Kylian Mbappé geht seit 2015 in Frankreich auf Torejagd und ist auf dem besten Weg Rekordtorschütze bei Paris Saint-Germain zu werden. Um sich diese... Der erfolgreichste Torschütze der Ligue 1 – Delio Onnis im Porträt

Kylian Mbappé geht seit 2015 in Frankreich auf Torejagd und ist auf dem besten Weg Rekordtorschütze bei Paris Saint-Germain zu werden. Um sich diese Bezeichnung allerdings auch für die gesamte Liga geben zu können, fehlen ihm allerdings noch einige Treffer. Aktuell trägt ein Argentinier, der in den 1970er- und 1980er-Jahren in Frankreich seine Tore schoss, diesen Titel. Sein Name ist Delio Onnis und das ist seine Karriere.

Erste Schritte

Delio Onnis wurde am 24. März 1948 in Giuliano di Roma, rund 90 km südlich der italienischen Haupstadt geboren. Als er drei Jahre alt war, emigrierten seine Eltern mit ihm nach Argentinien, wodurch er später die Staatsbürgerschaft des südamerikanischen Landes erhielt. Dort gab man ihm, angelehnt an seine europäischen Wurzeln, den Spitznamen „El Tano“ (der Italiener).

Früh fing der kleine Delio an, sich für den Fußball zu begeistern und stürmte auf den im fußballverrückten Südamerika so zahlreich vorhandenen „potreros“, den zahlreichen Fußballplätzen in Parks oder sonstigen freien Flächen mit zwei Toren bzw. torähnlichen Konstrukten. Doch nicht nur das Spielfeld charakterisiert den fútbol de potrero, sondern auch die Spielweise, die die Akteure darauf entwickeln. Improvisation, Ballkontrolle auf engem Raum, das Gambeta (Dribbling) und ein eher unkoordiniertes Spiel steht dort, ganz im Gegensatz zum organisierten, strategischen Fußball in Europa, im Vordergrund und legt den Grundstein für die fußballerische Entwicklung zahlreicher Kicker, die später den bezahlten Fußball zu ihrer Profession machten. El Tano ist keine Ausnahme.

Anfänge im Klubfußball

Erst im Alter von 15 Jahren trat er einem Verein bei. Aufgrund der bis dahin fehlenden Staatsbürgerschaft war dies vorher nicht möglich gewesen. Der gerade in die Primera C, damals Argentiniens dritthöchste Spielklasse, abgestiegene Club Almagro der Stadt José Ingenieros im Ballungsraum Gran Buenos Aires war ab 1963 sein erstes fußballerisches Zuhause. Für gewöhnlich fuhr er mit dem Fahrrad zum Training, wo er versuchte, eines seiner Vorbilder, Ángel Clemente Rojas, in den 1960ern Spieler bei Boca Juniors, zu imitieren. Luis Artime von River Plate gefiel ihm ebenfalls sehr, aber dennoch schlägt sein Herz für Boca.

Bereits drei Jahre nach seiner Ankunft debütierte er für die erste Mannschaft, die sich wieder in die zweite Liga, die Primera B, hochspielte. Insgesamt war er bis 1968 für die Tricolor, so der Spitzname von Club Almagro, tätig, ein Aufstieg gelang jedoch nicht.

1966 reichte der elfte Platz zur Teilnahme an einem Aufstiegsturnier, wo man im Halbfinale seinen Meister in der Truppe von Nueva Chicago fand. Im darauffolgenden Jahr spielte man nach einer erfolgreichen Saison in einem Relegationsturnier mit, bei welchem sowohl Erst- als auch Zweitligisten um die sportliche Zukunft mitwirkten. Eine Platzierung unter den ersten sechs bedeutete eine Teilnahme an der Primera División. Unglücklicherweise verpasste Almagro den Aufstieg um nur einen Punkt hinter den Argentinos Juniors. Zwar lernte man aus diesem Rückschlag und krönte sich 1968 zum Meister der Primera B, doch der direkte Aufstieg war dennoch nicht gegeben, sondern lediglich das erneute Mitwirken am Relegationsturnier, wie es schon im Vorjahr gespielt wurde. Die guten Leistungen fielen merklich ab und als zweitschlechteste Mannschaft musste man in der zweiten argentinischen Klasse verbleiben.

