wohl eher nicht. Ja, es ist beeindruckend, mit wie wenig Budget man so großen internationalen Erfolg erzielen kann. Einer solchen Vorgehensweise fehlt es allerdings an Weitblick. Durch die vielen Legionäre verkümmert der Nachwuchs, woran wiederum das Nationalteam zu leiden hat. Klub-Erfolge in diesem Ausmaß werden auch nicht Jahr für Jahr gelingen. Zypern freut sich derzeit über die sensationellen Erfolge von APOEL in der Champions League – doch das Land wird sich in den nächsten Jahrzehnten so gut wie nie über Erfolge des Nationalteams freuen können. Auch an aufstrebenden Talenten wird es fehlen. Wenn der Erfolg der Klubs irgendwann einmal ausbleiben sollte, wird man sich fragen, ob das der richtige Weg war. Dieses Szenario klingt sehr vertraut – weil gerade diese Diskussion in Österreich erst in den Neunzigern aufkam. Seit 1998 qualifizierte sich unser Land zwar für kein Großereignis, aber der eingeschlagene Weg ist der richtige. Deshalb kann APOEL Nikosia, bei allem Respekt vor den sensationellen Leistungen in der Champions League, niemals ein Vorbild für unsere Klubs sein.

Archimedes, abseits.at

Archimedes

  • Master of disaster

    21.März.2012 #1 Author

    In einer Hinsicht kann/könnte Nikosia aber sehrwohl Vorbild sein. In Sachen „Effizienz“. Denn in Österreich wird niemand daran gehindert, mit durchschnittlichen Spielern (und das sind auch jene von APOEL) das best mögliche herauszuholen.

    Antworten

  • Tobias Resel

    21.März.2012 #2 Author

    Kann die Kritik nur zum Teil nachvollziehen und zwar, dass der Nachwuchs vernachlässigt wird und damit ist der Verein immer auf den (unsicheren) Transfermarkt angewiesen. Jedoch schließt ihr meiner Meinung nach die falsche Schlußfolgerung. Ein Verein sollte nicht danach beurteilt werden was gut für das Nationalteam ist, sondern was für ihn zum Erfolg führt und was aber auch wirtschaftlich vertretbar ist.

    Das Nationalteam sollte niemals ein Grund sein, wieso ein Verein seine Strategie ändert. Fast jeder Fan wird wohl den Erfolg von APOEL vorziehen, denn schlußendlicj ist es ihnen sicher lieber als dafür halt ein paar Siege in der Quali einzufahren (an eine Quali ist so oder so nicht zu denken).

    Also würde ich österreichischen Verein zur Strategie von APOEL raten? Nein, natürlich nicht, aber nicht im Hinblick aufs Nationalteam. Würde ich sie verurteilen, wenn sie diese Variante wählen? Nein, natürlich nicht, immerhin ist es ihr gutes recht und der Erfolg gibt zumindest APOEL recht.

    Antworten

  • Klammeraffe

    21.März.2012 #3 Author

    Warum ist der Legionärsanteil zuhoch? Schon mal den Kader von Red Bull gesehen? Da spielen wohl tendenziell noch weniger Österreicher bzw. stehen im Kader bekommen aber nie eine Chance. (Zumindest einige). Ich kann nicht nachvollziehen warum APOEL kein Vorbild sein soll aber würde Red Bull etwas liefern wäre es super?

    Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.