Bekannt wurde der Franzose vor allem durch seinen Kung-Fu-Tritt im Jahr 1995, als er einen Zuschauer mit dem Fuß an die Brust trat. Eric... Eric Cantona – Der ewige Rebell (Teil 1)

Bekannt wurde der Franzose vor allem durch seinen Kung-Fu-Tritt im Jahr 1995, als er einen Zuschauer mit dem Fuß an die Brust trat. Eric Cantona war immer gut für einen Aussetzer, aber auch für unglaubliche Tore. Nach seiner erfolgreichen, aber auch von Skandalen geprägten Karriere als Fußballer ist der 45-Jährige heute Schauspieler und engagiert sich gegen die Armut in Frankreich. Viele Fans hofften sogar auf eine Präsidentschaftskandidat Cantonas, jedoch lehnte er diese ab. „Eric the King“ wie er oft genannt wurde, ist auch mehr als 15 Jahre nach seinem Karriereende noch unglaublich populär, nicht nur in Frankreich sondern auf der ganzen Welt. Der erste Teil dieses Portraits befasst sich mit den Höhepunkten und fußballerischen Fähigkeiten Cantonas.

Karriere in der Heimat

Als 17-Jähriger unterschrieb Eric Cantona seinen ersten Profivertrag bei AJ Auxerre und erzielte in den folgenden fünf Jahren in 81 Spielen 23 Tore. Nachdem er 1984 den Wehrdienst abgelegt hatte, wurde Cantona von Auxerre zu Martigues in die zweite französische Liga verliehen. Bei den Südfranzosen erzielte Cantona in 15 Einsätzen vier Tore und kehrte 1986 zu AJ Auxerre zurück. Nach zwei weiteren Spielzeiten für Auxerre wechselte der Mittelstürmer zum amtierenden französischen Meister Olympique Marseille, wobei er mit dem Verein im Jahr 1989 sowohl den Meistertitel als auch den Pokalsieg einfuhr. Nach einigen Zwischenfällen und Ausrastern wurde Cantona vorerst für sechs Monate an Bordeaux verliehen, um nach 11 Spielen und 6 Toren weiter zu Montpellier verliehen zu werden. Vom an der Mittelmeerküste beheimateten Klub wurde Cantona für ein Jahr ausgeliehen, wobei er auch hier Höhen und Tiefen erlebte. Einerseits kam es zu einem Disput mit einem Teamkollegen, andererseits war Cantona nicht unbeteiligt am Pokalsieg Montpelliers. Nachdem Marseille den Franzosen aufgrund seiner aufsteigenden Form wieder zurückholte, kam es erneut zu Problemen mit dem Trainer und dem Präsidenten. Trotz des Titelgewinns mit Marseille 1990/91 wurde Cantona an Nimes verkauft und schaffte es auch bei seinem neuen Klub schnell in die Negativschlagzeilen. Nachdem er den Referee absichtlich mit dem Spielgerät beworfen hatte, wurde Cantona für ein Monat gesperrt. Die Sperre wurde später aufgrund einer erneuten Entgleisung auf zwei Monate erhöht und Cantona erklärte am 16. Dezember 1991 seinen Rücktritt vom Profifußball.

Karriere auf der Insel

Nachdem ihn einer seiner größten Förderer, der damalige französische Nationaltrainer Michel Platini, aufforderte wieder zum Fußball zurückzukehren, entschied sich Cantona für einen Wechsel nach England. Zuerst sollte er bei Liverpool unterkommen, jedoch wurde ein Engagement des Enfant terrible vom Trainer abgelehnt. Nach einem Probetraining für Sheffield Wednesday entschied sich Eric Cantona für einen Wechsel zum direkten Konkurrenten Leeds United. Für umgerechnet rund 1,1 Millionen € ging der Wechsel von Nimes zu Leeds United über die Bühne, mit dem englischen Klub gewann Cantona bereits in seiner ersten Saison, 1991/92, die Football League First Division, den Vorgänger der Premier League. Bei seinen 15 Liga-Auftritten für The Whites, wie der Klub genannt wird, erzielte der Franzose nur 3 Treffer, war aber vor allem aufgrund seiner Assists maßgeblich am Titelgewinn beteiligt. Cantona machte vor allem durch einen Hattrick im Finale des FA Community Shield, damals noch Charity Shield, auf sich aufmerksam und war damit maßgeblich am 4:3-Erfolg über Liverpool beteiligt. Am 26. November 1992 wechselte Cantona für rund 1,5 Millionen € zu Manchester United, wobei die meisten Fans den Franzosen eher als Ergänzungsspieler sahen. Aufgrund der Torflaute bei United konnte sich Cantona schnell als Stammspieler etablieren und trat sowohl als Torjäger sowie auch als Vorlagengeber auf. In seiner ersten Saison bei den Red Devils gewann er mit dem Klub die neu gegründete Premier League, was den ersten Titel für Manchester United seit 1967 bedeutete. In der folgenden Saison 1993/94 konnte United den Titel verteidigen und zudem auch den FA-Cup gewinnen. In dieser Spielzeit wurde Cantona zum PFA Player of the Year gewählt und durch die Einführung der fixen Trikotnummern in der Premier League trug der Franzose nun bis zum Ende seiner Karriere bei United die Nummer 7. Die Spielzeit 1994/95 begann für United und Cantona großartig, der dritte Meistertitel nacheinander war das große Saisonziel. Allerdings kommt an diesem Punkt Cantonas wohl berühmtester Auftritt ins Spiel: Nach einem Platzverweis im Spiel gegen Crystal Palace trat Eric Cantona, auf dem Weg Richtung Kabine, einem Fan in Kung-Fu-Manier gegen die Brust und versetzte ihm einige Faustschläge. Cantona wurde zu mehreren Strafen und einer Sperre über 8 Monate von der Football Association verurteilt und ohne den Mittelstürmer konnte Manchester United in dieser Saison weder Liga noch Pokal für sich entscheiden. In der folgenden Saison, als Cantona wieder spielberechtigt war, konnten die Red Devils erneut das Double, also Cup und Meisterschaft, gewinnen. Und auch in der Spielzeit 1996/97 verteidigte United den Titel in der Premier League, allerdings erklärte Eric Cantona am Ende der Saison völlig überraschend seinen Rücktritt vom Profifußball. Insgesamt erzielte der Franzose 80 Tore für United in weniger als 5 Jahren. Im Jahr 2003 wurde Eric Cantona außerdem der Overseas Player of the Decade Award als bester ausländischer Spieler des Jahrzehntes verliehen.