Delio Onnis war seinem Klub zu diesem Zeitpunkt bereits entwachsen und hatte. mit der Meisterschaft bereits einen Titel in der Tasche. Nicht weniger als zwei Dutzend an Toren sprangen für ihn in 44 Einsätzen heraus. Das Interesse größerer Vereine war geweckt und obwohl er sich mit Almagro sportlich nicht für die Primera División qualifizierte, kickte er im nächsten Jahr dennoch in der obersten Liga. Die nächste Station hieß La Plata.

Der italienische Wolf

Gimnasia y Esgrima La Plata, Spitzname „El Lobo“ (der Wolf), sicherte sich die Dienste des aufsteigenden Torjägers, der damit zum Teil einer Mannschaft wurde, die als „La Barredora“ (die Straßenkehrerin) bekannt wurde und bis heute von vielen Fans des Klubs verehrt wird.

Die Erwartungen bei seiner Ankunft waren gemischt, einerseits versprach man sich viel von ihm, sah ihn gar als Rohdiamanten an, andererseits missfiel der Transfer so manchen Fan, wurde Onnis doch nur als Zweitligastürmer angesehen. Im ersten Moment sahen sich die Kritiker bestätigt, als er bei der Hinspielpleite im Pokal gegen Guaraní Antonio Franco torlos blieb. Bald jedoch erkannte man, dass der damals 21-jährige Stürmer nur einen Weg kannte, den zum Tor. Seine durchschnittliche Geschwindigkeit und Technik machte er mit seinem intelligenten Positionsspiel und ausgezeichnetem Spielverständnis wett. Er war sich nie zu schade, einem Ball nachzulaufen und auf Chancen zu lauern.

Im Pokalrückspiel gegen Guaraní Antonio Franco schied man mit einem Remis zwar aus, aber Delio Onnis nutzte die Kritik als Motivation und verhinderte mit einem Hattrick ein klareres Ergebnis für die Gegner. In einem Interview mit der argentinischen Tageszeitung „La Nación“ erinnerte er sich an sein erstes Tor in der argentinischen Primera División, die damals noch aufgeteilt war in Campeonato Metropolitano und Nacional (zwei Halbjahresmeisterschaften in einem Jahr): „Der Torwart damals bei Almagro war Luis Felicetti. Im Jahre 1969 wechselten wir beide in die erste Liga, er zu Colón und ich zu Gimnasia. Das erste Spiel war zwischen unseren beiden Klubs. Ich habe ein Tor geschossen, das dritte, und wir haben 3:0 gewonnen.“

Gimnasia stand am Ende der Saison auf Platz sieben in Gruppe A, wodurch man in einem Mini-Wettbewerb um die Teilnahme zur zweiten Halbjahresmeisterschaft mitspielte. Nach einer 0:3-Niederlage gegen Unión de Santa Fe führte aber kein Weg am Relegationsturnier vorbei. El Tano kannte dieses gut, hatte er bereits mit Almagro in eben jener Endausscheidung gespielt. Dieses Mal stand er jedoch auf dem profitierenden Ende und als Zweiter hatte man nichts zu tun mit dem Gang eine Stufe hinunter.

Die Spielzeit 1970 war das beste Jahr des argentinischen Stürmers im Trikot von El Lobo. Zwar schied man in der Copa Argentina erneut in der ersten Runde aus und spielte in der Metropolitano nur durchschnittlich, konnte sich aber als Neunter dieses Mal für das Campeonato Nacional qualifizieren. Zwölf Tore in 20 Spielen reichten immerhin zum fünften Platz in der Torschützenliste für El Tano, den er sich mit Héctor Yazalde von Independiente teilte. Diesen Lauf nahm Gimnasia in die Nacional mit und wurde in Gruppe A Zweiter hinter Chacarita Juniors. Damit ließ man mit River Plate, San Lorenzo und Racing Club gleich drei der Cinco Grandes in Argentinien hinter sich. Zudem stellten die Wölfe mit 46 Toren die beste Offensive aller Mannschaften. 16 davon gingen auf Onnis‘ Konto, lediglich ein gewisser Carlos Bianchi, auf den er in seiner Karriere später nochmal treffen sollte, netzte zweimal öfter in der Nacional ein. Dennoch gab es 1970 keinen torgefährlicheren Angreifer in der argentinischen Liga als den Offensivmann von Gimnasia y Esgrima La Plata.

