Einen Platz vor den Philippinen, einen hinter Kuba liegt die kasachische Fußballnationalmannschaft in der FIFA-Weltrangliste. Über Kasachstan selbst ist in der Welt wenig bekannt,... Die Nummer 147 der Welt: Fußballentwicklungsland Kasachstan

Einen Platz vor den Philippinen, einen hinter Kuba liegt die kasachische Fußballnationalmannschaft in der FIFA-Weltrangliste. Über Kasachstan selbst ist in der Welt wenig bekannt, allerdings handelt es sich um das flächenmäßig neuntgrößte Land der Welt.

Wissenswertes über Kasachstan

Eingebettet zwischen Russland, China, Turkmenistan, Usbekistan, Kirgistan und dem Kaspischen Meer liegt Kasachstan in Zentralasien. Es ist das größte Binnenland der Welt. Bereits im Altertum bildeten sich auf dem Gebiet des heutigen Kasachstan erste größere Reiche, vor allem turkstämmige und persische Völker hatten großen Einfluss. Zwischen dem 13. und dem 18. Jahrhundert waren der mongolische und usbekische Einfluss sehr groß, bis das russische Zarenreich sich nach und nach das Land einverleibte. Bis 1990 blieb Kasachstan Teil Russlands bzw. der Sowjetunion. Seit der Unabhängigkeit ist Nursultan Nasarbajew Präsident. Nasarbajew war zuvor Vorsitzender der kommunistischen Partei der sowjetischen Teilrepublik. Formal gibt es seit 1995 eine republikanische Verfassung, theoretisch handelt es sich bei Kasachstan um einen demokratischen Staat. Der Präsident herrscht aber autokratisch über das Volk, welches lange Jahre ein Agrarstaat war. Kasachstan ist rohstoffreich, die wirtschaftliche Macht schlägt sich in Prunkbauten nieder, etwa die neu aus dem Boden gestampfte Hauptstadt Astana. Dort steht auch die Arena, in der das österreichische Nationalteam antreten wird. Das Land, welches vom Bruttoinlandsprodukt her ein Vorzeigeland in Zentralasien ist und die Umstellung von sowjetischer Wirtschaft auf freie Marktwirtschaft gemeistert hat, investiert viel. Die breite Masse der Bevölkerung bekommt davon wenig mit.

Die Geschichte des kasachischen Fußballverbandes

Formal lautet das Gründungsjahr des Verbandes 1914, 1991 wurde der kasachische Fußballverband Qasaqstannyng Futbol Federazijassy wieder gegründet. 1992 bestritt die Auswahl das erste Länderspiel gegen die Nachbarn aus Turkmenistan. Die Kasachen gewannen mit 1:0. 1994 folgte die Aufnahme in die FIFA, bis 2002 spielte Kasachstan im asiatischen Fußballverband AFC. Danach folgte der Wechsel in den europäischen Fußballverband UEFA, obwohl das Land lediglich zu fünf Prozent in Europa liegt. Die Statuten der UEFA erlauben das, geographisch liegen zum Beispiel auch nur drei Prozent der Türkei in Europa. Die Gründe für den Wechsel liegen auf der Hand: „Nur der Wettkampf mit den Stärksten lässt uns noch stärker werden“, sagte Verbandschef Adilbek Dschaksibekow vor zwei Jahren. Eine nachvollziehbare Einstellung im Sinne des kasachischen Volkes. Immerhin ist Dschaksibekow auch Verteidigungsminister.

Der kasachische Fußball und Deutschland

Der Sport hat in Kasachstan, wie in vielen autoritär geführten Staaten, einen hohen Stellenwert. Neben dem Fußball, der in Form der Premier Liga in den letzten Jahren stark gepusht wurde, gibt es noch andere Sportarten, in denen das Engagement groß ist. Einer der bekanntesten Einzelsportler ist der Radprofi Alexander Winokurow, auch die Boxer Muchtarchan Dildabekow, der 2000 die olympische Silbermedaille gewann, und Oleg Maskajew, ehemaliger Schwergewichtsweltmeister, sind bekannte Namen. Bei den olympischen Sommerspielen in London 2012 ergatterten die Athleten aus Asien sieben Goldmedaillen und je eine silberne und bronzene Medaille. Auch im Wintersport gibt es ein großes Engagement. Eine besondere Beziehung im Fußball ist aber jene mit den Russlanddeutschen. Diese wurden in der Zeit der Sowjetunion aus dem Westen des Landes vor allem nach Kasachstan umgesiedelt und leben heutzutage hauptsächlich in Deutschland. Der kasachische Fußballverband bemühte sich von Anfang an um solche Spieler, die eine gute Ausbildung genossen hatten. Peter Neustädter, Jahrgang 1966, emigrierte nach der Wende zu Beginn der 90er nach Deutschland, lief für den Karlsruher SC, den Chemnitzer FC und Mainz 05 auf. Im gegenwärtigen Kader stehen der Greuther-Fürth-Akteur Heinrich Schmidtgal und Cottbus-Defensivspieler Konstantin Engel. Alle wurden in Zentralasien geboren.

Kasachischer Kick heutzutage

Seit 1992 wurden gemäß dem Kalenderjahr 20 Meisterschaften ausgespielt. Rekordtitelträger ist Irtysh Pawlodar mit fünf Titeln, dicht gefolgt von FK Aktobe mit vier. 2008 flog dieser Verein gegen den SV Mattersburg aus der Qualifikation zum UEFA-Cup. Internationale Erfolge gab es noch nicht viele, allerdings steht der kasachische Fußball vor umfassenden Reformen. So sollen ab dem Jahr 2013 alle 14 Oberhausteams eine eigene Nachwuchsakademie unterhalten, das Know-How kommt aus Deutschland. In einem offiziellen Dokument namens „Memorandum of Understanding“ unterstützt der deutsche Fußballbund DFB den kasachischen Verband in der Trainer-, Schiedsrichter- und Nachwuchsausbildung. Oberster Fußballlehrer des Landes ist der Tscheche Miroslav Beránek, der seine aktive Karriere, die am erfolgreichsten bei Slavia Prag Mitte/Ende der 80er-Jahre war, beim SV Gmünd ausklingen ließ. Nach Engagements in Tschechien, unter anderem bei der U21 und als Assistent des A-Nationalteams. Beránek coacht seit Anfang 2011 das Nationalteam sowie seit Mai 2012 den FK Astana. In den zehn bisherigen Spielen unter der Ägide des Tschechen konnten drei Remis gegen Lettland, Österreich und Weißrussland geholt werden, ein Sieg gegen Aserbaidschan wurde errungen. Satte Niederlagen setzte es gegen Deutschland und Belgien –  0:4 bzw. 1:4.

Der kasachische Fußball befindet sich zwar noch nicht „im Kommen“, aber es wurden umfassende Reformen eingeleitet, um sich an Europa zu orientieren. Der Weg über den eigenen Nachwuchs ist sicherlich der richtige. Im zweiten Teil dreht sich alles um den Kader und die Taktik Kasachstans.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

Keine Kommentare bisher.

Sei der/die Erste mit einem Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.