Die Wiener Austria trifft in der letzten Qualifikationsrunde vor der Gruppenphase auf den rumänischen Verein Gaz Metan Medias. Eine Unbekannte, aber doch ein Klub,... Erstmals im Europacup und schon in den Schlagzeilen: Gaz Metan Medias möchte nach Mainz auch der Austria ein Bein stellen

Die Wiener Austria trifft in der letzten Qualifikationsrunde vor der Gruppenphase auf den rumänischen Verein Gaz Metan Medias. Eine Unbekannte, aber doch ein Klub, der immerhin den FSV Mainz 05 ausschalten konnte. Im ersten Teil unseres Medias-Spezials lest ihr alles über den Klub, seine Geschichte, sein Standing im In- und Ausland, sowie hilfreiche Tipps für Fans, die den FK Austria Wien nach Rumänien begleiten wollen. Eine ausführliche Teaminfo folgt!

DATEN UND FAKTEN

Name: Gaz Metan Medias
Nation: Rumänien
Gegründet: 1945 als Karres Medias
Vereinsfarben: Weiß-Schwarz
Stadion: Stadionul Gaz Metan (ehemals „Medwisch“)
Kapazität: 8.500
Präsident: Ioan Horoba
Trainer: Cristian Pustai

Erfolge:
•	Rumänisches Cupfinale 1951 (1:3-Niederlage gegen CCA Bukarest, heute Steaua)
•	3 x Aufstieg in die erste rumänische Spielklasse
•	Qualifikation für die Europa League Playoffs 2011/12

STANDING IN RUMÄNIEN

Seit 1958 heißt der Klub nun Gaz Metan Medias, benannt nach der Erdgasförderung in der zentralrumänischen Stadt (Siebenbürgen) Medias (deutsch „Mediasch“). Im rumänischen Fußball ist Gaz Metan ein kleiner Fisch, der Zeit seines Bestehens immer zwischen den Ligen 2 und 4 pendelte, sich immer nur sehr kurze Zeit in der höchsten Spielklasse halten konnte. Der letzte Aufstieg des Teams gelang im Jahr 2008, seitdem ist die Elf von Trainer Cristian Pustai Gast in der „Liga 1“.

In der Saison 2008/09 wurde das Team 15. (von 18 Teams), blieb aber dank erfolgreicher Relegation in der höchsten Spielklasse. Gaz Metan Medias entwickelte sich zu einer heimstarker Truppe (9-4-4), holte in seiner ersten Saison nach dem Wiederaufstieg auswärts aber nur fünf Punkte (1-2-14). 2009/10 dann ein völlig anderes Bild: Das Team konnte nur fünf seiner 17 Heimspiele gewinnen, präsentierte sich aber plötzlich auswärts stark und beendete die Saison auf Platz 10, lockere acht Punkte vor den Abstiegsrängen. In der vergangenen Saison 2010/11 wurde das Team starker Siebenter, verlor nur zwei Heimspiele und glänzte vor allem durch eine kompakte Abwehr, die in 34 Ligaspielen nur 32 Tore zuließ. Rumänien ist in der UEFA-Fünfjahreswertung besser platziert als Österreich, war in der Vorsaison Achter und stellt daher 2011/12 nicht nur einen Fixstarter in der Champions League (Meister Otelul Galati), sondern insgesamt sieben Europacupstarter. Zwar fiel das Team in der aktuellen Wertung auf den 14.Platz zurück (Österreich ist derzeit 19.), doch die starke Wertung des Vorjahres ermöglichte es Gaz Metan Medias erstmals am Europacup teilzunehmen (allerdings auch weil Cupsieger Steaua Bukarest in der Endtabelle 2010/11 vor dem Team aus Medias platziert war).

In der gerade gestarteten Saison 2011/12 bezog Gaz Metan zunächst Prügel: Nach einer 1:2-Austaktniederlage beim FC Brasov, gab es in der zweiten Runde eine 0:5-Heimschlappe gegen Dinamo Bukarest, das heuer trotz einiger notwendiger Einsparungen als Titelkandidat gesehen werden kann. Erst in der dritten Runde gab es den ersten Sieg: 2:0 auswärts beim ehemaligen Champions-League-Starter CFR Cluj.