Als Zweiter in Gruppe A spielte man gegen den Ersten der Gruppe B, namentlich Rosario Central. Die große Chance auf das Finale wurde jedoch nicht genutzt. Streitigkeiten finanzieller Natur zwischen dem Kader und dem Vereinspräsidenten Oscar Venturino führten dazu, dass sich die Spieler weigerten, für den Verein in dieser so wichtigen Begegnung aufzulaufen. Daher musste die zweite Mannschaft herhalten, chancenlos verlor man 0:3 im Coloso del Parque, Stadion von Rosario Centrals Erzfeind Newell’s Old Boys, und schied aus dem Wettbewerb aus.

Mit neun Toren in 25 Partien war das Jahr 1970 wenig erfolgreich für El Tano und Gimnasia landete in beiden Halbjahresturnieren im Niemandsland der Tabelle. Nichtsdestotrotz erregten die Leistungen des Argentiniers die Aufmerksamkeit größerer Sportklubs. Independiente und River Plate zeigten Interesse und verhandelten mit Onnis, doch nachdem ihm eine Offerte eines europäischen Vereines vorgelegt wurde, zögerte er nicht und nahm sofort an.

Der Sprung über den großen Teich

Die Verantwortlichen von Stade Reims kamen zu einer Begegnung zwischen Newell’s Old Boys und Gimnasia, um sich den Stürmer Alfredo „Mono“ Obberti von Newell’s genauer anzusehen. Schließlich waren Größen wie Just Fontaine oder Raymond Kopa nicht mehr an Bord und die von vielen Titel geprägten 1940er- und 1950er-Jahre waren in weite Ferne gerückt. Des Weiteren spielte man in den 1960ern für fünf Spielzeiten nur in der Division 2, ein guter Stürmer musste also her.

Mono Obberti überzeugte die Funktionäre des französischen Vereins, zwischen den beiden Parteien fand sich rasch eine Einigung für einen Vertrag. In letzter Minute kollabierte der Deal jedoch, da sich die Frau von Obberti nicht an die fremde Sprache und das fremde Land umstellen wollte. Somit grübelte man in den Reihen von Reims, wer denn die Alternative sein könnte, und kam auf den Namen Delio Onnis, dem in 143 Einsätzen 82-fach ein Tor gelang. Als dieser vom Interesse jenseits des Atlantischen Ozeans hörte, sagte er sofort zu.

Stade Reims war zu Beginn der 1970er-Jahren nur ein Schatten der glorreichen Mannschaft, die zwei bis drei Dekaden früher Titel um Titel gewann und etliche Nationalspieler stellte. Selbst der damalige Trainer Albert Batteux, der zu Beginn des 21. Jahrhunderts zum zweitbesten französischen Coach hinter Weltmeistertrainer Aimé Jacquet gewählt wurde, war einige Jahre gleichzeitig für den Verein aus der Champagne und die Équipe Tricolor tätig. Doch nach zwei Abstiegen und Wiederaufstiegen beherrschten andere Namen den französischen Fußball. Kein Wunder ist es also, dass am Ende von El Tanos Debütsaison in Europa 1971/72 nur der 15. Tabellenplatz raussprang. Doch der 1,80m-große Angreifer machte weiterhin von seinem enormen Talent Gebrauch und schoss 22 der 46 Ligatore seines neuen Klubs, womit er in der Torschützenliste den vierten Platz einnahm. Beachtlich ist das Weiterkommen bis ins Halbfinale des Coupe de France. Erst der spätere Meister Olympique Marseille konnte les rouges et blancs (die Rot-Weißen), wie die Mannschaft von Stade Reims genannt wird, im Elfmeterschießen ausschalten.