Nationalteam

Natürlich spielte Cantona auch für die Equipe Tricolore, wobei er im August 1987 gegen Westdeutschland debütierte. Nachdem er den damaligen Nationaltrainer, Henri Michel, als „Haufen Scheiße“ im öffentlichen Fernsehen beschimpfte, wurde Cantona für alle internationalen Spiele gesperrt. Als kurze Zeit später Michel Platini das Amt des Nationaltrainers antrat, erhielt Cantona eine neue Chance und von seinem Förderer Platini quasi einen Freibrief, solange er auf hohem Niveau Fußball spielte. Nach einigen Trainerwechseln und dem Scheitern der Nationalmannschaft in verschiedensten Qualifikationsturnieren war Eric Cantona im Vorfeld der Europameisterschaft 1996 als Kapitän der Mannschaft eingesetzt worden. Nach seinem Kung-Fu-Tritt wurde Cantona allerdings auch für alle internationalen Spiele gesperrt und wurde danach nicht mehr in die Nationalmannschaft einberufen. Obwohl Cantona in dieser Zeit seine besten Spiele in der Premier League zeigte, wurde er nicht ins Team zurückgeholt. Anfängliche Proteste gegen diese Entscheidung sowie Kritiker, welche Cantona als Spielmacher im Nationalteam sehen wollten, verstummten erst, als Frankreich 1998, also ein Jahr nach Karriereende Cantonas, die Weltmeisterschaft im eigenen Land gewann.

Stärken und Schwächen?

Eric Cantona war wohl einer der komplettesten Stürmer Frankreichs. Technisch ausgezeichnet, zweikampfstark, eiskalt vor dem Tor. Cantona hatte alle Eigenschaften eines Topstürmers und zu allem Überfluss auch noch jene eines Spielmachers auf Weltklasse-Niveau. Immer wieder bewies er seine Übersicht, beherrschte es im richtigen Moment abzuspielen und nicht nur eigensinnig in Richtung Torerfolg zu blicken. Cantona nutzte jede Unkonzentriertheit seines Gegners gnadenlos aus und hatte das Talent, den Ball meist dorthin spielen zu können wo er ihn haben wollte. Er erzielte in seiner gesamten Karriere 131 Tore in 369 Spielen und war mit Sicherheit einer der besten Stürmer die Manchester United je hatte. Seine Führungsqualitäten waren unglaublich wichtig für Manchester United, wobei der Klub den Abgang Cantonas nie richtig verkraften konnte. Trotz seiner Stärken war der Franzose auch ein Schwachpunkt im Spiel von United: Sobald Cantona provoziert wurde oder vom Platz flog, was keine Seltenheit war, kam das Spiel der Red Devils nicht mehr auf Touren. Das damalige System unter Sir Alex Ferguson war vollkommen auf seinen französischen Star ausgerichtet, ohne ihn trat United auf wie eine Schlange ohne Kopf. Ohne den Aussetzer Cantonas hätte United die Meisterschaft 1994/95 mit großer Wahrscheinlichkeit eingefahren, am Ende fehlte allerdings ein Punkt auf die Blackburn Rovers. Ein Punkt, den Eric Cantona wohl möglich gemacht hätte.

Fazit

Cantona war ein unglaublicher Fußballer, ein Genie auf dem Platz, welches allerdings schnell zum Monster werden konnte. Durch seine atemberaubende Technik und seine großartigen Fähigkeiten war er der Hauptfaktor für den Erfolg Manchester Uniteds. Aufgrund seiner Ausraster und Verfehlungen hatte Cantona allerdings immer wieder Probleme, sowohl mit Managern als auch mit Mitspielern und Trainern. Die Fans liebten Cantona und werden ihn immer lieben. Und er selbst bereut natürlich keine seiner Taten, stattdessen sieht er den legendären Kung-Fu-Tritt als Höhepunkt seiner Karriere.  Eric the King, ein unnachahmlicher Star, der leider schon im Alter von 30 Jahren seine Laufbahn beendete.

Michael Prügl, abseits.at

Michael Prügl

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