STANDING IN EUROPA

Eine europäische Reputation ist bei Gaz Metan Medias de facto nicht vorhanden. Genau wie Red Bull Salzburgs letzter Gegner, der FK Senica, nimmt Gaz Metan erstmals an einem internationalen Bewerb teil. In der zweiten Qualifikationsrunde bezwang das Team den finnischen Vertreter Kuopio knapp: Nach einer 0:1-Auswärtsniederlage, gewann man zu Hause gegen den aktuell Zehnten der finnischen Veikkausliiga mit 2:0.

Darauf folgte jedoch eine große Sensation: In beiden Spielen gegen den FSV Mainz 05 holte das Team ein 1:1-Unentschieden und warf den ursprünglich ambitionierten deutschen Vertreter in Medias im Elfmeterschießen aus dem Turnier. Held der Begegnungen war dabei der jordanische Angreifer Thaer Bawab, der beide Treffer gegen Mainz erzielte. Gaz Metan Medias ist also schon weiter gekommen, als man es sich anfangs erträumt hat. Das Aufeinandertreffen mit der Austria ist eigentlich nur noch eine Draufgabe zum bisher Erreichten, dennoch eine große Chance für die Rumänen.

INFOS FÜR AUSWÄRTSFAHRER

Eine Reise nach Transsylvanien bzw. ins Karpatenvorland ist vor allem für Naturfreunde eine großartige Sache, für die es sich je nach Möglichkeit schon mal lohnt, zwei oder drei Tage dranzuhängen. Die Stadt Medias (53.000 Einwohner) gibt nicht sonderlich viel her, dafür sind die beiden größeren Städte Targu Mures (145.000 Einwohner, 70km) und Cluj-Napoca, wo das Spiel statt findet, (300.000 Einwohner, 130km) nicht weit entfernt. Für Kulturinteressierte sind im gesamten Umfeld von Medias oder Cluj, dem Kokeltal, die zahlreichen, geschichtsträchtigen Kirchenburgen zu empfehlen.

Für die Esser und Trinker unter euch: Stoßt idealerweise mit keinem Rumänen mit dem Wort „Prost“ an, das bedeutet im Rumänischen nämlich „blöd“. Versucht es mit „noroc“, übersetzt „Glück“. Ansonsten gilt das, was auch für jede andere Auswärtsfahrt gilt: Habt keine Angst vor Neuem, probiert die rumänische Küche, ein tolles Hauptgericht gibt’s hier schon mal ohne Probleme um drei Euro. Das Bier kostet zwischen 40 Cent und einem Euro.

Für die verrückten Reiser unter euch: Je schlimmer die Kneipe aussieht, desto besser – meistens zumindest. Gerade in den ländlicheren Gegenden, zu denen Medias mit Sicherheit gehört, werden in den traditionellen rumänischen Lokalen immer wieder Feste gefeiert, bei denen man auch als Ausländer gerne mitfeiern kann. In einem sehr traditionalistischen Land wie Rumänien ist es aber natürlich auch sehr wichtig sich den Gepflogenheiten anzupassen und sich den etwas rustikalen Einheimischen gegenüber zu benehmen. Die Rumänen sind die freundlichsten Leute überhaupt, wenn man auch zu ihnen freundlich ist. Übrigens ist in Rumänien auch relativ stressfreies Trampen möglich. Mal ein paar Euro für den Fahrer ausgepackt und er nimmt euch überallhin mit, wo ihr hinmüsst. Generell ist ein spontaner „Rucksack-Europacup-Urlaub“ sehr anzuraten, speziell im Sommer!

TRANSFERPOLITIK

Gaz Metan Medias ist ein sehr finanzschwacher Klub, der sich hauptsächlich durch die Verpflichtung junger, ablösefreier Spieler über Wasser hält. Nur in der Transferzeit nach dem Aufstieg, also im Sommer 2008 investierte der Klub etwa 1,5 Millionen Euro in neue Spieler, wo ihnen der Verkauf von Mittelfeldspieler Alexandru Curtean um 1,2 Millionen zum FC Timisoara sehr entgegenkam. In den drei darauffolgenden Jahren investierte das Team insgesamt nur knapp 500.000 Euro in Ablösesummen für neue Spieler, verkaufte mit Stürmer Cristian Bud nur einen Spieler relativ teuer (um 800.000 Euro an CFR Cluj). Vor der neuen Saison holte Gaz Metan zwei Spieler ablösefrei, gab mit dem Slowaken Michal Kubala nur einen Kicker ablösefrei ab. Das Team kennt sich also, ist perfekt eingespielt.

Die Detailinformationen zum Kader und der Taktik von Gaz Metan Medias sind ebenfalls schon online!

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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