In der nächsten Saison übertraf man die Erwartungen und erreichte immerhin Platz acht. Angesichts der Tatsache, dass von den Vereinen, die in der Vorsaison die letzten neun Plätze belegten, ein Jahr später (also 1973/74), nur noch drei in der Division 1 übrigblieben, ist dies ein achtbarer Erfolg. Onnis konnte nicht ganz an die Leistung des Vorjahres anknüpfen, in Liga und Pokal war er insgesamt 19-mal erfolgreich, was ihn erneut zum vereinsinternen Top-Torschützen machte. Es war dieselbe Spielzeit, in welcher sich Stade Reims die Dienste eines Stürmers sicherte, den Delio Onnis bereits gut aus der heimischen Liga kannte. Carlos Bianchi, Spitzname „El Virrey“ (Der Vizekönig; in Anlehnung an Vizekönig Santiago de Liniers, Namensgeber des Viertels Liniers, in welchem Bianchi aufwuchs), kam im Frühjahr 1973 nach vielen erfolgreichen Jahren bei CA Vélez Sarsfield in Argentinien nach Frankreich und stürmte ein halbes Jahr an der Seite von El Tano im rot-weißen Trikot.

Zwar gewann Delio Onnis keinen Titel mit seinem ersten Klub in Frankreich, doch beachtliche 45 Treffer in 76 Begegnungen für den Verein aus dem Nordosten Frankreichs entsprachen seiner bis dahin besten Torquote in seiner Laufbahn. Selbstverständlich waren Begehrlichkeiten größerer Vereine des Landes geweckt.

Karrierehoch in Monaco und Duell mit dem Vizekönig

Der Verein an der Côte d’Azur war damals noch nicht das, was er heute ist. Zwar gewannen die Monegassen bis zur Ankunft des argentinischen Stürmers jeweils zweimal die Division 1 und den Coupe de France, doch in den fünf Spielzeiten vor dem Onnis-Transfer pendelte man zwischen der höchsten und der zweithöchsten Liga. Zusätzlich dazu war kein richtiger Goalgetter im Kader, der für die oberste Klasse bereit war.

Mit der Ankunft von Delio Onnis im Sommer 1973 änderten sich dies. Monaco hatte es im französischen Ligaalltag als Aufsteiger trotz ihres südamerikanischen Knipsers nicht leicht und entging nur knapp dem Abstieg. Zum einen kassierten nur zwei Klubs, die beide nach dieser Spielzeit eine Etage weiter unten spielten, mehr Gegentore, zum anderen war man punktegleich mit dem dritten Absteiger und rettete sich nur durch die bessere Tordifferenz. Gegensätzlich zur Ligasaison war die Leistung im Pokal. Dort kam die erste größere Herausforderung mit dem SC Bastia im Viertelfinale. Diese konnte, genauso wie Halbfinalgegner FC Sochaux, überwunden werden. Im Endspiel gegen den Meister AS Saint-Étienne hatte man also trotz der Ligaergebnisse eine Chance auf den Titel. Es stand lange 0:0, bis man kurz vor Ende der ersten Halbzeit in Rückstand geriet. Dieser verdoppelte sich in der 61. Minute, der Anschlusstreffer von El Tano konnte nichts mehr ausrichten.

Die Spielzeit 1973/74 läutete einen legendären Zweikampf um die Torjägerkanone ein. Delio Onnis und Carlos Bianchi duellierten sich ein ums andere Mal darum, wer den Ball am öftesten in Frankreichs erster Liga einnetzt. Die erste Runde ging an El Virrey, der mit 30 Treffern viermal mehr als sein argentinischer Landsmann traf. Dieser musste sich mit der Torjägerkrone im Pokalwettbewerb begnügen.

In der nächsten Saison war es für den Monaco-Stürmer ein leichtes, die zweite Runde für sich zu entscheiden. Sein Kontrahent hatte zwar eine Torquote von rund 0,94, kam aufgrund einer schweren Verletzung nur in 16 Matches zum Einsatz. Onnis wiederum sorgte für 30 Tore. Die AS Monaco und Stade Reims waren sich am Ende gleich auf, beide gewannen zumeist Heim- und verloren hauptsächlich Auswärtsspiele. Die Herren von der Côte d’Azur erreichten Platz elf, jene aus der Champagne Platz zwölf, womit man im Niemandsland der Tabelle landete. Zusätzlich dazu war im Pokal für Monaco nach der ersten Runde bereits Schluss, für Reims endete er nur ein Spiel später.

El Virrey bewies zu seiner Rückkehr zur Saison 1975/76, dass er den richtigen Riecher keineswegs verloren hatte und entschied Runde drei für sich. 34 Buden waren unerreichbar, El Tano kam „nur“ auf 29. Trotz seines Treffsicherheit vor dem gegnerischen Kasten konnte Onnis allein nicht viel gegen eine Niederlagenquote von etwa 44% sowie die zweitmeisten Gegentore in der Liga ausrichten. Das Pokalaus nach einem Spiel, der Abstieg und der zweite Platz in der Torschützenliste waren eine herbe Enttäuschung, war die Fehde Onnis gegen Bianchi doch gerade in einer hochspannenden Phase angekommen.

Die Verantwortlichen erkannten die schwierige Lage im Verein. Jean-Luis Campora, dessen Vater bereits Präsident bei der AS Monaco war, holte im Namen von Lucien Leduc ein bekanntes Gesicht an die Côte d‘Azur zurück. In seiner ersten Amtszeit als Trainer gewann der Klub an der französischen Mittelmeerküste jeweils zweimal den Coupe de France und die französische Meisterschaft. Mit ihm an der Seitenlinie gelang der sofortige Wiederaufstieg in die höchste Spielklasse. El Tano wurde in dieser Spielzeit mit 30 Toren selbstverständlich Top-Goalgetter in der Division 2, etwas Anderes war auch kaum vorstellbar. Obwohl sie nicht in derselben Liga aktiv waren, standen sich Onnis und Bianchi, der später als Trainer viermal die Copa Libertadores, das südamerikanische Äquivalent zur Champions League, gewann, im Coupe de France-Achtelfinale gegenüber, mit dem besseren Ende für die Rot-Weißen aus der Champagne. Runde vier geht ebenfalls an Bianchi.

Mit Leduc ging man auch als Aufsteiger in die Saison 1977/78. Während der FC Nantes, OGC Nizza und Olympique Marseille die Hinrunde dominierten, sorgte das heimstarke Monaco für eine seltene Sensation und gewann im Schlussspurt (fünf Siege aus den letzten fünf Matches) die Meisterschaft mit nur einem Punkt vor dem Vorjahresmeister Nantes. Wichtige Bausteine der Meistermannschaft waren der Vater des Triumphes Lucien Leduc, Torwart Jean-Luc Ettori (Rekordspieler von Monaco), Mittelfeldakteur Jean Petit (drittmeiste Einsätze und sechstmeiste Tore für Monaco), sowie Christoph Dalger (drittmeiste Treffer für Monaco) und natürlich Delio Onnis, der mit 29 versenkten Bällen Top-Torschütze in dieser Spielzeit für seinen Verein wurde. Carlos Bianchi, mittlerweile bei Paris Saint-Germain unter Vertrag, netzte zwar achtmal öfter ein und holte bis dahin in vier der letzten fünf Spieljahre die Torjägerkanone, jedoch konnte er nie eine Meisterschaft in Frankreich gewinnen, wodurch ihm sein Landsmann mit dem Triumph 1978 eine Nase voraus war. Persönlich war es für Onnis die beste Saison in Monaco und in seiner gesamten Karriere, mit 37 Toren in 44 Spielen überbot er seine Bestmarke aus seiner Debütsaison um genau einen Treffer.

Der Coupe de France konnte zwar nicht gewonnen werden, doch angesichts der Tatsache, dass man die in Frankreich erst dritte Mannschaft ist, die als Aufsteiger Meister wurde und dass man sich für den Europapokal der Landesmeister qualifizierte, war das nur ein Nebengeräusch.

Zur darauffolgenden Spielzeit lieferten sich die Monegassen einen Titelkampf mit Racing Straßburg und auch Saint-Étienne war im Rennen, doch man konnte nicht am Verein aus dem Elsass dranbleiben, während der FC Nantes den Abstand zur Tabellenspitze schnell verkürzte. Dieses Trio bildete am Saisonende auch die Top-Drei, Straßburg als Meister, Nantes als Zweiter und Saint-Étienne als Dritter. Die AS rangierte am Ende mit einem Abstand von zehn Punkten hinter dieser Spitzengruppe. Die Pokalturniere brachten ebenfalls keinen Erfolg ein. National war im Achtelfinale Schluss, international schied man gegen den späteren Finalisten Malmö FF in der ersten Runde aus. Zudem entschied Bianchi (27 Tore) das Rennen um die Torjägerkanone gegen Onnis ein weiteres Mal für sich (22). Nach der Saison endete auch das zweite Engagement von Lucien Leduc beim Klub, der Monaco nach dem Titel immerhin in den UEFA-Pokal führte und damit die Ära startete, in welcher sich der Klub an der Côte d’Azur regelmäßig für das internationale Geschäft qualifizierte.

Delio Onnis war zwar Argentinier, stand allerdings keine Sekunde im himmelblau-weißen Trikot auf dem Platz, da man zu dieser Zeit Spieler aus der heimischen Liga für die Nationalmannschaft bevorzugte. Auf diese Weise kamen Spieler wie Mario Kempes oder Leopoldo Luque zu ihren Einsätzen, während im Ausland spielende Top-Stürmer, neben Onnis genauso Bianchi, nicht berücksichtigt wurden. El Virrey absolvierte zwar 14 Spiele für sein Land, das letzte jedoch im Jahr 1972, also vor seiner großen Zeit in Frankreich.

Abschluss in Monaco

In der Spielzeit 1979/80 wiederholte man das Endergebnis des Vorjahres und wurde erneut Vierter, doch El Tano wurde nun endlich wieder Torschützenkönig, gemeinsam mit dem Deutschen Erwin Kostedde von Stade Laval. 21 Tore reichten beiden für die individuelle Auszeichnungen. Carlos Bianchi blieb am Saisonende jenseits dieser Marke, traf er nach seinem Wechsel zu Vorjahresmeister Straßburg nur achtmal.

Zwar blieb die AS Monaco im UEFA-Pokal erfolglos, doch mit dem Gewinn des Coupe de France fuhr man einen weiteren Titel ein. In der ersten beiden Runden wurden zwei Zweitligisten souverän eliminiert. Anschließend behauptete man sich gegenüber den Ligakonkurrenten OSC Lille und FC Sochaux. Nachdem man sich in der Verlängerung gegenüber Montpellier durchsetzte, traf man im Finale auf die US Orléans. Vor über 46.000 Zuschauern besiegte man den Zweitligisten im Prinzenparkstadion zu Paris. Dabei gelang dem gegnerischen Mittelfeldspieler Roger Marette das Kunststück, den Ball in beide Tore zu befördern. Albert Emon und Delio Onnis sorgten in der zweiten Halbzeit allerdings für den monegassischen Triumph. Erwähnenswert ist zudem, dass man in diesem Finale einen Spieler einwechselte, der bis zu seinem 25. Lebensjahr noch in seinem Heimatland Kamerun spielte und nach zwei Jahren bei seinem ersten französischen Verein Valenciennes den Weg in den kleinen Stadtstaat fand. Er wurde bei der Weltmeisterschaft 1990 in Italien durch seinen Tanz an der Eckfahne bekannt. Sein Name? Roger Milla. Dieser blieb jedoch nur ein Jahr und zog nach 17 Einsätzen mit zwei Goals weiter nach Bastia.

Delio Onnis hatte bis dahin 233 Bälle in 280 Einsätzen eingenetzt und war Rekordtorschütze des Vereins, doch erstaunlicherweise war der Vereinsvorstand der Ansicht, dass seine Zeit beim Klub abgelaufen war. Man wollte sich im Angriff etwas verjüngen, El Tano hatte schließlich schon 32 Lenze hinter sich. Eine Option war ein damals 27-jähriger Stürmer, der beim FC Barcelona unter Vertrag stand, in der spanischen Liga einmal Torschützenkönig wurde, doch zum damaligen in seine Heimat zurückverliehen war. Auf der iberischen Halbinsel nannte man ihn dank seiner Treffer „Goleador“, jedes österreichische Kind kennt ihn als Hans Krankl. Man bemühte sich um den Angreifer, der für das Wunder von Córdoba sorgte, doch als die Verhandlungen mit ihm scheiterten (Krankl verblieb in der Hinrunde 1980 noch in Barcelona), wandte man sich wieder an Onnis. Dieser lachte über das Vertragsangebot, ein Ein-Jahres-Vertrag war ihm zu wenig. Als ein Klub aus der Mitte Frankreichs das dreifache Gehalt offerierte, sagte er sofort zu.

Drei-Jahres-Tour(s)nee

El Tano unterschrieb beim Aufsteiger FC Tours, der bis dahin noch nie in der höchsten französischen Spielklasse vertreten war. Mit der Verpflichtung des treffsicheren Argentiniers begann die erste Hochphase des 1951 gegründeten Vereins. Denn Onnis sicherte sich mit 24 Toren zum dritten Mal die Torjägerkanone und bewies dem AS Monaco damit, dass er trotz seines Alters immer noch auf dem obersten Niveau performen konnte. Carlos Bianchi war nicht in der Liste vertreten, er kehrte im Sommer 1980 zu seinem Heimatverein Vélez Sarsfield zurück. Neben der individuellen Auszeichnung gelang dem südamerikanischen Goalgetter mit seinem neuen Verein noch der Klassenerhalt in der Relegation gegen den FC Toulouse, was das Minimalziel des kleinen Aufsteigers war. Im nationalen Pokal war bereits nach Runde zwei Schluss.

Onnis‘ zweite Spielzeit 1981/82 war seine beste im blau-weiß-schwarzen Trikot. Erneut verteidigte er Platz eins in der Torschützenliste. 29-mal netzte er ein, womit er für fast die Hälfte aller Treffer des Klubs in dieser Saison verantwortlich war. Nur vier Mannschaften beförderten den Ball öfter an den gegnerischen Torhütern vorbei. Fakt ist allerdings auch, dass man beinahe dieselbe Anzahl an Gegentoren hinnehmen musste. Diese Ausgeglichenheit spiegelt sich am elften Tabellenplatz wider, was für den kleinen Verein dennoch ein achtbares Endergebnis war. Zu dieser Zeit spielte ein gewisser Michel Platini bereits seine zehnte Saison in Frankreich und war auch regelmäßig in den oberen Plätzen der besten Torjäger vertreten, doch niemals gelang es ihm an Carlos Bianchi oder Delio Onnis vorbeizuziehen. Der spätere UEFA-Präsident resümierte diese Tatsache folgendermaßen: „Es war unmöglich (Torschützenkönig zu werden), wenn man mit zwei Ungeheuern wie Bianchi und Onnis konkurrieren musste.“ Der Pokal konnte ebenfalls für eine Überraschung genutzt werden, das Erreichen des Halbfinales gilt als großer Erfolg. Erst der spätere Gewinner Paris Saint-Germain konnte den TFC im Elfmeterschießen eliminieren.

War der elfte Platz 1982 das Licht, so war der Relegationsplatz am Ende der Folgesaison der Schatten. In den Barrages gegen den Dritten der Division 2, in diesem Fall Olympique Nîmes, war nach dem 1:1 im Hinspiel noch alles drin, doch die 1:3-Niederlage im Rückspiel besiegelte den Gang in die zweite Liga. Zwar erreichte man erneut das Halbfinale im Coupe de France, doch erneut scheiterte man an PSG, die ihren Titel verteidigen konnten. Tours‘ argentinischer Offensivakteur strauchelte und kam nicht einmal auf ein Dutzend Tore in der Liga, eine Marke, die er zuletzt in seinem letzten Jahr in seiner Heimat unterbot. Somit neigte sich das Kapitel FC Tours dem Ende entgegen. Den Herbst seiner Karriere wollte El Tano nicht niedriger als in der Division 1 verbringen und mit 73 Toren in 129 Spielen für einen Aufsteiger bewies er, dass er auch für einen kleineren Verein im besten Stürmeralter noch den richtigen Riecher für das Tor hatte.

Der Elefantenfriedhof

Die nächste Station in Onnis‘ Laufbahn war der SC Toulon, der etwas mehr als zwei Autostunden entfernt von Monaco ebenfalls an der Côte d’Azur liegt. Der Verein erlebte in den Jahren zuvor einen kometenhaften Aufstieg, binnen vier Jahren kam man von der dritten in die höchste Spielklasse, die der französische Fußball zu bieten hat. Bei seiner Ankunft gab der mittlerweile 36-jährige Angreifer zu Wort, dass Sporting Toulon sein letzter Klub sein wird: „Das wird der Elefantenfriedhof sein.“

Ein letztes Mal Torschützenkönig hieß es gleich in seiner ersten Saison 1983/84, als ihm, genauso wie Patrice Garande von der AJ Auxerre, 21 Tore gelangen. Auf dem 16. Platz in der Liga rettete man sich vor dem direkt Wiederabstieg. Im Pokal schaffte man es bis ins Semifinale, wo es das Côte d’Azur-Derby gegen El Tanos Ex-Klub Monaco gab. Die Rot-Weißen konnten das Duell für sich entscheiden, unterlagen jedoch im Finale dem FC Metz.

Die Spielzeit 1984/85 brachte noch das letzte Hoch für den Altstar, als man sensationell Sechster wurde in einem Jahr, in welchem man PSG mit 5:1 wegfegte und das internationale Geschäft nur um einen Punkt verpasste. Vor dem letzten Spieltag standen die Blau-Goldenen, so der Spitzname des SC Toulon, tabellarisch noch auf einem Rang, der für die Teilnahme an einem UEFA-Turnier gereicht hätte, doch der Sieg des FC Nantes gegenüber dem Klub an der Mittelmeerküste sorgte letztendlich nicht für das Mitwirken an einem dritten Wettbewerb in der Folgesaison. Obwohl Delio Onnis nur als viertbester Torschütze dastand, war er seinem ewigen Konkurrenten Carlos Bianchi voraus. Diesem gelangen bei seiner Abschiedstournee in Reims nur acht Treffer.

Zum Abschluss seiner torreichen Karriere wurde der Argentinier erneut 16. mit Toulon, doch auf regelmäßige Einsatzzeiten kam er nicht mehr. Lediglich neun Spiele wurden ihm noch zugetraut, wobei er noch ein letztes Mal das Netz zappeln ließ. Am 1. März 1986 fand eine Karriere mit insgesamt 463 Toren in 709 Spielen ihr Ende. Der 38-Jährige hängte seine Fußballschuhe nach einem 1:0-Sieg gegen AS Nancy verletzungsbedingt auf den Nagel. Nach seiner Karriere als Spieler war er noch Scout in Argentinien für die AS Monaco, sowie Trainer bei Toulon und beim Paris FC.

Vermächtnis

Die spanische Sportzeitung Marca bezeichnete ihn einst als „die DNA des Tores“. Und das war Delio Onnis auch. Er war kein Zauberer, kein Dribbler, kein Zangler, sondern ein spielintelligenter Goalgetter mit dem richtigen Riecher. In der Debatte der besten argentinischen Stürmer wird oft von Gabriel Batistuta oder Alfredo di Stefano gesprochen. Betrachtet man rein die Anzahl der gewonnenen Titel, ist Delio Onnis meilenweit von beiden entfernt. Zieht man jedoch nur die erzielten Tore in Betracht, ist er auf einer Stufe mit ihnen. Und für nichts anderes wurde er geholt. Für das Toreschießen. In seiner Heimat ist er eher unbekannt, doch in Frankreich und besonders in Monaco hat er einen großen Legendenstatus, den er als Rekordtorschütze der AS und der französischen Liga sowie durch die legendären Duelle mit Carlos Bianchi einzementiert hat. Und solange Kylian Mbappé noch keine 299 Tore in der Liga erzielt hat, ist Delio Onnis wohl weiterhin als bester Torschütze, der je in Frankreich gespielt hat, zu bezeichnen.

Tim Bosnjak, abseits.at

Tim Bosnjak

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